mini|hochkant=1.3|Wohngebiet der Odawa mini|hochkant=1.3|Verbreitung der Anishinaabe(g)-Stammesgruppe um 1800
Die Odawa, auch Odaawaa, im englischen Sprachraum meist Ottawa genannt, sind ein Indianerstamm der Algonkin-Sprachfamilie aus der Region der Großen Seen an der Grenze zwischen den USA und Kanada.im Wissenschafts-Französisch Kanadas "Outaouais", so auch in der französischen Wikipedia Outaouais
Kulturell sowie historisch zählen die Odawa (Ottawa) zur Stammesgruppe der Anishinaabe(g) („Erstes Volk“, „Originales Volk“, oder „Wesen Geschaffen aus dem Nichts“), die verschiedene Varianten und Dialekte des Anishinaabemowin sprachen – der auch die Anishinabe (Ojibwe oder Chippewa), Saulteaux (Salteaux), Mississauga, Potawatomi (Pottawatomie), Algonkin (Algonquin), Nipissing und Oji-Cree (Severn Ojibwa) angehören.Anishinaabeg oder Anishinabek
Heute gibt es in Kanada zwanzig First Nations und in den USA sechs auf Bundesebene anerkannte Stämme (federally recognized tribes) sowie fünf auf Bundesstaatsebene anerkannte Stämme (state recognized tribes) der Odawa oder mit großer Odawa-Bevölkerung; die Odawa zählen heute insgesamt rund 15.000 Stammesangehörige.
Name Die Odaawaa nannten und nennen sich selbst Nishnaabe (Plural: Nishnaabeg) eine Wortgleichung von Anishinaabe(g) und Neshnabé(k), der Selbstbezeichnung der Anishinabe (Ojibwe oder Chippewa) und Potawatomi.
Die Odaawaa gehörten dem Council of Three Fires („Rat der drei Feuer“, in Anishinaabemowin: Niswi-mishkodewin) an, einer losen, mächtigen Allianz mit den benachbarten Anishinabe (Ojibwe und Chippewa) und Potawatomi (in Odawa (Nishnaabemwin, Daawaamwin): Boodwadmii(g) – „Bewahrer des Herdfeuers“, was sich auf das Ratsfeuer des Council of Three Fires bezieht).
Der Name Odaawaa (mit Synkope: Daawaa) leitet sich von der Bezeichnung Adawe („Händler“) in Anicinabe, der Sprache der benachbarten Algonkin, oder von Ahdawaywinineeg oder Wadaawewinini(wag) („Jene, die Handel treiben, kaufen und verkaufen“) aus dem Anishinaabemowin, der Sprache der verbündeten Anishinabe (Ojibwe/Chippewa) her. Die Potawatomi bezeichneten sie als Odawa („Händler“), wovon sich die englische Bezeichnung Ottawa herleitet.
Die Nishnaabeg übernahmen die Bezeichnung und nannten und nennen sich seither gegenüber Außenstehenden meist Odawa (in Kanada) oder Ottawa (in den USA).
Sprache mini|Ed Pigeon mit Sohn, Kultur-Koordinator und Sprachlehrer der Match-E-Be-Nash-She-Wish Band of Potawatomi Indians of Michigan Die Sprache der OdaawaaWelcome to the English to Odawa site (auch Nishnaabemwin,Anishinaabemowin – Nishnaabemwin manchmal auch Daawaamwin – „Odawa-Sprache“) ist eng verwandt mit der Sprache der Ojibwe (Anishinaabemowin), Cree–Montagnais–Naskapi, Menominee (Omāēqnomenew), Miami-Illinois (Myaamia), Mesquakie-Sauk-Kickapoo (Meshkwahkihaki), wobei es dem Ojibwe am nächsten steht – und als Dialekt dieser Sprache betrachtet wird. Es weist nicht nur Parallelen in Klang und Struktur mit dem Östlichen Ojibwe und Potawatomi (auch Neshnabémwen, manchmal Bodéwadmimwen, Bodéwadmi Zheshmowen) auf, sondern zeichnet sich wie das verwandte Potawatomi durch seine häufigen Synkopen aus.
Von den etwa 5.000 ethnischen Odaawaa und den zusätzlichen 10.000 Stammesangehörigen mit Odaawaa-Abstammung, sprechen laut Schätzungen jedoch heute nur noch rund 500 in Ontario und Michigan Nishnaabemwin oder Daawaamwin. Während die Sprache der Odawa in den USA auszusterben droht, befinden sich die meisten aktiven Sprecher in Kanada.MultiTree: A Digital Library of Language Relationships – Ottawa
Siedlungsgebiet Bei Ankunft der Europäer zählten die Odaawaa (Odawa) rund 8.000 Stammesangehörige und unterteilten sich je nach Quelle in fünf oder sechs größere bands (englisch „Stammesgruppen“): die Ouachaskesouek, Nigouaouichirinik, Outaouasinagouek, Kichkagoneiak, Ontaanak und Outaouakmigouek. Als erstes berichtete Samuel de Champlain 1615 von einem Treffen mit den Outaouais (französischer Name der Odaawaa) bei der Mündung des French River.
Die ersten französischen Berichte bezeichnen die Odaawaa nicht als Stammesgruppe, sondern listen und ordnen die vielen bands oder Gruppierungen von Bands, die rund um die Georgian Bay lebten. Im Osten überwinterten oftmals mehrere Odaawaa Bands in Dörfern der Wendat und Tionontati.
Sie bewohnten die Bruce Peninsula, die Manitoulin Island (Odwa-minis – „die Insel der Odaawaa“ genannt)Manitoulin Island – Aboriginal Peoples, die Mackinac Island sowie die Cockburn Island im Lake Huron sowie dessen Ufer und das Ostufer der Georgian Bay, handelten entlang der Mackinacstraße (Straits of Mackinac) zwischen Huronsee und Michigansee (Lake Michigan) und hatten zudem Siedlungen am Südufer des Oberen Sees (Lake Superior).
Zu den Zeiten des Pelzhandels bildete der French River gemeinsam mit dem Ottawa River und dem Mattawa River einen Abschnitt des „Wasser-Highways“ zwischen Montreal und dem Oberen See für die Handelsunternehmungen der verbündeten Odaawaa, Potawatomi und Anishinabe (Ojibwe/Chippewa).
Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde der Druck durch die besser bewaffneten Irokesen in den sog. Biberkriegen so stark, dass die Odaawaa begannen das Gebiet zu räumen und nach Green Bay (1651) und später (1657) an das südliche Ufer des Oberen Sees zu ziehen – andere Gruppen zogen in Gebiete nördlich des Huronsees und Oberen Sees, wo mehrere große Anishinabe (Ojibwe/Chippewa)-Streitkräfte siedelten, die jeweils mehrere Tausend Krieger umfassten, und später entscheidend für die Vertreibung der Irokesen aus dem südlichen Ontario sowie aus dem Westen der Großen Seen waren. Für die nächsten 150 Jahre jedoch sollten die Inseln im Huronsee sowie weite Gebiete des einstigen Odaawaa-Territoriums weitestgehend unbewohnt sein.
Die Odaawaa mussten wegen der immer mehr ausgreifenden Überfällen der Irokesen – wie andere Stämme der Region auch – jahrelang immer wieder flüchten und umherwandern, bevor sie sich im 18. Jhd. unter den Potawatomi und Anishinabe (Ojibwe/Chippewa) auf der Oberen (Upper) sowie der Unteren Halbinsel (Lower Peninsula) von Michigan ansiedelten. Viele Odaawaa Bands wurden während dieser Zeit von den zahlreicheren benachbarten Anishinabe und Potawatomi assimiliert.
Nach ihrer Bewaffnung mit Gewehren durch die Franzosen konnten die verbündeten Odaawaa, Anishinabe und Potawatomi zusammen mit anderen Algonkin-Gruppen – insbesondere der Miami und Illini-Konföderationen – die Irokesen zurückdrängen und einige Gruppen kehrten in ihre alten Wohngebiete bei Mackinac Island und auf Manitoulin Island zurück, wo sie auch heute noch leben. Andere Gruppen leben in Oklahoma, Michigan und einigen kleineren Indian reserves in Kanada.
Lebensweise und Kultur Die Odaawaa betrieben nur in geringem Umfang Landwirtschaft; sie lebten vorwiegend als Jäger und Händler in Dörfern aus kuppelförmigen Wigwams; die benachbarten Völker bezeichneten sie als Händler, da sie bereits vor dem ersten Kontakt mit Europäern sowie in der ersten Phase dieses Kontakts als Zwischenhändler und Verkäufer unter den Stämmen bekannt waren.Beck, David: Siege and Survival: History of the Menominee Indians, 1634–1856, University of Nebraska Press, Februar 2003, ISBN 978-0-8032-1330-2 Sie handelten/verkauften vor allem Maismehl, Sonnenblumenöl, Pelze, gegerbte Tierhäute, Teppiche, Matten, Tabak, Arzneiwurzeln sowie Heilpflanzen.Burton, Clarence M.: The City of Detroit, Michigan, 1701-1922, Cambridge Scholars Publishing, Dezember 2009, ISBN 978-1-151-04435-8Wurm, Stephen A.: Atlas of Languages of Intercultural Communication in the Pacific, Asia, and the Americas, 2 vols. in 3 pts. Seite 1118, De Gruyter; Auflage: 1., Januar 1996, ISBN 978-3-11-013417-9
Die Odaawaa übernahmen im Pelzhandel eine führende Rolle, nachdem die mit niederländischen Gewehren bewaffnete Irokesen-Liga mit ca. 1.000 Kriegern während der Biberkriege in Wendake (Huronia) einfiel und dieses systematisch verwüstete. Die verbündeten Wendat-Tionontati (Tionnontatehronnon) (Huron-Petun)Wyandotte Nation – The Native Peoples konnten den besser bewaffneten Irokesen nicht lange Widerstand leisten, ihre Konföderationen waren 1650 vernichtend geschlagen worden und die verzweifelten Überlebenden flüchteten zu verschiedenen Völkern der Anishinaabe(g) sowie zu den Erie und Neutralen – jedoch vernichteten die Irokesen auch die Neutral (1653) und Erie (1654–1680), die fast völlig ausgelöscht wurden und ihre Identität als eigenständige Nationen verloren.
Die Odaawaa waren so erfolgreich und bekannt als tüchtige Händler, dass viele europäische Chronisten unterschiedslos jedes Algonkin-sprachige Volk im Gebiet der Großen Seen, das am Pelzhandel beteiligt war, als Ottawa bezeichneten. Dies ist irreführend – oftmals waren dies Anishinabe (Ojibwe/Chippewa), Potawatomi oder andere Völker westlich der Seen und des Mississippi.
Auf Grund des umfangreichen Handels-Netzwerks, das die Odaawaa unterhielten, wurden viele Völker im Westen Nordamerikas unter ihrer Odaawaa-Bezeichnung bekannt und nicht unter deren Selbstbezeichnung. So entstanden z. B. die Exonyme für die Sioux-sprachigen Völker der Winnebago (von Wiinibiigoo – „Volk des stinkenden Wassers“, für die Ho-Chunk) und der Sioux (von Naadawensiw oder Nadouessioux – „kleine Schlangen, d. h. geringere Feinde“, abwertende Bezeichnung für die Dakota, Nakota und Lakota).
Die Odaawaa waren, nach Berichten des französischen Forschungsreisenden und Kolonisators Samuel de Champlain, ein kriegerisches Volk. Sie hatten wenig bis gar keine Kleidung, waren tätowiert, trugen Piercings und Gesichtsbemalung und nutzten im Krieg Pfeil und Bogen, Kugelkopfkeulen und Schilde.
Wie die Anishinabe (Ojibwe/Chippewa) – mit denen die Odaawaa meist eine gemeinsame Geschichte teilen, weshalb oftmals beide Völker in den Quellen nicht voneinander zu unterscheiden sind – lebten die Odaawaa als Jäger und Sammler und hatten keine wirkliche Identität als Volkseinheit entwickelt, da für sie die band die bedeutendste sozio-politische bildete. In Kriegszeiten schlossen sich jedoch benachbarte Odaawaa Bands zusammen, um gemeinsam gegen den Feind zu bestehen.
Heute leben viele Odaawaa mit Anishinabe (Ojibwe/Chippewa) und Potawatomi in Kanada und den USA. Die Odawa, da sie weniger zahlreich sind, verloren hierbei oftmals ihre Identität als eigenständiges Volk. In Kanada stellen heute die Odaawaa nur innerhalb der Wikwemikong First Nation die Mehrheit der Stammesangehörigen.
Council of Three Fires mini|Odawa-Krieger mit Gewehrschaft-Keule Einst waren die verschiedenen Anishinaabemowin-sprechenden Anishinaabe(g) ein Volk oder ein Zusammenschluss eng verwandter bands aus dem Nordosten Nordamerikas. Später spalteten sich die Anishinaabe(g) in eine nördliche Gruppe (Algonkin (Algonquin), Nipissing, Mississaugas und Oji-Cree (Severn Ojibwa)) und in eine südliche Gruppe – wobei die südliche Gruppe (Anishinabe (Ojibwe oder Chippewa), Odawa (Ottawa) und Potawatomi) sich eine enge politisch-militärische Einheit bewahrten und den Kern der Allianz der Council of Three Fires bildeten.
Die einzelnen Mitglieder der Allianz entwickelten spätestens als sie auf ihren Wanderungen von der Atlantikküste nach Westen Michilimackinac (abgel. von Mi-shi-ne-macki-nong – „Ort, wo die Mi-shi-ne-macki naw-go leben“)OTTAWA AND CHIPPEWA INDIANS – Earliest History of Mackinac Island erreichten jeweils eigenständige Identitäten als Anishinabe, Odawa sowie Potawatomi.