mini|Plan der Festung aus dem Jahr 1849 Die Bundesfestung Rastatt wurde im Zeitraum von 1842 bis 1852 erbaut. Der Bau der Bundesfestung war eines der wenigen Projekte, die der Deutsche Bund in diesem Zeitraum zu Ende führen konnte. Die Festungsanlagen umschlossen die badische Stadt Rastatt und spielten 1849 eine wichtige Rolle während der Badischen Revolution. Sie wurden 1890 aufgegeben und anschließend größtenteils abgerissen.
Vorgeschichte Am Rande der Pariser Friedenskonferenz hatten die vier Siegermächte Österreich, Großbritannien, Preußen und Russland am 3. November 1815 Mainz, Luxemburg und Landau zu Festungen des Deutschen Bundes bestimmt und zudem den Bau einer vierten Bundesfestung am Oberrhein vorgesehen, wozu 20 Millionen französische Francs aus der Kriegsentschädigung bereitgestellt werden sollten.Procès-verbal de la conférence de M. M. les plénipotentiaires des quatre puissances du 3. Novembre 1815 à Paris, Annexe B, Système défensif de la confédération germanique. Art. 10, vom 3. November 1815. In: Staatsarchiv des Deutschen Bundes, herausgegeben von Johann Ludwig Klüber, I. Band, 3. Heft, Erlangen 1816, S. 389–391 online in der Google-Buchsuche. Bereits 1819 bis 1824 arbeitete eine Festungsbaukommission, in der badische, bayerische, württembergische und österreichische Ingenieure mitwirkten, die Pläne aus, die dann jedoch aus politischen Gründen 20 Jahre in der Schublade verschwanden.Marco Müller: Die Bundesfestung Rastatt. In: Badische Heimat, Heft 4/2005, S. 499. Während Österreich Ulm ausbauen wollte, bevorzugten Preußen und die näher an Frankreich liegenden süddeutschen Staaten den Bau einer Festung in Rastatt.
Im Oktober 1836 schlug der württembergische König Wilhelm I. als Kompromiss den Bau bzw. Ausbau beider Städte zu Festungen vor. 1838/39 konnten dann Bayern und Österreich auch hierfür gewonnen werden. Erst die Rheinkrise von 1840/41 bewirkte jedoch, dass sich die Staaten des Deutschen Bundes auf Verteidigungsanstrengungen gegen Frankreich verständigten und die Bundesversammlung am 26. März 1841 den Bau beider Festungen beschloss.abgedruckt bei Philipp Anton Guido von Meyer: Corpus constitutionum Germaniae, oder Die sämmtlichen Verfassungen der Staaten Deutschlands, Frankfurt am Main 1845, S. 95–96 online in der Google Buchsuche. Rastatt wurde als Verbindungs- und Grenzfestung, sowie als Waffenplatz des VIII. Armee-Korps bestimmt.s. Staatslexikon S. 509. Das Großherzogtum Baden erhielt das Recht den Gouverneur, den Kommandanten und den Chef der Artillerie zu ernennen, den Chef der Genietruppe durfte Österreich bestimmen.
Der Bau mini|Festungssteinbruch am Eichelberg Die Arbeiten für die Bundesfestung Rastatt begannen am 15. November 1842, die Grundsteinlegung erfolgte jedoch erst am 18. Oktober 1844, da es langwieriger Vorarbeiten bedurfte. Hierzu gehörte auch der Kauf von Grundstücken bzw. deren Enteignung gegen eine Entschädigung. Neben städtischen und herrschaftlichen Flächen wurden auch Grundstücke von 345 Privatpersonen für die Festung gekauft bzw. enteignet.s. Marco Müller: Die Bundesfestung Rastatt. In: Badische Heimat, Heft 4/2005, S. 505; Franz Simon Meyer: Die ganze Geschichte meines gleichgültigen Lebens. Band 2. 1829 – 1849. In Zeiten der Revolution. Herausgegeben von Sebastian Diziol. Solivagus Praeteritum, Kiel 2017. ISBN 978-3-9817079-6-0, S. 247, 261, 269 – 270.
Für die Stadt bedeutete der Bau zunächst einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, der jedoch später mit dem Abzug öffentlicher Einrichtungen (Hofgericht, Kreisregierung) bezahlt wurde.Fickler S. 3. Zum Festungsbaudirektor wurde der österreichische Oberstleutnant Georg Eberle ernannt, wie überhaupt fast das gesamte Leitungspersonal von Österreich gestellt wurde. Die große Zahl der eingesetzten Bauarbeiter (1844 bereits 4 0001843 bis 1848 waren durchschnittlich 4 000 Arbeiter im Festungsbau beschäftigt, wobei in der Spitze sogar die Zahl von 6 000 erreicht wurde; s. Müller S. 501.) machte den Ausbau der städtischen Infrastruktur (Polizei- und Sanitätswesen) erforderlich, um deren Finanzierung es zwischen Stadt, Großherzogtum Baden und militärischen Bundesbehörden Streitigkeiten gab. Ein Großteil der Bausteine kam von einem etwa 500 Meter langen Buntsandsteinbruch am Eichelberg bei Oberweier und wurde mit einer 14,5 Kilometer langen Pferdebahn. nach Rastatt transportiert, wobei die Leistungsfähigkeit pro Tag bis zu 400 Kubikmeter betrug. Im Steinbruch waren 400–1200 Arbeiter beschäftigt, für die dort ein gesondertes Barackenlager errichtet wurde. Neben Einheimischen waren auch Württemberger, Österreicher und Italiener hier tätig.s. Marco Müller: Die Bundesfestung Rastatt. In: Badische Heimat, Heft 4/2005, S. 502. Es war geplant, den Bau 1849 abzuschließen, was aber aufgrund von Finanzierungsproblemen und der badischen Revolution nicht realisiert werden konnte.
1848 wurde die Festung mit der Ernennung des ersten Gouverneurs, Generalleutnant Carl Felix von LassolayeEintrag in Landeskunde entdecken online – Leo-bw; Eintrag in den Badischen Biographien. in Betrieb genommen.
Nach der Unterbrechung durch die badische Revolution 1849 wurden die Arbeiten 1850 wieder aufgenommen und kamen 1852 zu einem vorläufigen Abschluss. Nach heftigen Auseinandersetzungen um den weiteren Ausbau und dessen Finanzierung – insbesondere zwischen Preußen und Österreichs. Karl Josef Rößler: Kampf um den Bau und die Besatzung der Festung Rastatt. In: Die Ortenau 42 (1962), 265–266. – wurden 1852–1854 die Stadtbefestigung und die Bahnhofslünetten vollendet, und 1856 erfolgte der Ausbau von zwei Außenwerken.
Bausubstanz der Festung mini|Schutzraum der Bastion XI im Mittleren Anschluss, heute im Stadtpark mini|Kasematten Die Festung wurde in der neupreußischen Befestigungsmanier errichtet, die damals in Europa vorherrschend war.
Die Festung bestand aus drei für sich eigenständig zu verteidigenden Teilen: Fort A „Leopoldsfeste“ Fort B „Ludwigsfeste“ Fort C „Friedrichsfeste“
Verbunden waren die drei Forts in der gleichen Reihenfolge durch den: „Oberen Anschluss“ „Unterer Anschluss“ „Mittlerer Anschluss“
Innerhalb dieses Festungskernes befanden sich 30 Werke. Außerhalb dieses Ringes befanden sich weitere dieser Werke, so dass die gesamte Festung aus 47 dieser Anlagen bestand. Die Werke wurden von 1 bis 47 durchnummeriert.
Besatzung Die Festung sollte im Kriegsfall bis zu 30 000 Mann aufnehmen können. Baden hatte sich verpflichtet, im Frieden 2 400 und im Krieg 7 000 Mann Besatzung zu stellen. Österreich sollte im Frieden 100 Mann und im Krieg 3 500 stellen. Nach langen und heftigen Auseinandersetzungen zwischen Preußen und Österreich wurde vom Deutschen Bund am 28. Juli 1859 auch Preußen ein Besatzungsrecht eingeräumt.s. Karl Stiefel: Baden 1648-1952. Karlsruhe 1979, Band 2, S. 1026; Rößler S. 266–272. Die Friedensbesatzung wurde auf 12 000 Mann festgelegt, wovon Österreich 6 000; Preußen 4 000 und Baden 2 000 stellen sollte.
Badische Revolution
Eine politische und militärische Bedeutung erlangte die Bundesfestung Rastatt 1849 während der Badischen Revolution, in deren Verlauf badisches Militär der Festungsgarnison meuterte und sich gemeinsam mit der Bürgerwehr der demokratisch gewählten Regierung unterstellte. Die Reaktion der benachbarten reaktionären Staaten ließ nicht lange auf sich warten. Unter der Führung Preußens wurde der Aufstand mit militärischer Gewalt niedergeschlagen. Die Gedenkstätte daran und ein Museum zur nationalen Bedeutung der Erhebung der Soldaten und Bevölkerung Badens befindet sich im nahe gelegenen Schloss Rastatt:
Die Meuterei vom 11. Mai 1849 Am 9. Mai 1849 fand ab 19 Uhr auf dem Exerzierplatz der Festung Rastatt eine Soldatenversammlung statt, an der fast alleso Schilling; nach Fickler (S. 35) beteiligten sich am 9. Mai nur etwa 300 Soldaten. Mannschaften und Unteroffiziere teilnahmen – es kam zu Verbrüderungsszenen zwischen Linientruppen und Rastatter Bürgerwehr. Die militärische Führung hatte zwar die Soldaten aufgefordert, Beschwerden auf dem Dienstwege vorzubringen und sich nicht an der Versammlung zu beteiligen, sie hatte aber kein Verbot ausgesprochen. Am 10. Mai fand in der Gromer’schen Bierbrauerei wiederum eine Soldatenversammlung statt, zu der die Artilleristen in geschlossener Formation mit gezogenem Säbel und schwarz-rot-goldener Fahne auszogen.s. Schilling S. 2.
Am 11. Mai wurde morgens der Soldat Starkes handelte sich um den 24-jährigen Johann Stark aus Lottstetten. von Hauptmann von Renz in das Arrestlokal des 1. badischen Infanterieregiments in der Leopoldskaserne eingesperrt, weil er auf der Soldatenversammlung aufrührerische Reden geführt habe. Soldaten des 1. und 3. Infanterieregiments sowie Festungsarbeiter versammelten sich gegen 10 Uhr vor der Kaserne und forderten die Freilassung von Stark. Die Offiziere ließen Generalmarsch schlagen, dem jedoch nur wenige Mannschaften Folge leisteten. Die Versuche mehrerer Offiziere, die Mannschaften zu beruhigen und/oder durch Drohungen die Ordnung wiederherzustellen, hatten keinen Erfolg, sondern führten sogar zu Handgreiflichkeiten gegen den Regimentsadjutanten von Göler. Die herbeigerufene Kasernenwache weigerte sich, gegen ihre Kameraden vorzugehen. Schließlich wurde Stark, der auf einer offiziellen Genehmigung durch seinen Kompanieführer bestand, freigelassen.
Um 13 Uhr wurde wieder Generalmarsch geschlagen, und wieder folgten die Mannschaften nicht. Beim 3. Infanterieregiment bedrängten Mannschaften den Gouverneur der Festung, Wilhelm von Cloßmann, und andere Offiziere, die darauf mit gezogenem Säbel die Unbotmäßigen aus der Kaserne trieben. Ein Sturm der Wohnung des Kommandeurs des 3. Infanterieregiments, Oberst Pierron, wurde nur durch Zureden des Gefreiten Haas – eines Führers des Soldatenklubs – verhindert. Gegen 18 Uhr sammelten sich nochmals Soldaten, Bürger und Festungsarbeiter vor der Leopoldskaserne. Es ging nun um die Freilassung des Korporals Kehlhofer, der wegen Insubordination und unerlaubter Abwesenheit von der Truppe inhaftiert wurde. Oberst Hoffmann wurde in dem Tumult durch einen Steinwurf verletzt und Oberst Pierron konnte sich nur zu Pferd durch Flucht retten. Die Unruhen breiteten sich nun in der ganzen Stadt aus, und die Offiziere wurden in ihren Wohnungen bedroht. Schließlich versuchte der Gouverneur, mit einer Schwadron Dragoner die Massen zu zerstreuen. Nach anfänglichem Erfolg versuchte er, mit den Aufrührern zu reden, wobei er jedoch keinen Erfolg hatte und die Kontrolle über seine Dragoner verlor. Wieder wurden Steine und Ziegel geworfen, und der Gouverneur wurde verletzt, die Dragoner verweigerten nun größtenteils den Befehl. Einzelne Offiziere wurden auf der Straße bedroht, und die Wohnung von Oberst Pierron, der sich zuvor noch in eine angrenzende Wohnung retten konnte, wurde gestürmt. Das Militär war nun ohne Führer, da von Cloßmann und Hoffmann verwundet und Pierron unauffindbar war. Die Hauptleute des kleinen österreichischen Kontingents in der Festung hielten ihre Leute zusammen und blieben zurückgezogen in der Festung.