Dietmar Dath (* 3. April 1970 in Rheinfelden) ist ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Übersetzer. Zwischen 2001 und 2026 war er Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
mini|Dietmar Dath (2026) Leben Dath wuchs im südbadischen Schopfheim auf, besuchte dort das Theodor-Heuss-Gymnasium und machte sein Abitur auf dem Freiburger Rotteck-Gymnasium. Nach dem Zivildienst begann er ein Studium der Fächer Physik und Literaturwissenschaftsciencegarden.de in Freiburg im Breisgau. Seit 1990 veröffentlicht er in in- und ausländischen Zeitungen und Zeitschriften literarische und journalistische Beiträge zu gesellschaftlichen und popkulturellen Themen, auch unter Pseudonymen wie „David Dalek“, „Dagmar Dath“ oder „Dieter Draht“. Zudem übersetzte er Werke von Joe R. Lansdale, Kodwo Eshun und Buddy Giovinazzo aus dem Englischen. Als Journalist war Dath von 1998 bis 2000 Chefredakteur der Zeitschrift Spex, von 2001 bis 2007 war er Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, für die er dann wieder von 2011 bis 2026 als Redakteur im Bereich FilmBeispielsweise: Dietmar Dath: Geschenkte Artikel. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Feuilleton Spezial vom 9. Oktober 2011, S. 53. tätig war.The entangled entrepreneur. On the material implications of quantum tech business ideologies: Dietmar Dath Dath lebt in Freiburg.
Literarisches Werk Daths erste Bücher erschienen Mitte der 1990er Jahre in Independent-Verlagen. Seit 2005 erscheinen einige seiner Bücher auch im Suhrkamp Verlag. 2008 kam sein Roman Die Abschaffung der Arten auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis. In seinen Romanen verarbeitet Dath oft autobiografische Inhalte, so heißen seine Protagonisten beispielsweise wie der Autor alliterierend „David Dalek“ oder „Martin Mahr“, stammen aus badischen Kleinstädten und arbeiten in Zeitungs- oder Zeitschriftenredaktionen. 2009 stellte die Internetseite litradio.net eine 35-teilige Komplettlesung des fast 1000-seitigen Romans Für immer in Honig ins Internet, die der Autor und Andreas Platthaus im Frankfurter Literaturhaus gegeben hatten. Daths Werke wurden unter anderem ins Griechische und Englische übersetzt. Sein Roman Gentzen oder: Betrunken aufräumen erschien 2021 beim Verlag Matthes & Seitz Berlin und wurde im Herbst 2021 für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert. Beim Preis der Leipziger Buchmesse 2022 stand er auf der Shortlist, die Jury bezeichnete das Buch als „großes Panorama unserer Gegenwart zwischen Autofiktion und Science Fiction“, einen Roman, den es so noch nie gegeben habe. Im Deutschlandfunk beschrieb Tobias Lehmkuhl Dath als so „tollkühn wie kaum ein anderer Schriftsteller deutscher Zunge“. Die Handlung seines 966 Seiten umfassenden Romans Skyrmionen oder: A Fucking Army (2025) sei „so spannend wie wendungsreich, vielstimmig erzählt, mit vielen Tempowechseln und vor allem mit viel Witz“.
Gesellschaftspolitische Einordnung Dath vertritt eine kommunistisch-marxistische Haltung.In Lenins Schriften ist viel Nützliches. In: Die Welt. 28. August 2008. Er trat beispielsweise 2008 in Alexander Kluges Nachrichten aus der ideologischen Antike, einer filmischen Auseinandersetzung mit Karl Marx’ Kapital, als Gesprächspartner und Experte auf.faz.net FAZ: Alexander Kluge verfilmt „Das Kapital“ Im Januar 2009 diskutierte er mit Philipp Oehmke im Nachrichtenmagazin Der Spiegel über die „Zukunft des Marxismus“ und antwortete auf die Frage, ob er für die „Beseitigung des kapitalistischen Systems“ sei, mit: „Absolut.“ Danach erhofft sich Dath „ein System der gemeinschaftlichen, arbeitsteiligen, demokratischen Produktion auf dem Stand der höchstentwickelten Technik“. Er aktualisiert leninistische Theorien, beispielsweise in Für immer in Honig, wo er explizit Bezug auf Lenins Was tun? nimmt. Nach Erscheinen des Essays Maschinenwinter bezeichnete Mathias Bröckers den Autor spöttisch als „Lenin 2.0“.perlentaucher.de In Der Implex, das Dath zusammen mit Barbara Kirchner verfasste, vertritt Dath die These, dass sozialer Fortschritt von der Beseitigung von Herrschaft abhänge: Die Literaturkritik nahm das Werk ungnädig auf, so störte sich Alexander Cammann in der Zeit beispielsweise an einer „naseweisen Checkerpose“ und „kalaschnikowhafte[r] Selbstermächtigungsprosa“.Perlentaucher zu Dietmar Dath, Barbara Kirchner: Der Implex. Sozialer Fortschritt: Geschichte und Idee. Im Januar 2019 nahm er mit dem Beitrag Sozialismus hat keine Prophezeiung nötig, er wird gemacht als einer der Referenten an der von der linken Tageszeitung junge Welt getragenen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin teil. Am 3. Mai 2019 rief Dath in der FAZ dazu auf, die DKP bei der Europawahl 2019 zu wählen.Linksherum im Kreis FAZ (abgerufen am 3. Mai 2019) Mehrfach übte Dath Kritik an Social-Media-Plattformen, er selbst ist auf keiner der großen Plattformen präsent. 2022 schrieb er etwa, Twitter sei ein „(...) Laden, der zu nichts anderem da ist als zur suchterzeugenden Fabrikation, Vervielfältigung und Weiterverarbeitung finster-klebriger Erregungsschmiere (...) der früher oder später jede Information, jeden Gedanken und jeden geraden Satz unter sich begräbt.“Tweet und Teer, faz.net, 3. November 2022, abgerufen am 5. November 2022.
Poetik Auch Daths Dichtungsverständnis ist gesellschaftspolitisch geprägt: Auf die Frage nach seiner Poetik antwortete der Autor, er schreibe Texte, „die nicht davon handeln, wie es ist, sondern davon, wie es sein sollte, wie es hoffentlich nicht sein wird oder wie es ganz neutral sein könnte. Und das sind nun mal spekulative oder phantastische Texte.“ Den Roman selbst bezeichnet Dath als „Allesfresserform“. Literaturen-Gespräch mit Ulrike Draesner, Dietmar Dath und John von Düffel; Literaturen, Ausgabe 01/02.08. Im Januar 2020 hielt Dath die Lichtenberg-Poetikvorlesung an der Georg-August-Universität Göttingen.Lichtenberg-Poetikvorlesung 2020: Dietmar Dath
Rezeption Literaturkritiker nannten Dath einen „hyperproduktiven Autor“, einen „Gedanken- und Textgenerator“,perlentaucher.de der die „Möglichkeiten des Sprechens“ erforscheThomas Lindemann: Die völlig verrückten Welten des Dietmar Dath. In: Welt Online. 6. Oktober 2007 (abgerufen am 20. November 2009) und dem „Denkgrenzen nichts gelten“. Daths Romane handelten von „Darwin, Marx, Fantasy, Heavy Metal, Zombies und Gentechnik“. In Simon Urbans Alternative-History-Roman Plan D ist die Figur des Kulturministers der nach 1990 weiterexistierenden DDR nach Dath benannt.
2020 wurde er mit dem Siegfried-Kracauer-Preis für die beste Filmkritik 2020 ausgezeichnet. Geehrt wurde seine Filmkritik zu Terminator: Dark Fate, die „sprachliche und sinnliche Qualität des Textes“.
2026 erhielt er den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik, der ihm im Rahmen der Leipziger Buchmesse verliehen wurde.
Werke (Auswahl) Ein Überblick über das facettenreiche Schaffen Daths findet sich der Werksbibliografie – Auswahl, S. 279–342, in: Christian Hippe und Philipp Theisohn (Hg.): In Verben denken. Dietmar Dath Arbeitsbuch, Verbrecher Verlag, Berlin 2023.
Romane, Erzählungen Cordula killt Dich! oder Wir sind doch nicht Nemesis von jedem Pfeifenheini. Roman der Auferstehung. Verbrecher Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-9804471-0-3. Neuausgabe mit dem ergänzenden Text Die Staatsanwältin hat das Wort. Verbrecher Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-95732-491-7. Die Ehre des Rudels. Horrornovelle. Maas, Berlin 1996, ISBN 3-929010-34-8. Charonia Tritonis. Ein Konzert, Dumme bitte wegbleiben. Erzählung. SuKuLTuR Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-937737-03-0 (= „Schöner Lesen“ Nr. 3) Der Minkowski-Baumfrosch. Fortsetzungsroman in 12 Kapiteln. De-Bug, Berlin 2000.de-bug.de Skye Boat Song. Roman. Verbrecher Verlag, Berlin 2000. Am blinden Ufer. Eine Geschichte vom Strand und aus den Schnitten. Roman. Verbrecher Verlag, Berlin 2000. Phonon oder Staat ohne Namen. Roman. Edition Pfadintegral im Verbrecher Verlag, Berlin 2001. mit Barbara Kirchner: Schwester Mitternacht. Roman. Verbrecher Verlag, Berlin 2002. Ein Preis. Halbvergessene Geschichte aus der Wahrheit. (= Schöner Lesen. Nr. 18). SuKuLTuR Verlag, Berlin 2003. Für immer in Honig. Roman, illustriert von Daniela Burger, Implex, Berlin 2005, ISBN 3-937148-01-9 (erste Fassung, 971 Seiten), 2., überarbeitete Auflage, Verbrecher Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-940426-02-4 (1035 Seiten). Die salzweißen Augen. Vierzehn Briefe über Drastik und Deutlichkeit. Suhrkamp, Frankfurt 2005. Dirac. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006. Waffenwetter. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007. Das versteckte Sternbild. Roman (als David Dalek). Shayol Verlag, Berlin 2007. Die Abschaffung der Arten. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008. Sie schläft. Filmroman. Edition Phantasia, 2009. Sämmtliche Gedichte. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009. Deutschland macht dicht. Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-42163-5. Eisenmäuse. Ein verschlüsselter Sittenspiegel. Hablizel, Lohmar 2010. Kleine Polizei im Schnee. Erzählungen. Verbrecher Verlag, Berlin 2012. Pulsarnacht. Roman. Heyne, München 2012, ISBN 978-3-453-31406-1. Feldeváye. Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-518-46510-3. Deutsche Demokratische Rechnung. Eine Liebeserzählung. Roman. Eulenspiegel Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-359-02471-2. Venus siegt. Roman. Hablizel Verlag, Lohmar 2015, ISBN 978-3-941978-18-8. Eine gegenüber der Erstveröffentlichung von 2015 überarbeitete und um 150 Seiten erweiterte Version erschien bei Fischer Tor, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-596-29658-3. Leider bin ich tot. Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-518-46654-4. Der Schnitt durch die Sonne. Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-10-397306-8. Du bist mir gleich. Roman. Golden Press, Bremen 2019, ISBN 978-3-9819880-6-2. Neptunation. Roman. Fischer Tor, Frankfurt 2019, ISBN 978-3-596-70223-7. Gentzen oder: Betrunken aufräumen. Roman. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2021, ISBN 978-3-7518-0035-8. Skyrmionen. Oder: A Fucking Army. Roman. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2025, ISBN 978-3-7518-1029-6.
Theaterstücke Waffenwetter. UA am 17. April 2009, Nationaltheater Mannheim Die Abschaffung der Arten. UA am 8. November 2009, Deutsches Theater BerlinHannah Pilarczyk: Aus dem Maul des Löwen. In: Spiegel Online – Kultur. 9. November 2009. Maschinenwinter. UA 2009, Centraltheater Leipzig Regie: Martin Laberenz Annika. Spiel für fünf Menschen, UA Februar 2011, Schauspiel Frankfurt, Frankfurter Positionen 2011 Sie schläft. UA am 12. März 2011, Zimmertheater TübingenZimmertheater Tübingen Regina Oder Die Eichhörnchenküsse, UA am 22. September 2011, Nationaltheater Mannheimnationaltheater-mannheim.de Farbenblinde Arbeit, UA am 17. Dezember 2014, Nationaltheater Mannheim Ein Volksfeind, Bearbeitung nach Henrik Ibsen UA am 10. September 2015, Schauspielhaus Zürich Die nötige Folter, UA 2019, Staatstheater Augsburg Frankenstein, UA am 10. Januar 2019, Schauspielhaus Zürich Restworld in Zusammenarbeit mit F. Wiesel, UA am 15. Oktober 2021, Theater Heidelberg Das Ende der Schöpfung Szenisches Oratorium von Joseph Haydn & Bernhard Lang, Dialoge Dietmar Dath, UA am 10. April 2022, Staatstheater Augsburg Pressemitteilung des Staatstheaters Augsburg Sommergäste Nach Maxim Gorki in einer Überschreibung von Dietmar Dath, UA am 7. Februar 2024, Theater Basel Theater Basel Sommergäste Deine Arbeit hasst Dich, weil sie dich nicht braucht, Brechtfestival in Augsburg, 22. Februar 2025
Oper und Operette Mit Felix Leuschner: Einbruch mehrerer Dunkelheiten. Früherer Titel: Blitze sprechen deutsch, UA am 4. Januar 2022, Staatstheater Kassel
Graphic Novel mit Oliver Scheibler: Mensch wie Gras Wie. Graphic Novel. Verbrecher Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-943167-76-4.
Essays, Sachbücher, Journalismus Schöner rechnen. Die Zukunft der Computer. Berliner Taschenbuch btb, Berlin 2002.