Die Universität Wien (, kurz auch Rudolphina) ist mit rund 85.000 Studierenden und rund 11.000 Mitarbeitenden die größte Universität in Österreich sowie im deutschsprachigen Raum und eine der größten in Europa. 1365 in Wien gegründet, ist sie die älteste Universität im heutigen deutschen Sprachraum und die drittälteste in Mitteleuropa nach der früher deutschsprachigen Karls-Universität in Prag und der Jagiellonen-Universität in Krakau. Mit Stand von 2024/2025 umfasste das Angebot 185 Studien. Die Universität Wien ist mit 17 Nobelpreisträgern verbunden und war die Heimat vieler Wissenschafter und Wissenschafterinnen von historischer und akademischer Bedeutung. Sie gilt als führende Universität in Österreich und genießt international hohes Ansehen.
Geschichte mini|Herzog Rudolf der Stifter
Spätmittelalter thumb|Darstellung der alten Universität aus der Mitte des 15. Jahrhunderts (heute Gebäude der Österreichischen Akademie der Wissenschaften).
Die Gründungsurkunde, heute im Archiv verwahrt, wurde am 12. März 1365 von Herzog Rudolf IV. und seinen Brüdern Albrecht III. und Leopold III. unterzeichnet. Daher rührt auch der Name der Universität Alma Mater Rudolphina. Die Gründungsurkunde enthält in programmatischer Weise das Leitbild der Universität, dass
Die Universität Wien ist somit nach der Karls-Universität Prag die zweitälteste Universität im damaligen Heiligen Römischen Reich nördlich der Alpen und die älteste bestehende Universität im deutschen Sprachraum. Bis zur Aufnahme des geregelten Lehr- und Lernbetriebs sollten jedoch noch fast 20 Jahre vergehen; 1383 nutzte Herzog Albrecht III. einen Streit an der Sorbonne, um zahlreiche Professoren von Paris nach Wien zu berufen, und nachdem auch der 1365 noch ausgesprochene päpstliche Vorbehalt, eine theologische Fakultät einzurichten, gefallen war, erließ Albrecht III. 1384 einen zweiten Stiftsbrief, mit dem die kontinuierliche Entwicklung begann.
Renaissance-Humanismus Bis zum Ausgang des Mittelalters wuchs die Universität stetig an und hatte in der Zeit des Humanismus (um 1500) über 6000 Studenten, womit sie die größte Universität des Reiches geworden war. In den 1520er Jahren führten Pestepidemien, die Bedrohung durch das türkische Heer und die Reformation zu einem starken Schwund bei den Studentenzahlen; im 16. Jahrhundert hatte die Universität zeitweilig nur mehr 30 Studenten. Am 13. Oktober 1623 wurde durch die Pragmatische Sanktion von Kaiser Ferdinand II. die Universität mit dem 1551 gegründeten Jesuitenkollegium vereinigt und die gesamte theologische und philosophische Fakultät den Jesuiten (der Gesellschaft Jesu) überantwortet. Nach dieser Reform nahm die Universität wieder einen gewissen Aufschwung. Die Übernahme durch die Jesuiten hatte auch enorme bauliche Konsequenzen für die Universität. Das neue Universitätsviertel am heutigen Dr.-Ignaz-Seipel-Platz gibt davon ein eindrucksvolles Zeugnis. Neben neuen universitären Gebäuden wurde auch die Jesuitenkirche errichtet und im Mai 1631 von Kardinal Dietrichstein eingeweiht.
Zeit der Aufklärung Tiefgreifende Reformen erfolgten unter Maria Theresia und Joseph II. ab 1749, mit denen der Einfluss der Jesuiten zurückgedrängt und schließlich ganz beseitigt und die Universität in eine Staatsanstalt umgewandelt wurde, womit ein fast gänzlicher Verlust der Universitätsautonomie verbunden war. Auf Forschung wurde wenig Wert gelegt, die Lehre straff organisiert.
1848 bis 1938 Die Revolution 1848 richtete sich nicht zuletzt gegen die Einschränkungen der Lehr- und Lernfreiheit, die 1849 die Prinzipien der Universitätsreform des Unterrichtsministers Leo Thun-Hohenstein wurden. In diesem Zusammenhang wurde auch die Philosophische Fakultät aufgewertet und den drei „höheren“ Fakultäten (Theologie, Jus, Medizin) gleichgestellt.
1850 wurde die Evangelisch-Theologische Fakultät gegründet, aber erst 1922 der Universität inkorporiert.
Im Jahr 1897 wurden Frauen erstmals als ordentliche Hörer zugelassen, wenn auch zunächst nur an der philosophischen Fakultät. Die restlichen Fakultäten folgten teils mit erheblichem Abstand: 1900 die medizinische, 1919 die juristische, 1923 die evangelisch-theologische. Im Jahr 1945 ließ schließlich auch die katholisch-theologische Fakultät Frauen als ordentliche Hörer zu. Acht Jahre nach Beginn des Frauenstudiums an der Universität Wien gelang es der Romanistin Elise Richter 1905 als erster Frau, sich zu habilitieren; sie wurde 1921 auch die erste außerordentliche Professorin. Die erste Ordinaria wurde an der Universität Wien erst 1956 ernannt: die Physikerin Berta Karlik.
Schon lange vor dem „Anschluss“ von 1938 waren demokratiefeindliche und antisemitische Studenten, von einigen Professoren wohlwollend toleriert, an der Universität aktiv. Das Institut zur Pflege deutschen Wissens wurde 1924 gegründet, 1928 fanden Hochschulkrawalle statt, 1932 waren ebenfalls Studentenkrawalle zu verzeichnen, die mit Demonstrationen vor dem Haupteingang der Universität verbunden waren.Bundespolizeidirektion Wien (Hrsg.): 80 Jahre Wiener Sicherheitswache, Verlag für Jugend und Volk, Wien 1949, S. 57, Bild S. 63.
Im Juni 1936 wurde der Physiker und Philosoph Moritz Schlick, Begründer des Wiener Kreises, auf der Philosophenstiege im Hauptgebäude der Universität von einem seiner ehemaligen Studenten erschossen; der Mörder wurde zwei Jahre später vom NS-Regime aus der Haft entlassen. Der weit verbreitete Antisemitismus manifestierte sich auch in verhinderten Habilitationen und Berufungen, etwa durch die Vereinigung Bärenhöhle.
Zeit des Nationalsozialismus Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde die Universität 1938 unter Rektor Fritz Knoll nach nationalsozialistischen Gesichtspunkten „gleichgeschaltet“ und eine große Anzahl an Lehrenden und Studierenden aus rassistischen und politischen Gründen vertrieben, mit einem Drittel des Lehrpersonals die größte solche Maßnahme weltweit.Klaus Taschwer: Der tiefe Fall einer weltberühmten Fakultät. In: derstandard.at. 9. März 2018, abgerufen am 19. Mai 2020. 1943 folgte ihm der Anatom Eduard Pernkopf als Rektor nach. Lehre und Forschung wurden nach „völkischen“ Aspekten ausgerichtet und für den „Endsieg“ instrumentalisiert. Eine Reihe neuer Lehrstühle und Institute wurden geschaffen, etwa das 1943 gegründete „Institut für germanisch-deutsche Volkskunde“ oder das 1940 gegründete „Institut für Lebenswirtschaftskunde“, wo junge Frauen im Sinne des NS-Ideals der deutschen Frau und Mutter in den Bereichen Haushalt und Familie unterrichtet wurden. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs erhielten besonders jene Forschungsbereiche trotz der schwierigen ökonomischen Lage finanzielle Mittel, die für die Kriegsführung wichtig waren. Vereinzelt waren Studierende aber auch im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv, einige fielen dem nationalsozialistischen Verfolgungs- und Terrorapparat zum Opfer.
Nachkriegszeit mini|Besetzung des Audimax
Im April 1945 erwirkte der damals erst 22-jährige Kurt Schubert, später Ordinarius für Judaistik an der Wiener Universität, von der sowjetischen Besatzungsmacht die Erlaubnis, den Universitätsbetrieb wieder aufzunehmen, weshalb er als inoffizieller erster „Rektor“ der Universität nach dem Krieg gilt. Bereits am 25. April 1945 wurde jedoch der Verfassungsrechtler Ludwig Adamovich senior zum ordentlichen Rektor der Universität Wien gewählt.
Die mit der Universitätsreform 1975 verwirklichte Mitbestimmung von Studenten und universitärem Mittelbau wurde mit der Universitätsreform 1993 (in Wien in Kraft seit dem Jahr 2000) und der Universitätsreform 2002 (in Kraft seit 2004) großteils wieder rückgängig gemacht. Durch die zuletzt genannten Reformen erhielt die Universität nach über 250 Jahren als staatliche oder halbstaatliche Anstalt ihre Rechtsfähigkeit zurück, die Zahl der Fakultäten und Zentren wurde auf 18 erhöht (siehe unten), die medizinische Fakultät als Medizinische Universität Wien ausgegliedert. Mit der Universitätsreform 1975 wurde die Universität in acht Fakultäten neu gegliedert: Katholische Theologie, Evangelische Theologie, Rechtswissenschaften, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Grund- und Integrativwissenschaften, Geisteswissenschaften sowie Formal- und Naturwissenschaften.
Am 22. Oktober 2009 wurde nach einer Solidaritätskundgebung für die Besetzer der Akademie der bildenden Künste das Audimax, der größte (1936 eröffnete) Hörsaal Österreichs, besetzt (vgl. Studentenproteste in Österreich 2009). Die Proteste richteten sich (unter anderem) gegen die Umsetzung des Bologna-Prozesses in Österreich, gegen die Wiedereinführung von Studiengebühren, gegen Zugangsbeschränkungen und gegen prekäre Arbeitsverhältnisse an den Universitäten. Gefordert wurden die Erhöhung des Hochschulbudgets auf 2 % des BIPs zum Ausbau der personellen und räumlichen Kapazitäten sowie zur besseren Ausstattung der Universitäten und eine von privatwirtschaftlichen Interessen unabhängige Bildung und Lehrplangestaltung.
Im Jahr 2015 widmeten die Wiener Philharmoniker einen Teil des Programmes ihres Neujahrskonzertes der Universität Wien anlässlich des 650-Jahr-Jubiläums am 12. März 2015.
Im Hinblick auf die Umsetzung der PädagogInnenbildung Neu wurden in Österreich regionale Entwicklungsverbünde gebildet. Die Universität Wien gehört dabei mit anderen Hochschulen Wiens und Niederösterreichs zum Verbund Nord-Ost. Die neue Lehramts-Ausbildung für die Sekundarstufe begann 2016.
Im Jahr 2020 eröffnete die Universität Wien einen neuen Standort in der Kolingasse, um ihre Infrastruktur zu erweitern. Im Oktober 2021 wurde das neue Biologiezentrum der Universität Wien (University Vienna Biology Building) eröffnet. Im April 2022 wurde Sebastian Schütze zum Rektor der Universität Wien gewählt und trat sein Amt an. Ab Oktober 2022 trat ein neues Rektorat an der Universität Wien sein Amt an. Im Oktober 2022 gratulierte die Universität Wien dem Nobelpreisträger Anton Zeilinger für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen. Im Mai 2025 eröffnete die Universität Wien ein neues Bücherdepot, wodurch 2,7 Millionen Bände aus dem Hauptgebäude der Universitätsbibliothek ausgelagert wurden. Im Oktober 2025 erreichte die Universität Wien erstmals eine Platzierung unter den Top 100 der weltweiten Universitätsrankings.
Organisation Leitung Die wesentlichen Organe der Universität sind das Rektorat, der Universitätsrat, der Senat und das Scientific Advisory Board (SAB). Es gibt 15 Fakultäten und fünf Zentren sowie eine Vielzahl weiterer Einrichtungen, die die administrativen und wissenschaftlichen Aufgaben der Universität unterstützen.Universität Wien: Universität Wien im Überblick Universität Wien, 3. Januar 2024 (PDF; 96,3 kB).
Rektorat: ist für die strategische Ausrichtung der Universität verantwortlich und besteht aus dem Rektor und den vier Vizerektoren und Vizerektorinnen. Universitätsrat: ist neben dem Rektorat und dem Senat eines der obersten Leitungsorgane und besteht aus neun Mitgliedern, die für eine Funktionsperiode von fünf Jahren bestellt werden. Senat: ist ein weiteres zentrales Leitungsorgan der Universität Wien und besteht aus 18 Mitgliedern. Scientific Advisory Board (SAB): unterstützt die Universität in Bezug auf internationale wissenschaftliche Entwicklungen und langfristige strategische Entscheidungen.
Standorte Standorte im Stubenviertel