mini|cf. Haploembia solieri, Weibchen Die Tarsenspinner (Embioptera), auch Fersen- oder Fußspinner bzw. Spinnfüßer genannt, sind eine Ordnung der InsektenLexikon der Biologie: Embioptera Spektrum der Wissenschaft, abgerufen am 24. Oktober 2023 und gehören zu den Fluginsekten (Pterygota). Sie bilden in manchen taxonomischen Systematiken gemeinsam mit den Steinfliegen ein Taxon namens Steinfliegenartige (Plecopteroida), in anderen werden sie als Schwestergruppe der Gespenstschrecken angesehen. Manche Systematiker nehmen außerdem eine engere Verwandtschaft mit den Bodenläusen an. Die fast 500 bekannten Arten sind in den Tropen, den Subtropen und selten in gemäßigten Klimazonen zu finden. Die meisten Arten werden 8 bis 15 Millimeter lang. Die größten Vertreter sind die Arten der Gattung Clothoda mit einer Körperlänge von etwa 20 Millimetern.

Merkmale

Tarsenspinner sind kleine zylindrisch geformte Insekten. Die Männchen der meisten Tarsenspinner besitzen vier etwa gleich große, schmale Flügel mit einem sehr einfachen Geäder, die in der Ruhestellung nach hinten über den Körper gefaltet werden. Die Flügel sind normalerweise weich und flexibel mit hohlem, nicht ausgehärtetem Geäder. Sollen sie zum Flug verwendet werden (normalerweise nur bei Migrationen oder zur Partnersuche), werden sie durch eingepumpte Hämolymphe stabilisiert. Die Weibchen sind flügellos.

Auffällig sind die verdickten Vorderbeine der Tiere. Besonders das erste Tarsenglied der Vorderbeine ist stark verdickt und mit jeweils etwa 100 Spinndrüsen ausgestattet, die in hohle Borsten münden. Die drei Brustsegmente (Thorax) sind annähernd gleich groß. Am Kopf tragen die Tiere lange Antennen und kleine Facettenaugen. Die Mundwerkzeuge sind kauend-beißend und weisen einen ausgeprägten Sexualdimorphismus auf. Bei den Männchen sind sie zu Klammerorganen für die Begattung umgebildet. Der Hinterleib endet in einem Paar kurzer Hinterleibsfäden, den Cerci.

Lebensweise

Die Tarsenspinner leben in Gespinsten am Boden, die häufig unter Steinen oder Rinde angelegt sind. Die etwa 200 Eier werden von den Weibchen direkt in das gesponnene Nest gelegt, wobei einige Arten auch Brutpflege betreiben. Nachts verlassen die Larven und die Weibchen die Gespinste zur Nahrungssuche.

Die Nymphen durchlaufen insgesamt vier Häutungen bis zum Adultstadium. Die Entwicklung erfolgt hemimetabol.

Die Männchen sind in der Lage, durch Reiben der Fühler Geräusche zu produzieren und nutzen diese, um die Weibchen zu umwerben.

Fossile Belege

Die ältesten fossilen Belege von Tarsenspinnern stammen aus burmesischem Bernstein aus der mittleren KreideMichael S. Engel & David A. Grimaldi (2006): The Earliest Webspinners (Insecta: Embiodea). American Museum Novitates 3514: 1-15., aufgrund der bereits stark abgeleiteten Morphologie dieser Funde wird ein höheres Alter (möglicherweise aus der Trias) angenommen. Weitere Funde stammen aus Baltischem Bernstein (Eozän). Bei den wenigen fossil erhaltenen Exemplaren handelt es sich um Männchen der Gattung Electroembia, darunter ein Individuum der Art Electroembia antiqua, deren Männchen flügellos sind. Weitere Funde von Tarsenspinnern anderer Gattungen sind aus den jüngeren Bernsteinvorkommen der Dominikanischen Republik, Mexikos (Chiapas-Bernstein) und von Sansibar (Tansania) bekannt.George O. Poinar, Jr.: Life in Amber. 350 S., 147 Fig., 10 Tafeln, Stanford University Press, Stanford (Cal.) 1992. ISBN 0-8047-2001-0Wolfgang Weitschat und Wilfried Wichard: Atlas der Pflanzen und Tiere im Baltischen Bernstein, 256 S., zahlr. Abb., Pfeil-Verlag, München 1998. ISBN 3-931516-45-8Adolf Bachofen-Echt: Der Bernstein und seine Einschlüsse, 204 S., 188 Abb., Springer-Verlag, Wien 1949

Taxonomie Bei den Embioptera werden 16 Familien mit insgesamt 475 Arten unterschieden (Stand: Oktober 2023).Embioptera Global Biodiversity Information Facility, abgerufen am 24. Oktober 2023

Die folgenden Familien sind bekannt: Alexarasniidae , 2011 Andesembiidae , 2003 Anisembiidae , 1940 Archembiidae , 2001 Australembiidae , 1963 Brachyphyllophagidae , 2000 Clothodidae , 1909 Embiidae , 1839 Embonychidae , 1917 Notoligotomidae , 1940 Oligotomidae , 1909 Paedembiidae , 2006 Ptilocerembiidae Scelembiidae , 2001 Teratembiidae , 1911

In Europa kommen, laut Fauna Europaea, folgende Gattungen und Arten vor:

Aus der Familie der Embiidae: Cleomia , 1953 Cleomia guareschi , 1953 Embia , 1825 Embia amadorae , 1966 Embia cynthiae , 2002 Embia fuentei , 1918 Embia girolamii , 2001 Embia ilvana , 2024 Embia nuragica , 1953 Embia ramburi , 1905 Embia savignyi , 1837 Embia tyrrhenica , 1953 Parembia , 1939 Parembia persica (, 1877) (Zypern)

Aus der Familie der Oligotomidae: Haploembia , 1904 Haploembia palaui , 1955 Haploembia solieri (, 1842) Haploembia tarsalis , 1940 Oligotoma , 1837 (eingeschleppt aus Nordamerika) Oligotoma nigra , 1885 Oligotoma saundersii (, 1837)

Literatur Bernhard Klausnitzer: Embioptera, Tarsenspinner. In Westheide, Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena 1997; Seiten 636–637.

Einzelnachweise

Weblinks

Kategorie:Fluginsekten