mini|hochkant|Die Corts Catalanes (aus einer Inkunabel aus dem 15. Jahrhundert) Die Geschichte Kataloniens reicht bis in das Jahr 1000 v. Chr. zurück, als die Iberer die Pyrenäenhalbinsel besiedelten. Vor der Besiedelung durch Cro-Magnon-Menschen (Homo sapiens) war die Region bereits von Neandertalern bewohnt, wie Funde in der Höhle Cova Gran de Santa Linya belegen. In historischer Zeit war Katalonien ursprünglich von Iberern besiedelt, später lag das Küstengebiet im Einflussbereich Karthagos. Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. gewann Rom die Vorherrschaft; die Römer erhoben 19 n. Chr. die Gegend zur Provinz Hispania Tarraconensis. Bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. fasste das Christentum Fuß im Bereich des heutigen Katalonien.
Frühgeschichte und vorrömische Zeit mini|hochkant|Griechische Amphore, in Empúries gefunden Die Phönizier und Griechen Die ersten schriftlichen Zeugnisse über das Gebiet des heutigen Katalonien stammen aus den Zeiten, als Phönizier und Griechen – beide im östlichen Mittelmeerraum beheimatet – die Iberische Halbinsel erreichten. Im 8. Jahrhundert v. Chr. hatten sich die Phönizier bereits an mehreren Orten im Süden der Halbinsel niedergelassen. In den folgenden Jahrhunderten wurden die phönizischen Kolonien von Karthago übernommen, einer mächtigen Stadt phönizischen Ursprungs in Nordafrika. Die Karthager wandten sich entlang der Küste nach Nordosten, um eine Ausbreitung der Griechen in den Süden zu verhindern. In Ibusim (Eivissa, Ibiza), gründeten sie eine wichtige Kolonie, die lange bestand.
Die Griechen erreichten die Halbinsel kurze Zeit nach den Phoeniziern. Der Handel entwickelte sich aber erst im 6. Jahrhundert v. Chr. unter den Ioniern, den Gründern der Stadt Massalia (Marseille). An der Küste des heutigen Katalonien gründeten sie zwischen 750 v. Chr. und 550 v. Chr. unter anderem Emporion (Empúries) als wichtigsten Handelsposten. Die erste Ansiedlung entstand auf einer kleinen Insel in der Bucht von Roses – das schnelle Wachstum und der Handel mit der einheimischen Bevölkerung erzwang aber bald eine Verlagerung auf das Festland. Wenige Kilometer von Emporion entstand die Niederlassung Rhode (Roses). Die Siedler von Emporion entwickelten Landwirtschaft und Handel; sowohl in Emporion als auch in Rhode wurden Silbermünzen geprägt. Auch wurde eine besondere Keramik hergestellt, die eine weite Verbreitung fand.
Die Iberer Die im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. aus Gallien eingewanderten Kelten verschmolzen mit den einheimischen Iberern nach vielen Kämpfen zum Volk der Keltiberer. Sie drangen an die Süd- und Ostküste der Halbinsel. Nördlich des Ebro hatten die iberischen Völker einige kulturelle Gemeinsamkeiten, wie Sprache und Schrift, Beherrschung der Eisenverarbeitung, Töpferei sowie die Landwirtschaft als Grundlage. Das soziale Gefüge bildeten die einzelnen Stämme. Die bereits städtisch geprägten Siedlungen wurden auf Anhöhen gebaut, um die Verteidigung zu erleichtern. mini|Indibil und Mandoni, iberische Herrscher Im Gebiet der heutigen Provinz Barcelona ließen sich die Laietaner nieder. Die wichtigsten Städte waren Barcino, der Ursprung des heutigen Barcelona, Baetulo (Badalona), Egara (Terrassa) und Blanda (Blanes). Nördlich der Laietaner und im Gebiet der heutigen Provinz Tarragona lebten die Indigeten. Ihre Hauptsiedlung lag bei Ullastret in der Provinz Girona. Aber das mächtigste iberische Volk waren die Ilergeten. Ihr Siedlungsgebiet lag zwischen den Tälern des Cinca und des Segre und die Hauptstädte waren Iltirda (Lleida) und Atanagrum (die genaue Lage ist nicht mehr bekannt). Unter ihrem König Indibil beteiligten sich die Ilergeten an den Kriegen zwischen dem Römischen Reich und den Karthagern. Die strategische Lage ihres Siedlungsgebiets ermöglichte wechselnde Bündnisse mit Rom oder (meistens) Karthago. Mit dem römischen Sieg gegen Karthago im Zweiten Punischen Krieg wurden die Iberer schrittweise dem Römischen Reich einverleibt.
Römische Zeit Nach dem Ersten Punischen Krieg 264 bis 241 v. Chr. beherrschten die Karthager die gesamte Mittelmeerküste der Iberischen Halbinsel. Ihre Belagerung von Sagunt und damit der Bruch des Ebro-Vertrags von 226 v. Chr. zwischen Rom und Hasdrubal führte 218 v. Chr. zur Landung zweier römischer Legionen in Emporion (Empúries) und damit zum Beginn des Zweiten Punischen Krieges bis 201 v. Chr. Daraufhin eroberten die Römer das Land.
Römische Eroberung mini|Eroberung Hispaniens durch die Römer 220 v. Chr. bis 27 v. Chr. mini|Römische Provinzen in Hispanien nach der ersten Teilung (180 v. Chr.) 218 v. Chr. landete Gnaeus Cornelius Scipio Calvus in Emporion, um dem Karthager Hannibal den Weg nach Italien zu versperren. Während des Zweiten Punischen Krieges versuchten sowohl die Römer als auch die Karthager die iberischen Völker auf ihre Seite zu ziehen. Von Tarraco (Tarragona) aus kontrollierten die römischen Truppen bald die gesamte Küste des heutigen Katalonien. Unter Scipio dem Älteren drangen die Römer 209 v. Chr. bis nach Südspanien vor. Nach dieser erkennbaren Übermacht der Römer schlugen sich zahlreiche Anführer der iberischen Stämme auf die Seite der Römer. Dennoch mussten die neuen Herren noch eine Revolte der Ilergeten unter der Führung von Indibil und Mandoni niederschlagen. 206 v. Chr. wurde der letzte karthagische Feldherr von der Halbinsel vertrieben und vier Jahre später mit Ende des Krieges war die gesamte Mittelmeerküste Spaniens unter römischer Herrschaft. Die unterworfenen Völker wurden zu Tributzahlungen verpflichtet, und die Bergwerke gingen in das Eigentum des Römischen Reiches über.
Der von den Römern nach dem Keltiberischen Krieg (197 v. Chr. bis 179 v. Chr.) kontrollierte Teil der Halbinsel wurde in zwei Provinzen aufgeteilt: Hispania citerior im Nordosten, Hispania ulterior im Südwesten. In der folgenden Zeit kam es noch zu einigen Aufständen, die erst 133 v. Chr. endgültig niedergeschlagen werden konnten. Das letzte vorchristliche Jahrhundert war geprägt von internen politischen Konflikten der Römer in Italien, die auch auf der iberischen Halbinsel ausgetragen wurden. In den Jahren 80 bis 70 v. Chr. war das Gebiet des heutigen Katalonien der letzte Schauplatz im Krieg zwischen den Anhängern des Marius und Sulla; der vor Sulla geflüchtete Marianer Sertorius organisierte eine letzte große Widerstandsbewegung gegen Rom, die erst nach seiner Ermordung definitiv besiegt wurde. Im folgenden Römischen Bürgerkrieg ab 49 v. Chr. errang Gaius Iulius Caesar gegen Pompeius bei Ilerda (Lleida) den entscheidenden Sieg. Dieser Sieg eröffnete eine nahezu dreihundertjährige Friedensperiode, die eine Verbreitung der römischen Kultur ermöglichte.
mini|Römische Provinzen in Hispanien nach der zweiten Teilung (27 v. Chr.) mini|Pont del Diable bei Tarragona mini|Römischer Tempel in Vic mini|Römische Therme in Caldes de Montbui mini|Arc de Berà an der Via Augusta(an der heutigen Nationalstraße N340) Romanisierung Nachdem Hispania erobert und befriedet war, führten die Römer ihre politische, administrative, soziale und ökonomische Organisation ein. Das Vulgärlatein löste die iberischen Sprachen ab und es wurde der Kaiserkult eingeführt. Das gleichzeitig eingeführte römische Recht sollte für lange Zeit einen starken Einfluss haben. Auf dem Lande wurde der Grund und Boden enteignet und an römische Siedler, Veteranen und verbündete Einheimische verteilt. Es entstanden private Latifundien (Landgüter), die mit Sklavenarbeit bewirtschaftet wurden. Die reichen Besitzer wohnten überwiegend in den Städten und überließen die Arbeit den Verwaltern. Diese führten neue Techniken zur Aufzucht und Bewässerung ein. Die ersten Landgüter (villae rusticae) in Katalonien entstanden bereits im zweiten vorchristlichen Jahrhundert im Hinterland des heutigen Barcelona und im Camp de Tarragona. Ihre größte Verbreitung erlebten sie unter Augustus. An der katalanischen Küste wurde vor allem Wein angebaut und vertrieben, was wiederum die Herstellung und den Vertrieb von Amphoren erforderte.
Die zahlreichen Straßen und Kastelle führten seit Caesar und besonders unter Augustus zu einer raschen Romanisierung des Landes, das bald ein Zentrum römischer Kultur wurde. Gleichzeitig ließ der Aufbau des Straßennetzes und der Gebrauch einer einheitlichen Währung den Handel expandieren und die Bevölkerung wuchs stark an. Die Römer führten wichtige Neuerungen in der Organisation der ebenfalls schnell wachsenden Städte ein, die sich zu Produktions-, Handels- und Verwaltungszentren entwickelten. Erkennbar ist dies an den zahlreichen öffentlichen Bauten jener Zeit wie Foren, Theatern und Amphitheatern, Cirkusarenen und Basiliken (wie in Tarragona), Tempeln (wie in Vic), Thermen (wie die von Caldes de Montbui), Aquädukten und Brücken (wie in Tarragona der Aqüeducte de les Ferreres und in Martorell) etc.
Die Hauptachse des römischen Straßennetzes bildete die Via Augusta, die ab Carthago Nova (Cartagena) der Mittelmeerküste folgte und über Valencia bei Dertosa (Tortosa) den Ebro erreichte. Nachdem Tarraco durchquert war, wandte sie sich am östlichen Stadtrand beim später Arc de Berà genannten Ehrenbogen zum Landesinneren nach Martorell, wo noch heute die damalige Brücke erhalten ist. Danach führte sie bei Barcino wieder an die Küste und folgte ihr bis Gerunda (Girona). Von da ab wandte sie sich den Pyrenäen zu und erreichte bei La Jonquera die gallische Provinz Narbonensis.
Entwicklung in der Kaiserzeit In den Jahren 27 bis 25 v. Chr. erfolgte eine Neuordnung der Provinzen durch Augustus. Aus Hispania Citerior wurde die Kaiserliche Provinz Hispania Tarraconensis, die sich von der katalanischen Küste entlang des Ebro bis in das heutige Galicien erstreckte. Die Hauptstadt dieser Provinz wurde die reiche Kolonie Tarraco, die sich bereits über 70 Hektar ausdehnte und über zahlreiche monumentale Bauwerke verfügte. 27 v. Chr. ist dort die Errichtung eines Tempels zu Ehren des Augustus und Jupiters nachgewiesen. In dieser Zeit entstand auch das römische Barcino (Barcelona) und in Empúries wurden verdiente Kriegsveteranen angesiedelt.
Unter der Herrschaft Neros wurde im Jahre 60 Galba Statthalter der Provinz. Er schloss sich 68 dem Aufstand des Gaius Iulius Vindex an und ließ sich zum Kaiser ausrufen. Der entthronte Kaiser Nero beging daraufhin Selbstmord.
Mit der durch Kaiser Caracalla erlassenen Constitutio Antoniniana erhielten 212 alle freien Bewohner des Römischen Reichs das römische Bürgerrecht. Es folgte auch in der Tarraconensis bis zum Ende des Jahrhunderts eine nahezu ungestörte Blütezeit der Entwicklung und des Aufschwungs. Das aufkommende Christentum wurde unter den Kaisern Decius und Valerianus bekämpft und so starb 259 Fructuosus, der Bischof des kurz zuvor gegründeten Bistums Tarraco, als Märtyrer. Das gleiche Schicksal erlitten unter anderem die Diakone Augurius und Eulogius. Dennoch breitete sich das Christentum zunehmend aus, bis es 313 unter Kaiser Konstantin I. mit dem Toleranzedikt von Mailand legitimiert und in Folge zur vorherrschenden Religion im Römischen Reich wurde. Die politische und wirtschaftliche Krise, in die das Römische Reich ab dem 3. Jahrhundert geriet, hatte auch für die Provinz Tarraconensis und für die Hauptstadt Tarraco unumkehrbare Folgen.
Völkerwanderung und Ende der römischen Herrschaft mini|Römische Provinzen in Hispanien nach der dritten Teilung (395 n. Chr.) mini|Wanderungen des zweiten bis fünften Jahrhunderts Anfang 3. Jahrhundert begann im Römischen Reich eine Periode des Niedergangs, die als Reichskrise bezeichnet wird. Wechselnde Machtübernahmen verschiedener Kaiser führten zu Aufständen in den Provinzen, die zusätzlich durch Invasionen germanischer Volksstämme geschwächt wurden. Für eine expandierende Wirtschaft hatte sich das System der Sklaverei schon vor längerer Zeit als ungeeignet erwiesen, da die Römer kaum noch neue Gebiete eroberten und immer weniger Sklaven auf den Markt gelangten.