mini|Brustkrebszelle unter einem Rasterelektronenmikroskop
mini|hochkant|Rosa Schleife – Symbol der Solidarität mit von Brustkrebs betroffenen Frauen
Brustkrebs oder Mammakarzinom (von „Zitze, Brust; weibliche Brustdrüse“) ist der häufigste bösartige Tumor der Brustdrüse des Menschen. Er kommt hauptsächlich bei Frauen vor; nur etwa jede hundertste dieser Krebserkrankungen tritt bei Männern auf.M. A. Roubidoux: Breast cancer, male. In: Emedicine. Stand vom 24. September 2008. In den westlichen Staaten ist Brustkrebs die häufigste Krebsart bei Frauen. Am Brustkrebs sterben mehr Frauen als an irgendeiner anderen Krebserkrankung. Die meisten Erkrankungen treten sporadisch (zufällig) auf, es gibt aber sowohl erbliche als auch erworbene Risikofaktoren. Neben der Heilung sind der Erhalt der betreffenden Brust und vor allem der Lebensqualität erklärtes Ziel der medizinischen Behandlung.
Die Therapie besteht in der Regel in einer an das Erkrankungsstadium angepassten Kombination aus Operation sowie Zytostatika-, Hormon- und Strahlentherapie. Neue Ansätze aus dem Gebiet der Krebsimmuntherapie werden außerdem durch monoklonale Antikörper (wie z. B. durch die Verabreichung von Trastuzumab oder Pertuzumab) ermöglicht. Das medizinische Vorgehen basiert in hohem Maß auf Erfahrungen aus Studien, folgt oft der evidenzbasierten Medizin und ist in weltweit akzeptierten Leitlinien standardisiert. Zahlreiche nationale und internationale Programme zur Früherkennung und zur strukturierten Behandlung sollen die Letalität (Sterblichkeit) künftig senken.
Epidemiologie mini|hochkant|Häufigkeit des Mammakarzinoms nach Quadranten (gerundet; rechte Brust) mini|hochkant|Verlauf der Sterblichkeit (y-Achse in Todesfälle pro 100.000 Einwohner) bei Brustkrebs in Abhängigkeit vom Alter (x-Achse)
Brustkrebs bei der Frau In Deutschland ist das Mammakarzinom mit einem Anteil von 32 % aller Krebsneuerkrankungen die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Das Lebenszeitrisiko wird mit 12,9 % angegeben, d. h. etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs.K. Rhiem, R. K. Schmutzler: Risikofaktoren und Prävention des Mammakarzinoms. In: Onkologe. Band 21, 2015, S. 202–210. doi:10.1007/s00761-014-2837-5. Dies sind in Deutschland etwa 71.900 Neuerkrankungen pro Jahr (2019) oder 171 Fälle pro 100.000 Einwohner und Jahr.krebshilfe.de abgerufen am 10. Oktober 2019
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab zum Weltkrebstag im April 2021 bekannt, dass im Jahr 2020 weltweit 19,3 Millionen Menschen an Krebs erkrankten. Als häufigste Krebsart sei Brustkrebs registriert worden, gefolgt von Lungenkrebs. Die Zahl von derzeit rund 20 Millionen Krebs-Neuerkrankungen könnte laut WHO bis 2040 auf etwa 30 Millionen weltweit ansteigen. Für Deutschland prognostizierte die Deutsche Krebshilfe einen Anstieg auf rund 600.000 Krebsfälle im Jahr 2030.br.de abgerufen am 6. Februar 2021 Auf Basis von aktuellen Erkrankungszahlen und der erwarteten demografischen Entwicklung haben Wissenschaftler der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) und von anderen Instituten im Fachmagazin The Breast eine Prognose für die globale Häufigkeit der Erkrankung aufgestellt: Bis 2040 werde die Krankheitslast weiter zunehmen. Die Autoren gehen dann von über drei Millionen Neuerkrankungen (+40,8 % im Vergleich zu 2020) und einer Million Todesfällen (+51,9 %) pro Jahr aus – allein schon wegen der wachsenden und immer älter werdenden Weltbevölkerung.
Bei internationalen Vergleichen muss die unterschiedliche Altersverteilung der nationalen Bevölkerungen berücksichtigt werden. Die nach dem sogenannten Europastandard (ESR) altersstandardisierte Inzidenz (Neuerkrankungsrate) lag in Deutschland im Jahr 2010 für Frauen bei 119,6/100.000. Die brustkrebsbedingte Sterberate (Mortalität) betrug im selben Jahr altersstandardisiert 24,0/100.000 nach dem ESR. Seit 1970 haben sich die Erkrankungszahlen verdoppelt, während die Mortalität eher rückläufig ist.Alexander Katalinic, Carmen Bartel: Epidemiologie Mammakarzinom. Universität Lübeck, 2006. ()
Brustkrebs ist weltweit die häufigste invasive Tumorerkrankung bei Frauen. Weltweit gibt es nach Schätzungen der WHO (2003) etwa 1.050.000 neue Erkrankungsfälle pro Jahr, davon 580.000 in den Industriestaaten. Vergleichsweise seltener ist die Erkrankung in Afrika und Asien. Weltweit starben 1998 circa 412.000 Frauen an Brustkrebs, was 1,6 % aller gestorbenen Frauen entspricht. Damit ist Brustkrebs weltweit die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen. In der westlichen Welt ist Brustkrebs bei Frauen zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr die häufigste Todesursache überhaupt.
In Deutschland schätzt man etwa 17.460 brustkrebsbedingte Todesfälle pro Jahr und in den Vereinigten Staaten etwa 40.200. In Deutschland beträgt die durchschnittliche Fünfjahresüberlebensrate zurzeit 86–90 %.J. Eucker, P. Habbel, K. Possinger: Metastasiertes Mammakarzinom: Differenzierte, möglichst zielgerichtete medikamentöse Therapie. In: Onkologe, Band 19, 2013, S. 487–493. doi:10.1007/s00761-013-2450-z. Während jedoch in den reichen Ländern die Sterberate sinkt, ist sie in den ärmeren Ländern hoch. Dies hängt zum einen mit der immer höheren Lebenserwartung zusammen, zum anderen mit den schlechteren diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten in den ärmeren Ländern. WHO-Angaben zufolge starben 2007 etwa 72 Prozent aller an Krebs erkrankten Menschen in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen.Brustkrebs bei Frauen häufigste Todesursache. In: Ärzte Zeitung, 1. September 2008. Dennoch gab es 2013 in den Vereinigten Staaten das Phänomen von steigenden Brustkrebsraten bei jungen Frauen, für die es bisher keine zufriedenstellende Erklärung gibt.R. H. Johnson, F. L. Chien, A. Bleyer: Incidence of breast cancer with distant involvement among women in the United States, 1976 to 2009. In: JAMA. Band 309, Nummer 8, Februar 2013, S. 800–805, doi:10.1001/jama.2013.776. PMID 23443443.
Anzahl der in Deutschland am Mammakarzinom verstorbenen Frauen nach AltersgruppenZusammenstellung der Daten des Statistischen Bundesamtes Deutschland aus den Jahren 2003 bis 2006, Fachserie 12, Reihe 4, Datensatz: Todesursache Mammakarzinom (PDF) Alter 2003 2004 2005 2006 0–30 16 20 16 13 30–40 348 318 294 294 40–50 1.271 1.296 1.283 1.176 50–60 2.493 2.404 2.419 2.489 60–70 4.158 4.441 4.252 4.035 70–80 4.140 4.354 4.273 4.283 >80 4.747 4.759 4.918 4.996 Gesamt 17.173 17.592 17.455 17.286
Anteil der Todesursache „Mammakarzinom“ in Prozent nach Altersgruppen (nur Frauen, Deutschland) Alter 2003 2004 2005 2006 0–30 0,4 0,5 0,5 0,4 30–40 10 11 10 11 40–50 13 14 14 13 50–60 14 14 13 14 60–70 9 10 10 10 70–80 4 5 4 5 >80 2 2 2 2
Brustkrebs beim Mann Männer erkranken seltener an Brustkrebs. In Uganda sind fünf Prozent aller Mammakarzinompatienten männlich, in Sambia liegt der Anteil sogar bei 15 Prozent. Nach aktueller Statistik 2019 sind es in Deutschland jährlich etwa 700 Männer.krebshilfe.de abgerufen am 10. Oktober 2019. Das Verhältnis von Erkrankungen bei Männern zu Frauen liegt bei 1:100. Die standardisierten globalen Inzidenzraten für Brustkrebs betrugen bei Männern 0,40 pro 105 Personenjahre (66,7 pro 105 bei Frauen). Die Diagnosestellung erfolgt bei Männern in einem höheren medianen Alter (69,6 Jahre). Männliche Patienten weisen zwar eine schlechtere relative 5-Jahres-Überlebensrate auf als Frauen (0,72 [95 % KI: 0,70–0,75] bzw. 0,78 [95 % KI: 0,78-0,78]), was einem relativen erhöhten Mortalitätsrisiko von 1,27 (95 % KI: 1,13–1,42) entspricht, sie zeigen jedoch nach Anpassung um Alter und Jahr der Diagnosestellung, Stadium und Therapie ein signifikant besseres relatives Brustkrebs-assoziiertes Überleben als Patientinnen.Hui Miao, Helena M. Verkooijen, Kee-Seng Chia, Christine Bouchardy, Eero Pukkala, Siri Larønningen, Lene Mellemkjær, Kamila Czene, Mikael Hartma: Incidence and Outcome of Male Breast Cancer: An International Population-Based Study. In: Journal of Clinical Oncology, Band 29, 2011, S. 4381–4386, doi:10.1200/JCO.2011.36.8902. Die Mortalität bei Männern liegt bei rund 200 Todesfällen pro Jahr. Eine Studie der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) zusammen mit anderen Fachverbänden aus Europa und Nordamerika soll die Ursachen für diese Geschlechterdifferenz detailliert aufklären.
Risikofaktoren für Brustkrebs bei Männern Die Häufigkeit von Brustkrebs bei Männern wird durch demographische, genetische, umweltbedingte und endokrine Faktoren gesteigert: Gruppe Risikofaktor Demographie höheres Alter Afroamerikaner familiäres RisikoGenetik BRCA2BRCA1 CHEK2 PALB2 Umwelt Strahlenexposition Endokrine Faktoren Östradiol im Serum erhöhtKlinefelter-SyndromGynäkomastieLeberfunktionsstörungAdipositas Störung der Hodenfunktion Anmerkungen: CHEK2 ist an der DNA-Reparatur beteiligt. Das Gen kodiert eine Zellzyklus-Checkpoint-Kinase. PALB2 wird Partner und Lokalisierer von BRCA2 genannt. Das Gen kodiert ein Protein, welches mit dem Brustkrebsrisikofaktor BRCA2 interagiert.
Den Aufbau und die Betreuung des 2010 in der Bundesrepublik gebildeten ersten Selbsthilfe-Netzwerks „Netzwerk Männer mit Brustkrebs e. V.“ hat die bundesweite Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH) in Bonn unter dem Patronat der Stiftung Deutsche Krebshilfe übernommen. Neben dem Netzwerk Männer mit Brustkrebsbrustkrebs-beim-mann.de Website des Netzwerkes. und dem Infonetz Krebs bietet auch der KrebsinformationsdienstBrustkrebs beim Mann. krebsinformationsdienst.de Informationen zu diesem Thema.
Symptome für eine Erkrankung sind Flüssigkeitsabsonderung aus der Brustwarze, kleine Entzündungen oder Wunden, die nicht abheilen oder eine Einziehung der Brusthaut an einer Stelle oder der Brustwarze.
Zur Behandlung können in einer Operation sowohl tumorverdächtige Bereiche wie auch benachbarte Lymphknoten aus der Achselhöhle entnommen werden. Über solche Lymphknoten können sich Tumorzellen am ehesten im Körper ausbreiten. Möglich ist auch eine Strahlentherapie der Brustwand und eventuell eine Chemotherapie. Auch bei Männern kann eine antihormonelle Therapie sinnvoll sein, wenn ihr Tumor östrogenabhängig wächst, und/oder eine Therapie mit Antikörpern, die sich gegen besondere Merkmale mancher Brustkrebszellen richten. Männer bilden auch das Hormon Östrogen, jedoch in sehr viel geringerem Maße als Frauen.
Ursachen und Risikofaktoren
Genetische Risikofaktoren Etwa 5 bis 10 % der Brustkrebserkrankungen können erblich bedingt sein. Nur bei einer kleinen Gruppe von Frauen (etwa 1 pro 500) findet man definierte, krankheitsverursachende Mutationen. Wesentlich häufiger sind genetische Veränderungen, die die Suszeptibilität (Empfänglichkeit) für Brustkrebs auf äußere Faktoren erhöhen.
Die höchste Wahrscheinlichkeit, an der erblichen Form des Brustkrebs zu erkranken, besteht bei Frauen mit Mutation in den Genen BRCA1 und BRCA2 (BRCA1/2 = Breast Cancer Gene 1/2). Es kommt bereits bei einer Mutation in einem Allel dieser Gene zur Erkrankung (man spricht von sogenannten Tumorsuppressorgenen mit autosomal-dominantem Erbgang). Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an Brustkrebs zu erkranken, wird für Trägerinnen des mutierten BRCA1 mit 65 %, für Trägerinnen des mutierten BRCA2 mit 45 % angegeben.A. Antoniou, P. D. Pharoah, S. Narod u. a.: Average risks of breast and ovarian cancer associated with BRCA1 or BRCA2 mutations detected in case Series unselected for family history: a combined analysis of 22 studies. In: Am J Hum Genet. Band 72, 2003, S. 1117–1130. PMID 12677558.