Das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (Difäm) ist eine Organisation für weltweite christliche Gesundheitsarbeit mit Sitz in Tübingen, im Merrit-und-Peter-Renz-Haus, Im Rotbad 46. Das Difäm ist als eingetragener Verein organisiert. Die Organisation begleitet und unterstützt seine Partnerorganisationen bei der Verbesserung der Gesundheitssituation vor Ort, besonders für benachteiligte Menschen vernachlässigten Regionen, und fördert eine nach eigenen Angaben gerechte, nachhaltige und hochwertige Gesundheitsversorgung.

Der Verein stärkt kirchliche Gesundheitsdienste durch den Aufbau und die Ausstattung von Gesundheitseinrichtungen mit lebenswichtigen Medikamenten und medizinischen Geräten, die Verbesserung der Medikamentenversorgung und die Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal im Gesundheitsbereich. Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten sowie nicht übertragbarer, chronischer und vernachlässigter Krankheiten sowie die Förderung der Gesundheit von Mutter und Kind sind Schwerpunkte der Arbeit. Beim Aufbau einer Basisgesundheitsversorgung steht die aktive Beteiligung der lokalen Bevölkerung im Fokus.

Das Difäm berät und begleitet Projektpartner in Deutschland und in Ländern des globalen Südens bei strategischen Planungen und bei der Konzeption, Durchführung und Evaluation von Gesundheitsprojekten.

Der Verein ist Träger der Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus gGmbH sowie des Hospiz Tübingen, auf swr.de, abgerufen am 30. Januar 2022.. Der Verein engagiert sich im Aktionsbündnis gegen AIDS und ist Mitglied im Diakonischen Werk Württemberg sowie bei VENRO.

Die Arbeit des Difäm wird von zwei unselbstständigen Stiftungen kirchlichen Rechts unter der treuhänderischen Verwaltung der Stiftung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg unterstützt: Die Difäm-Stiftung für Gesundheit weltweit und die Juliane-von-Koch-Stiftung.

Arbeitsschwerpunkte und Ziele Verbesserung der Gesundheit weltweit mini|Weltweite Gesundheitsarbeit mit kirchlichen Partnern Die Difäm-Gesundheitsreferenten beraten, begleiten und unterstützen Projektpartnerorganisationen im In- und Ausland bei der Planung und Durchführung von Gesundheitsprojekten in wirtschaftlich armen Ländern und Regionen. Zu den Partnern gehören kirchliche Werke, Vereine und Partnerorganisationen der Entwicklungszusammenarbeit, wie Brot für die Welt – Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung und action medeor, Missionswerke sowie die Partner in den jeweiligen Ländern, unter anderem Dachverbände christlicher Gesundheitsarbeit und kirchliche Gesundheitsdienste. In der Demokratischen Republik Kongo unterstützt das Difäm auch den Träger des Friedensnobelpreises Denis Mukwege mit Projekthilfen, Beratung und Weiterbildungen von Medizinstudenten und Fachärzten. Dabei unterstützt der Verein seine Partner sowohl in der medizinischen Arbeit in Gesundheitseinrichtungen als auch in der gemeindegetragenen Gesundheitsarbeit.

Das Ziel des Difäm ist eine Welt, in der alle Menschen Zugang zu bestmöglicher Gesundheitsversorgung haben.

mini|Labortraining in Kenia Dabei liegen die Schwerpunkte der Arbeit auf Verbesserung der Basisgesundheitsversorgung Stärkung und dem Aufbau lokaler Gesundheitssysteme Aufbau und Ausstattung von Gesundheitseinrichtungen Verbesserung der Medikamentenversorgung Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal im Gesundheitsbereich Bekämpfung von Infektionskrankheiten sowie nicht-übertragbarer, chronischer und vernachlässigter Krankheiten Förderung der Gesundheit von Mutter und Kind. Dabei ist die aktive Beteiligung der Gemeinden wesentlicher Kern der Arbeit. Schwerpunktländer sind die Demokratische Republik Kongo, Liberia, Guinea und Sierra Leone, Malawi, der Tschad, Kenia und Indien.

In tropenmedizinischen Seminaren bildet das Difäm medizinische Fachkräfte von Missionswerken, German Doctors oder Ärzte ohne Grenzen in Tropenmedizin und Public Health aus und bereitet sie auf ihren Auslandseinsatz vor.

Seit dem Jahr 2015 engagiert sich der Verein in der Flüchtlingsarbeit und unterstützt die medizinische Versorgung in den Landeserstaufnahmestellen und Notunterkünften im baden-württembergischen Raum.

Fachstelle für Pharmazeutische Entwicklungszusammenarbeit mini|Qualitätskontrolle von Medikamenten Die Difäm-Fachstelle für pharmazeutische Projektarbeit (ehemals bekannt als Arzneimittelhilfe oder die Weltapotheke) setzt sich für eine umfassende Arzneimittelversorgung und die Stärkung pharmazeutischer Strukturen und Qualitätskontrollen vor Ort ein.

Für die Versorgung mit Medikamenten sind Kenntnisse darüber notwendig, wie Arzneimittel richtig dosiert, fachgerecht gelagert und auf Qualität hin überprüft werden. Daher unterstützt die Fachstelle die Aus- und Fortbildung einheimischer Fachkräfte für die Arbeit in Apotheken und Krankenhäusern. Zudem berät sie sowohl lokale Projektpartner als auch Werke der Entwicklungszusammenarbeit beim Aufbau pharmazeutischer Versorgungsstrukturen.

Um eine sichere und nachhaltige Versorgung mit Medikamenten zu ermöglichen, fördert die Arzneimittelhilfe außerdem den Aufbau kirchlicher Zentralapotheken in afrikanischen Ländern. Um Lieferengpässe zu überbrücken, unterstützt die AMH als Zentrale Beschaffungsstelle gemäß des deutschen Arzneimittelgesetzes die Bereitstellung von Medikamenten und medizinischen Gütern. In bestimmten Fällen unterstützt sie auch die lokale Herstellung von Arzneimitteln.

In vielen afrikanischen Ländern sind Arzneimittel von minderer Qualität im Umlauf. Und es befinden sich gefälschte Medikamente im Handel, in denen keinerlei Wirkstoffe enthalten sind. Sie können nur durch Laborprüfungen von geschulten Fachkräften identifiziert werden. Dazu werden die Partner vor Ort bei der Qualitätssicherung ihrer Medikamente durch mobile Kompaktlabore, so genannte Minilabs, und Analysen in zertifizierten Laboren unterstützt, wie bei MEDS (Mission for Essential Drugs and Supplies) in Kenia. Hierfür stattet die AMH ihre Partner mit den Minilabs aus und schult sie in deren Handhabung.

Zudem stellt die Difäm-Fachstelle Haus- und Reiseapotheken für ausreisende Fachkräfte der Entwicklungszusammenarbeit bereit.

Vorbereitung von Ausreisenden Das Difäm bereitet medizinisches Personal und Fachkräfte der Entwicklungszusammenarbeit in Seminaren auf Einsätze im Ausland vor. Die Seminare vermitteln Wissen über Basisgesundheitsversorgung, Tropenmedizin, Labordiagnostik, HIV und AIDS sowie über Planung, Monitoring und Evaluation von Projekten nach internationalen Standards. Auch Kenntnisse darüber, wie die eigene Gesundheit oder die der Familie während eines Auslandsaufenthalts erhalten werden kann, werden an Ausreisende in den Kursen weitergegeben.

Theologische Grundsatzarbeit Der Ökumenische Rat der Kirchen betont: Die „christliche Kirche [hat] eine besondere Aufgabe auf dem Gebiet des Heilens. Das christliche Handeln ist primär der Gemeinde als ganzer aufgetragen.“100 Jahre Difäm, S. 32. Gemeinsam mit kirchlichen Partnern werden theologische Themen der Gesundheitsarbeit – lokal und weltweit – formuliert, reflektiert und vermittelt. Dabei beziehen sich Gesundheit und Gesundheitsarbeit auf das Individuum und die Gemeinschaft.

So hat der Verein in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Praktische Theologie der Universität Tübingen das Projekt 'Kirchengemeinden und Depression' initiiert. Dieses zeigt beispielhaft auf, dass Kirchengemeinden auch in Deutschland Aufgaben und Möglichkeiten im Gesundheitsbereich haben.

Information und Aufklärung Zentraler Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit ist die Aufklärung der Bevölkerung über die Situation und Missstände in den Projektländern und deren Hintergründe, über die Ursachen von Armut, Hunger, Krankheit und Gewalt sowie die Einwerbung von Spenden. Mit der Kampagne „Die Handy-Aktion“ will der Verein mit den Landeskirchen und zivilgesellschaftlichen Organisationen aus Baden-Württemberg auf die Abbaubedingungen von Rohstoffen und die Missstände in der Demokratischen Republik Kongo aufmerksam machen und auf die globalen Zusammenhänge am Beispiel der Handy-Herstellung hinweisen.

Privatleute, Gruppen und Kirchengemeinden sowie StuDifäm, eine aktive Hochschulgruppe an der Universität Tübingen, unterstützen das Difäm.

Geschichte Gründung mini|Einweihung des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission am 20. Oktober 1909. Ankunft des Königspaares. mini|Das für das Deutsche Institut für Ärztliche Mission erbautes Gebäude in der Nauklerstraße, 1909 mini|Tropenkurse für Fachpersonal bei Difäm, um 1916 mini|Tropengenesungsheim (auf der Höhe), DIfÄM-Gebäude in der Nauklerstraße (rechts) und Schwesternheim in der Mohlstraße (links), um 1930

Vorläuferorganisation war der Verein für Ärztliche Mission, den der Unternehmer Paul Lechler im Jahr 1898 in Stuttgart als Hilfsverein für die Basler Mission gründete.WKGO. Auslöser waren die Schilderungen des Missionsarztes der Basler Mission, Georg-Eugen Liebendörfer, der vom Elend und der Krankheitsnot in Indien sowie den Möglichkeiten, die Ärzte in der Mission hätten, erzählte. Als überzeugter Christ engagierte sich Paul Lechler in verschiedenen sozialen Bereichen, entsprechend seinem Motto: „Unser Christentum darf nicht bloß Weltanschauung sein, sondern es muss sich durch die Tat bewähren“. So wurde durch Lechlers Engagement im Jahr 1906 nach englischem Vorbild das Deutsche Institut für Ärztliche Mission mit dem Ziel ins Leben gerufen, ausreisende Ärzte und Pflegekräfte sowie Theologen der Missionsgesellschaften auf ihren Auslandsaufenthalt vorzubereiten und in Tropenmedizin auszubilden bzw. ihnen medizinisches Basiswissen zu vermitteln., siehe dort den Abschnitt Geschichte des Difäm. Im Aufruf zur Gründung des Instituts (1906) wird die Arbeit als „Predigt der Tat“ resp. als „praktische Erweisung der christlichen Liebe“ verstanden.Werner Raupp, 1990 (w.o., Quellen), S. 315.

mini|links|Moulage des Difäm, Echte Pocken (Variola vera bzw. Variola major), beginnende Eintrocknung der Pusteln, Moulagensammlung des Museums der Universität Tübingen MUT Am 20. Oktober 1909 wurde das Institutsgebäude des Difäm in der Nauklerstraße in Tübingen in Anwesenheit des Königs Wilhelm II von Württemberg eingeweiht. Ein Jahr später bezogen die ersten Medizinstudenten das Institut, um sich zu Missionsärzten ausbilden zu lassen. Im gleichen Jahr wurden in Kooperation mit der Eberhard Karls Universität Tübingen Hebammen geschult. Im Jahr 1916 wurde ein Tropengenesungsheim, die heutige Tropenklinik Paul-Lechler Krankenhaus eingeweiht. Heimkehrende Missionare, Missionsärzte und deren Familien sollten sich hier erholen und behandeln lassen können.

Im Jahr 1921 war das Institut Vorbild für die Gründung des Missionsärztlichen Instituts in Würzburg.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg (Druck: Bonitas-Bauer), Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 20–21.