mini|297px|Blick auf die Stadt von der Burg Rode Die Stadt Herzogenrath (, oder , ripuarisch Herzeroa) ist eine mittlere regionsangehörige Stadt in der nordrhein-westfälischen Städteregion Aachen. Sie entstand 1972 aus der Zusammenlegung der Stadt Herzogenrath mit den Gemeinden Kohlscheid und Merkstein und bildet mit dem niederländischen Kerkrade die symbolische Doppelstadt Eurode. Jahrhundertelang prägte Bergbau die Stadt.

Geographie Die Stadt Herzogenrath liegt im Übergangsbereich zwischen der Eifel und der niederrheinischen Tiefebene. Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn beginnend im Norden: Übach-Palenberg, Baesweiler, Alsdorf, Würselen, Aachen, Kerkrade (NL) und Landgraaf (NL). Herzogenrath gehört zum Nordkreis Aachen. Die Stadt hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 14 km, in der West-Ost-Achse sind es nur zwischen 1,5 km und 4 km. Auf einer Länge von knapp 9 km ist die westliche Stadtgrenze die Landesgrenze zu den Niederlanden, im Wesentlichen zur Stadt Kerkrade.

Stadtgliederung Herzogenrath besteht aus den drei Stadtteilen Herzogenrath, Merkstein und Kohlscheid, die sich wiederum in Ortsteile aufteilen: mini|Ferdinand-Schmetz-Platz in Herzogenrath mini|Bockreiterbrunnen am Ferdinand-Schmetz-Platz in Herzogenrath mini|Apolloniastraße in Herzogenrath

Kernstadt Herzogenrath Straß Kohlberg Gasse Hegge(n) Pesch Maubach Beckenberg Afden Niederbardenberg Ruif Noppenberg Bierstraß Thiergarten (auch Merkstein) Dahlen Wefelen

Ehemalige Gemeinde Merkstein Hofstadt Worm Wildnis Herbach Plitschard (Alt) Merkstein Floess Thiergarten (teils zu Merkstein, teils zu Herzogenrath) Streiffeld Nievelstein Finkenrath Ritzerfeld Magerau Noppenberg (teils zu Merkstein, teils zu Herzogenrath) Ophoven Neumerberen Rimburg (1816 bis 1972)

Ehemalige Gemeinde Kohlscheid (bis 1908 Pannesheide) Pannesheide Schützenheide Schweyerhof Roland Spidell Kessels Klinkheide Vorscheid Bank Wilsberg Rumpen Dornkaul Berensberg Hasenwald Mitteluersfeld Pley Kircheich Forensberg Neu-Forensberg Feld

Nachbarorte

Gewässer Die Wurm, wichtigster Nebenfluss der Rur, fließt zunächst östlich an den Herzogenrather Stadtteilen Kohlscheid und Straß vorbei, um dann den Ortskern der Stadt Herzogenrath in einen südlichen Teil rund um die Burg und einen nördlichen Teil (Afden) mit dem Bahnhof, Industriegebiet und Rathaus zu trennen. Der aus westlicher Richtung von Alsdorf her fließende Broichbach (auch: Broicher Bach) mündet genau im Herzen Herzogenraths in die Wurm und trennt Afden und den Westen Herzogenraths (mit Niederbardenberg, Ruif und Wefelen) vom übrigen Stadtgebiet. Ein Stausee etwa 500 Meter oberhalb der Mündung im Naherholungsgebiet Broichbachtal gelegen, reguliert den Wasserzufluss vom Broichbach in die Wurm. Hier liegt auch die historische Erkensmühle. Die Wurm passiert nördlich der Altstadt das Gelände der St. Gobain Glasfabrik an deren Ende sie auf niederländisches Staatsgebiet trifft, um bis Übach-Palenberg beziehungsweise Rimburg (NL) Grenzfluss zwischen den Niederlanden und Deutschland zu bleiben.

Am Boscheler Berg zwischen dem Ortsteil Merkstein und Boscheln, nahe dem Gut Neumerberen, entspringt der Übach, der von dort nördlich des Ortsteils Plitschard und westlich des Ortsteils Herbach weiter nach Übach fließt.

Ein weiteres Fließgewässer tangiert Herzogenrather Stadtgebiet, der im Nordwesten Aachens entspringende Amstelbach. Dieser verläuft von Aachen-Richterich kommend in nördlicher Richtung und passiert dabei die jeweils westlich liegenden Ortsteile Kircheich, Mühlenbach und Pannesheide, während der Ortsteil Bank direkt durchschnitten wird. Bei Pannesheide wird der Amstelbach kurzzeitig zum Grenzfluss zwischen Deutschland und den Niederlanden um anschließend als Anselderbeek das Anstelvallei (Amsteltal), Kerkrades grünes Herz, zu durchqueren. Gegenüber dem Ortsteil Hofstadt (Finkenrath) mündet der Bach, gemeinsam mit dem Strijthagerbeek in die Wurm.Eelaart, A.W.A. van den: Eygelshoven 850 Jahr, passim. (vgl. insbesondere Kartenbeilage!)

Geologie mini|Blick auf Herzogenrath Die Stadt Herzogenrath liegt im Übergangsbereich zweier Landschaften mit grundlegend unterschiedlicher geologischer Entstehung. Von Süden (Eifel, Ardennen) fällt das während der variszischen Gebirgsbildung aufgefaltete und später wieder eingerumpfte Rheinische Schiefergebirge in nördlicher Richtung in zunehmende Tiefe ab. Darüber haben sich nach Norden mächtiger werdende Sedimente aus jüngeren Erdzeitaltern schichtweise abgelagert. In beiden Bereichen ist der Untergrund durch teils noch aktive Verwerfungen in Bruchschollen untergliedert. Eine dieser Bruchlinien, der Feldbiss, durchzieht Herzogenrath.

Die älteren, nach Norden zunehmend in größere Tiefen vordringenden Schichten des Schiefergebirgsrumpfes gliedern sich von oben (jung) nach unten (alt) in Kreide, Karbon, Devon und ältere. Darüber lagernde Sedimente stammen großteils aus dem Zeitalter des Tertiär. Die jüngsten Lagen (z. B. örtlich auftretende Lößlehmdecken) stammen aber aus dem Quartär, sind also geologisch noch sehr jung. Für den ehemals in und um Herzogenrath betriebenen Steinkohlebergbau bedeutete dieser geologische Aufbau des Untergrundes den Vorteil von knapp unter der Erde liegenden Kohleflözen südlich des Feldbiss (Kohlscheid, Straß, Pannesheide), aber ebenso die Notwendigkeit zum Tiefbau mit erheblichem Entwässerungsaufwand infolge wasserreicher Deckgebirgsschichten nördlich davon (Merkstein).

mini|Niederschläge

Klima Der Jahresniederschlag beträgt 760 mm. Der Niederschlag liegt im mittleren Drittel der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes. 54 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der Oktober; am meisten regnet es im Mai. Im niederschlagreichsten Monat fällt etwa 1,4mal mehr Regen, als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im unteren Drittel. In nur 1 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.

Geschichte mini|Burg Rode Urkundlich erwähnt wird Herzogenrath erstmals im Jahre 1104, als Burgsiedlung der Grafen von Saffenberg „Castrensis Viculus“. Später geht die Burg Rode an die Herzöge von Limburg und wird schließlich 1282 unter dem Namen „’s Hertogenrode“, sinngemäß „des Herzogs Rodung“, urkundlich belegt. Bis zur Französischen Revolution blieb es in Personalunion mit Limburg vereint. Die Stadtrechte (einschließlich des Münzrechts) erhielt der Ort durch König Rudolf von Habsburg im selben Jahr. Im Jahre 1283 rückte das brabantische Heer unter Winnemar von Gijmenich gegen Herzogenrath vor. Durch die Belagerung herrschte in der Bevölkerung Hungersnot. Bei einer Inspektion wurde der Anführer des gegnerischen Heeres durch eine Heldentat eines unbekannten Herzogenrather Armbrustschützen getötet. Durch den Schock im Heer über den Verlust des Heerführers zogen sich die Ritter zurück. Noch heute wird der Held als „Schütz von Rode“ gefeiert.

Nach der Schlacht bei Worringen kam Limburg, also auch Herzogenrath, zum Herzogtum Brabant. Mit den benachbarten Herrschaften Dalhem und dem Land von Valkenburg bildete es die Lande von Übermaas, die zusammen mit Limburg unter einem gemeinsamen Statthalter eine der 17 Provinzen der Burgundischen Niederlande waren. Auch diese Föderation mit Limburg und den Landen von Übermaas sollte bis zur Französischen Revolution bestehen bleiben. Auf Französisch hieß die Stadt und die Herrschaft Rode le Duc oder Rolduc, ein Name der heute in der gleichnamigen Abtei Rolduc weiter lebt.

Zwischen 1730 und 1780 war die „Bande“ der Bockreiter in Herzogenrath und Umgebung aktiv. Auf dem Wiener Kongress (1814–1815) wurde das Land Rode aufgeteilt und durch den Vertrag von Aachen 1816, in dem Ergebnisse des Wiener Kongresses des Vorjahres näher bestimmt wurden, die genaue Grenze zwischen den Niederlanden und Preußen festgelegt. Das heutige Herzogenrath wurde Preußen zugeschlagen, die andere Hälfte ging an die Vereinigten Niederlande und wurde zur Gemeinde Kerkrade. Dabei verlor Herzogenrath die Stadtrechte, die ihr erst wieder 1919 verliehen wurden. Anlässlich der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen wurde Herzogenrath am 1. Januar 1972 um die ehemaligen Gemeinden Kohlscheid im Süden und Merkstein im Norden erweitert und wuchs über Nacht von 9.000 auf 43.000 Einwohner. Diese Eingemeindung war nicht unumstritten, und es wurden Alternativnamen wie „Komerath“ (= Kohlscheid + Merkstein + Herzogenrath) vorgeschlagen. Trotz stetigen Wachstums um etwa 10.000 Einwohner sind bis heute die drei Teile noch nicht vollständig zusammengewachsen, obschon seit den 1970ern neue Wohngebiete bevorzugt zwischen den alten Kerngemeinden entstanden.

Vom Bergbau zur Naherholung mini|hochkant|Seilscheibe im Grube-Adolf-Park Im Wurmtal südwestlich von Herzogenrath befand sich der älteste für Mitteleuropa dokumentierte Steinkohlenbergbau, von dem die Aufzeichnungen des im Nachbarort Kerkrade gelegenen Klosters Rolduc (Annales Rodenses) erstmals im Jahre 1113 berichten. Jahrhunderte währender Bergbau und die Bergbaugeschichte haben den Nordkreis Aachen und damit auch die Stadt Herzogenrath geprägt. Die markante Haldenlandschaft ist dafür zum weithin sichtbaren Wahrzeichen geworden. Der Eschweiler Bergwerksverein (EBV) förderte von 1899 bis 1972 auf der Grube Adolf in Merkstein mit bis zu 2700 Beschäftigten 37,5 Mio. Tonnen Kohle. Danach wurden die oberirdischen Anlagen abgerissen, bis nur noch das Fördermaschinenhaus als letztes Gebäude übrig blieb. Überlassenschaft des Bergbaus ist die mit Hilfe einer Lorenbahn aufgeschüttete Abraumhalde. Weitere Steinkohlenbergwerke auf Herzogenrather Gebiet waren die von Eduard Honigmann erschlossene und betriebene Grube Nordstern zwischen Merkstein und Alsdorf-Busch, die Gruben Laurweg, Langenberg und Kämpchen in Kohlscheid, sowie die Grube Voccart in Straß. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es an den Hängen des Wurmtals zahlreiche kleinere Gewerke (Schächte, Pingen, Stollen etc.). Davon sind nicht alle namentlich bekannt. Eine Vielzahl an Schächten wurde im Bereich von Straß/Kohlberg/Pannesheide angelegt. Bis zur Säkularisation durch Napoleon kontrollierte das nahe gelegene Kloster Rolduc den dortigen Bergbau. Mindestens ein Dutzend seigere, also senkrechte Schächte sowie eine Reihe von Erbstollen, die das Grubenwasser zur Wurm ableiteten, solange es noch keine leistungsfähigen Pumpen gab, existierten allein rund um den „Kohlberg“ bei Straß/Pannesheide/Kohlscheid in diesem Bereich.

Jedoch hatte der Kernort Herzogenrath kaum Anteil am Bergbau. Dieser prägte vielmehr die Ortsteile wie Kohlscheid, Kohlberg, Merkstein, Kämpchen und Pannesheide, wo sich die Bergwerke befanden. Außerdem befinden sich im Wurmtal zwischen Kohlscheid/Straß und Bardenberg/Pley noch sehr viele Spuren des Bergbaus. Nach Rekultivierung von Zeche und Halde durch gezielte Anpflanzungen in den 1970er Jahren war das Gelände über Jahrzehnte sich selbst überlassen. Die Natur hat dieses Gebiet zurückerobert. In den Jahren 1998–1999 wurde das gesamte Areal vom EBV mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union als Landschaftspark umgestaltet. Der „Grube-Adolf-Park Merkstein“ umfasst zirka 60 Hektar und besteht aus dem ehemaligen Zechenstandort, von dem nur noch das Fördermaschinenhaus übrig geblieben ist (Besucherzentrum des Parks), der zirka 100 m aufragenden Abraumhalde und einem zirka 1 km langen Waldgürtel.

Wurmtal