Koblenz Hauptbahnhof ist ein Kreuzungsbahnhof in Koblenz und der wichtigste Bahnhof im Rhein-Mosel-Lahn-Gebiet. Der Hauptbahnhof mit Halt von Intercity/Eurocity, Intercity-Express sowie Nightjet-Zügen befindet sich in der Südlichen Vorstadt unterhalb des Forts Konstantin und wurde im Rahmen der südlichen Stadterweiterung 1902 in Betrieb genommen.

Der wichtigste Personenbahnhof der Stadt liegt direkt an der linken Rheinstrecke, unmittelbar an der Einmündung der Moselstrecke und der Lahntalbahn, die jenseits der Horchheimer Eisenbahnbrücke mit der rechten Rheinstrecke verknüpft ist. Auf dem Bahnhofplatz davor befinden sich ein Busbahnhof und ein Pavillon mit Geschäften. 2019 hatte er 28.000 Reisende und Besucher pro Tag.

Geschichte Rheinbahnhof mini|Ankunft von Kaiser Wilhelm II. auf dem Rheinbahnhof 1893

Nachdem bereits seit 1844 eine Eisenbahnverbindung zwischen Köln und Bonn fertiggestellt worden war und seit 1856 eine Verlängerung nach Rolandseck bestanden hatte, wurde die Bahnstrecke nun weiter nach Koblenz ausgebaut. Der erste Zug der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft fuhr am 11. November 1858 über die neu erbaute Moseleisenbahnbrücke auf der linken Rheinstrecke in Koblenz ein. Mit dem Bau der Brücke und der Rheineisenbahn wurde erstmals die preußische Stadtbefestigung durchbrochen. Unter dem Jubel der Bevölkerung und in Anwesenheit von Prinzessin Augusta lief der Zug mit der girlandengeschmückten Lokomotive „Windsbraut“ im provisorischen, in Fachwerkbauweise errichteten Rheinbahnhof () in der Eisenbahnstraße ein, von der heute noch ein nördliches Teilstück als Fischelstraße erhalten ist. in: Landeshauptarchiv Koblenz

Die Strecke von Koblenz nach Bingerbrück wurde 1859 verlängert und der alte Rheinbahnhof 1858–1859 durch einen Massivbau ersetzt. Der Bahnhof bestand aus einem zweigeschossigen Mittelbau zu sieben Achsen, die mittleren drei waren risalitartig hervorgehoben, und vierachsigen Flügeln, die von zweiachsigen Pavillons abgeschlossen wurden. Hauptbau und Pavillons trugen ein Mezzaningeschoss. Im Gebäude befand sich ein reich geschmücktes Fürstenzimmer, für die Ankunft von hochgestellten Persönlichkeiten.

Ab 1864 wurde das Eisenbahnnetz weiter ausgebaut und die Pfaffendorfer Brücke über den Rhein eingeweiht. Sie war zunächst eine reine Eisenbahnbrücke und verband die linke mit der rechten Rheinstrecke. Während der Bauzeit der Pfaffendorfer Brücke wurde als Zwischenlösung zur vorzeitigen Verbindung der linken mit der rechten Rheinstrecke das Trajekt Stolzenfels–Oberlahnstein eingesetzt. Die letzten Eisenbahnzüge überquerten die Pfaffendorfer Brücke am Anfang des Ersten Weltkrieges im August 1914.

Mit der Inbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofes wurde der Rheinbahnhof 1902 außer Dienst gestellt. Im Zweiten Weltkrieg bei Luftangriffen 1944 schwer beschädigt, wurde das Gebäude zu Beginn der 1960er Jahre beseitigt. Heute befinden sich etwa an dieser Stelle die Straße Am Wöllershof und die Rampe zu den Parkdecks des Löhr-Centers.

Moselbahnhof mini|Der Moselbahnhof mit dem Fort Konstantin (Hintergrund) um 1890

Im Oktober 1878 wurde die Gülser Moseleisenbahnbrücke eingeweiht, im Jahr darauf folgte die Vollendung der Horchheimer Eisenbahnbrücke über den Rhein. Im Jahre 1879 wurde die Moselstrecke in Betrieb genommen und gleichzeitig der Moselbahnhof () fertiggestellt. Aufgrund der Rayonbestimmungen war das Gebäude als Fachwerkbau im Schweizerhausstil errichtet worden. Es lag rechts unterhalb des Forts Konstantin zwischen Karthäuserstraße und Löhrstraße in Höhe des heutigen Parkdecks 3 unter der Bundesstraße 9. Damit wurde der Ausbau des Koblenzer Eisenbahnnetzes abgeschlossen sowie auch ein Teilstück der strategischen Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Metz, der sogenannten Kanonenbahn, in Betrieb genommen. Der Moselbahnhof wurde 1902 durch den in Massivbauweise errichteten, jetzt direkt unterhalb von Fort Konstantin gelegenen Hauptbahnhof ersetzt.

Bau des Hauptbahnhofs mini|Hauptbahnhof mit großer Bahnsteighalle, dahinter Fort Konstantin (1904)Die preußische Stadtbefestigung von Koblenz wurde ab 1890 aufgegeben und vollständig abgerissen. Das Siedlungsgebiet der Stadt konnte nun erstmals aus den engen Stadtgrenzen ausbrechen. Südlich des Walls entstand ein neues und schnell wachsendes Siedlungsgebiet, die Südliche Vorstadt. Das Unterhalten von zwei Bahnhöfen erwies sich als sehr umständlich, da durchgehende Züge innerhalb von 900 Meter zweimal hielten und Zugreisende, die von Trier kamen und rechtsrheinisch nach Norden weiter wollten, sich umständlich zu Fuß oder mit einer Droschke vom Mosel- zum Rheinbahnhof begeben mussten. So wurden die Forderungen nach einem zentralen Bahnhof immer lauter und es begannen die Planungen für den Bau eines neuen und größeren Personenbahnhofs. Der bedeutende preußische Städteplaner Josef Stübben sah in seinem ersten Plan zur südlichen Stadterweiterung von 1889 einen Hauptbahnhof vor, der dem neuen Stadtteil zur besonderen Attraktivität verhelfen sollte.

Mit dem preußischen Eisenbahnministerium wurde 1894 eine einvernehmliche Regelung getroffen. Danach wurden der kleine Rheinbahnhof in der Eisenbahnstraße und der Moselbahnhof aufgegeben. In der neuen Südlichen Vorstadt entstand auf dem Gebiet des Moselbahnhofs von 1899 bis 1902 nach Entwurfsskizzen des Regierungsbaumeisters Karl Biecker, die der Landbauinspektor Fritz Klingholz umarbeiteteRobert Malcher: Die Bahnhofsbauten von Fritz Klingholz. Diplomarbeit im Fach Architektur an der Technischen Universität Berlin. Berlin 2006, S. 12, 23–26., ein prächtiger Hauptbahnhof.Zentralblatt der Bauverwaltung, 23. Jahrgang 1903, Nr. 47 (vom 13. Juni 1903), S. 289–293. Der Centralbahnhof, wie seine offizielle Bezeichnung damals war, wurde am 1. Mai 1902 feierlich eingeweiht. Durch das Hochlegen der Eisenbahntrasse durch die Innenstadt zur Mosel wurde die Stadt zweigeteilt. mini|Der Hauptbahnhof im Mai 1929 mini|Alte Dampflok der Ulmer Eisenbahnfreunde im Koblenzer Hauptbahnhof (2005)

Der Hauptbahnhof wurde im Stile eines Palasts mit Mittel- und Seitenpavillons, aus funktionellen Überlegungen jedoch unter Weglassung der strengen Symmetrie, erbaut. Die Fassaden bestanden aus Tuff und gelbem Sandstein in einer neubarocken Form. Das Bahnhofsgebäude hat eine Länge von 96 Metern. Die Bahnsteige überspannte eine Hallenkonstruktion. Im Nordflügel befand sich ein reich verziertes Fürstenzimmer mit direktem Zugang über eine heute noch erhaltene Freitreppe (Kaisertreppe) zu Bahnsteig 1, auf dem erstmals 1905 Kaiser Wilhelm II. in Koblenz ankam.

Am 1. August 1926 wurde auch bahntechnisch die Änderung der Schreibweise von Koblenz vollzogen. „Koblenz Hbf.“, „Koblenz Moselbf.“, „Koblenz Rheinbf.“ und „Koblenz-Lützel“ schrieben sich ab diesem Datum nicht mehr mit C, sondern mit K.Amtliche Mitteilungen der Geschäftsführenden Verwaltung. In: Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen, 66. Jahrgang, Nr. 29 (22. Juli 1926), S. 798.

Das Bahnbetriebswerk am Koblenzer Hauptbahnhof wurde 1935 aufgegeben. Die Leistungen wurden danach von den Bahnbetriebswerken Koblenz-Lützel und Koblenz-Mosel übernommen.

Zweiter Weltkrieg und danach mini|Gleisanlagen und Blick von Süden auf den Hauptbahnhof (2007) mini|Mittelteil mit der Empfangshalle des Hauptbahnhofs

Im Zweiten Weltkrieg war der Bahnhof Angriffsziel von Luftangriffen der Alliierten, so z. B. am 4. Dezember 1944Hans-Günter Stahl: Der Luftkrieg über dem Raum Hanau 1939–1945 = Hanauer Geschichtsblätter 48; Hanau 2015. , S. 220. und am 11. Dezember 1944.Hans-Günter Stahl: Der Luftkrieg über dem Raum Hanau 1939–1945 = Hanauer Geschichtsblätter 48; Hanau 2015. , S. 227. Durch Luftangriffe wurden das Empfangsgebäude und die Gleisanlagen schwer beschädigt.

Die französische Besatzungsmacht ordnete nach dem Zweiten Weltkrieg alle Bahnanlagen im nördlichen Teil ihrer Besatzungszone der Eisenbahndirektion Mainz zu. Dazu gehörte auch Koblenz Hauptbahnhof. Der Wiederaufbau des Empfangsgebäudes begann ab 1949 in vereinfachter Form. Bahnsteighalle und Turmgebäude wurden nicht mehr aufgebaut. Die Reparaturen wurden, anders als das historische Original, vereinfacht und auf Baudekoration weitgehend verzichtet. Über den Bahnsteigen wurden 1953 funktionale Dächer angebracht.

Die linke Rheinstrecke wurde in zwei Etappen elektrifiziert. Am 29. Mai 1958 wurde zunächst der elektrische Betrieb auf dem Abschnitt Remagen–Mainz aufgenommen, wobei der Traktionswechsel allerdings in Koblenz erfolgte, da die Kapazitäten des Bahnhofs Remagen hierzu nicht ausreichten. Über die ebenfalls elektrifizierte Bahnstrecke Mainz–Mannheim konnten Züge weiter mit elektrischer Traktion in den bereits zu großen Teilen elektrifizierten süddeutschen Raum verkehren. Am 5. Mai 1959 wurde schließlich auch der Abschnitt Köln–Remagen elektrisch in Betrieb genommen. Zwei Jahre später erfolgte dann die Elektrifizierung der rechten Rheinstrecke und 1974 folgte die Moselstrecke nach Trier. mini|Stellwerk Koblenz Hbf KfWeitere Veränderungen erfuhr der Hauptbahnhof 1967 mit Inbetriebnahme eines neuen Relaisstellwerks der Bauart SpDrS-59Bundesbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 31. März 1967, Nr. 13. Bekanntmachung Nr. 123, S. 50. sowie 1977 mit Renovierung der Empfangshalle. Das Innere wurde 1982–1983 weitgehend umgestaltet, danach wurde 1984 ein Reisezentrum eröffnet.

Mit der schrittweisen Auflösung der Bundesbahndirektion Mainz in den Jahren 1971/72 fiel die Zuständigkeit für den Bahnhof zum 1. Juni 1971 an die Bundesbahndirektion Köln.Bundesbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 23. November 1970, Nr. 52. Bekanntmachung Nr. 351, S. 351–356 (353); ebd., vom 30. Dezember 1970, Nr. 60, Bekanntmachung Nr. 402, S. 408–410.

Im Jahr 1998 begann die Umgestaltung des Bahnhofplatzes, die auch schon das Bahnhofsgebäude selbst mit einbeziehen und bis zur 100-Jahr-Feier im Jahre 2002 abgeschlossen sein sollte. Bedingt durch die Holzmann-Pleite verschob sich aber der Umbautermin. Die Einweihung des umgebauten Hauptbahnhofs erfolgte im Mai 2005, der sich nun den Reisenden mit einer modernen Bahnhofshalle sowie DB-Reisezentrum, Geschäften, Restaurants und Bars präsentiert.

Am 1. August 2006, einen Tag nach einem Sprengstofffund im Hauptbahnhof Dortmund, wurde am Koblenzer Hauptbahnhof ebenfalls in einem herrenlosen Koffer eine Propangasflasche mit Sprengsatz entdeckt.Bombenfunde in Koblenz und Dortmund. In: Spiegel Online. 1. August 2006. Die beiden Regionalzüge, in denen der Sprengsatz aufgefunden wurde, hatten ihren Ursprung in Köln. Nach Ermittlungen des Bundeskriminalamtes muss von einem versuchten Terroranschlag durch libanesische Terroristen ausgegangen werden, der nur durch handwerkliche Fehler sein Ziel verfehlte. Eine Explosion der Sprengsätze hätte vermutlich, wie bereits 2005 in London, viele Opfer gekostet. Danach gab es für den Koblenzer Hauptbahnhof mehrfach Bombendrohungen, die sich allerdings als gegenstandslos erwiesen.