Eusebia (* in Thessalonike; † wohl 360), mit vollständigem Namen Flavia Eusebia, war als zweite Frau Constantius’ II. (Kaiser 337–361) seit 353 Kaiserin des Römischen Reiches. Eusebia übte großen Einfluss auf ihren Mann aus und wirkte aktiv auf machtpolitische Entscheidungen am Hof ein. So unterstützte sie den späteren Kaiser Julian, dem sie zu seiner Ernennung zum Unterkaiser (Caesar) des Constantius verhalf. Hauptquellen für das Wissen über ihr Leben sind die Lobrede, die Julian ihr aus Dank für ihre Hilfe widmete, sowie mehrere Bemerkungen des Historikers Ammianus Marcellinus. Die Bewertungen in den Quellen weisen jedoch meist positive oder negative Topoi auf, so dass auch die Beurteilung in der modernen Forschung nicht widerspruchsfrei ausfällt.

Geschichtlicher Hintergrund

Zu Beginn des 4. Jahrhunderts hatte sich Kaiser Konstantin der Große, Eusebias Schwiegervater, in langen Bürgerkriegen gegen seine Konkurrenten durchgesetzt und beherrschte schließlich ab dem Jahre 324 das gesamte Römische Reich. Als Kaiser leitete er unter anderem mit der Gründung Konstantinopels und der konstantinischen Wende einen tiefgreifenden Wandel ein. Als Folge wurden die Religionen Roms allmählich durch das monotheistische Christentum ersetzt.

Religionspolitisch wurde das 4. Jahrhundert vom arianischen Streit dominiert, dem innerchristlichen, trinitätstheologischen Konflikt zwischen verschiedenen Proponenten des Arianismus und den Vertretern der Wesensgleichheit zwischen „Vater“, „Sohn“ und „heiligem Geist“ (Bekenntnis von Nicaea). Die arianischen Bischöfe, die insbesondere im Osten des Reiches Rückhalt hatten, vertraten verschiedene Varianten der „Wesensähnlichkeit“ bzw. „Wesensverschiedenheit“ zwischen „Gott Vater“ und Jesus Christus. Während Konstantin selbst sich nicht auf eine der beiden Richtungen festlegte, orientierten sich seine Söhne unterschiedlich: Konstantin II. und Constans neigten der Wesensgleichheit zu, Constantius II. setzte sich hingegen für den gemäßigten Arianismus ein.

Nach dem Tod Konstantins I. im Jahr 337 ermordeten Militärs die meisten männlichen Verwandten des Kaisers, die gleichzeitig potentielle Rivalen der Söhne Konstantins waren. Nicht bekannt ist, ob die Militärs im Auftrag der überlebenden Söhne Konstantins handelten. Viele Forscher wollen Constantius II. als Urheber ausmachen, eine Ansicht, die aber auch dem schlechten Leumund des Constantius in den Quellen geschuldet sein könnte.Vgl. dazu etwa Klaus Rosen, Julian. Kaiser, Gott und Christenhasser, S. 50–53, und Pedro Barceló, Constantius II. und seine Zeit. Die Anfänge des Staatskirchentums, Klett-Cotta, Stuttgart 2004, S. 46–49. Die drei Söhne Konstantins übernahmen nach der Ausschaltung ihrer Verwandten die Macht: Konstantin II. herrschte über Gallien und Spanien, Constans über Italien, Africa und Illyrien, Constantius II. über den Osten des Reiches. Fast unverzüglich kam es zu Rangstreitigkeiten zwischen den Herrschern. Konstantin II. kam bereits 340 im Kampf mit seinem Bruder Constans um, der wiederum 350 von Häschern des Usurpators Magnentius ermordet wurde.

351 ernannte Constantius II. seinen Cousin Constantius Gallus zum Caesar (Unterkaiser) und schickte ihn in den Osten, wo er die Grenze gegen die persischen Sassaniden verteidigen sollte. So konnte sich Constantius im Westen auf den Usurpator Magnentius konzentrieren, ohne an zwei Fronten kämpfen zu müssen. Nachdem er Magnentius 351 in der Schlacht bei Mursa bereits eine empfindliche Niederlage beigebracht hatte, konnte er ihn 353 endgültig besiegen. Gallus hatte sich jedoch während Constantius’ Abwesenheit diverse innenpolitische Missgriffe geleistet und stand im Verdacht, sich eigenmächtig zum Augustus aufschwingen zu wollen. Der misstrauische Constantius lockte ihn daraufhin unter einem Vorwand nach Westen und ließ ihn 354 hinrichten. In den auf die Hinrichtung folgenden Hochverratsprozessen wurde unter anderem Julian angeklagt, der Bruder des Gallus.

Leben

Herkunft und Heirat

Eusebias Familie kam aus Thessalonike, wo sie geboren wurde und zusammen mit ihren Brüdern Eusebius und Hypatius aufwuchs. Vor ihrer Heirat erhielt sie eine gründliche Ausbildung, besonders in der Literatur. Ihr Vater Eusebius war Heermeister (magister militum) des Kaisers Constantius II., der ihn so sehr schätzte, dass er ihn 347 mit dem Konsulat auszeichnete.

Anfang 353 heiratete Eusebia dann Constantius II., der kurz vor seinem endgültigen Sieg über den Usurpator Magnentius stand. Zur Hochzeit wurde Eusebia, die als ausgesprochen schön beschrieben wird,Ammian 18,3,2; Julian, Rede 3; Brief an die Athener 273a; Zosimos 3,1,2. gemeinsam mit ihrer Mutter in einer prunkvollen Kavalkade (Reiterprozession) aus Thessalonike gebracht. Ihr Vater war zu diesem Zeitpunkt vermutlich bereits tot. Der Titel Augusta, den die Kaiser zu dieser Zeit üblicherweise ihren Frauen verliehen – noch Konstantin der Große hatte ihn sehr großzügig an gleich drei Frauen verteilt – blieb Eusebia bis zu ihrem Tod verwehrt.Vgl. Dietmar Kienast, Römische Kaisertabelle. Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie, Darmstadt 1996, S. 56/57.

Sie soll dennoch bald einen großen Einfluss auf ihren Mann ausgeübt haben, der sie so sehr geschätzt haben soll, dass er eine Diözese nach ihr „Pietas“ nannte – das Wort pietas (etwa: „Frömmigkeit“, „Ehrfurcht“, „Pflichtgefühl“) bezeichnete nicht nur eine wichtige römische Tugend, sondern ist auch die lateinische Entsprechung des griechischen eusebeia mit derselben Bedeutung. Die sonst nicht belegte Diözese könnte eine zeitweilige Umbenennung der Dioecesis Pontica gewesen sein.Ammian 17,7,6. Zu dieser Diözese Zur Bedeutung der Ehrung vgl. Juneau, Pietas and Politics: Eusebia and Constantius at Court, und Wieber-Scariot, Zwischen Polemik und Panegyrik, S. 256–261. Ihren Einfluss setzte Eusebia zur Förderung ihr nahestehender Persönlichkeiten ein. So unterstützte sie beispielsweise die politische Karriere ihrer beiden Brüder, die im Jahr 359 gemeinsam zu Konsuln ernannt wurden. Nachdem sie bereits 354 das erste Mal Rom besucht hatte, hielt sich Eusebia seit 356 wieder dort auf und erlebte auch den Rombesuch ihres Mannes im Jahr 357 zur Feier seines Sieges über Magnentius.Auf diesen Rombesuch geht Ammianus Marcellinus ausführlich ein (16,10). Vgl. dazu Richard Klein: Der Rombesuch des Kaisers Constantius II. im Jahre 357, in: Richard Klein: Roma versa per aevum. Ausgewählte Schriften zur heidnischen und christlichen Spätantike (= Spudasmata. Band 74). Herausgegeben von Raban von Haehling und Klaus Scherberich, Hildesheim/Zürich/New York 1999, S. 50–71. Zu Eusebias Anwesenheit siehe Noël Aujoulat: Eusébie, Hélène et Julien. II. In: Byzantion 53, 1983, S. 421–452, hier: 434–438.

Auch in die religionspolitischen Streitigkeiten der Zeit mischte sie sich ein. Sie geriet etwa bei einer Synode in Auseinandersetzung mit dem Bischof Leontios von Tripolis um die Macht des Hofes gegenüber den Bischöfen.Suda, Artikel Leontios (1), Adler 254 = Philostorgios 7,6,4–8. Auch scheint sie sich 358 auf der Synode von Sirmium für den Bischof Basilius von Ancyra eingesetzt und diesem zu einem Sieg verholfen zu haben.Philostorgios 4,8, eine Stelle, die David Woods: Three Notes on Aspects of the Arian Controversy, c. 354–367 CE. In: The Journal of Theological Studies. Band 44, Nr. 2, Oktober 1993, S. 604–619 (doi:10.1093/jts/44.2.604), hier S. 612 f. auf Eusebia bezieht. Basilius vertrat die gemäßigt arianische Position der Homousianer, die zwischen dem Bekenntnis von Nicaea und den radikaleren arianischen Positionen des Ostens vermitteln wollten.Zu Eusebias religiösen Anschauungen und ihrem Einfluss auf Constantius’ Religionspolitik vgl. Athanasios, epistula ad monachos 6; Sokrates Scholastikos 2,2,4; 2,2,6; Sozomenos 3,1,4. Als Constantius Bischof Liberius von Rom nach Thrakien verbannte, weil dieser gegen die Verurteilung des wiederum radikal antiarianischen Bischofs Athanasius von Alexandria eingetreten war, bot Eusebia ihm – angeblich zur Deckung seiner Kosten – Geld an, das dieser jedoch ablehnte.Theodoret, Kirchengeschichte 2,16,28.

Förderung Julians

mini|Bronzemünze Kaiser Julians

Bekannt ist Eusebia vor allem wegen ihrer Förderung des späteren Kaisers Julian. Im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Julians Bruder Gallus hatte Constantius 354 seinen Cousin nach Mailand zitiert und ließ ihn dort wegen Hochverrats anklagen. Julian musste sechs Monate in Mailand bleiben, wo er sich zum ersten Mal persönlich mit Eusebia traf.Julian, Brief an die Athener 272d; 274a. Die beiden verstanden sich von Anfang an gut, Julian erzählte ihr nach eigener Aussage von seinen Studien der Literatur und der Philosophie. Eusebia, die Interesse an diesen Berichten und Sympathie für den jungen Mann zeigte, setzte sich bei Constantius für Julian ein. Dadurch erreichte sie die Begnadigung Julians, der im Sommer 355 schließlich aus der Gefangenschaft am Hof entlassen wurde. Eusebia konnte ihren Mann außerdem überreden, Julian wunschgemäß in Athen studieren zu lassen.Dazu etwa Rosen, Julian. Kaiser, Gott und Christenhasser, S. 114f.

Noch im November desselben Jahres sorgte Eusebia offenbar für die Ernennung Julians zum Caesar, als der er für Gallien zuständig sein sollte. Eusebia und Julian trafen sich vor der Ernennungszeremonie wieder, und die Kaiserin schenkte dem neuen Juniorkaiser eine Bibliothek mit philosophischen, historischen, rhetorischen und poetischen Werken. Der erfreute Julian nahm das Geschenk mit nach Lutetia, dem heutigen Paris, wo er residierte. In der Folgezeit stand er wiederholt im Verdacht, Constantius die Macht durch eine Usurpation im Westen streitig machen zu wollen. Eusebia leistete offenbar Beschwichtigungsarbeit bei Constantius, der als empfindlich bekannt war, was Usurpationen betraf – wie schon Julians Bruder Gallus zu spüren bekommen hatte. Julian ehrte sie aus Dankbarkeit 356/357 mit einem Panegyrikus, einer Lobrede.Zum Panegyrikus auf Eusebia Als sich der Konflikt zwischen Julian und Constantius II. zuspitzte und sich Julian tatsächlich von seinen Truppen eigenmächtig zum Augustus ausrufen ließ, stellte sich Eusebia jedoch auf die Seite ihres Mannes.So Rosen, Julian. Kaiser, Gott und Christenhasser, S. 115 (mit Anm. 32, S. 473) auf Basis einer Bemerkung Julians im Brief an die Athener 273a. Den endgültigen Bruch im Jahr 361 erlebte sie nicht mehr.

Ende

Constantius II. war nach den Morden von 337 und dem Tod seiner Brüder – abgesehen von Julian – der letzte männliche Abkömmling der konstantinischen Dynastie. Die Sicherung der Nachfolge durch die Geburt eines Kaisersohns hatte für ihn hohe Priorität. Aus seiner Ehe ging jedoch in acht Jahren kein Kind hervor. Möglicherweise war Constantius dafür verantwortlich, wie einige Quellen mutmaßen.Zonaras 8,11,29; Cedrenus 302c. Dazu Monika Staesche, Das Privatleben der römischen Kaiser in der Spätantike. Studien zur Personen- und Kulturgeschichte der späten Kaiserzeit, Bern u. a. 1998, S. 129f. Dort auch eine kurze Diskussion des Problems der Sexualität Constantius’ II. Denkbar ist aber auch, dass Eusebia unfruchtbar war. In jedem Fall kam es bald zu Tratsch und Gerüchten: Ihre Kinderlosigkeit veranlasste sie angeblich dazu, Helena, der Frau Julians, während Constantius’ Rombesuch 357 heimlich ein Mittel zu verabreichen, sodass diese keinen Nachfolger für ihren Mann zur Welt bringen konnte. Ein Kind, mit dem Helena bereits vorher schwanger gewesen war, habe sie bei der Geburt von einer Hebamme töten lassen.Ammian 16,10,18–19. Siehe dazu weiter unten.