Bodiam Castle [ˌbəʊdiəm ˈkɑːsɫ̩] ist eine gut erhaltene Burgruine in East Sussex, England.
Geschichte miniatur|Luftaufnahme der Anlage Sir Edward Dalyngrigge stammte aus einer alten Sussexer Familie. Nachdem er für Eduard III. in Frankreich gekämpft hatte, kam er durch seine Heirat (1378) mit Elizabeth, der Erbin von Wardedieu (Wardeux), in den Besitz des Gutes, das ihre Familie seit ca. 1330 besaß. Es bestand im Wesentlichen aus einem Gutshaus im Tal nördlich der Kirche von Bodiam, dessen Grundmauern bei archäologischen Ausgrabungen in den 1960er und 1970er Jahren gefunden wurden. Dazu gehörte noch ein weiteres Gebäude nördlich oberhalb der heutigen Burg. Als Ritter in der Grafschaft von Sussex (Knight in the Shire of Sussex) war Dalyngrigge in der Zeit von 1379 bis 1388 Mitglied von zehn Parlamenten und wohl eine der einflussreicheren Persönlichkeiten der Grafschaft in dieser Zeit. Im Jahr 1380 wurde er Mitglied der Kommission zur Prüfung des Standes des Königreiches und der Besitztümer, Ausgaben und Einnahmen des königlichen Haushaltes (Commission considering the state of the realm and the possessions, expenses and revenues of the royal household). Im selben Jahr wurde er mit einer Begutachtung von Winchelsea beauftragt. Dabei sollte er untersuchen, wie die Stadt besser gegen Frankreich befestigt werden könne. Neben der Bedrohung durch eine Invasion bestanden aber auch Gefahren im Innern des Landes. 1381 hatten sich Bauern aus Kent, Essex, Sussex und Bedfordshire in einer Revolte erhoben, auf ihrem Marsch auf London zahlreiche Gutshäuser zerstört, den Tower von London überrannt und den Erzbischof von Canterbury, Simon Sudbury, geköpft. Auch wenn der Aufstand sehr schnell von den Gefolgsleuten Richards II. niedergeschlagen werden konnte, flackerte Widerstand auch in den Folgejahren immer wieder auf. Im Jahr 1383 verlieh König Richard II. Sir Edward Dalyngrigge das Privileg zum Abhalten eines Wochenmarktes auf seinem Besitz in Bodiam und 1385 wurde Sir Edward die königliche Erlaubnis zur Befestigung seines Landsitzes erteilt:
Tatsächlich jedoch ließ er eine gänzlich neue Wasserburg nahe seinem aus Holz erbauten Herrenhaus nicht fern dem Fluss Rother errichten. Zur selben Zeit bekam er auch die Genehmigung, einen Wasserlauf von Dalyngreggesbay nördlich in Saleshurst nach Bodiam zu leiten, um dort eine Wassermühle zu betreiben. Dalyngrigge hat die ersten Bauarbeiten wohl nicht selbst beaufsichtigen können, da er zwischen 1386 und 1387 Hafenkapitän der französischen Stadt Brest war. Etwa um 1392 waren die Arbeiten an der Burg beendet. Anno 1395, also nur wenige Jahre nach deren Fertigstellung, starb Sir Edward Dalyngrigge.
Um 1473 fiel der Besitz mangels männlicher Erbberechtigter der Linie Dalyngrigge durch Heirat Philippa Dalyngrigges an die Familie Lewknor. Während der Rosenkriege unterstützte Sir Thomas Lewknor das Haus Lancaster. Richard III. (Haus York) befahl 1483 die Belagerung der Burg durch Thomas Howard, 2. Duke of Norfolk. Schriftliche Quellen über das Ereignis fehlen, der Archäologe David Thackray nimmt an, die Burg sei widerstandslos übergeben und vom König konfisziert worden.David Thackray: Bodiam Castle. The National Trust, London 1991, ISBN 1-84359-090-5 Ein königlicher Konstabler verwaltete die Burg. 1485 gab König Heinrich VII. die Burg an die Familie Lewknor zurück, die sie bis ins 16. Jahrhundert hielt. Die übrigen Ländereien folgten bis 1542 in den Familienbesitz.George Curzon: George Curzon, 1st Marquess Curzon of Kedleston. Cape, 1926, S. 34–39 1588 erwarb John Levett aus Salehurst Burg Bodiam, 1623 kaufte sie Nicolas Tufton, 1. Earl of Thanet. Sein Sohn John Tufton, 2. Earl of Thanet, erbte das Anwesen 1631, konnte 1639 Burg und übrigen Besitz wiedervereinen. Er musste aber 1644 wegen einer hohen Strafzahlung an das Parlament von £9.000 (heutiger Wert: £1.300.000) die Burg an den Parlamentsabgeordneten Nathaniel Powell verkaufen, der 1661 von Karl II. zum Baronet erhoben wurde. 1675 erbte Elizabeth Clitherow, Schwiegertochter von Nathaniel Powell, dem 2. Baronet, die Burg, die bis 1722 in deren Familie blieb.Lise Hull: The Great Castles of Britain & Ireland. New Holland Publishers, London 2005; ISBN 1-84330-898-3; S. 56 ff
Neuere Forschungen gehen davon aus, dass die Burg mehr zu Repräsentationszwecken denn als wehrhafte Verteidigungsanlage errichtet wurde. Gegen einen vorwiegend militärischen Zweck des Baues spricht etwa, dass die Zinnen zu niedrig sind, um dahinterstehende Männer vor Beschuss zu schützen. Zudem könnte im Fall einer Belagerung der Wassergraben vermutlich mit nur geringem Arbeitsaufwand innerhalb weniger Stunden trockengelegt werden, da er an einer Stelle nur durch einen schmalen Erddamm von einem größeren Gefälle zu tieferliegendem Gelände getrennt ist.
Besitzer miniatur|Ansicht von Südosten miniatur|Fernwirkung aus Südwesten; am Rechten Bildrand ist die Pillbox zu erkennen 1385–1395: Sir Edward Dalyngrigge, Erbauer der Burg 1395–1408: John Dalyngrigge 1408–1443: Alice Dalyngrigge (Witwe von John Dalyngrigge) 1443–1470: Richard Dalyngrigge 1470–1478: Philippa Dalyngrigge (Schwester von Ri. Dalyngrigge) 1478–1483: Thomas Lewknor of Trotton 1483–1485: Nicholas Rigby, königlicher Konstabler der Burg 1485–1543: Roger Lewknor, Sheriff von Sussex (1542 Besitz wiedervereint) 1543–1588: Erbteilung der Nachkommen Roger Lewknors 1588–1623: John Levett aus Salehurst 1623–1631: Nicolas Tufton, 1. Earl of Thanet 1631–1644: John Tufton, 2. Earl of Thanet (1639 Besitz wiedervereint) 1644–1674: Nathaniel Powell, 1. Baronet (1661) 1674–1675: Nathaniel Powell, 2. Baronet 1675-17??: Elizabeth Clitherow (Schwiegertochter von Nath. Powell, 2. Baronet) 17??–1722: Christopher Clitherow 1722–1727: Thomas Webster, 1. Baronet of Battle Abbey 1727–1761: Whistler Webster, 2. Baronet 1761–1780: Godfrey Webster, 3. Baronet 1780–1800: Godfrey Webster, 4. Baronet 1800–1820: Godfrey Vassal Webster, 5. Baronet 1820–1829: Godfrey Vassal Webster, 6. Baronet 1829–1849: John Fuller von Rosehill 1849–1916: George Cubitt, 1. Baron Ashcombe 1916–1925: George Curzon, 1. Marquess Curzon of Kedleston
Anlage miniatur|Das weitgehend zerstörte Innere der Burg miniatur|Bodiam Castle in der Abenddämmerung
Burg Bodiam ist rundum von einem breiten Wassergraben umgeben. An der Nordseite befindet sich der rechteckige Torturm mit Haupteingang, Brücke und beidseitigen Wachunterkünften. Vier mächtige Rundtürme von 9,4 Metern Durchmesser markieren die Eckpunkte der fast quadratischen Burganlage von 50 Metern mal 60 Metern (Nord-Süd). In der Mitte des West- und des Osttraktes steht jeweils ein rechteckiger Turm. Im nördlichen Teil des Osttraktes befindet sich die Burgkapelle. An der Südseite steht ein zentraler Turm (postern tower) mit einem zweiten Ausgang, rechts davon der große Saal. Dort im Südtrakt sind auch die Wirtschaftsgebäude wie Küche, Speisen- und Getränkekammern untergebracht. Die Burg war, nicht nur für die damalige Zeit, auf Wunsch des Bauherrn sehr komfortabel für alle Bewohner eingerichtet, es gab 33 Feuerstellen bzw. Kamine, 10 Wendeltreppen und 28 Aborterker. Der Westtrakt war für den eigenen Haushalt des ständigen Vertreters des Burgherrn (Burgvogt) vorgesehen. Im Südwestturm ist ein Brunnen eingelassen, der Nordwestturm beherbergte das Burggefängnis. Das Burginnere wurde während des Englischen Bürgerkriegs weitgehend zerstört.
Die Burg wurde von George Curzon, 1. Marquess Curzon of Kedleston, restauriert und kam 1925 zum National Trust.
Sonstiges Bodiam Castle ist in dem Film Die Ritter der Kokosnuß von Monty Python zu sehen. In der TV-Miniserie Northanger Abbey (BBC, 1986) nach Jane Austen dient das Gebäude als Kulisse der titelgebenden Familienbehausung der Familie Tilney und lässt die Hauptfigur Katherine Morland wahre Horrorgeschichten à la Ann Radcliffe imaginieren (z. B. The Mysteries of Udolpho). Am Rande des Weges vom Besucherparkplatz zur Burg befindet sich eine Pillbox.
Einzelnachweise
Literatur George Curzon: George Curzon, 1st Marquess Curzon of Kedleston. Cape 1926. Lise Hull: The Great Castles of Britain & Ireland. New Holland Publishers, London 2005; ISBN 1-84330-898-3. David Thackray: Bodiam Castle. The National Trust, London 1991; ISBN 1-84359-090-5.
Weblinks
Informationen zu Bodiam Castle beim National Trust (englisch)
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