Die Burschenschaft Alemannia ist eine farbentragende und fakultativ schlagende Studentenverbindung in Bonn. Die Burschenschaft wurde am 18. Juli 1844Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 67. von 21 Studenten gegründet.

Couleur und Wahlspruch

Die Alemannia trägt die Farben Schwarz-Rot-Gold mit goldener Perkussion,Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 24. ihre Mitglieder tragen als Mütze einen weinroten Bonner Teller.

Ihr Wahlspruch lautet: Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland! Geschichte Gründungsphase und Kaiserreich Die Burschenschaft Alemannia zu Bonn ist die älteste Bonner Burschenschaft. Die Gründer der Burschenschaft Alemannia gehörten der 1847 aufgelösten Burschenschaft Fridericia an. Sie hatten sich von dieser 1844 getrennt, um eine eigene Burschenschaft zu gründen. Aus einer weiteren Abspaltung der Fridericia entstand im Dezember 1845 die Bonner Burschenschaft Frankonia.Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 71.

miniatur|Das Schänzchen, Teil des Verbindungshauses der Alemannia Bonn. Der Sitz der Alemannia ist die Schanze. 1884 erwarben einige Alte Herren das Schänzchen, damals eine sehr bekannte Wirtschaft weit vor den Toren der Stadt,Deutsche Bau-Zeitung. Band 25, 1894, S. 348. für ihre Burschenschaft. Auf dem Grundstück wurde 1904 das Verbindungshaus der Alemannia errichtet.

Nach dem Tode Bismarcks 1898 initiierte die Bonner Studentenschaft unter Führung der Bonner Alemannen die Bismarcksäulen-Bewegung, durch welche zahlreiche Bismarcktürme entstanden.Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 82, Hannover 2010, S. 182.

Weimarer Republik und Nationalsozialismus mini|Die Alemannia als Mitglied der Deutschen Burschenschaft (1915) Nach dem Ersten Weltkrieg fanden die Kriegsheimkehrer das Schänzchen von britischen Soldaten besetzt. Zudem wurde ihnen ein Studium in Bonn untersagt. Als Ausweichmöglichkeit wurde 1919 die Burschenschaft Alemannia Münster ins Leben gerufen, die bald auf eigenen Füßen stand, schon im Gründungsjahr der Deutschen Burschenschaft und 1921 auch dem Roten Verband beitrat, nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings wieder in den Bonner Alemannen aufging.Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 334.Klaus Neuhaus: Studentenpostkarten aus Münster. Eine anschauliche Geschichte Münsteraner Studentenlebens. Schernfeld 1993, S. 24.

Während der Zeit des Nationalsozialismus verweigerten sich Alemannia Bonn und Alemannia Münster der Forderung der Deutschen Burschenschaft (DB), gemäß den Bestimmungen der neuen Arierparagraphen ihre jüdischen und jüdisch versippten Mitglieder auszuschließen. Sie wurden daraufhin aus der Deutschen Burschenschaft ausgeschlossen.Michael Grüttner: Studenten im Dritten Reich, Schöningh, Paderborn 1995, ISBN 3-506-77492-1, S. 297 f. Unter dem Druck des NS-Regimes mussten sich die Aktivitates von Alemannia Münster (1935) und Alemannia Bonn (1936) auflösen. Das Haus in Bonn diente ab 1938 der Kameradschaft Bismarck des NSD-Studentenbundes als Unterkunft, die zum Teil versuchte, alemannische Tradition aufrechtzuerhalten. Im Zweiten Weltkrieg fielen 47 Alemannen und 6 Mitglieder der Kameradschaft Bismarck.

Nachkriegszeit und aktuelle Entwicklungen

Ab 1948 wurde die Verbindung wieder aufgebaut, musste allerdings erst als Freundschaftsbund Ernst Moritz Arndt zusammenkommen. 1950 konnte die Alemannia offiziell wiedergegründet werden und trat im selben Jahr in die Deutsche Burschenschaft (DB) ein. Im Geschäftsjahr 1959/60 übernahm Alemannia den Vorsitz der Deutschen Burschenschaft.

Während die Alemannia auf dem Burschentag 1969 wegen der Aufgabe des Fechtbetriebes noch nicht bestraft wurde, wurde sie im Januar 1970 von der DB suspendiert, das heißt auf Zeit ausgeschlossen, da sie das pflichtschlagende Prinzip aufgegeben hatte. Im Juli wurde sie endgültig ausgeschlossen, aber bereits im Wintersemester 1971/72 wieder aufgenommen. Im Juni 1974 wurde der Selbstausschluss wegen Verstoßes gegen die Verfassung der DB festgestellt, erst 1975 wurde Berufung eingelegt und die Sanktion aufgehoben. 1976 wurde die Alemannia noch einmal suspendiert, die Strafe wurde schließlich 1977 aufgehoben.

1995 trat die Alemannia Bonn aus dem Verband Deutsche Burschenschaft aufgrund von Streitigkeiten über die zukünftige Zielsetzung aus. Im Wintersemester 1998/99 schloss sie sich zuletzt der Neuen Deutschen Burschenschaft an, welche sie im Dezember 2018 wieder verließ.

Bekannte Mitglieder

Politik und Verwaltung Friedrich Leopold Cornely (1824–1885), Notar, Politiker Cornelius Balduin Trimborn (1824–1889), Gründungsmitglied, Jurist und Reichstagsabgeordneter Otto Georg Hoffmeister (1826–1888), Jurist, Bürgermeister von Remscheid, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses George Rudolf Peterßen (1826–1903), Senatspräsident am Reichsgericht Rudolph Pfefferkorn (1826–1883), Jurist und Kommunalpolitiker Gustav Ferdinand Hertz (1827–1914), Jurist und Hamburger Senator August Nebe-Pflugstädt (1828–1902), Preußischer Staatsrat, Kronanwalt, Kronrat und Unterstaatssekretär Robert Zelle (1829–1901), Oberbürgermeister von Berlin Karl Schönstedt (1833–1924), preußischer Justizminister Johannes Krech (1834–1915), Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses, Mitglied des Bundesamtes für das Heimatwesen, Ehrenbürger von Greifswald Karl Ludwig von Plehwe (1834–1920), Kanzler im Königreich Preußen Wilhelm Julius Reinhold Winzer (1834–1919), preußischer Beamter, Regierungspräsident in Arnsberg Ernst Ferdinand Plump (1839–1900), Bremer Senator Joseph Freusberg (1842–1917), Landrat und preußischer Beamter Karl Lehr (1842–1919), Politiker und Oberbürgermeister von Duisburg Julius Lenzmann (1843–1906), Jurist und linksliberaler Politiker, Reichstagsabgeordneter Johann Georg Eschenburg (1844–1936), Bürgermeister von Lübeck Hermann Leo Knickenberg (1848–1939), Landrat im Landkreis Beckum Friedrich Richard Krauel (1848–1918), Diplomat, Deutscher Botschafter in Argentinien und Brasilien Wilhelm Ruer (1848–1932), Jurist und Dichter Gustav Wendt (1848–1933), Lehrer und Politiker, Reichstagsabgeordneter Ludwig Friedrich Franz Beckhaus (1853–1936), Jurist, Landrat und Vizepräsident des Rechnungshofs des Deutschen Reiches Theodor Eschenburg (1853–1921), Arzt und Politiker, Mitglied der Lübecker Bürgerschaft Friedrich Philippi (1853–1930), Archivar, Direktor des Staatsarchivs Münster Ernst Bansi (1858–1940), Kommunalbeamter und Oberbürgermeister von Quedlinburg Walther Koenig (1860–1922), Landrat des Kreises Zell (Mosel) Walter Lohmann (1861–1947), Jurist und nationalliberaler Politiker Bernhard Kaewel (1862–1917), Bürgermeister von Ruhrort, Oberbürgermeister von Schweidnitz Otto Nollau (1862–1922), Oberbürgermeister von Remscheid Paul Siller (1866–1950), Beamter und Reichskommissar Lutz Korodi (1867–1954), Siebenbürger Lehrer und Politiker, Abgeordneter des ungarischen Reichstags Karl Büren (1871–1942), Verwaltungsjurist und Politiker (Nationalliberale Partei) Christian Roth (1873–1934), Politiker Karl Jarres (1874–1951), Politiker (DVP) Max Saelmans (1876–1954), Bürgermeister von Dinslaken Alfred Fissmer (1878–1966), Oberbürgermeister der Stadt Siegen Albrecht Landwehr (1881–1966), Bürgermeister in Vohwinkel und Wuppertal Otto Leunenschloß (1883–1960), Arzt und Bibliothekar Hanns Jess (1887–1975), Präsident des Bundeskriminalamts, Leiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz Carl Neinhaus (1888–1965), Politiker (NSDAP, CDU), Präsident des Landtags von Baden-Württemberg Reinhard Winterhoff (1895–1968), Generalintendant der Luftwaffe der Wehrmacht Kurt Winkhaus (1898–1970), Generalrichter in der Luftwaffe der Wehrmacht Albrecht Aschoff (1899–1972), Politiker (DVP, FDP), Bundestagsabgeordneter Richard Bottler (1903–1985), Jurist, Legationsrat im Dritten Reich, Deutscher Botschafter in Liberia und Birma Hans Nockemann (1903–1941), Jurist, SS-Führer und Amtsleiter im Reichssicherheitshauptamt Heinrich Anz (1910–1973), Jurist und Ministerialbeamter

Kirche Julius Thikötter (1832–1913), evangelischer Theologe und Schriftsteller Heinrich Kockelke (1856–1934), Pfarrer und Präses der Provinzialsynode der Ev. Kirche in Westfalen Friedrich Wilhelm Thümmel (1856–1928), evangelischer Theologe Julius Smend (1857–1930), evangelischer Theologe Gustav Lohmann (1876–1967), Pfarrer und Kirchenlieddichter Gustav Friedrich Bauer (1881–1968), Pfarrer und Historiker Wilhelm Jannasch (1888–1966), Pastor und Hochschullehrer Albert Schmidt (1893–1945), evangelischer Theologe, Reichstagsabgeordneter

Wissenschaft Theodor Spieker (1823–1913), Mathematiklehrer August Hosius (1825–1896), Geologe und Paläontologe, Rektor der Universität Münster Peter Spohr (1828–1921), Berufsoffizier und Schriftsteller Ludwig Nohl (1831–1885), Musikwissenschaftler Richard Wilhelm Dove (1833–1907), Kirchenrechtslehrer August Wilmanns (1833–1917), Bibliothekar Elard Hugo Meyer (1837–1908), Indogermanist Heinrich Averdunk (1840–1927), Lehrer Alfred Holder (1840–1916), Philologe, Handschriftenforscher und Bibliothekar August Mau (1840–1909), Archäologe Richard Wachsmuth (1840–1910), Philologe und Pädagoge Wilhelm von Bippen (1844–1923), Historiker, Staatsarchivar in Bremen Paul Ewald Hasse (1847–1907), Historiker und Archivar Paul Natorp (1854–1924), Philosoph und Pädagoge Franz Boas (1858–1942), Ethnologe, Ethnosoziologe Adolf Vogeler (1858–1935), Philologe, Pädagoge und Schriftsteller Franz Richarz (1860–1920), Physiker Felix Klingemann (1863–1944), Chemiker Heinrich Schrohe (1864–1939), Gymnasiallehrer, Lokalhistoriker, Ehrenbürger von Mainz Otto Oppermann (1873–1946), Historiker Frank Rochussen (1873–1955), Chemiker Carl Noeggerath (1876–1952), Pädiater und Hochschullehrer Artur Buchenau (1879–1946), Philosoph Hermann Reuter (1880–1970), Bibliothekar und Mundartforscher Karl Lohmann (1898–1978), Biochemiker August Götte (1901–1983), Mineraloge und Hochschullehrer Rudolf Ritschl (1902–1982), Physiker Hellmut Wollenweber (1903–1976), Agrar- und Wirtschaftswissenschaftler Georg Erler (1905–1981), Rechtswissenschaftler und Hochschullehrer Friedrich Edding (1909–2002), Bildungsökonom Günther Möhlmann (1910–1984), Historiker und Archivar Christian Hünemörder (1937–2012), Wissenschaftshistoriker

Kultur Carl von Binzer (1824–1902), Schriftsteller und Maler Bernhard Abeken (1826–1901), Schriftsteller, Politiker Wilhelm Hellmuth-Bräm (1827–1889), Schweizer Sänger (Bass) und Schauspieler Max Abraham (1831–1900), Musikverleger Johannes Trojan (1837–1915), Ehrenmitglied, Schriftsteller Gustav Schliemann (1841–1873), Schauspieler Georg Günther (1845–1923), Lehrer und Schriftsteller

Wirtschaft Feodor Goecke (1836–1907), Generalbevollmächtigter der Rheinischen Stahlwerke und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Heinrich Vielhaber (1868–1940), Jurist und Industriemanager Hermann Seippel (1884–1937), Unternehmer, Kommunalpolitiker Rudolf Stahl (Industrieller) (1884–1946), Jurist und Industrieller Ernst Habermas (1891–1972), Major in der Wehrmacht, Unternehmer Joachim Caesar (1901–1974), Agrarwissenschaftler, SS-Führer, Leiter der Landwirtschaftsbetriebe im KZ Auschwitz Wilhelm Rentrop (1904–1989), Präsident des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung

Medizin Friedrich Daniel von Recklinghausen (1833–1910), Pathologe Robert Hermann Tillmanns (1844–1927), Chirurg Otto Wilhelm Madelung (1846–1926), Chirurg Dietrich Barfurth (1849–1927), Mediziner, Anatom, Mathematiker und zweimaliger Rektor der Universität Rostock Oskar Max Sigismund Schultze (1859–1920), Anatom Ludwig Aschoff (1866–1942), Pathologe Georg Clemens Perthes (1869–1927), Chirurg und Röntgenologe Julius Grober (1875–1971), Internist