mini|hochkant|Thorsten Prenzler moderiert ‚Fraktion im Dialog‘ am 26. August 2021 im Hamburger Rathaus. Thorsten Manfred Prenzler (* 12. Januar 1971 als Thorsten Manfred Thümler in Oldenburg) ist ein deutscher Politiker (AfD, vormals bis 2010 CDU). Er ist gelernter Bankkaufmann und war als Thorsten Thümler von 2003 bis 2005 für den Landtagswahlkreis Oldenburg-Land Mitglied des Niedersächsischen Landtages. 2005 löste die Aufdeckung seiner Betrugsdelikte in mehreren Luxushotels die „Thümler-Affäre“ aus, die eine bundesweite Berichterstattung zur Folge hatte und in der niedersächsischen CDU eine Wertedebatte über die charakterliche Eignung von Mandatsträgern auslöste. Seit 2015 ist Thorsten Prenzler hauptamtlicher Geschäftsführer der AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft und seit dem 19. August 2020 zudem Vorsitzender der AfD Buchholz/Nordheide.

Leben

Herkunft und Ausbildung Thorsten Thümler wuchs im niedersächsischen Hude auf und ist der Sohn des Politikers Enno Thümler (CDU). Nach dem Abitur auf der Oldenburger Graf-Anton-Günther-Schule im Jahr 1990 absolvierte Thümler bis 1993 eine Lehre zum Bankkaufmann.Das Abitur bestanden. An den Oldenburger Gymnasien – Liebfrauenschule, Neues Gymnasium, Herbartgymnasium, Altes Gymnasium, Gymnasium Eversten, Graf-Anton-Günther-Schule, Cäcilienschule und Abendgymnasium, Oldenburg-Kolleg – sowie an den Berufsbildenden Schulen I, II und III wurden die Abiturprüfungen abgeschlossen. Die von den einzelnen Schulden zusammengestellten Listen der Abiturienten. Nordwest-Zeitung. Nr. 127. 2. Juni 1990. S. 6. Als die journalistische Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung im Jahr 1999 den Sammelband „Schicksal Bautzen – Politische Häftlinge der SBZ/DDR erzählen“ herausgab, steuerte Prenzler ein Interview bei, welches er mit dem DDR-Dissidenten Günter Rosenbaum über dessen Verfolgung als Mitglied der Zeugen Jehovas geführt hatte. Darüber hinaus hat Prenzler bis heute keine weiteren Schriften veröffentlicht.

Nach seiner erfolglosen Kandidatur für die Landtagswahlen in Niedersachsen 1998 nahm Prenzler ein Studium der Geschichte und der Politikwissenschaften an der Leibniz Universität in Hannover auf. Während dieser Zeit trat er der als rechts orientiert geltenden Hannoverschen Burschenschaft Ghibellinia-Leipzig bei, aus der er nach Bekanntwerden seines Betrugsskandals im Jahr 2005 ohne formelle Erklärung wieder ausschied.Der Luxus-Schnorrer aus dem Landtag. Bild Hannover. 18. Juni 2005. S. 3.

Sein Studium hatte Prenzler nicht beendet.

Tätigkeiten vor und nach dem Landtagsmandat Vor seiner Mitgliedschaft im Niedersächsischen Landtag war Prenzler u. a. Pressesprecher des Bauernverbandes in Bonn sowie des BKK-Landesverbandes Ost in Berlin. Bis zu seinem Einzug in den niedersächsischen Landtag im Jahr 2003 hatte Prenzler zudem für acht Monate als Grundsatzreferent für den brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm in Potsdam gearbeitet. mini|hochkant|Kandidatenplakat Thorsten Prenzlers zur Landtagswahl in Niedersachsen 1998Diese Tätigkeit war bereits nach kurzer Zeit von erheblichen Spannungen zu Schönbohm geprägt. Nach dem Niederlegen seines Landtagsmandates im Zuge des Betrugsskandals von 2005 versuchte Prenzler erfolglos, in sein vormaliges Dienstverhältnis zurückzukehren, von dem er 2003 nach seinem Einzug in den Landtag beurlaubt worden war. Da Schönbohm die Rückkehr Prenzlers kategorisch ausschloss, kam es zu mehreren gerichtlichen Instanzen, darunter am 10. Oktober 2005 zu einem Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Potsdam, der allerdings keine Einigung brachte. Die von Schönbohm geführte brandenburgische Staatskanzlei weigerte sich weiterhin, Prenzler wieder bei sich aufzunehmen. Als Prenzler wenig später das gegen Schönbohm geführte Verfahren gewann, reichte dieser am 7. Juli 2005 die fristlose Kündigung gegen Prenzler ein. Hierzu erklärte die Sprecherin der Brandenburgischen Staatskanzlei Dorothee Stacke: „Das Innenministerium wird alle rechtlichen Möglichkeiten, darunter eine Berufung gegen das Urteil, prüfen, um eine Weiterbeschäftigung von Herrn Thümler zu verhindern.“ Für das Prozessieren gegen seinen Parteigenossen und ehemaligen Arbeitgeber wurde Prenzler aus der CDU Niedersachsen heftig kritisiert.

Prenzler wechselte einige Zeit später seinen Arbeitsplatz und wurde Pressesprecher der Polizei Brandenburg, in deren Zentraldienst er als Tarifbeschäftigter aufgenommen wurde. Im Jahr 2007 wurde im polizeilichen Amtsblatt bekanntgegeben, dass Prenzler seinen Dienstausweis verloren hatte, weshalb man diesen aus Sicherheitsgründen mit sofortiger Wirkung für ungültig erklärte.Amtsblatt für Brandenburg 23/2007. https://bravors.brandenburg.de/br2/sixcms/media.php/76/Amtsblatt%2023_07.pdf Im März 2015 wurde Prenzler zu Beginn der 21. Wahlperiode zum Geschäftsführer der AfD-Fraktion ernannt.Die Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. 21. Wahlperiode. Ausgabe 2019. https://www.hamburgische-buergerschaft.de/contentblob/12225632/049dcab5342d5c10675f09a31f52c8fe/data/handbuch-1-feb-2019.pdf Neben seiner politischen Arbeit gehörte Prenzler zahlreichen sozial engagierten Organisationen an. Dazu zählten der „BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland“, die „Paneuropa Jugend“, der „Bund der Steuerzahler“ sowie die „Freunde des Klosters Hude“.

Politische Karriere und Wirken in der CDU

Landtagsabgeordneter (2003–2005) Prenzler hatte mehrmals Mandate der CDU-Niedersachsen inne. So war er zugleich Mitglied im Rat der Gemeinde Hude sowie im Kreistag des Landkreises Oldenburg, wo er die CDU-Fraktion führte. Nachdem Prenzler für die 14. Wahlperiode erfolglos für ein Landtagsmandat kandidiert hatte, gelang ihm nach dem Wahlsieg der CDU bei der Landtagswahl am 2. Februar 2003 schließlich der Einzug. Am 4. März 2003 trat Prenzler als direkt gewählter Abgeordneter für den Landtagswahlkreis Oldenburg-Land in den Niedersächsischen Landtag ein. Damit hatte er zeitgleich drei Mandate inne, was nach seinem Rücktritt 2005 später in den regionalen Medien kritisiert wurde.

Prenzlers nur zwei Jahre währende Zeit als Landtagsabgeordneter war von Affären geprägt, die seine Parteifreunde gegen ihn aufbrachten und jeweils eine bundesweite Berichterstattung zur Folge hatten. Prenzler, der als jugendpolitischer Sprecher seiner Fraktion auftrat, haftete schnell der Ruf eines Hinterbänklers und Erfüllungsgehilfen des umstrittenen Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann an. In der überregionalen Presse wurde Prenzler deswegen als „Hinterbänkler für Hohmann“ und „schwarzes Schaf“ bezeichnet. Ebenso fiel Prenzler durch rigorose Forderungen auf, wozu auch gehörte, Graffiti-Sprühern hohe Strafgelder aufzuerlegen, während er in seiner Fraktion gleichzeitig tolerierte, Polizisten das Weihnachtsgeld zu kürzen, was schließlich auch geschah.

Wirken im Parlament: Kontroversen und Kritik Thorsten Prenzler galt in seiner rund zweijährigen Zeit im Landtag Niedersachsen als einer der umstrittensten und zugleich untätigsten Abgeordneten und wurde in der eigenen Fraktion sowie in den Medien als „Hinterbänkler“, als „Lümmel“ sowie als „Lümmler“ bezeichnet. Tatsächlich stellte Prenzler in dieser Zeit nur eine einzige „Kleine Anfrage“ an die Landesregierung im Umfang einer halben DIN-A4-Seite. Auf einer weiteren Anfrage der CDU-Abgeordneten Angelika Jahns wurde Prenzler lediglich als Mitzeichner geführt.

Sein Rederecht nutzte Prenzler, der im Landtag in der hintersten Bank auf Platz 61 saß, nur ein Mal. In der Beratung über „Strafmündige Kinder und Heimerziehung“ trat Prenzler für eine zeitlich begrenzte Unterbringung delinquenter Jugendlicher mit Freiheitsentzug ein. In dieser Landtagsrede reizte der damals bereits wegen der Hohmann-Affäre umstrittene Prenzler den SPD-Parlamentarier Wolfgang Jüttner so sehr, dass dieser aus Protest den Plenarsaal verließ und verkündete, der Sitzung nicht länger beiwohnen zu können, solange Prenzler das Wort führe.

Vorgehen gegen Parteifreunde und Weggefährten Wie die Nordwest-Zeitung am 22. November 2003 aufdeckte, war Prenzler in der CDU bislang mehrfach durch das „Abstrafen“ von Parteifreunden und Weggefährten aufgefallen. So hatte er im Sommer 2001 erreicht, dass ein Landwirt aus der zu seinem Heimatkreisverband Oldenburg-Land gehörenden Gemeinde Großkneten nicht mehr für den dortigen Kreistag aufgestellt wurde. Hierzu hatte Prenzler zuvor kolportiert, der CDU-Kandidat habe eine zu große Nähe zum SPD-Bundestagsabgeordneten Holger Ortel aufgewiesen.

Im selben Beitrag berichtete die Nordwest-Zeitung über einen Vorfall aus dem Sommer 2002. Damals hatte Prenzler von zwei Mitgliedern der CDU-Gemeinderatsfraktion öffentlich einen „Mandatsverzicht“ gefordert. Zuvor waren beide Personen aus der Fraktion ausgetreten, weil sie eine weitere Zusammenarbeit mit Prenzler als unmöglich ansahen. Recherchen der Zeitung zufolge war Prenzler zehn Monate zuvor nur knapp mit einer Stimme zum Fraktionsvorsitzenden gewählt worden. Hierzu enthüllte die Nordwest-Zeitung:

„Am nächsten Tag rief Prenzler bei einem später ausgetretenen Fraktionsmitglied an und teilte mit, dass er die handschriftlichen Stimmzettel der geheimen Wahl vor sich liegen habe. Zwischenzeitlich habe er die Handschriften auf den Stimmzetteln teilweise erkannt, teilweise verglichen, und wisse nun, wer nicht für ihn, sondern für den Gegenkandidaten gestimmt habe. Daher müssten zwei Fraktionsmitglieder, die auch dem Huder Parteivorstand unter Thorsten Prenzler angehörten, aus dem Huder CDU-Gemeindeverbands-Vorstand ausscheiden. Ferner werde er dafür sorgen, dass beide bei der Kommunalwahl 2006 nicht mehr für die Huder CDU für den Gemeinderat aufgestellt würden.“

Rolle in der Hohmannaffäre Erstmals nahm eine breitere Öffentlichkeit Notiz von Prenzler im Zusammenhang mit der Hohmann-Affäre, die kurze Zeit nach seinem Einzug in den niedersächsischen Landtag begann. Nachdem der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann am 3. Oktober 2003 eine als antisemitisch und israelfeindlich kritisierte Rede gehalten hatte, die den Eindruck von Holocaust-Relativierung erzeugte, wurde er kurze Zeit später aus der CDU-Bundestagsfraktion und aus der CDU ausgeschlossen. Prenzler habe Hohmann während seiner Tätigkeit als Grundsatzreferent für den Innenminister des Landes Brandenburg Jörg Schönbohm näher kennengelernt und sich mit dessen Ideen vertraut gemacht. Angeblich aufgrund dieser Nähe fühlte sich Prenzler später zur Solidarität mit Hohmann verpflichtet. Hierzu bekundete er in einer Zeitungsannonce, die der Journalist Fritz Schenk als Appell zu dessen Unterstützung verfasst hatte, „kritische Solidarität“ mit Hohmann.

Erst nach massivem innerparteilichem Druck distanzierte sich Prenzler, der in der CDU-Landtagsfraktion unterdessen erheblich an Rückhalt verloren hatte, von seiner Unterschrift und kam so einem eigenen Ausschlussverfahren zuvor. Hierzu hatte er eine radikale Kehrtwende vollzogen und erklärt, die Rede Hohmanns nun doch abzulehnen. Ferner sei er der Ansicht, dass „die Gräueltaten des Nationalsozialismus einzigartig und nicht vergleichbar sind.“ Als nachträgliche Rechtfertigung führte Prenzler schließlich an, mit seiner Anzeige „lediglich den Verfahrensablauf in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion“ kritisiert haben zu wollen. In den Medien wurde Prenzler wegen seiner Nähe zu Hohmann hämisch „Deutsch-Thümler“ genannt.