mini|NASA-Satellitenbild von Korsika Der Weinbau auf Korsika geht auf Wurzeln aus dem Altertum Korsikas zurück, als nach verschiedenen anderen Völkern die Römer die Insel besiedelten. Die erste intensivere Förderung des Weinbaus ist allerdings erst auf die Herrschaft der Genueser im Mittelalter zurückzuführen, die den Wein vor allem aus wirtschaftlichen Interessen per Gesetz anbauen ließen. Korsika bietet für den Anbau sehr gute geologische und klimatische Voraussetzungen, die man sich zunutze machte. Heute gehören korsische Weine innerhalb der französischen Weine zu den beliebten Exoten, da auf der Insel Trauben wachsen, die in Frankreich sonst nicht oder nur selten angepflanzt werden. International ist der Ruf des korsischen Weines allerdings nicht sehr gut, da vor allem billige Landweine aus den östlichen Monokulturen das Bild prägen. Der Hauptteil des Weines wird von den Einheimischen und den Touristen auf Korsika selbst getrunken.Christopher Foulkes: Larousse Encyclopedia of Wine. Octopus Publishing Group, Hamlyn 2004, ISBN 0-600-60475-6.

Geographie Korsika ist eine Insel im Mittelmeer, vor der Westküste Italiens und wird dabei im Norden vom Ligurischen Meer, im Osten und Süden vom Tyrrhenischen Meer und im Westen vom Westlichen Mittelmeer begrenzt. Die Entfernung nach Frankreich (Nizza) beträgt 180 Kilometer, das italienische Festland dagegen ist nur 83 Kilometer entfernt (Livorno), die italienische Insel Sardinien an der Straße von Bonifacio im Süden sogar nur 12 Kilometer. Von Norden (Cap Corse) bis Süden (Capo Pertusato) misst die Insel 183, von Osten (Alistro) nach Westen (Capo Rosso) 83 Kilometer. Die Fläche beträgt ca. 8682 Quadratkilometer. Aufgrund der zahlreichen Buchten hat Korsika eine über 1000 Kilometer lange Küste. Ein Drittel davon ist Strand, der Rest Felsküste. Zu großen Teilen besteht die Insel aus Hochgebirge, lediglich die Ostküste besitzt einen maximal zehn Kilometer breiten ebenen Streifen. Die Insel ist sehr gebirgig. Etwa 86 Prozent der Insel sind Bergland und nur 14 Prozent Küstentiefland. Korsika hat eine durchschnittliche Höhe von 568 Metern.

Der Weinanbau findet dabei in den Tälern und Ebenen der küstennahen Gebiete rund um die Insel statt, der Zentralbereich ist in weiten Teilen zu gebirgig für den Weinanbau.Christopher Foulkes: Larousse Encyclopedia of Wine. Octopus Publishing Group, Hamlyn 2004, ISBN 0-600-60475-6. Die maximale Höhe des Weinanbaus liegt bei etwa 300 m ü. NN.

Die Böden Korsikas lassen sich in fünf Haupttypen einteilen. So findet sich im Westen der Insel Granitboden, im Norden Schiefer, am Cap Corse Kalkstein und in Patrimonio Tonerde sowie im Bereich der Ostküste und in der Region zwischen Bastia und Sari-Solenzara sandiger Mergel und Schlammboden.

Klima mini|Klimadiagramm für Bastia Auf Korsika herrscht ein typisches Mittelmeerklima: heiße, trockene Sommer und milde, feuchte Winter. Dabei wirkt im Winter das Mittelmeer als Wärmespeicher. Aufgrund der hohen Berge und starker Winde gibt es auf Korsika allerdings einige Abweichungen sowie starke regionale Unterschiede.

Die Niederschlagsmenge ist abhängig von der Höhe. Bis auf 2000 Meter Höhe ist der Niederschlag etwa viermal so stark wie an der Küste. Im Sommer sind die Küstenregionen besonders trocken; sommerliche Gewittergüsse lassen die Flüsse nur kurz anschwellen. Korsika hat mit ca. 2750 Stunden mehr Sonnenschein als das französische Festland. An den Küsten schwankt die Temperatur zwischen 5 °C im Winter und bis über 30 °C im Sommer. Frost gibt es an den Küsten selten. Im Gebirge gibt es in den höheren Regionen im Winter auch Schneefall und geschlossene Schneedecken. Auch im Sommer ist auf den hohen Bergen noch oft Schnee zu sehen. Starke Winde an den Hängen und in den Tälern verhindern eine zu starke Ausbreitung von Weinkrankheiten, die über Sporen übertragen werden.

Unterschiede der Bodenbeschaffenheit und klimatische Varianzen führen entsprechend zu sehr unterschiedlichen Wachstums- und Reifungsbedingungen für die Rebstöcke und die Trauben.

Geschichte des korsischen Weinbaus Obwohl der Anbau von Weinreben und die Produktion von Weinen schon zu Zeiten der griechischen Besiedlung Korsikas im 6. Jahrhundert vor Christus ihre frühesten Wurzeln haben und durch römische Legionen ab dem Jahr 94 vor Christus ihren Fortgang fanden, wurden sie erst im Mittelalter mit der Regierung durch Genua nennenswert gefördert.

Der Weinbau unter genuesischer Herrschaft Der historische Weinbau auf Korsika wurde durch die Genueser maßgeblich beeinflusst, die ab dem Jahr 1347 Besitzer der Insel waren, nachdem sie sie dem Erzbischof von Pisa hatten abnehmen können. Genua herrschte (mit Unterbrechungen) 400 Jahre über die Insel, bis heute sind aus dieser Zeit viele Gebäude und andere Spuren zu finden. Im Jahr 1572 gab es einen Erlass der genuesischen Regierung, nach dem alle Familien Korsikas verpflichtet waren, jeweils vier Rebstöcke anzupflanzen. Am 20. Dezember 1658 erging ein erneuter Erlass, der jeden Korsen verpflichtete, einen Obst- oder Olivenbaum oder alternativ 20 Rebstöcke anzupflanzen. Der Export der Trauben und des Weines war allerdings nur in die Republik Genua gestattet.

Entsprechend diesen Anordnungen wurden italienische Trauben auf die Insel gebracht. Weinbau war in den folgenden Jahrhunderten einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Insel. Ab 1729 verlor Genua die Macht über die Insel durch den erbitterten Unabhängigkeitskampf der Korsen; 1769 kam sie jedoch unter die Herrschaft der Franzosen, die sie 1789 endgültig annektierten.

Der Weinbau bis in das 20. Jahrhundert mini|Reblaus (Daktulosphaira vitifoliae) Nachdem Frankreich die Herrschaft über Korsika übernommen hatte, wurde der Weinanbau erneut intensiviert. Die Anbaufläche nahm von 1789 bis 1800 von etwa 8000 auf über 12.000 Hektar zu, bis 1870 waren etwa 15.000 Hektar mit Rebstöcken bepflanzt, und ungefähr zwei Drittel der Bevölkerung lebte vom Weinbau. Im Jahr 1873 stellte eine Untersuchung fest, dass der Weinbau auf Korsika die Haupteinnahmequelle von sogar 75 % aller Korsen war. Ironie des Schicksals: im selben Jahr erschien erstmals die Reblaus (Daktulosphaira vitifoliae) auf der Insel. Binnen kürzester Zeit waren alle Rebstöcke befallen und vernichtet, demzufolge brach die Wirtschaft der Insel zusammen. In der Folge wanderten viele Korsen aus. Danach forderten der Erste Weltkrieg 1914 bis 1918 und der Zweite Weltkrieg 1939 bis 1945 viele Opfer unter der Bevölkerung. Die Entwicklung des Weinbaus ging während dieser Zeit bis in die 1960er Jahre massiv zurück, die Rebfläche wurde bis 1960 auf etwa 5000 Hektar reduziert, und der Weinertrag reichte nicht einmal aus, um die Hälfte des Eigenbedarfs der Bevölkerung zu sichern.

Moderner Weinbau nach 1960 Der moderne Weinbau auf Korsika wurde von ca. 18.000 Zuwanderern und Flüchtlingen aus dem Algerienkrieg begründet, den pieds-noirs, wobei die korsische Bevölkerung bei der Landvergabe der zuvor fruchtbar gemachten Ostküste massiv benachteiligt wurde. Innerhalb kürzester Zeit wurde vor allem die östliche Ebene zwischen den Orten Cervione und Ghisonaccia aufgebaut. Mit Hilfe der Regierung wurden dort erneut große Weinanbauflächen angelegt. Diese Ebene lag bis dahin brach, da sie immer wieder von der Malaria heimgesucht wurde. Innerhalb weniger Jahre wurden fast 20.000 Hektar Rebfläche angelegt. Die dafür notwendigen Investitionen wurden von der Organisation Somivac (Société de mise en valeur de la Corse) unterstützt. Bis in die frühen 1970er Jahre nahm die gesamte Rebfläche Korsikas von etwa 9000 im Jahr 1953 auf über 32.000 Hektar im Jahr 1973 zu.Rosemary George: The Wines of the South of France: From Banyuls to St. Raphael. Octopus Publishing Group – Mitchell Beazley 2003, ISBN 1-84000-793-1. Der Wein wurde erneut zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Korsikas. Dabei kam es allerdings auch zu regelmäßigen Skandalen: Da die pieds noirs in Algerien hauptsächlich tiefdunkle, alkoholreiche Rotweine erzeugten, die auf dem französischen Festland zum Verschnitt mit Weinen genutzt wurden, denen es an Farbe und Alkohol mangelte, wollten sie diesen lukrativen Markt weiter bedienen. Auf Korsika konnte man diese Art der Weine jedoch nur durch Chaptalisation, also durch Beimischung von Zucker erzeugen. Dies hatte zur Folge, dass der korsische Import von Zucker von 300 Tonnen im Jahr 1961 auf 12.500 Tonnen im Jahr 1970 und schließlich 22.000 Tonnen im Jahr 1971 stieg. Diese Tatsache ist umso erstaunlicher, als die Beimischung von Zucker in den Most schon ab der Ernte 1969 untersagt war. Tatsächlich wurde durch diese illegale Praxis ein Reingewinn von 24 Millionen französischen Francs erzielt. Dieser Gewinn kam insbesondere den Zuwanderern zugute.Pierre Galet: Cépages et Vignobles de France. Lavoisier 2004, ISBN 2-7430-0585-8.

Unzufriedene Einheimische um Edmond Simeoni formierten die Vereinigung Azzione per a Rinascità di a Corsica, Action pour la renaissance de la Corse (ARC), eine Vorgängerorganisation des Frontu di Liberazione Naziunalista Corsu (kurz FLNC). Am 21. August 1975 kam es zu einem Aufstand in der Nähe eines Weingutes bei Ghisonaccia an der Ostküste. Mit Jagdgewehren bewaffnete Einheimische des ARC besetzten den Weinkeller des mehrfach in Unregelmäßigkeiten verwickelten Winzers Henri Depeille und stellten dort massive Weinpanschereien mit Zucker fest. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen wurde das Weingut von der Polizei mit Waffengewalt geräumt, wobei zwei Polizisten getötet und ein Besetzer verletzt wurde. Jedoch war durch die aktuelle Berichterstattung über die Panschereien der gute Ruf des korsischen Weines bereits verdorben. Bis heute gilt die Mehrzahl der korsischen Weine vor allem als Mengenwein, der häufig ins Languedoc verschifft wird, um den dortigen Zechweinen zugesetzt zu werden.

In der Folge der Skandaljahre nahm die Weinproduktion in fast demselben Umfang wieder ab, wie sie vorher zugenommen hatte. Von den 32.000 Hektar gab es 1987 nur noch etwa 10.900, 1997 wurde Weinbau auf 8.500 Hektar betrieben. Heute beträgt die bestockte Rebfläche auf Korsika nur noch 5.800 Hektar.weinverkostungen.de: „Wein aus Korsika mit autochthonen Rebsorten“ Die Anzahl der Weinproduzenten fiel dabei von 1808 im Jahr 1976 auf 724 im Jahr 1987. Die Ernte 2002 wurde von nur noch 377 Winzern deklariert. Die Gesamtproduktion fiel dabei von 2,2 Millionen auf etwa 430.000 Hektoliter 1989. Alle Zahlen aus: Rosemary George: The Wines of the South of France: From Banyuls to St. Raphael. Octopus Publishing Group – Mitchell Beazley 2003, ISBN 1-84000-793-1. Im Jahr 2002 belief sich die Ernte auf 356.000 Hektoliter.

Entwicklung zu mehr Qualität Als Gegenbewegung dieser Quantitätsproduktion begannen in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren eine Reihe von Weinbauern, die Qualität des Weines wieder in den Vordergrund zu rücken. Sie wurden zu Selbstabfüllern und setzten auf gute Traubenqualitäten. 1968 wurde das erste französische Herkunftssiegel AOC (Appellation d’Origine Contrôlée) an eine korsische Weinregion, das Patrimonio, vergeben. 1976 erfolgte eine genaue Definition über die Vergabe der Appellation Vin de Corse.

In der Folge wurden die inzwischen eingeführten französischen Trauben wieder reduziert und großflächig durch die traditionellen einheimischen Sorten ersetzt. Acht weitere Regionen wurden mit dem AOC-Siegel ausgezeichnet, von den in den frühen 1980er Jahren vorhandenen 16.400 Hektar Rebfläche hatten etwa 3700 Anspruch auf das Siegel, bis 1989 reduzierte sich diese Fläche auf etwa 2500 und stellte etwa ein Drittel der Gesamtfläche dar. Rosemary George: The Wines of the South of France: From Banyuls to St. Raphael. Octopus Publishing Group – Mitchell Beazley 2003, ISBN 1-84000-793-1.