Königsbrunn ist die größte Stadt im schwäbischen Landkreis Augsburg. mini|Europaplatz in Königsbrunn mini|Königsbrunn von Norden – Haunstetter Straße
Geografie Lage Königsbrunn liegt auf einer Höhe von im Osten des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben und grenzt im Südosten an Oberbayern. Das Stadtgebiet befindet sich auf dem Lechfeld, einer Schotterebene südlich von Augsburg zwischen den Alpenflüssen Lech und Wertach. Königsbrunn grenzt im Norden an die ehemalige Stadt Haunstetten, die seit 1972 ein Stadtteil Augsburgs ist.
Gemeindegliederung Es gibt nur den Gemeindeteil Königsbrunn und die Gemarkung Königsbrunn.
Auf der amtlichen Karte findet sich der Wohnplatz Fohlenhof an der Ostgrenze der Gemeinde. Die Lechaumühle gehört bereits zu der im Osten angrenzenden Gemeinde Schmiechen im Landkreis Aichach-Friedberg.Amtliche Topographische Karte im BayernAtlas.
Geschichte Königsbrunn ist eine der jüngsten Siedlungen Bayerns. 1833 wurden Brunnen an der sogenannten Hochstiftstraße errichtet, 1836 bauten die ersten Siedler bei diesen Königsbrunnen ihre damals in der Flur Bobingen gelegenen Häuser.Stadtgeschichte von Königsbrunn Auf Antrag der Siedler wurde Königsbrunn am 7. Januar 1842 zur Gemeinde und 1967 zur Stadt erhoben.
Vor- und Frühgeschichte mini|hochkant|Grab aus der Bronzezeit Zahlreiche archäologische Ausgrabungen weisen auf eine Besiedelung des Königsbrunner Bodens bereits in der Jungsteinzeit (ca. 3000 v. Chr.) und der Glockenbecherkultur (ca. 2300 v. Chr.) hin. Im Jahr 1917 wurde auf einem Königsbrunner Acker ein spektakulärer Fund aus der frühen Bronzezeit (2200 bis 1700 v. Chr.) freigelegt: eine vollständig erhaltene Steinkiste aus Kalktuff.
In der späten Hallstattzeit (500–400 v. Chr.) siedelten Kelten auf der Flur. Bis jetzt wurden rund 50 Häuser ihres Dorfes freigelegt. Die Kelten, die in diesem Teil Rätiens lebten, gehörten der Stämmegruppe an, die die Römer Vindeliker nannten.
Mit dem Jahr 15 v. Chr. endete die Herrschaft der Kelten in Rätien; ihr Gebiet ging an das Römische Reich. Im selben Jahr wurde nördlich des heutigen Königsbrunn ein Legionslager gegründet, aus dem die Römerstadt Augusta Vindelicum, das heutige Augsburg, entstand. Besiedlungsbelege in Königsbrunn aus der Römerzeit sind ein Mithräum sowie mehrere römische Gutshöfe (villae rusticae). Die im Jahr 46 ausgebaute Via Claudia Augusta, die bedeutendste Römerstraße nördlich der Alpen, führte direkt durch Königsbrunn nach Augsburg und ist heute noch an einzelnen Stellen gut zu erkennen. Heute liegt Königsbrunn am Fernradweg Via Claudia Augusta, der entlang der gleichnamigen antiken Römerstraße verläuft.
Mittelalter Mit dem Ende der Römerzeit endete, soweit bekannt, die Besiedelung in Königsbrunn. Die römischen Gutshöfe, das Mithräum usw. verfielen und gerieten während des Mittelalters vollständig in Vergessenheit. Es wird angenommen, dass die Schlacht auf dem Lechfeld (955), in der König Otto sowie Ulrich von Augsburg die Ungarn besiegten, zumindest teilweise auf Königsbrunner Gebiet stattfand. Dieses Ereignis hatte für das ganze Abendland Bedeutung. Archäologische Funde, die eine nähere Lokalisierung der Lechfeldschlacht erlauben würden, fehlen jedoch bislang.
Die Römerstraße Via Claudia Augusta verfiel zwar ebenfalls, doch wurde ihre Trasse weiterhin als wichtige Verbindungsstraße genutzt. Ab dem 17. Jahrhundert erfuhr sie eine verstärkte Nutzung zwischen Augsburg und dem vielbesuchten Wallfahrtsort Klosterlechfeld im Süden von Augsburg.
Neubesiedelung mini|hochkant=0.6|Die Karte von 1904 zeigt den noch unbegradigten Lech und Königsbrunn als Straßendorf Im Jahr 1688 wurde im Süden des heutigen Königsbrunns ein Zollhaus, das „Neuhaus“, erbaut (heute Landsberger Straße 58). An diesem Haus zweigte eine neue Straße im spitzen Winkel von der Via-Claudia-Trasse ab, die Sigismund von Habsburg hatte bauen lassen. Diese Straße führte ab hier schnurgerade über Klosterlechfeld nach Landsberg. Da für sie jedoch Maut zu bezahlen war, wurde sie kaum genutzt und der Hauptverkehr bevorzugte weiter die alte Römerstraße.
Im Zollhaus war auch eine Vorspannstation und das Gasthaus „Zum Lechfeldwirt“, dessen Wirt das Käserei-, Bäckerei-, Metzgerei- und Brauereirecht innehatte. Da dies das einzige Gasthaus auf der 18 Kilometer langen Strecke zwischen Haunstetten und Klosterlechfeld war, florierte der Betrieb und der Wirt konnte im Jahr 1734 auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Nepomukkapelle errichten.
Im Jahr 1833 ließ König Ludwig I. von Bayern zwischen Augsburg und Klosterlechfeld drei Brunnen zur Versorgung der Fuhrleute und Wallfahrer graben. Diese Brunnen erhielten von Reisenden und Bewohnern des Umlandes bald die Bezeichnung „Königsbrunnen“. Sie waren Voraussetzung für die nachfolgende Besiedlung und begründen den Ursprung des Ortsnamens. Das Wappen der Stadt Königsbrunn zeigt auf rotem Grund eine goldene Königskrone, die über einem silbernen Ziehbrunnen schwebt.
Die Siedlung wuchs bald zum längsten Straßendorf Bayerns (ca. 7 km), da sich die Bebauung über längere Zeit fast ausschließlich entlang der Hauptstraße des Ortes vollzog. Die Bevölkerung Königsbrunns bestand damals vorrangig aus Landwirten, die den kargen, steinigen Boden bewirtschafteten. Diese waren zum großen Teil zugezogene Zweit- und Drittsöhne von Bauern aus Württemberg und Hessen, dem Ries und dem Donaumoos, die hier preiswerten Grund erwerben konnten.
So entstand am Randbereich der Bobinger Flur die Kolonie Königsbrunn. Im Jahr 1842 wurde sie zur eigenen Gemeinde erhoben. Zu dem Zeitpunkt lebten in ihr 431 Personen, darunter 237 Kinder. Durch die Herkunft der Siedler hielten sich in der jungen Gemeinde, anders als im überwiegend katholisch geprägten Umland, die beiden Konfessionen fast die Waage. So wurden in Königsbrunn diverse Einrichtungen von Anfang an zweifach angelegt. Die erste katholische und die erste evangelische Schule entstanden 1846. 1848 wurde ein protestantischer Friedhof angelegt, 1850 ein katholischer. Die erste katholische Kirche, St. Ulrich, wurde 1855–1858 erbaut. Ihr folgte 1859–1861 die evangelisch-lutherische Kirche St. Johannes. Beide Gotteshäuser haben denselben Architekten und ähneln sich äußerlich sehr. Sie befinden sich beide direkt an der alten Hauptstraße, aber auf verschiedenen Straßenseiten und in einem Kilometer Abstand voneinander. In den folgenden Jahrzehnten wuchs das Straßendorf Königsbrunn nach und nach auch in die Breite.
Wachstum zur Stadt Die Einwohnerzahl betrug im Jahr 1939 rund 3000. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich die Einwohnerzahl sprunghaft durch die Zuweisung von Heimatvertriebenen. 1948 wurde der damals 24-jährige Fritz Wohlfarth († 6. Dezember 2010) zum 1. Bürgermeister Königsbrunns gewählt. Der damals jüngste Bürgermeister Bayerns hatte großen Einfluss auf die Entwicklung des Ortes in den folgenden Jahrzehnten.
Wohlfarth erkannte die Chancen in der Wohnungsnot, die durch die Vertriebenen entstanden war, und förderte den Wohnungsbau, den Bau von Schulen und die Ansiedelung von Gewerbebetrieben. Die König-Ludwig-Schule wurde 1954 eingeweiht, 1960 die König-Otto-Schule. Die Staatliche Mittelschule (heute Via-Claudia-Realschule) nahm ihren Unterricht 1964 in den Räumen der König-Ludwig-Schule auf und bezog zum Schuljahr 1965/66 ihren eigenen Bau an der Schwabenstraße mit Schwimmbad und Turnhalle. Das mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium nahm seinen Unterricht 1966 auf und bezog 1971 ein eigenes Gebäude mit Doppelturnhalle und Schwimmbad. Bei der Stadterhebung 1967 war die Gemeinde bereits auf rund 11.000 Bürger angewachsen.
Entwicklung als Stadt mini|Die ehemalige Königstherme (abgerissen) Die Schule für Lernbehinderte nahm ihren Betrieb 1967 auf. Ihr folgte der Bau eines großen Behindertenschulzentrums mit Sportstadion, Sportanlage und Dreifachturnhalle. Mit dem Bau des Freizeitbades „Königstherme“ (dieses mittlerweile wieder abgerissen) und der benachbarten Eishalle gelang es 1985, einen weiteren Anziehungspunkt in Königsbrunn zu errichten; 2001 folgte ein Multiplex-Kino mit dem Namen „Hollyworld-Movieplex“ (heute im Cineplex-Verbund).
Die alte Hauptstraße des früheren Straßendorfs wurde in den 1960er und 70er Jahren unter Zerstörung hunderter alter Alleelinden vierspurig ausgebaut und durchschneidet bis heute als ehemaliger Teil der Bundesstraße 17 zwischen Augsburg und Landsberg/Lech ähnlich einer Stadtautobahn den Ort. 1977 wurde eine neue autobahnähnliche Trasse der B 17 am Rand der Hochterrasse westlich von Königsbrunn in Betrieb genommen, die die fortan zur Unterscheidung „alte B 17“ genannte Königsbrunner Hauptstraße entlastete. Zur weiteren Beruhigung des Verkehrs im Zentrum von Königsbrunn wurden Umgehungsstraßen westlich und östlich der Stadt erbaut und Ampelkreuzungen in Kreisverkehre umgewandelt. Die Hauptstraße wurde im mittleren Abschnitt in Bgm.-Wohlfarth-Straße umgetauft und im Jahr 2003 zwischen den beiden Kirchen St. Ulrich und St. Johannes von vier auf zwei Spuren zurückgebaut und umgestaltet. Im Areal westlich der Königstherme wurde eine weitere Sportanlage erbaut und der Aussichts- und Rodelhügel „Ulrichshöhe“ angelegt.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 20.183 auf 28.076 um 7.893 Einwohner bzw. um 39,1 %.
Die Einwohnerzahlen von 1842 bis 1987 beziehen sich auf die Gemeindefläche von 1987.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1842 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 Einwohner 431 1.954 3.026 4.564 7.215 12.796 19.231 22.607 25.038 26.539 27.551 27.406 27.772 28.075
Politik mini|Königsbrunner Rathaus Stadtrat Sitzverteilung im 30-köpfigen Stadtrat (Stand Kommunalwahl 2020): CSU: 12 Sitze GRÜNE: 5 Sitze Freie-Wähler-Gruppe: 5 Sitze SPD: 3 Sitze FDP/Bürgerforum: 2 Sitze AfD: 2 Sitze Bürgerbewegung Königsbrunn e. V.: 1 Sitz
Bürgermeister Die nachfolgende Liste beinhaltet die (1.) Bürgermeister von Königsbrunn seit Gründung der Gemeinde:Willy Behrendt und Albert Teichner: Königsbrunn – die Stadt auf dem Lechfeld, Königsbrunn, 1984, ISBN 978-3-924619-00-8.
Wappen
Partnerstädte : Königsbrunn ist seit 1996 Partnerstadt von Rab auf der Insel Rab.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Mercateum mini|Skulptur im neu gestalteten Stadtzentrum von Königsbrunn mini|Die Königsbrunner Gautsch, ein Volksfest, dessen Name auf das Gautschen zurückgeht.
Sehenswürdigkeiten Archäologisches Museum Königsbrunn Mithräum (im städtischen Friedhof) Lechfeldmuseum (volkskundliche Sammlungen mit der Heimatstube der 1945/1946 vertriebenen Bewohner aus Liebenau in Nordböhmen, dem heutigen Hodkovice nad Mohelkou in Tschechien. Siehe auch: Heimatstube Reichenberg in Augsburg) Naturmuseum Königsbrunn (Naturwissenschaftliche Sammlung Dr. Fischer) Mercateum (größter historischer Globus der Welt) Viele Jahre war das Freizeit- und Erholungsbad „Königstherme“Bilder aus der ehemaligen Königstherme auf facebook (1984–2015) die größte Sehenswürdigkeit der Stadt mit zeitweise über 100.000 Besuchern im Jahr.ehemaliger Werbefilm der KönigsthermeVersuch Mitstreiter zum Erhalt der Königstherme zu finden, mit Erinnerungsbildern
Natur und Gewässer Königsbrunner Heide, Lechtalheiden (auf Augsburger Stadtgebiet) Ilsesee (auf Augsburger Stadtgebiet) Gymnasiumsweiher, Hausleiterweiher, Hermannweiher, Hintersee, Kringweiher, Petriweiher Lech, Mandichosee (kein Berührungspunkt zu Königsbrunner Stadtgebiet) Lochbach (durchquert an keiner Stelle Königsbrunner Stadtgebiet) Auensee im Lechauwald bei Unterbergen nahe dem Lochbachanstich (auf Schmiechener Gemeindegebiet) Verschiedene Fischweiher im Süden der Stadt, z. B. Römersee, Alemannensee (beide auf Oberottmarshausener Gemeindegebiet)
Baudenkmäler
Kirchen katholische Pfarrkirche St. Ulrich katholische Pfarrkirche Zur Göttlichen Vorsehung, erbaut 1966–1971 von Justus Dahinden katholische Pfarrkirche Maria unterm Kreuz evangelische Kirche St. Johannes