mini|Qín Shǐhuángdì, künstlerische Darstellung von etwa 1850 Das Mausoleum Qín Shǐhuángdìs ist eine frühchinesische Grabanlage, errichtet für den ersten chinesischen Kaiser Qín Shǐhuángdì. Mit dem Bau wurde im Jahr 246 v. Chr. begonnen, und der Kaiser wurde im Jahre 210 v. Chr. darin beigesetzt. Es ist einer der weltweit größten Grabbauten und vor allem bekannt für seine großen Soldatenfiguren, die sogenannte Terrakotta-Armee.
Seit 1987 ist die Mausoleumsanlage auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO verzeichnet.
Lage in China Das Mausoleum befindet sich in Zentralchina, etwa 36 Kilometer nordöstlich von Xi’an, der Hauptstadt des ehemaligen Königreiches Qin, an der Linma-Straße. Es liegt zugleich nahe der Hauptstadt Chinas zur Qin-Zeit, Xianyang, und gleichsam am Fuß des Berges Lishan. Zirka 1,3 Kilometer östlich der Anlage fließt der Sha, ein 84 Kilometer langer, rechter Nebenfluss des Wei-Flusses (Wèi Hé). Die urbane Siedlung in der Nähe ist der Stadtteil von Xi’an Lintong, dessen Zentrum – in leicht südwestlicher Richtung – knapp fünfeinhalb Kilometer entfernt liegt. Das Siedlungsgebiet erstreckt sich heute bis in das ehemalige Mausoleumsgelände hinein.
Von der ehemaligen Reichshauptstadt Xi’an aus haben 13 Kaiserdynastien – von 221 v. Chr. bis 907 n. Chr. – das Chinesische Imperium regiert. In der Flussebene des Wei-Flusstals und entlang der Berghänge befinden sich daher zahlreiche kaiserliche Grabstätten aus dieser Epoche.nzz.ch Dokumentation der Wanderausstellung, PDF 60 kB
Bau Der Bau der Anlage begann unmittelbar nach der Krönung von Ying Zheng zum König. Wissenschaftler und Archäologen mutmaßen, dass mehr als 700.000 Arbeiter aus allen Teilen Chinas an der Errichtung beteiligt waren. Als er nach vielen langen Feldzügen Kaiser Chinas geworden war (221 v. Chr.), setzte er die ausgemusterten Soldaten zum Bau seines Grabmals, aber auch bei anderen Projekten ein. Hinzu kamen Sklaven und Kriegsgefangene, die laut dem Han-Großhistoriker Sima Qian zur Strafe entweder kastriert oder zur Zwangsarbeit verurteilt wurden. Im gleichen Jahr ließ Shǐhuángdì auch den Bau einer neuen Thronhalle südlich des Wei-Flusses beginnen. Dieser Prunkbau bekam später den Beinamen Epang-Palast, dessen Ausmaße in historischen Berichten mit 675 Metern Länge und 112 Metern Breite angegeben wurden. Für beide Bauvorhaben wurde angeblich die genannte Arbeiteranzahl eingesetzt, also mehr als doppelt so viele wie für den Bau der Großen chinesischen Mauer.Derk Bodde: The state and empire of Ch'in. In: The Cambridge History of China. Band 1: The Ch'in and Han Empires, 221 B.C.-A.D.220. Cambridge 1986, ISBN 0-521-24327-0, S. 63–64. Dies führte dazu, dass in manchen Landstrichen Chinas nur noch Frauen und Kinder lebten, viele Dörfer und Bauernhöfe verlassen waren und die landwirtschaftliche Produktion stagnierte. Die einfache Bevölkerung hungerte. Von etwa 30 Millionen Untertanen starben zwei Millionen allein durch Zwangsarbeit oder Hinrichtung. Auf: swr.de vom 2. Januar 2008.
Westlich des Dorfes Zhaobeihu, südwestlich des äußeren Mausoleums-Walls und etwa 1,6 km vom Grabhügel gelegen, wurden zwei Gräberfelder entdeckt. Hier wurden Arbeiter der Grabanlage bestattet. Eines war bereits seit langer Zeit zerstört, das andere war besser erhalten. Durch Prospektions-Bohrungen wurden insgesamt 93 kleine Gräber nachgewiesen, knapp die Hälfte wurden daraufhin freigelegt. Alle waren längliche Schachtgräber von 1,10 bis 1,76 m Länge und 0,50 bis 0,76 m Breite. Sie lagen 0,20 bis 0,76 m unter dem heutigen Bodenniveau. Meist fanden sich jeweils zwei bis drei Skelette. Die Verstorbenen, oft junge Männer, wurden in Hockstellung bestattet. Bei den Skeletten wurden 18 Ziegelscherben mit eingeritzten Zeichen gefunden. Darauf wird von Arbeitsstrafen der Verurteilten berichtet, von denen einige aus niederen Beamten- oder Adelsschichten stammten.Lothar Ledderose: Die Magische Armee des Ersten Kaisers. In: Catharina Blänsdorf, Erwin Emmerling, Michael Petzet (Hrsg.): Die Terrakottaarmee des Ersten Chinesischen Kaisers Qin Shihuang. Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Band 83. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München 2001, ISBN 3-87490-711-2, S. 273–308. Die Toten stammten aus sechs Reichen in Shandong. Diese Funde bestätigen, dass Sträflinge zum Bau der Grabanlage herangezogen wurden. Archäologen fanden zudem etwa 100 Gräber von Zwangsarbeitern, erkennbar an eisernen Fußfesseln. Der Kaiser war nach den Schilderungen des Großhistorikers ein grausamer Tyrann, der Handwerker und Arbeiter lebendig in seiner Grabkammer einschließen ließ, nachdem sie ihr Werk vollendet hatten.
Die Schächte für die Terrakotta-Krieger wurden auf stabile Weise errichtet. Die äußeren Wände und die Stege zwischen den parallelen Korridoren bestehen aus gestampfter Erde. Die inneren Seitenwände bildeten aufrecht gestellte Holzbalken, die zugleich die Deckenbalken trugen. Die Decken erhielten beim Bau der Gruben drei Meter dicke Lagen aus Mörtel und Erde. Der Boden aus gestampfter Erde ist teilweise noch hart wie Zement und wurde mit Ziegelsteinen ausgelegt. Berechnungen ergaben, dass fast 130.000 Kubikmeter Erde bewegt wurden, um die Gruben auszuheben. Dazu kamen etwa 8000 Kubikmeter Bauholz für die innere Holzkonstruktionen.
mini|Der Grabhügel vom Museumsbau der Grube K0006 aus gesehen Die Grube 4 der „Terrakotta-Armee“ wurde zwar angelegt, enthielt aber keine Figuren und blieb unbestückt, wie auch die gesamte Grabanlage in Teilen unvollendet blieb. Als der Kaiser 210 v. Chr. starb, wurden die Arbeiten auf dem Gelände abrupt eingestellt. Im darauffolgenden Jahr häuften die Erbauer Erde über der mutmaßlichen Grablege des Kaisers zu einem Tumulus auf.Catharina Blänsdorf, Erwin Emmerling, Michael Petzet (Hrsg.): Die Terrakottaarmee des Ersten Chinesischen Kaisers Qin Shihuang. Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Band 83. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München 2001, ISBN 3-87490-711-2
Im chinesischen Altertum setzte sich eine Armee aus drei Teilen und einem zusätzlichen Kommandostand zusammen. Grube Nr. 1 und 2 repräsentieren zwei Truppenteile, Grube Nr. 3 wird als Kommando- oder Gefechtsstand bezeichnet. Der dritte Teil fehlt, dieser hätte bei der Fertigstellung der Anlage möglicherweise in Grube 4 Platz gefunden.
Der Bericht von absonderlichen Dingen (Bowu zhi) von dem Jin-Dichter Zhang Hua (232–300 n. Chr.) beschreibt in poetischer Form, wie die Herrscher der Qin-Zeit Werksteine von Ganquan (heutige Kreisstadt Chunhua, Provinz Shaanxi) orderten.
Der Archäologieprofessor und langjährige Ausgrabungsleiter Duan Qingbo bezweifelt, dass der erste Kaiser 37 Jahre lang den Bau vorangetrieben hat, so wie Qian dies niedergeschrieben hat. Denn alle Tonfiguren und -gegenstände, die sie fanden, sind im selben Stil und alle trugen Siegel, mit denen die Handwerker für die Qualität ihrer Produkte hafteten. Der Stil der Töpfe und Gebrauchsgegenstände hat sich nicht verändert. Dies wäre sehr ungewöhnlich für die Dauer der angegebenen Zeitspanne. Er schätzt daher, dass die Grabanlage im Wesentlichen in einem Zeitrahmen von zehn Jahren erbaut wurde.zeit.de
Aufbau Die Menschen des chinesischen Altertums glaubten daran, dass sie Seelen besitzen. Ihrer Vorstellung zufolge verließ die Seele nach dem Tod den menschlichen Körper in eine andere Welt und existierte dort weiter. Das Grab bot eine Wohnstätte für die Seele. Qin Shihuangdi strebte wohl danach, alles, was er zu Lebzeiten besaß, auch nach seinem Tode um sich zu haben. Deshalb ließ er sich vermutlich eine mit vielen Grabbeigaben angefüllte Totenstadt als sein unterirdisches Reich bauen.journals.ub.uni-heidelberg.de
Das Grab wird in den Aufzeichnungen des Chronisten von Sima Qian um das Jahr 100 v. Chr. beschrieben: {| | „Nachdem er das ganze Reich vereinigt hatte, ließ er von überall mehr als siebenhunderttausend Zwangsarbeiter herbeischaffen. Sie gruben durch drei unterirdische Ströme und gossen flüssige Bronze, um den Sarkophag zu schützen. Das Grab wurde mit Nachbildungen von Palästen, Figuren von Beamten [...], seltenen und wertvollen Gegenständen gefüllt. Er ließ Handwerker mechanische Armbrüste bauen, die auf jeden schießen würden, der versuchte, das Grab zu öffnen. Er ließ den Gelben Fluss, den Jangtse und die Ozeane aus Quecksilber nachbilden; ein Mechanismus ließ das Quecksilber umherfließen. Die Decke wurde von den Konstellationen des Himmels geschmückt, der Boden mit einer Darstellung des Landes. Die Lampen wurden mit Tran gefüllt, der besonders lange brennen sollte.“Gregor Kneussel (Übers.), Sima Qian: Aus den Aufzeichnungen des Chronisten. Beijing: Verlag für fremdsprachige Literatur, 2015; ISBN 978-7-119-09676-6. Bd. 1 S. 59.|| 天下徒送诣七十馀万人,穿三泉,下铜而致椁,宫观百官奇器珍怪徙臧满之。令匠作机弩矢,有所穿近者辄射之。以水银为百川江河大海,机相灌输,上具天文,下具地理。以人鱼膏为烛,度不灭者久之。史记˙本纪˙秦始皇本纪 47 ctext.org.
mini|Plan der Grabanlage Die gesamte Mausoleumsanlage nimmt eine Fläche von etwa 56 Quadratkilometern ein. In ihr ist eine breite Prozessionsstraße angelegt. Der ummauerte Teil der Grabanlage besteht aus einer rechteckig angelegten, äußeren Umgebungsmauer, ähnlich damaliger Paläste in den Städten. Diese misst auf beiden Längsseiten über zwei und in den Breiten fast einen Kilometer Länge. Wachtürme standen an den vier Ecken, und Tore öffneten sich zu den vier Seiten. Es folgt die innere Mauer, welche jeweils 1,2 Kilometer in der Gesamtlänge und über einen halben Kilometer in der Breite misst. Beide bestehen aus gestampfter Erde, sind acht Meter stark und waren ursprünglich acht bis zehn Meter hoch. In dem großen Zwischenraum zwischen den Mauern wurden ein Pferdestall, eine Grube mit Kalksteinpanzern und -helmen, die Wohnhäuser der Mausoleumsbeamten, die Wohnhäuser der Wächter, eine Grube mit seltenen bronzenen Tieren und Vögeln und eine Grube mit als Tänzer und Artisten gedeuteten Figuren angelegt. Die Tonfigur einer Frau im Mantel ist in einem Tanzschritt dargestellt. Auch wurden als Gewichtheber, Tierpfleger, Gelehrte, Schreiber, Narren und Musiker gedeutete Figuren gefunden.history.dedeutschlandfunk.de Die „Grube der bronzenen Wasservögel“, in der sich eine parkähnliche Bachlandschaft nachgeahmt fand, war mit seltenen Vogeldarstellungen und Musikantenplastiken bestückt.
Nördlich des Tumulus gelegen, stand ehemals eine große – von einem überdachten Korridor umschlossene – rechteckige Halle, mit 57 Metern Breite und 62 Metern Tiefe. Schriftliche Quellen beschreiben diese als Audienzhalle, welche die Gewänder des Kaisers enthielt, seine Krone, seine Armstütze und seinen Spazierstock. Archäologen fanden ein prachtvoll gestaltetes Glockenspiel. Qin Shihuangdi war der erste Herrscher, der in seiner Nekropole eine solche Audienzhalle errichten ließ, und stellte damit klar, wie wichtig ihm der Ahnenkult war, den er für sich erwartete.
Das innere Rechteck wird vom Grabhügel dominiert. In diesem künstlich aufgeschütteten und in Pyramidenform konstruierten Berg soll der Kaiser begraben worden sein. Der Hügel hat im Laufe der Jahrhunderte viel von seiner ursprünglichen Höhe verloren. Umlagert wird der Grabhügel von Gruben mit Begleitbestattungen, Nebenhallen, einer Wohnhalle, einer Grube mit Figuren von Zivilbeamten, sowie einer 3025 Quadratmeter großen Grube mit prächtig gestalteten Bronzewagen.