Monschau [, auch ] (bis 1918 Montjoie) ist eine Stadt an der Rur in der Eifel. Sie liegt in Nordrhein-Westfalen und gehört zur Städteregion Aachen. Die Stadt liegt zwischen den Berghängen des Naturparks Hohes Venn-Eifel in der Rureifel, die ihren Namen nach dem Fluss Rur trägt.

Geographie Nachbarorte sind Simmerath, Schleiden, Hellenthal und die belgischen Orte Eupen, Weismes, Bütgenbach, Rocherath und Büllingen.

Klima Der Jahresniederschlag beträgt 1228 mm und liegt damit im oberen Zehntel der von den Messstellen des Deutschen Wetterdienstes erfassten Werte. Über 93 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der September; am meisten regnet es im Dezember. Im niederschlagreichsten Monat fällt ca. 1,8-mal mehr Regen als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im oberen Drittel. In über 86 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.Klimamonschau, Daten auf climate-data.org

Stadtgliederung mini|Monschauer Stadtteile Seit dem 1. Januar 1972 besteht die Stadt Monschau aus den Stadtteilen: Höfen mit 2054 Einwohnern (31. Dezember 2006) Imgenbroich mit Widdau mit 2010 Einwohnern (31. Dezember 2006) Kalterherberg mit Ruitzhof mit 2432 Einwohnern (31. Dezember 2006) Konzen mit dem Gehöft Rückschlag mit 2428 Einwohnern (31. Dezember 2006) Monschau mit 1696 Einwohnern (31. Dezember 2006) Mützenich mit 2237 Einwohnern (31. Dezember 2006) Rohren mit 741 Einwohnern (31. Dezember 2006)

Durch das Stadtgebiet verläuft die zum belgischen Staatsgebiet gehörende Vennbahntrasse, die Mützenich, Ruitzhof und Rückschlag zu von Belgien umschlossenen Exklaven Deutschlands macht.Deutschland / Belgien Exklaven Vennbahn auf eberhard-gutberlett.de, abgerufen am 25. Dezember 2016.

Geschichte mini|hochkant|Blick auf Burg mit abgetragenen Dächern, 1883

1198 wurde Monschau zum ersten Mal als Mons Ioci erwähnt, die genaue Herkunft des Namens ist nicht feststellbar. Urkundlich wurden über die Jahre unterschiedliche Namen beziehungsweise Schreibweisen benutzt, beispielsweise 1225 de Munioy, 1226 Monjoje, 1248 de Monsyoge, 1251 de Můns Yoia, 1279 de Munzoyge, 1338 de Muynzie, 1354 de Monyou, 1364 zu Moynschawe, 1384 Monzwauwe, 1429 zu Monschauwe. Bis 1918 hieß die Stadt Montjoie. Am 9. August 1918 wurde der Name durch kaiserlichen Erlass Wilhelms II. in Monschau geändert. Die Namensänderung wird heute als „übermäßiger Kulturpatriotismus“ angesehen und blieb als einzige der zahlreichen kriegspolitisch bedingten Ortsnamensänderungen bestehen.

Vermutlich zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde die Burg Monschau als Castrum in Munioie durch die Herzöge von Limburg errichtet und im 14. Jahrhundert weiter ausgebaut. Sie liegt über dem Rurtal, wo der Laufenbach in die Rur mündet. Heute befindet sich in der renovierten Burg die ältere der beiden Jugendherbergen Monschaus. 1351 wurde im Auftrag der Burgherren am Ufer der Rur und angelehnt an das ehemalige Stadttor „Achter“ bzw. „Luxemburger Pforte“ ein Burghaus als Dienstwohnung für den Revierförster und Wachleiter der Burg erbaut, das später den Namen Haus zum Turm erhielt und nach mehrfachen Um- und Ausbauten sowie Besitzerwechseln heute (2024) als ältestes Wohnhaus Monschaus zählt.

1352 erhielt Montjoie Stadtrechte. Die Herrschaft Montjoie ging nach dem Tod von Johann III. von Schönforst-Montjoie 1433 an das Herzogtum Jülich über.

1596 wurde in Montjoie eine Leprakolonie eingerichtet. Die Klapper, 8. Jg., 2000, abgerufen am 19. Januar 2016.

Während des Dreißigjährigen Kriegs vergrößerte sich die Stadtbevölkerung durch zahlreiche protestantische deutschsprachige Flüchtlinge und Tuchmacher.

1654 erfolgte der Bau eines Rathauses vor der Stadtmauer, 1710 siedelten sich die Ursulinen in Monschau an, die im 1715–1718 errichteten Ursulinenkloster Monschau in der Laufenstraße unterkamen, 1712 folgten die Minoriten. Nach der Besetzung durch französische Revolutionstruppen wurde Monschau 1794 Kantons- und 1816 Kreissitz des preußischen Kreises Montjoie. Die Niederlassung des Ursulinenordens bestand zunächst bis 1838, danach erneut von 1857 bis 1877 und zuletzt von 1927 bis 1978. Die höhere Töchterschule wurde danach als Bischöfliche Mädchenrealschule St. Ursula vom Bistum Aachen weitergeführt. Die Minoriten waren bereits 1804 säkularisiert worden; aus der Minoritenschule ging später das städtische St. Michael-Gymnasium hervor.

Im September 1944 wurde Monschau schnell durch amerikanisches Militär eingenommen. Deshalb blieb die Stadt im Unterschied zu den teilweise schwer umkämpften Orte des Umlandes weitgehend von schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg verschont.Stadtgeschichte von Monschau Internetportal der Stadt Monschau, abgerufen am 4. Januar 2024

Textilindustrie mini|links|Scheiblerfabrik Rosenthal Als Begründer der Monschauer Feintuchproduktion gilt der am Ende des 16. Jahrhunderts wegen der Begleitumstände der Aachener Religionsunruhen von dort ausgewanderte protestantische Tuchmacher Arnold Schmitz, der im sogenannten Schmitzenhof an der Rur die ersten Feintuche in der Stadt herstellte. Diese benötigten allerdings im Unterschied zu den bis dahin in Heimarbeit im Umland hergestellten groben Tuchen Wolle von besserer Qualität, die von auswärts eingeführt werden musste. Dafür ließ sie sich europaweit exportieren und bot den Fabrikanten große Gewinne. Der aus dem bergischen Land zugezogene protestantische Pfarrersohn Johann Heinrich Scheibler führte schließlich die Textilindustrie der Stadt im 18. Jahrhundert zu ihrem Höhepunkt. Noch heute sichtbares Symbol dieser Blütezeit ist das von der Fabrikantenfamilie Scheibler um 1760 erbaute prachtvolle Rote Haus. Es vereint die Funktionen als den Ort dominierendes repräsentatives Wohnhaus, Kontor, Lager und Fabrikationsgebäude am Zufluss des Laufenbachs in die Rur. Die Scheiblers importierten ihre Wolle von spanischen Merinoschafen über Antwerpen und Rotterdam. Zum Niedergang der Textilindustrie im 19. Jahrhundert trugen die preußische Zollpolitik und der verspätete Anschluss der Stadt an das Eisenbahnnetz bei. Die letzte Textilfabrik in Monschau war die Streichgarnspinnerei Rheinische Wollwerke Monschau auf Burgau, die 1982 den Betrieb einstellte. In den verbliebenen Gebäuden sind der Monschauer Handwerkermarkt sowie eine „römische“ Glashütte und der Lernort Natur untergebracht, ein Museum und Lernort, in dem die Kreisjägerschaft Aachen eine Sammlung von über 1000 Tierpräparaten zeigt.Christoph Wendt: Monschau – Idylle zwischen Fels und Fachwerk. Aachen 1995, S. 66ff.

Kreisstadt Monschau Von 1816 bis 1971 war Monschau Kreisstadt des damaligen Kreises Monschau; dieser gehörte zum damaligen Regierungsbezirk Aachen. Sowohl der Kreis als auch der Regierungsbezirk wurden am 1. Januar 1972 durch das Aachen-Gesetz aufgelöst.

Kriegsgefangenenlager im Zweiten Weltkrieg In Monschau befand sich im Zweiten Weltkrieg ein Kriegsgefangenenlager hauptsächlich für sowjetische Kriegsgefangene. Es befand sich wahrscheinlich auf dem Gebiet der bis 1972 selbstständigen Gemeinde Imgenbroich, etwa auf dem heutigen Sportplatz zwischen Monschau und Imgenbroich nördlich der „Flora“ am heutigen Kreisverkehr. Um 1960 wurden etwa 162 Tote auf die Sowjetische Kriegsgräberstätte Simmerath-Rurberg umgebettet.

Pockenepidemie 1962 Im Jahr 1962 waren Monschau und sein Umland Schauplatz einer der letzten Pockenepidemien in Deutschland. Die damals in Deutschland schon nahezu als ausgerottet geltende Krankheit schleppte ein Mitarbeiter eines Maschinenbauunternehmens ein, der auf Montage in Indien tätig gewesen war. Insgesamt forderte der Ausbruch der Krankheit eine Tote, vier sehr schwer und 33 mittelschwer Erkrankte. Für rund 700 Personen wurde Quarantäne angeordnet. Die medizinische Versorgung auch der nicht erkrankten Bevölkerung gestaltete sich teilweise schwierig, da es umliegende Krankenhäuser aus Sorge, die Infektion einzuschleppen, ablehnten, Patienten aus der Region aufzunehmen. „Jeder Monschauer stand im Verdacht, die Pocken einzuschleppen.“Die Attacke der gefährlichen Pocken auf spiegel.de vom 26. März 2020, abgerufen am 3. Februar 2022 Der Roman Monschau (2021) von Steffen Kopetzky spielt vor dem Hintergrund dieses Pockenfalls.

Politik Stadtrat

Die Kommunalwahl am 14. September 2025 ergab folgendes Endergebnis: Parteien und Wählergemeinschaften Sitze StimmenanteilCDUChristlich Demokratische Union Deutschlands1348,12 %GRÜNEBündnis 90/Die Grünen621,51 %SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands311,33 %AfDAlternative für Deutschland310,63 %FDPFreie Demokratische Partei 25,40 %LinkeDie Linke13,01 %Gesamt 28100 % Wahlbeteiligung: 73,17 % (2020: 59,99 %)

Die CDU verlor bei den jüngsten Wahlen erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre absolute Mehrheit im Stadtrat.

Bürgermeisterin mini|Neues Rathaus Monschau, Laufenstraße Zur Bürgermeisterin wurde im Mai 2022 die Hochschullehrerin Carmen Krämer (parteilos, von Bündnis 90/Die Grünen nominiert) mit 62,62 % der Stimmen gewählt. Sie lag damit vor ihrem konservativen Herausforderer Micha Kreitz (CDU), der in der Stichwahl nur rund ein Drittel der Wähler in der CDU-Hochburg Monschau für sich gewinnen konnte. Krämer löste damit die erst 2020 gewählte Silvia Mertens (Bündnis 90/Die Grünen) ab, die aus gesundheitlichen Gründen ihr Amt niederlegte. Am 28. September 2025 wurde Krämer mit 54,63 % der Stimmen in einer Stichwahl gegen den Kandidaten der CDU Tom Kuck wiedergewählt.

Städtepartnerschaft Monschau unterhält seit 1975 eine Städtepartnerschaft mit Bourg-Saint-Andéol (Frankreich).

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Verformung 14, 17-1 1971 verpackte das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude auf Initiative des Kunstkreises Monschau und des Journalisten Willi Bongard die Haller-Ruine und Teile der Monschauer Burg. Das CHRISTO projekt monSCHAU stellt eine der ersten großen Open-Air-Verhüllungen der Künstler dar. Die Skulptur Verformung 14, 17-1 fertigte Alf Lechner 1970 für die Ausstellung Umwelt-Akzente in Monschau. Zurückgekommen ist die Plastik im August 2011 im Rahmen der Retrospektive Umwelt-Akzente. Standort heute: hinter dem Aukloster, Austraße, Schleidener Straße. Das Fotografie Forum der Städteregion Aachen, bis 2020: „Kunst- und Kulturzentrum Monschau“ (KUK), zeigt wechselnde Kunstausstellungen, seit 2020 mit dem Schwerpunkt Fotografie. Kulturprogramm des KUK. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hielt sich der Maler August von Brandis (1859–1947) in Monschau auf. Ihm war 1999 eine Retrospektive gewidmet, die im Haus Troistorff gezeigt wurde. Das Kolpinghaus Monschau, öffentliche Schulungs- und Veranstaltungsstätte im Besitz des Kolpingwerks von Monschau

Museen mini|Rotes Haus Rotes Haus, Stiftung-Scheibler-Museum: Bürgerliche Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts Senfmühle Monschau, erbaut 1882 Druckerei-Museum Weiss im Ortsteil Imgenbroich Römische Glashütte mit dem Erlebnismuseum Lernort Natur, seit 2014 ein Museum und Lernort, in dem die Kreisjägerschaft Aachen eine Sammlung von über 1000 Tierpräparaten zeigt. Sparkassen-MuseumSparkassen-Museum Monschau Bis 2019 bestand zudem das Brauerei-Museum Felsenkeller.

Siehe auch: Liste der Museen in der Städteregion Aachen

Bauwerke

mini|Ev. Stadtkirche Monschau besitzt über 330 denkmalgeschützte Bauwerke, sodass hier nur eine Auswahl genannt werden kann. Burg Monschau mit der Schlosskapelle