Niederau ist seit 1972 ein Stadtteil von Düren in Nordrhein-Westfalen. Die Ursprünge des Ortes an der Rur reichen zurück bis in die fränkische Zeit und sind eng mit den Burgherren verbunden, die im Schloss Burgau residierten. Während der Industrialisierung entwickelte sich Niederau zu einer Wohngemeinde für die Fabrikarbeiter aus dem benachbarten Krauthausen. Auch im Ort selbst entstand eine Papierfabrik. Das höchste Gebäude in Niederau ist die Pfarrkirche, die ein kleineres Gotteshaus aus dem 12. Jahrhundert ersetzte. Heute prägen vor allem die zahlreichen Vereine das Leben in Niederau. Daraus entwickelte sich die Partnerschaft zu Altmünster-Neukirchen. Die Fußballer pflegen ebenso internationale Beziehungen wie die Stockschützen.
Geographie Niederau befindet sich im Süden des Stadtgebietes und liegt an der Rur. Die Endung -au im Namen weist ebenso wie beim Nachbarort Kreuzau auf die Flusslandschaft hin. Am östlichen Rand grenzt Niederau an den Burgauer Wald, der den Einwohnern als Naherholungsgebiet dient. Im Norden gibt es einen fließenden Übergang zwischen Niederau und Krauthausen. Die beiden Orte, die früher politisch getrennt waren, bilden heute einen gemeinsamen Stadtbezirk. Die Rur ist die natürliche Grenze zum westlichen Nachbarn Lendersdorf. In südlicher Richtung kommt man von Niederau nach Stockheim und Kreuzau.
Niederau besitzt die Struktur eines Straßendorfs, bei dem sich die Häuser direkt an der Straße befinden.Krebs 1997, Seite 16 Während sich der alte Ortskern rund um die Kirche an der Cyriakusstraße befand, bildet heute die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Kreuzauer Straße (L 249) den Mittelpunkt. Querstraßen erstrecken sich im Westen bis an die Rur und östlich bis zum Stadtwald. Durch die Neubaugebiete, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, wurde Niederau an der Straße Richtung Stockheim (Hinzenbusch, Sandberg) und zur Rur hin (Tuchmühle) erweitert.Krebs 1997, Seite 18 Während in Krauthausen, das nahtlos an Niederau angrenzt, die Industrie dominiert, ist Niederau im Wesentlichen eine Wohngemeinde geblieben.
Geschichte Ortsgeschichte Erste Spuren ergeben sich aus archäologischen Funden aus der Zeit der römischen Antike, die in der Umgebung von Niederau ausgegraben wurden. In fränkischer Zeit entstand die erste Siedlung an der namensgebenden Flussaue der Rur. Um 1100 gab es an der Stelle des heutigen Schlosses Burgau eine erste Burganlage und die ersten Burgherren sind namentlich aus dem 13. Jahrhundert bekannt.Krebs 1997, Seite 11f. Urkundlich wurde Niederau erstmals im Jahre 1384 erwähnt, als Dietrich Schinmann die Kapelle an das Nideggener Stift verkaufte.Krebs 1997, Seite 259
Mehrere Jahrhunderte lang blieb es ein relativ dünn besiedelter Ort, dessen Einwohner hauptsächlich von der Landwirtschaft lebten. In dieser Zeit standen die Niederauer unter dem Einfluss und der Gerichtsbarkeit der Herren von Burgau. Zur Burgauer Herrschaft gehörte ein Leprosenhaus im Stepprather Feld. Die Einrichtung wurde Mitte des 16. Jahrhunderts errichtet und 1685 von den Franzosen zerstört.Krebs 1997, Seite 371f. Für weitere Zerstörungen und Todesfälle sorgten der Dreißigjährige Krieg und mehrere Pestepidemien in den folgenden Jahrzehnten.
Im 18. Jahrhundert bildete sich ein Gemeindevorstand, dessen Vorsteher 1757 erstmals erwähnt wurde.Krebs 1997, Seite 62 Nachdem es während der Franzosenzeit ständig wechselnde Strukturen mit Maires gegeben hatte, ordneten die Preußen Niederau mit seinen rund 200 Einwohnern der Bürgermeisterei Stockheim zu und installierten einen Gemeinderat.Krebs 1997, Seite 68 Mit Beginn der Industrialisierung stieg die Einwohnerzahl um ein Vielfaches. Eine zunehmende Urbanisierung löste die handwerklichen Strukturen allmählich ab.
mini|Die Kriegerdenkmäler erinnern an die gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege und der Kriege Mitte des 19. Jahrhunderts
Die NSDAP tat sich in Niederau, das die Partei der Ortsgruppe Lendersdorf zuordnete, zunächst schwer, Einfluss zu gewinnen, weil der katholisch geprägte Ort politisch seit dem Ersten Weltkrieg mit großer Mehrheit von der Zentrumspartei dominiert wurde.Krebs 1997, Seite 89f. Die Nationalsozialisten nutzten das Schloss Burgau als Quartier für die Dürener Oberbauleitung (OBL) der Organisation Todt, die zwischen 1938 und 1940 unter anderem an der Errichtung des Westwalls arbeitete und im Schloss einen Bunker hinterließ.Krebs 1997, Seite 93
Am 31. Juli 1940 fielen die ersten Bomben auf Niederau; in den nächsten beiden Jahren folgten drei weitere Angriffe.Krebs 1997, Seite 95f. Durch den Luftangriff auf Düren am 16. November 1944, der die Stadt komplett zerstörte, brach die Versorgung mit Nahrung und Strom zusammen. In den folgenden Tagen flohen die überlebenden Einwohner aus Niederau, nachdem es schon am 8. November einen Evakuierungsbefehl für alle nicht berufstätigen Einwohner gegeben hatte. Am 24. Februar nahmen US-amerikanische Truppen Niederau ein.Krebs 1997, Seite 104 Mitte März kehrten die ersten Flüchtlinge zurück in ihre Heimat und begannen mit dem Wiederaufbau, wobei es zu Plünderungen im Schloss Burgau kam.Krebs 1997, Seite 106 Der KZ-Kommandant Richard Baer nutzte nach dem Kriegsende einen auf Karl Neumann aus Niederau ausgestellten Abmeldeschein, um unterzutauchen.
Nach dem Krieg gehörte Niederau in der von den Briten eingerichteten Struktur zum Amt Kreuzau.Krebs 1997, Seite 73 Das Aachen-Gesetz sorgte am 1. Januar 1972 für eine kommunale Neugliederung, die auch Niederau betraf. Gegen den Willen der Bürger, die lieber der neuen Gemeinde Kreuzau angehört hätten, wurde der bislang eigenständige Ort ein Stadtteil von Düren. 1985 entstand der Bezirksausschuss Niederau, dem 1994 Krauthausen beitrat.Krebs 1997, Seite 79f.
Religionen mini|hochkant|Grabes- und Auferstehungskirche, bis 2015 Pfarrkirche St. Cyriakus
Die Katholiken gehören der Gemeinde St. Cyriakus an. Obwohl Teile der alten Kirche aus dem 12. Jahrhundert stammen, wurde Niederau erst im 16. Jahrhundert zur eigenständigen Gemeinde, als Heinrich von Elmpt die Kollation der Niederauer Kapelle von der Kreuzauer Pfarre übernahm.Krebs 1997, Seite 260f. Früher gehörte der Ort zum Dekanat Zülpich und ab 1384 zum Nideggener Stift St. Johannes Baptist. Da Napoleon Bonaparte die Niederauer Sukkursalpfarre (Hilfspfarre) 1808 supprimierte, wurde die Gemeinde von der Franzosenzeit bis zum Jahr 1842 der Pfarre Stockheim zugeordnet. Von 1957 bis 1973 gehörte Niederau vorübergehend zum Dekanat Kreuzau statt Düren.Krebs 1997, Seite 286 Im Januar 2010 fusionierte St. Cyriakus mit fünf weiteren Dürener Pfarrgemeinden zur neuen Großgemeinde St. Lukas.
1886 entstand der bis heute aktive Kirchenchor.Krebs 1997, Seite 332 In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es unter dem Dach der Pfarre außerdem drei Vereine für junge Menschen und Arbeiter. Die 1922 gegründete Jünglingskongregation und die vier Jahre ältere Kongregation für Jungfrauen, die junge Männer und Frauen zu einem sittlich korrekten Leben erziehen wollten, mussten 1938 unter nationalsozialistischem Einfluss aufgelöst werden. Die Spuren des 1907 eingerichteten katholischen Arbeitervereins verlieren sich zwischen den beiden Weltkriegen.Krebs 1997, Seite 319–328
Protestanten und Angehörige anderer Religionsgemeinschaften nutzen die Gotteshäuser im Stadtgebiet. Allerdings ist der Anteil evangelischer Christen in der Gemeinde sehr gering.Krebs 1997, Seite 297 Juden gab es in Niederau nur vereinzelt.Krebs 1997, Seite 57
mini|links|EinwohnerzahlenDaten: Krebs 1997, Seite 52 und www.dueren.de
Einwohnerentwicklung In den ersten Jahrhunderten war Niederau eine kleine Siedlung mit einzelnen Bauernhöfen. Für das Jahr 1730 nennt eine Liste der „Unterthanen“ des Schlosses Burgau für den Ort 44 Einwohner. 1799 sind in der Bevölkerungsliste des französischen Maire 135 Personen in Niederau aufgezählt.Krebs 1997, Seite 43 Im Laufe des 19. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl deutlich an und erreichte im Jahr 1900 bereits mehr als das Dreifache des Wertes von 1800, wozu die zunehmende Industrialisierung wesentlich beitrug. Der Anstieg um fast 75 % zu Beginn des 20. Jahrhunderts lässt sich mit der erhöhten Mobilität der Pendler durch die neu eingerichtete Bahn erklären. Die Eingemeindung in die Stadt Düren im Jahr 1972 stoppte den Anstieg nur kurz. Von den rund 2500 Menschen, die heute in Niederau leben, sind angesichts der beiden Seniorenheime im Ort viele im Rentenalter.Krebs 1997, Seite 53
Politik Verwaltung Seit der kommunalen Neugliederung 1972 wird Niederau als Stadtteil von Düren verwaltet. In den Jahren 1972 bis 1985 amtierten in Niederau drei Ortsvorsteher, die alle der CDU angehörten. Eine Mehrheit der Christdemokraten ergab sich auch im ersten Bezirksausschuss, der sich am 10. April 1985 konstituierte. Neben acht CDU-Mitgliedern waren sechs Mitglieder der SPD sowie je ein Vertreter der Grünen und der FDP vertreten. Als Krauthausen sich 1994 dem Bezirksausschuss anschloss, verschob sich das Verhältnis zu Gunsten der Sozialdemokraten (SPD 8, CDU 6, Grüne 1).Krebs 1997, Seite 84 Im aktuellen Gremium dominiert die CDU mit sieben Mandatsträgern, darunter der Vorsitzende Ralph Schauerte, gegenüber der SPD mit vier Mitgliedern; je einen Platz besetzen die Vertreter der Grünen, der FDP, der Linken, der AfD und des Seniorenrats.
Städtepartnerschaft Niederau pflegt seit 1971 eine enge Partnerschaft mit Altmünster-Neukirchen. Die Beziehung mit der österreichischen Stadt am Traunsee wurde Mitte Dezember 1971, rund zwei Wochen vor der Eingemeindung in die Stadt Düren, schriftlich dokumentiert.Krebs 1997, Seite 464 Die Bürger der Orte treffen sich unter anderem zum Schüleraustausch und zum Eisstockschießen. Als Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung gibt es in Niederau die Altmünster und die Neukirchener Straße sowie den Traunseeweg, in Altmünster eine Dürener und eine Niederauer Straße.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Theater Die Serbin Kaća Čelan arbeitete von 1994 bis 2006 in Düren und eröffnete im Schloss ein kleines Theater mit Theaterschule.
Musik Der Niederauer Männergesangverein erhielt 1998 2003 die Auszeichnung als Meisterchor des Sängerbundes Nordrhein-Westfalen. Aus einem Besuch des 1913 gegründeten Vereins im österreichischen Altmünster, bei dem die Sänger 1965 den dortigen Musikverein kennenlernten, entwickelte sich eine feste Partnerschaft. Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war 1990 der Auftritt in der Kölner Philharmonie.Krebs 1997, Seite 437–440
Neben dem 1886 gegründeten Kirchenchor gibt es in der Niederauer Gemeinde St. Cyriakus den Frauenchor Cantilena, einen Kammerchor und einen Jugendchor.
1966 bildete sich innerhalb der Karnevalsgesellschaft Rurkei eine Blaskapelle, die unter dem Namen Rurschiffer auftrat. 1971 löste sich die Gruppe von den Karnevalisten und machte sich als Musikverein selbständig.Krebs 1997, Seite 441 Noch heute handelt es sich beim Musikverein Düren-Niederau um ein reines Blasmusik-Ensemble, das ein vielfältiges Repertoire von traditioneller Musik bis hin zu Musicals aufführt.
Bauwerke Kirchen mini|hochkant|Alte Kirche
Das höchste Gebäude in Niederau ist die Grabes- und Auferstehungskirche St. Cyriakus. Die ehemalige Pfarrkirche wurde im Oktober 1905 nach anderthalb Jahren Bauzeit fertiggestellt; der 56 Meter hohe Turm stand ein Jahr später.Krebs 1997, Seite 271 Die im neogotischen Stil errichtete Kirche mit einer Grundfläche von 40 mal 16 Metern bot als Pfarrkirche rund 400 Sitzplätze. 1963 wurde die alte Orgel von 1911 durch ein neues Instrument ersetzt. Zehn Jahre später wurde der neue Altar eingeweiht.Krebs 1997, Seite 288 Seit 1990 gab es umfangreiche Renovierungsarbeiten, bei denen der Innenraum der Kirche neu gestaltet wurde.Krebs 1997, Seite 296 2015 wurde die Pfarrkirche zur Grabeskirche mit Urnen und 80 Plätzen umgebaut. Die Einweihung als Grabeskirche erfolgte am 1. November 2015.