Die Geschichte Korsikas im Altertum ist, obwohl die Insel nie als wohlhabend galt, von Kämpfen um die Vorherrschaft durch fremde Mächte geprägt. Eine erste Besiedlung der Insel ist für das 8. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen. Die Nachfolger der neolithischen Kulturen konnten ihre Traditionen zwar noch bis weit in die römische Herrschaftszeit aufrechterhalten, doch interessierten sich bereits vor den Römern Etrusker, Phönizier und Karthager, Griechen und nach ihnen Vandalen, Byzantiner und Sarazenen für die Insel. Für die größeren Reiche hatte Korsika vor allem als Stützpunkt im Mittelmeer strategische Bedeutung.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. begann unter dem Einfluss der Karthager eine Verstädterung auf der Insel. Konnte der Versuch einer griechischen Kolonisation noch im selben Jahrhundert mit dem zentralen Element der Gründung der Stadt Alalia zunächst von den Karthagern verhindert werden, übernahmen zu Beginn des folgenden Jahrhunderts die Etrusker die Kolonialisierung. Im 4. Jahrhundert v. Chr. gab es einen letzten griechischen Versuch, die Insel zu gräzisieren, doch scheiterten sie erneut. Von nun an rückte die Insel immer mehr ins Blickfeld Roms, das schon gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. mit der Gründung einer eigenen Kolonie zunächst gescheitert war. Dennoch geriet Korsika immer mehr in die römische Einflusssphäre und ab 259 v. Chr. wurde sie schließlich erobert. Nach Sicilia wurde Korsika im Verbund mit Sardinien die zweite römische Provinz, Sardinia et Corsica. Einzig während der Bürgerkriege kam es auf Korsika zu Ereignissen von überregionaler Bedeutung; so war die Insel längere Zeit im Machtbereich und eine Operationsbasis von Sextus Pompeius. Mit dem Beginn der Kaiserzeit wurde Sardinia et Corsica eine senatorische Provinz, was ihre relative Bedeutungslosigkeit aufzeigt. Keine Legionen waren hier stationiert, äußere Feinde drohten nicht und auch die Versorgung der Stadt Rom hing nicht von der Insel ab.

Selbst die Reformen des Diokletian gegen Ende des 3. Jahrhunderts änderten nichts am korsischen Status. Erst im frühen 5. Jahrhundert eroberte mit den Westgoten erstmals eine fremde Macht seit mehr als 650 Jahren die Insel. Nachdem auch die Vandalen und Ostgoten kurzzeitig die Insel übernommen hatte, konnten in den 530er Jahren die Oströmer (Byzantiner) sie zurückgewinnen. 40 Jahre später besetzten die Langobarden strategisch wichtige Küstengebiete, das Innere blieb jedoch byzantinisch. Mittlerweile hatte sich die Kirche als der eigentliche Rückhalt der Bevölkerung etabliert. Bis weit ins Frühmittelalter war Korsika nun Spielball äußerer Mächte.

Forschung Die Korsika betreffende Quellenlage und ihre Erforschung sind spärlich und daher wissenschaftliche Veröffentlichungen über die Insel nur in geringer Zahl vorhanden. Das liegt zum einen an der untergeordneten Bedeutung Korsikas im Altertum, aber auch in späteren Epochen; zum anderen an einem auch in der Neuzeit nur sporadischen Interesse an der Insel, die oft lediglich als wirtschaftlich und kulturell unbedeutendes Anhängsel Italiens beziehungsweise Frankreichs betrachtet wurde. Bezeichnend für Interesse und Kenntnisstand ist, dass beispielsweise noch das 1965 in Deutschland erschienene Lexikon der Alten Welt keinen Artikel über Korsika enthielt, während es sich ausführlich anderen großen Mittelmeerinseln, namentlich Kreta, Sizilien und Sardinien, widmete.

Im 19. Jahrhundert wurde dem Schriftsteller Prosper Mérimée das Amt des obersten französischen Denkmalschützers („Inspecteur des monuments historiques de France“) übertragen, und er reiste nach Korsika, um die historischen Denkmäler der Insel zu erfassen. 1840 veröffentlichte er die Notes d’un voyage en Corse, in denen er seinen Kenntnisstand der korsischen Geschichte zusammenfasste. Die intensive Erforschung der Frühgeschichte Korsikas begann im 20. Jahrhundert durch Roger Grosjean,Wolfgang Kathe: Korsika, Reise Know-How Verlag Peter Rump, ISBN 3-8317-1448-7 doch anders als im benachbarten Sardinien, das von italienischen Forschern besser erkundet und dokumentiert ist, befindet sich die Erforschung Korsikas, seiner Baudenkmäler und Archäologie noch immer im Anfangsstadium.

Zuletzt mussten einige lange gehegte Ansichten über eine nur zögerliche Romanisierung der westlich des italienischen Festlandes gelegenen Inseln relativiert werden. So stellte sich anhand von Forschungen auf Sardinien heraus, dass die Assimilation der Inselbevölkerung an die römische Kultur und Sprache, von der man annahm, sie habe lange Zeit nur die von den Griechen und Karthagern bewohnten Küstenbereiche betroffen, relativ früh auch das Inselinnere erreichte.Zum aktuellen Forschungsstand siehe Bechert: Die Provinzen des römischen Reiches, S. 62.

Inselkunde und Benennung mini|Flächenvergrößerung Korsikas (blau) durch den niedrigeren Meeresspiegel zur Zeit der Besiedlung der Insel aus Richtung Elba im Norden In römischer Zeit nannte man die im Norden und Westen an Korsika grenzenden Gewässer auf Lateinisch Mare Ligusticum, die im Osten Mare Tyrrhenum und die im Süden zu Sardinien hin Fretum Gallicum. Die Lage zwischen dem italischen Festland im Osten, dem gallischen Festland im Norden und Sardinien im Süden machte Korsika zu einem strategisch wichtigen Punkt für die Beherrschung des westlichen Mittelmeers. Außerdem war die Insel als Umschlagplatz im mediterranen Handel von einer gewissen Bedeutung. Korsika wurde von Theophrastos von EresosTheophrastos von Eresos: Historia plantarum 5,8 als stark bewaldet und gebirgig beschrieben. Für den Getreideanbau eignete sich nur eine begrenzte Fläche insbesondere an der Ostküste im Bereich der Stadt Aléria, aber die Insel lieferte neben Bauholz und Korn auch Rohstoffe wie Kupfer, Eisenerz, Silber, Blei, Pech, Wachs und Honig. Andere Produkte der Insel galten als wertlos, das Klima vor allem im Sommer als ungesund (Malaria) und alles in allem als rau und abweisend.Tilmann Bechert: Die Provinzen des Römischen Reiches. Einführung und Überblick. Von Zabern, Mainz 1999, ISBN 3-8053-2399-9, S. 61–62.

Die antike Bezeichnung der Insel als Kyrnos () ist möglicherweise die griechische Fassung eines älteren korsischen Toponyms. Daneben nannten die Griechen die Insel auch Korsis (). In der Forschung wird eine Herkunft von kors-, was laut Eustathios von Epiphaneia „Baumkrone“ bedeutet, oder krsa („Kopf“) aus der Sprache der vorrömischen Korsen diskutiert. Eine andere Deutung ist, dass der Name auf den phönizischen Begriff korsai zurückgehe, was in etwa „mit Wäldern bedeckt“ bedeuten soll.Zur Benennung siehe Gerhard Radke: Corsica, in: Der Kleine Pauly, Band 1 (1964), Spalte 1324.

Frühe Besiedlung mini|Die Steinreihen von Palaggiu auch als Campu dei Morti (Friedhof) bezeichnet mini|Zeitstellung korsischer Megalithen Eine Besiedlung Korsikas ist seit dem 8. Jahrtausend v. Chr. dokumentiert. Die aus Ligurien stammende korsische Urbevölkerung, Jäger und Sammler, die über eine Landbrücke bei den heutigen Inseln Elba und Capraia einwanderten, wurde um 6000 v. Chr. von Zuwanderern der neolithischen Cardial- oder Impressokultur verdrängt. Für die ligurische Herkunft spricht beispielsweise der Name des Flusses Rotanos. Die Inselfläche war aufgrund des würmeiszeitlichen Niedrigwassers (etwa 100 m tieferer Meeresspiegel als heute) größer, und somit lag Korsika näher am Festland und war bis etwa 5000 v. Chr. über eine Landbrücke mit Sardinien verbunden.

Im Süden Korsikas entwickelte sich um 3000 v. Chr. eine mehrphasige Megalithkultur (Filitosa). In neolithischer Zeit sind Kontakte zu Sardinien, Etrurien und Ligurien belegt. Terrina bei Aléria gilt als Zeugnis des Höhepunkts des Aeneolithikums. Zu dieser Zeit (um 1600 v. Chr.) entstand auf Korsika die Torre-Kultur, die durch Dolmen, Menhire und Statuenmenhire überliefert ist. Wie im Inneren der Iberischen Halbinsel, auf den Balearen, Sardinien und Malta herrschte die Megalithkultur auf Korsika noch bis in eine Zeit, in der in anderen Teilen Europas schon die Metallzeit eingesetzt hatte.Richard Pittioni in: Propyläen Weltgeschichte, Band 1, S. 275.

In der Bronzezeit entstanden auf Korsika befestigte Siedlungen sowie Torren genannte runde Türme. Kulturelle Kontakte wurden vor allem nach Sardinien und zum italienischen Festland gepflegt. Trotz der Kontakte führte die Entwicklung in der Eisenzeit nicht zur Verstädterung. Erste feste Siedlungen entstanden erst im 9. Jahrhundert v. Chr. (Capula, Cuccuruzzu, Modria und Araguina-Sennola bei Bonifacio).

Laut Diodor lebten die Bewohner der Insel vor allem als Hirten. Das Innere der Insel konnte sich seine Unabhängigkeit bis in römische Zeit mehr oder weniger erhalten. So fanden sich noch in dieser Sitten wie das Männerkindbett, das die Ablenkung böser Geister bewirken sollte.Vgl. dazu Kulturgeschichte der Antike. Band 2: Rom, Berlin 1982.

Griechen, Etrusker und Karthager Eine Verstädterung begann auf Korsika erst mit der Ansiedlung von Karthagern um 565 v. Chr. Herodot zählte die Korsen zu den Söldnern der Karthager.Herodot: Historien. 7,165. Um 545 v. Chr. verließen griechische Siedler aus Phokaia in KleinasienDiese hatten schon Massillia, Emporion, Nikaia, Athenopolis und Antipolis gegründet. wegen der Belagerung durch die Perser unter Harpagos ihre Heimat und gründeten an der Ostküste Korsikas die Stadt Alalia (Aléria). Wohl schon einige Zeit zuvor hatten Siedler aus derselben griechischen Stadt dort einen Handelsstützpunkt, möglicherweise schon eine Kolonie unterhalten, was den Etruskern so nah an ihrem Territorium auf dem italischen Festland missfiel. Da die phokäischen Griechen sowohl als Händler wie auch als Piraten den Handel und die Wirtschaftsmacht der Etrusker und Karthager im Gebiet von Südfrankreich, Sardinien und Etrurien nachhaltig störten und sogar das italische Festland attackierten, rüsteten sich die beiden Großmächte des westlichen Mittelmeerraumes, Etrusker unter der Führung der Stadt Caere und die Karthager, die sich in ihrer Hegemonie bedroht sahen, zum Gegenschlag. 537 oder 535 v. Chr. starteten die Phönizier einen Angriff.Siehe Der Neue Pauly. – in der früheren Literatur wird immer von einem Kampf zwischen Griechen und Karthagern/Etruskern geschrieben. Auch werden 540 v. Chr. (Wolfgang Schuller: Griechische Geschichte, S. 14) und 535 v. Chr. (Propyläen Weltgeschichte. Bd. 3, S. 678) als Jahr der Schlacht angegeben. Über den Ausgang des Kampfes gibt es verschiedene Aussagen. Jochen Bleicken (Propyläen Weltgeschichte. Bd. 4, S. 45) spricht von einem vernichtenden Sieg der karthagisch-etruskischen Koalition, an anderer Stelle wird von einem knappen Sieg der Griechen berichtet, der die Stadt jedoch so schwächte, dass sie aufgegeben werden musste (Hermann Bengtson: Römische Geschichte. München 1973, S. 17). Alfred Heuß (Propyläen Weltgeschichte. Bd. 3, S. 201) spricht von einer „nicht eindeutigen Entscheidung“. Die Niederlage oder erhebliche Schwächung der Griechen in der Seeschlacht bei Alalia veranlasste sie, sich nach Elea, ihre um 540 v. Chr. in Kampanien gegründeten Tochterstadt, zurückzuziehen, in der später eine der bedeutendsten Philosophenschule, die der Eleaten, entstand. Von nun an gehörte Sardinien zum Herrschaftsbereich der Karthager, Korsika zu dem der Etrusker. Die Kolonisation der Griechen im westlichen Mittelmeer kam mit dem Verlust Alalias zum Erliegen. Diodor nannte Teer, Wachs und Honig als TributgabenDiodor 5,13,4; 11,88,5. der Korsen an die Etrusker.

Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. wurde Alalia etruskisiert. Dazu wurde möglicherweise eine Militärexpedition unter der Führung des Tarquinianers Velthus Spurinna ausgesandt. Zu Beginn des 4. Jahrhunderts war Korsika letztmals Ziel einer griechischen Expedition, als der Tyrann Dionysios I. von Syrakus die Insel überfiel.Alfred Heuss, in: Propyläen Weltgeschichte. Bd. 3, S. 387. An ihrer Südspitze, möglicherweise bei Porto-Vecchio, konnten sich Truppen aus Syrakus für einige Zeit festsetzen.Bengtson: Römische Geschichte, S. 39.