miniatur|250px|Weinverladung am Mainzer Rheinufer; Schedelsche Weltchronik von 1493mini|250px|Das Schoppenstecher-Standbild – Denkmal der Mainzer Weinkultur mini|250px|Die Zitadelle Mainz mit dem „Prominenten-Weinberg“ Der Weinbau in Mainz, der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, geht bis in die Römerzeit zurück. Weinanbau und -handel waren spätestens vom Mittelalter bis in die Neuzeit ein teilweise überregional bedeutender Wirtschaftsfaktor. Auch heute lebt noch ein – wenn auch geringer – Teil der Mainzer Bevölkerung von Weinbau und -handel. Mainz wies mit rund 451 Hektar einstmals die größte Rebfläche einer Großstadt in Deutschland auf. Heute (Stand 2011) liegt die Rebfläche bei 209 Hektar und umfasst somit einen Anteil von 2 % der Stadtfläche. Aufgrund dieser Fakten wird auch von Weinstadt Mainz gesprochen, ein Image, welches von der Stadt selbst, der lokalen Touristikbranche und verschiedenen Verbänden und Vereinen gefördert und gepflegt wird.

Seit Mai 2008 gehört Mainz mit dem es umgebenden Weinbaugebiet Rheinhessen dem internationalen Weinmarketing-Verbund Great Wine Capitals an, einem Weinnetzwerk von renommierten Städten, welche jeweils ein charakteristisches Weinbaugebiet pro Land umfasst. Neben Mainz befinden sich in diesem Verbund Städte und Regionen wie Bilbao: Rioja, Bordeaux: Bordeaux (Weinbaugebiet), Adelaide: Südaustralien (Australien), Verona:[(Valpolicella)], Kapstadt: Cape-Winelands, Mendoza: Mendoza, Porto: Dourotal, Lausanne:Vaud sowie San Francisco: Napa Valley.

Historischer Abriss Vor allem am Rhein, aber auch am Rande der Kernstadt bis ins tiefe Rheinhessen finden sich Rebpflanzungen. Die Weinbau treibenden Stadtteile liegen im Süden von Mainz, es sind Ebersheim, Hechtsheim und Laubenheim; auch in Bretzenheim werden noch 30 ar Weinberge bewirtschaftet.

Der Weinbau hat in Mainz Tradition, seit die Römer in Mogontiacum die ersten Reben zur Versorgung ihrer Truppen setzten. In der Probus-Biographie der Historia Augusta heißt es in Kapitel 18,8:

Deshalb gilt Probus (232–282) in zahlreichen Weinbaugebieten nördlich der Alpen als derjenige, der dort den Weinbau einführen ließ. Sicher ist, dass die Weinproduktion in dieser Region nach der Mitte des 3. Jahrhunderts deutlich an Bedeutung gewonnen hat.Gerald Kreucher: Der Kaiser Marcus Aurelius Probus und seine Zeit. Steiner, Stuttgart 2003, ISBN 3-515-08382-0 (Historia Einzelschriften 174). Der Archäologe Hubertus Mikler von der Generaldirektion Kulturelles Erbe führt einen Nachweis zum frühen Weinbau im Norden des römischen Reiches.Hubertus Mikler: Römischer Riesling aus Rheinhessen? – Ein Nachweis frühen Weinbaues im Norden des römischen Reiches. Mainzer Archäologische Zeitschrift 5/6, 1998/1999, S. 149–155.

Die älteste bekannte Urkunde über Weinbau in Mainz berichtet über eine Schenkung:

Im 7. – 9. Jahrhundert war der Handelsweg über Dorestad die bedeutendste Exportlinie in den Norden.

Aus der französischen Zeit ist folgende Korrespondenz bekannt:

Im Historisch-statistischen Jahrbuch des Departements vom Donnersberg für die Jahre 9 bzw. 10 der fränkischen RepublikFriedrich Lehne: Historisch-statistisches Jahrbuch des Departements vom Donnersberge für die Jahre 9 bzw. 10 der fränkischen Republik, Mainz, Pfeiffer bzw. Craß, 1801 bzw. 1802. wird die Rebfläche des Kantons Mainz, die für einen Stadtkanton naturgegeben sehr klein ist, mit 21,12 Hektar angegeben.

Bis weit ins 19. Jahrhundert gehörten Weinbau, Weinhandel und die Produkte der Sektkellereien zu den Haupteinnahmequellen. Insbesondere durch den jüdischen Weinhandel entwickelte sich Mainz im 19. Jahrhundert zu einem international bedeutsamen Weinhandelszentrum. Ein Plan aus dem 16. Jahrhundert zeigt die Weinberge innerhalb der Stadtmauern: Jakobsberg, Michelsberg, Fürstenbergerhof und Kästrich. Die letzten Weinbergslagen im Kernstadtbereich wurden jedoch in den 1970er Jahren aufgegeben und in Bauland umgewandelt. mini|400px|Weingärten in Mainz zur Zeit des Kurfürsten Johann Friedrich Karl von Ostein, siehe Wappen oben links, Kästrich- ganz oben, Jakobsberg, Michelsberg, Fürstenbergerhof im Süden (links) Einrichtungen wie das Deutsche Weininstitut, zahlreiche private Weinerzeuger, die Initiative „Die Mainzer Winzer“, eine Winzergenossenschaft, ein eigenes städtisches Weingut und viele Weinstuben sind Beleg für die große Bedeutung, die der Wein in Mainz auch heute noch hat. Angebaut werden vor allem Rebsorten für Weißweine wie Silvaner, Riesling, Rivaner oder Weiß- und Grauburgunder, aber auch für Rotweine wie Merlot und Cabernet.

Die Sortenvielfalt kann jeweils Ende August auf dem Mainzer Weinmarkt oder in den Straußwirtschaften verkostet werden, wo ein Sträußchen über der Tür signalisiert, dass hier Weinbauern ihren selbsterzeugten Wein nebst kulinarischen Spezialitäten anbieten.

Klima und Geologie Das Klima im Rheinknie wird durch meist warme, überwiegend trockene Sommer und niederschlagsarme Winter geprägt. Das Rheintal profitiert vom mildernden Einfluss des Flusses in der Westwindzone und seiner Lage im Regenschatten von Taunus, Hunsrück und Odenwald. Es herrschen Boden- und Höhenwinde aus Westen oder aus westlichen Richtungen vor, deren Luftmassen thermisch gemäßigt und durch die abschirmenden, zum Teil über 800 m hohen Höhenzüge, relativ trocken sind, wodurch das Klima bereits fast als semiarid bezeichnet werden kann.

Rebsorten Der Mainzer Rebsortenspiegel folgt der rheinhessischen Tradition und somit dominieren in Mainz die Weißweine. In den letzten Jahrzehnten hat der Riesling wieder an Boden gewonnen.

Unter den weißen Rebsorten ist der Silvaner zusammen mit dem Müller-Thurgau traditionell führend. Daneben werden noch Kerner, Scheurebe, Weißburgunder und Huxelrebe kultiviert. Neuerdings gewinnt auch der Chardonnay als Modesorte an Raum. Faberrebe, Juwel und Morio-Muskat werden nicht mehr nachgepflanzt.

Bei den roten Rebsorten entfallen allein auf den Dornfelder 17 ha, weitere 17 ha beanspruchte der Blauer Portugieser. Wachsende Bedeutung gewinnt inzwischen der Spätburgunder. Daneben sind noch Regent, Dunkelfelder und Schwarzriesling zu nennen.

Aufgrund der urban geprägten Laufkundschaft gewinnen inzwischen auch vermehrt Rotweine aus internationalen Rebsorten an Bedeutung. So wurden in den letzten Jahren Merlot, Acolon und Cabernet Sauvignon gepflanzt – eine Reaktion auf die wachsende Nachfrage nach körperreichen Rotweinen. Das typischerweise trockene und sonnige Herbstwetter und die Folgen der globalen Erwärmung für den Weinbau lassen auch diese aus weit südlicher gelegenen Weinbaugebieten stammenden Rebsorten noch ausreifen. Ihr langfristiges Qualitätspotenzial ist langfristig allerdings schwer zu beurteilen, da diese Rebanlagen noch sehr jung sind.

Das Weingut der Stadt Mainz gewann im Jahr 2007 den Deutschen Rotweinpreis in der Kategorie „Internationale klassische Sorten“ mit einem 2003er Merlot und erneut im Jahr 2008 mit einem 2005er Syrah.

Weinlagen mini|Letzter in der Altstadt erhaltener „Weinberg“ der noch in Flaschen abgefüllt wird (2007) mini|Weinberg am Fürstenberger Hof, Blick von der Windmühle, 1860er Jahre Der letzte Weinberg in der Innenstadt war der Michelsberg, am Volkspark gelegen, welcher im Rahmen des Deutschen Weinbaukongresses 1963 in Mainz, zu einem Musterweinberg umgestaltet wurde. Die heutigen Mainzer Weinbergslagen befinden sich alle im Bereich Nierstein des Weinbaugebietes Rheinhessen. In 4 von 15 Stadtteilen wird Weinbau betrieben. Die Anbaufläche verteilt sich auf mehrere Einzellagen, die zu den Großlagen Sankt Alban und Domherr gehören, die jedoch heute kaum noch auf dem Etikett erscheinen. Bewirtschaftet werden überwiegend Direktzuglagen, die eine Bewirtschaftung in Falllinie mit radgetriebenen Traktoren zulassen. Es werden auf 160 Hektar Rebfläche weiße Sorten angebaut, 49 Hektar sind mit roten Rebsorten bestockt.

Mainz, Stadt des deutschen Weines Wein und Wissenschaft An der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität gibt es ein Institut für Mikrobiologie und WeinforschungInstitut für Mikrobiologie und Weinforschung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz., das die Einflüsse von Terroir, Spontangärung und biologischem Säureabbau erforscht. Die Hochschule prüft auch die Auswirkung sogenannter Killerhefen auf die Weinflora. Maßgeschneiderte Starterkulturen bringen spezifische Aromanoten und helfen dem Säureabbau im Wein. Das Verfahren zur gezielten Isolierung und zum spezifischen Nachweis bestimmter weinrelevanter standortspezifischer Mikroorganismen wurde patentiert. Als Service wird die Isolierung und anschließende Beimpfung mit Winzer-eigenen Starterkulturen angeboten, um die alkoholische Fermentation und den biologischen Säureabbau im Wein zu unterstützen und gleichzeitig den individuellen Charakter eines Weines und seiner Aromakomponenten auszuprägen.

Darüber hinaus hat sich an der Johannes Gutenberg-Universität der interdisziplinäre Arbeitskreis „Rebe und Wein“ herausgebildet, der sich vor allem auf die Themen Gesundheit, Inhaltsstoffe, Weinbereitung, Traubengenom und Weinkultur konzentriert.Helmut König & Heinz Decker: Kulturgut Rebe und Wein. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2013, S. xi.

Das Mainzer An-Institut Institut für Geschichtliche Landeskunde erforscht seit seiner Gründung 1960 die Geschichte der Weinkultur und die Winzerterminologie.Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e. V.

Wein und Selbstverwaltung Das Haus des Deutschen Weines gab bis zum Umzug nach Bodenheim der Selbstverwaltung der Weinwirtschaft Raum. Seit Mai 2012 ist das denkmalgeschützte Weinlagergebäude im ehemaligen Zoll- und Binnenhafen Mainz der Sitz der Bundesgeschäftsstelle des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP).

Wein und Politik In der Landeshauptstadt Mainz ist das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten RLP für zwei Drittel der deutschen Anbaufläche zuständig, denn sechs der dreizehn deutschen Weinanbaugebiete liegen in Rheinland-Pfalz und erzeugen mehr als 65 % der deutschen Weine: (PDF; 723 kB). Website des Deutschen Weininstituts. Abgerufen am 6. November 2013. Ahr, Mittelrhein, Mosel-Saar-Ruwer, Nahe, Pfalz und Rheinhessen, das im näheren Mainzer Umfeld liegt.

Mainzer Resolution Am 19. September 2007 trafen sich in Mainz 130 Vertreter aus sieben weinbautreibenden EU-Mitgliedstaaten, um gegen eine geplante Reform des EU-Weinmarktes Stellung zu beziehen. Deutschland als größter Nettozahler der EU wäre bei den vermuteten geplanten Reformen am stärksten betroffen. Aber auch andere nördliche Weinbauländer fühlen sich in ihrer Weinkultur erheblich beeinträchtigt, falls die erwarteten Maßnahmen in geltendes Recht umgewandelt werden. Auf dem „Mainzer Weingipfel“ wurde daher eine fünfseitige Resolution verabschiedet, die verhindern soll, dass EU-Länder gegenüber Drittländern benachteiligt werden.

Diese Resolution richtet sich unter anderem gegen die Pläne der EU-Kommission, den Zusatz von Saccharose bei der Weinherstellung zu verbieten und stattdessen nur noch die Chaptalisation mit rektifiziertem Traubenmost-Konzentrat, also Zucker aus Trauben gewonnen, zu gestatten. Diese Maßnahme würde den Nachweis einer verbotenen Zuckerung von Prädikatsweinen nahezu unmöglich machen. die bisher erlaubte Steigerung des potentiellen Alkoholgehalts um 50 % zu kürzen. Dies würde bedeuten, dass zum Beispiel der Rotweinboom in Deutschland nicht mehr mit wettbewerbsfähigen eigenen Produkten befriedigt werden kann. Rodungen zu finanzieren und spätere Wiederanpflanzungen keinen restriktiven Maßnahmen zu unterwerfen. „Rodungen dürfen … kein Kernelement der Reform sein“, heißt es in der Resolution, da solche Maßnahmen sehr teuer sind und nicht die Wettbewerbsfähigkeit der verbleibenden Erzeuger verbessern. das Bezeichnungsrecht so zu reformieren, dass die traditionellen deutschen Qualitätsstufen faktisch abgeschafft werden. Das Bezeichnungssystem, das die Beurteilung der Qualität der Weine im Glas stark differenziert, soll aufgegeben werden.