Die Proktologie (von „After, Steiß“ und -logie) ist ein medizinisches Teilgebiet, das sich mit den Erkrankungen des Enddarms, also genauer des Mastdarms und des Analkanals beschäftigt. Die Koloproktologie befasst sich zusätzlich mit Erkrankungen des Grimmdarms (des Kolons).Josef-Hospital: .

Ausbildung Einen Mediziner, der sich mit der Proktologie beschäftigt, bezeichnet man als Proktologen oder auch als Darmspezialisten.

Einige proktologische Erkrankungen Stuhlinkontinenz – Probleme, den Stuhl zu halten Hämorrhoidalleiden – vergrößerte oder tiefer getretene Hämorrhoiden, die Beschwerden verursachen. Analprolaps – Vorfall der Schleimhaut des Analkanals durch den Anus. Analfissur – Einriss in der Afterschleimhaut Analabszesse – eine akute Ansammlung von Eiter und der akute Vorläufer einer Analfistel Analfistel – Eitergang, der sich in den Darm oder zur Haut hin mit eitrigem Sekret entleert Fremdkörper in Anus und Rektum Perianalthrombose – Blutgerinnsel in den äußeren Venen des Afters („äußere Hämorrhoiden“) Vergrößerte Marisken – Hautlappen am After Analekzem, Pruritus ani Analkarzinom, Rektumkarzinom – bösartige Tumoren des Analkanals oder Rektums Condylomata acuminata (Feigwarzen) chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) Steißbeinfistel – chronisch-entzündliche Erkrankung der Gesäßfalte

Diagnostik Zur Diagnostik proktologischer Erkrankungen gehören die Inspektion der Perianalregion, die digitale rektale Untersuchung sowie die Proktoskopie. Je nach Fragestellung können weiterführende Untersuchungen wie Rektoskopie, Endosonographie oder bildgebende Verfahren eingesetzt werden.

Therapien Die Therapie proktologischer Erkrankungen umfasst ein breites Spektrum konservativer, minimal-invasiver und operativer Verfahren. Je nach Krankheitsbild und Schweregrad kommen diese Verfahren stufenweise oder kombiniert zur Anwendung. Zu den konservativen Maßnahmen zählen nicht-operative Behandlungsansätze zur Symptomlinderung und Verbesserung der Stuhlregulation, insbesondere Ernährungsanpassung sowie medikamentöse Maßnahmen. Minimal-invasive Verfahren werden insbesondere bei frühen und mittelgradigen Befunden eingesetzt und umfassen beispielsweise Sklerosierung, Gummibandligatur sowie infrarotbasierte Verfahren (z. B. Infrarotkoagulation). Zu den neueren Verfahren zählen Lasertherapien (z. B. Laser-Hämorrhoidoplastie oder Laserbehandlung von Anal- und Steißbeinfisteln, etwa FiLaC oder SiLaC) sowie die dopplergesteuerte Hämorrhoidal-Arterien-Ligatur (HAL/THD). Operative Verfahren werden in der Regel bei fortgeschrittenen oder therapierefraktären Erkrankungen eingesetzt und umfassen unter anderem die operative Entfernung von Hämorrhoiden (Hämorrhoidektomie), Eingriffe bei Analfisteln oder Steißbeinfisteln sowie Verfahren der onkologischen Proktologie bei malignen Erkrankungen wie dem Analkarzinom oder Rektumkarzinom.

Einordnung Die Proktologie überschneidet sich inhaltlich mit der Viszeralchirurgie sowie der Gastroenterologie und wird vor allem im Bereich der kolorektalen Chirurgie mitbehandelt. Die Behandlung proktologischer Erkrankungen erfolgt daher häufig interdisziplinär in internistischen und chirurgischen Fachbereichen.

Literatur Christoph Weißer: Proktologie. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1184 f.

Weblinks

Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie e. V.

Einzelnachweise

Kategorie:Medizinisches Fachgebiet