Das Garde-Jäger-Bataillon war ein neupreußisches Jägerbataillon, das in der Tradition des altpreußischen Korps Jäger zu Fuß stand und 1744 von Friedrich II. in Preußen aufgestellt wurde. 1808 wurde daraus das Jägerbataillon Nr. 1, das den Namen Garde-Jäger-Bataillon erhielt. Es gehörte nachfolgend bis 1918 zum Gardekorps der Königlich-Preußischen Armee.
Geschichte mini|links|Garde-Jäger um 1835 Ursprünge und Feldjäger zu Fuß Am 24. November 1740 erfolgte auf Schloss Rheinsberg in Brandenburg durch König Friedrich II. von Preußen der Aufstellungsbefehl an den Aufseher Schenck des Jägerhofes in Potsdam. Dieser wurde zum ernannt und sollte die Preußische Armee mit guten Wegweisern versorgen.
Friedrich der Große stellte am 15. Juni 1744 das Korps Jäger zu Fuß auf, rekrutiert aus dem einheimischen Forstpersonal und deren Söhnen. Die zu Beginn 144 Jäger starke Einheit, die ihre eigene Bewaffnung mitbrachte (die gezogenen Jagdgewehre waren damals den glattläufigen Musketen der Linieninfanterie hinsichtlich Treffgenauigkeit deutlich überlegen), wuchs bis zum Siebenjährigen Krieg auf 300 Mann und wurde 1757 in zwei Kompanien aufgeteilt. 1760 wurden beide bei Charlottenburg von russischen Kosaken durch fehlerhafte Führung und Ausweichen über offenes Gelände aufgerieben, jedoch gleich darauf aber zu vier Kompanien wieder aufgestellt. Nach dem Krieg wurde das Korps wieder auf Stärke von zwei Kompanien reduziert, um 1773 mit fünf Kompanien in Bataillonsstärke anzuwachsen. 1778 wurde eine sechste Kompanie aufgestellt. Am 1. Januar 1784 erfolgte eine Kabinettsorder zur Umwidmung des Bataillons zu einem Regiment von zehn Kompanien.
Das Regiment ging 1806 mit dem Korps Blücher unter. Einige Kompanien konnten entweichen.Bleckwenn 1984 Bd. 2: 168
Befreiungskriege und neupreußische Armee 1808 wurden die verbliebenen Kompanien im Garde-Jäger-Bataillon zusammengefasst. Sie bewährten sich anschließend in den Befreiungskriegen. Es deckte – allein auf sich gestellt – den Rückzug hinter die Katzbach und bewahrte damit die Preußen und Russen vor einer Katastrophe. Bei der Völkerschlacht bei Leipzig waren sie es, die in hartem Häuserkampf den Vorort Möckern eroberten, dadurch den französischen Reserven den Zugang nach Leipzig verwehrten und so einen wesentlichen Anteil am Sieg hatten.
1808 waren die Standorte Berlin, 1812 Breslau, 1814 Berlin und von 1818 an die preußische Residenz Potsdam. Das Bataillon bestand aus gelernten Jägern. Ihre Fähigkeiten sollten, beweglich eingesetzt, im Kriege die Linieninfanterie unterstützen. Bewährte Jäger wurden nach Ableistung ihrer Dienstzeit in den Staats-Forstdienst übernommen.
Das Bataillon gehörte zur 1. Garde-Infanterie-Brigade in Potsdam in der 1. Garde-Division (Berlin) des Gardekorps (Berlin). Ab dem 1. Oktober 1902 war dem Bataillon die Garde-Maschinengewehr-Abteilung Nr. 1 zugeteilt.
Aus heutiger Sicht ist der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck wohl als bekanntester Garde-Jäger zu nennen. Wenn man aber bedenkt, dass er 1838 in Potsdam seinen Dienst als Einjährig-Freiwilliger begann und bereits im Herbst zum Jäger-Bataillon Nr. 2 nach Kulm in Pommern versetzt wurde und zudem jenes Bataillon später den Namen Pommersches Jäger-Bataillon „Fürst Bismarck“ Nr. 2 erhielt, erscheint es zumindest fragwürdig ob dies immer der Fall gewesen ist.
Auch im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und im Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 war das Bataillon im Einsatz. mini|links|Das Garde-Jäger-Bataillon zieht nach dem Krieg 1871 in Berlin ein.
Deutsch-Französischer Krieg Am 15. Juli 1870 wurde in Preußen die Mobilmachung zum Deutsch-Französischen Krieg befohlen. Das Garde-Jäger-Bataillon gehörte zur 2. Armee, die vom Prinzen Friedrich Karl befehligt wurde. Es wurde von Potsdam mit der Bahn bis Mannheim befördert und marschierte von dort sofort auf Metz. Schon am 18. August schlug das Bataillon, als Teil der Avantgarde seine erste Schlacht. Sie endete siegreich mit der Erstürmung von St. Privat, welche die Franzosen zum Rückzug in die Festung Metz zwang. Nach der Einschließung der Festung wurde das Bataillon der neugebildeten Maas-Armee zugeteilt, welche den Franzosen am 1. September die Schlacht bei Sedan lieferte. Auch hier hatte das Garde-Jäger-Bataillon erheblichen Anteil am Sieg. Am 18. Januar 1871 nahm eine Abordnung des Bataillons an der feierlichen Proklamation des Königs von Preußen zum deutschen Kaiser in Versailles teil. Am 18. Juni zogen die siegreichen Truppen, darunter die Potsdamer Jäger, feierlich in die festlich geschmückte neue deutsche Reichshauptstadt Berlin ein. mini|links|Das MG 08, in Preußen zuerst beim Garde-Jäger-Bataillon eingeführt und erprobt.
Um 1900 wurde das Garde-Jäger-Bataillon beauftragt, das neu einzuführende Maschinengewehr zu erproben und frontreif zu machen. Ebenso wurde eine andere technische Neuerung, das Fahrrad, zunächst bei den Jägern erprobt und eingesetzt.
Erster Weltkrieg Nach der Mobilmachung 1914 stand das aktive Bataillon am 4. August um 18.00 Uhr in voller Stärke abmarschbereit. Um 23.11 Uhr rollte der Zug von Potsdam gen Westen. Am 6. August trafen die Soldaten in Belgien ein. Es folgte ein achttägiger Marsch an die Front, teilweise mit täglichen Marschleistungen von über 40 km. Am 15. August hatte das Bataillon bei Dinant seine Feuertaufe in diesem Kriege. Nach teils heftigen Gefechten überschritt das Bataillon am 26. August bei Tout Vent die französische Grenze. Am 20. September griff das Bataillon bei La-Ville-aux-Bois an. Dabei erlitten die Garde-Jäger schwere Verluste (87 Tote, 143 Verwundete, der Kommandeur Major Hans von Fabeck selbst schwer verwundet). Nach einer Ruhepause wurde das Bataillon im April 1915 in einer Stärke von 43 Offizieren und 1.117 Unteroffizieren und Mannschaften ins Elsass verlegt und für lange Zeit auf der Höhe Hartmannsweiler Kopf in den Vogesen im Stellungskrieg gegen französische Gebirgstruppen eingesetzt. Am 14. Oktober 1916 wurde das Bataillon nach Mazedonien verlegt, wo die Entente eine Südfront gegen die Mittelmächte gebildet hatte.
Es gelang den Gardejägern, auf der Höhe 1050 bei Prilep den feindlichen Angriffen standzuhalten. Sieben schwere Angriffe mit heftiger Artillerievorbereitung scheiterten. Im Februar 1918 kehrte das Bataillon in die Vogesen an der Westfront zurück. Neue Angriffe am Hartmannsweiler Kopf sollten von den großangelegten Vorbereitungen der Operation Michael im Norden der Front ablenken, der Einsatzort wurde „Jägertanne“ genannt. Ab 4. November 1918 zog sich das Bataillon nach Deutschland zurück. Auf dem Rückmarsch, der von zahlreichen Schwierigkeiten begleitet wurde, konnten die Offiziere die Bildung eines Arbeiter- und Soldatenrates nicht verhindern. Am 13. November 1918 wurde die Heimatgarnison Potsdam erreicht.
Die 1914 aufgestellten Kriegsformationen des Garde-Jäger-Bataillons waren das Garde-Reserve-Jäger-Bataillon und das Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 15.
Verbleib Zahlreiche Garde-Jäger meldeten sich nach der Demobilisierung zum Freikorps Potsdam und schlugen in der Folgezeit bis Mai 1919 für die Reichsregierung linkssozialistische Aufstände nieder. Am 15. Juni 1919 hielt das Bataillon seine letzte Parade anlässlich der 175-Jahr-Feier ab und wurde zum 30. September 1919 aufgelöst.
Die Tradition des Bataillons wurde in der Reichswehr von der 6. Kompanie des 9. (Preußisches) Infanterie-Regiments und später in der Wehrmacht bis 1945 vom Infanterieregiment 9 fortgeführt.
In der Bundeswehr wahrte zunächst die Selbständige Panzerjäger-Kompanie 440 in Wuppertal das Andenken der Gardejäger, nach deren Auflösung 1981 die 2. Kompanie des Panzerbataillons 533 und ab 1991 die 1996 aufgelöste 2./ Jägerbataillons 533 in Düren.
Von 2004 bis 2006 übernahm das Potsdamer Heimatschutzbataillon 842 (entstanden aus dem Sicherungsbataillon 4422 in Trier) die Tradition der Potsdamer Jäger. Heute wird das Andenken des Garde-Jägerbataillons von der 3. Sicherungskompanie des Stabs- und Fernmeldebataillons des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam in der Henning-von-Tresckow-Kaserne bewahrt.
Kommandeure mini|Offizierstschako der Garde-Jäger DienstgradNameDatumGünter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 28f.OberstHeinrich von Witzleben25. Dezember 1808 bis 27. Dezember 1809Major/OberstleutnantFriedrich Wilhelm von Jagow28. Dezember 1809 bis 9. März 1813MajorFlorian von Seydlitz-Kurzbach14. März bis 30. Mai 1813 (mit der Führung beauftragt)MajorFlorian von Seydlitz-Kurzbach1. Juni bis 13. Dezember 1813OberstleutnantJob von Witzleben14. Dezember 1813 bis 9. Oktober 1815Major/Oberstleutnant/OberstAugust Wilhelm von Neumann-Cosel10. Oktober 1815 bis 29. März 1831Major/Oberstleutnant/OberstKarl von Knobloch30. März 1838 bis 23. August 1848Major/Oberstleutnant/OberstGustav von Arnim24. August 1848 bis 19. Oktober 1854Oberstleutnant/OberstHeinrich von Plonski26. Oktober 1854 bis 22. Oktober 1856MajorEmil von der Lancken23. Oktober 1856 bis 13. April 1857OberstleutnantGuido von Oppell14. April 1857 bis 13. Juni 1859MajorTheobald zu Dohna14. Juni 1859 bis 30. Juni 1860 (mit der Führung beauftragt)Major/OberstleutnantTheobald zu Dohna1. Juli 1860 bis 17. Oktober 1861MajorBernhard von Werder18. Oktober 1861 bis 16. März 1863 (mit der Führung beauftragt)OberstleutnantBernhard von Werder17. März 1863 bis 19. Mai 1866MajorViktor von Roeder20. Mai bis 29. Oktober 1866MajorAlexander von Kameke30. Oktober 1866 bis 17. Juni 1870Major/OberstleutnantGustav von Arnim18. Juli 1870 bis 27. Oktober 1875Major/OberstleutnantKarl Finck von Finckenstein28. Oktober 1875 bis 16. August 1880Major/Oberstleutnant/OberstHermann von Wilczeck11. Dezember 1880 bis 3. Dezember 1886Major/OberstleutnantBodo von der Horst4. Dezember 1886 bis 1. September 1889OberstleutnantAlexander von der Goltz2. September 1889 bis 15. Juni 1894Major/OberstleutnantKarl von Plettenberg16. Juni 1894 bis 14. Juni 1898Major/OberstleutnantAlfred von Besser15. Juni 1898 bis 27. Oktober 1902OberstleutnantKarl von Boddien28. Oktober 1902 bis 14. April 1904MajorHenning von Bonin1. Mai 1904 bis 3. April 1907Major/OberstleutnantKonrad Wilhelm Finck von Finckenstein4. April 1907 bis 15. Juni 1913MajorFriedrich Gebhard von Krosigk16. Juni 1913 bis 28. September 1914MajorHans von Fabeck29. September 1914 bis 2. April 1916MajorWilhelm von Goetzen3. April 1916 bis 21. Februar 1918MajorFriedrich von Lüttichau22. Februar bis 11. Dezember 1918HauptmannBogislav von Bonin12. Dezember 1918 bis Januar 1919OberstleutnantWilhelm von GluszewskiJanuar bis 30. September 1919
Uniform miniatur|Die Kaserne in Potsdam, 1916 miniatur|Die Garde-Jäger-Kaserne, im Jahr 2006 mini|Fahne des Garde-Jäger-Bataillons
Die Feldjäger zu Fuß trugen einen Dreispitz mit rein grüner Uniform mit roten Aufschlägen und pailler Hose. In den ersten Jahren brachten die Förstersöhne ihre eigene Uniform mit.Menzel 2002: 208
Die Garde-Jäger trugen statt einer Pickelhaube einen Tschako mit Gardestern, außerdem einen grünen Waffenrock mit roten Vorstößen und gelben Litzen am Kragen und an den Aufschlägen. Als Seitenwaffe wurde ein Hirschfänger getragen.
Kasernen Das Garde-Jäger-Bataillon hatte in Potsdam – neben seiner sogenannten „Kleinen Kaserne“, an der Ecke Posthof- und Charlottenstraße – seine „Garde-Jäger-Kaserne“ (auch „Beweibten-Kaserne“ genannt) an der Ecke Türkstraße und Berliner Straße. Das Gebäude wurde Mitte des 18. Jahrhunderts von Heinrich Ludwig Manger errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde es teilweise zerstört und in den Jahren 2004 und 2005 rekonstruiert. Danach diente es dem Energiekonzern E.DIS als Verwaltungssitz im Land Brandenburg.
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