mini|Will Cassel in seinem Atelier
Will Cassel (eigentlich Wilhelm Georg Cassel; * 25. August 1927 in Dortmund; † 30. Dezember 2023Petra Diederichs: Abschied vom Welttheater: Trauer um Will Cassel. In: rp-online.de, 3. Januar 2024, abgerufen am 4. Januar 2024.) war ein deutscher Maler, Zeichner und Performance-Künstler sowie Dozent für Kunst- und Kulturerziehung.
Leben mini|Cassels Atelier mit Galerie und Cassel-Museum in Krefeld-Traar Cassel lebte von 1934 bis zu seinem Tod in Krefeld. Dort besuchte er von 1943 bis 1948 die Werkkunstschule. Von 1952 bis 1953 unternahm er eine Studienreise nach Italien, wo er auch an der Kunstakademie Venedig studierte. Weitere Studien absolvierte er an der Schule für Textile Künste in Krefeld, wo er dann von 1966 bis 1972 als Dozent lehrte. Von 1972 bis 1980 war er Dozent an der Gesamthochschule Dortmund und der Gesamthochschule Essen.
Cassels Werke wurden national und international ausgestellt, unter anderem in New York, Finnland, Japan und Jerusalem. Seine erste Einzelausstellung hatte er 1958 in Krefeld. Bekannt wurde er insbesondere durch seine Gips-Gartenzwerge, die er in den 1960er Jahren als „Abstraktion für das Sein“ auch in politischen Aktionen auf öffentlichen Plätzen in verschiedenen deutschen Städten einsetzte, um damit zum Beispiel auf Umweltzerstörung und weltweite Machtpolitik aufmerksam zu machen. So demonstrierte er in Düsseldorf gegen die Atomkraft, aber auch vor der UNO in New York gegen Menschenrechtsverletzungen und vor dem Weißen Haus in Washington gegen den Vietnamkrieg.
Sein Atelier hatte er am Kuhdyk in Krefeld, wo er ab 1972 seine Werke in seiner „Meditativ Art Galerie“ ausstellte. Im Obergeschoss des Hauses eröffnete er 1997 das „Cassel Museum“.
Cassel erhielt mehrere Auszeichnungen, so zum Beispiel 2011 das Stadtsiegel der Stadt Krefeld für seine langjährigen Verdienste als Krefelder Maler, Zeichner und Projekt-Performance-Künstler.
Mit seiner Frau Sigrun hatte Cassel zwei Töchter und zwei Söhne. Er starb am 30. Dezember 2023 im Alter von 96 Jahren. Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer würdigte ihn als „einen der größten Künstler unserer Stadt und ein Krefelder Original, das hier von sehr vielen Menschen gekannt und geschätzt wurde.“ Seinen Nachlass übergab Cassel bereits im Jahr 2017 dem Stadtarchiv Krefeld.
Werk Cassel war in den 1960er Jahren einer der ersten Vertreter der Kunstbewegung Fluxus. Neben der Zeichnung in Bleistift und Tusche malte er in Öl-Acryl-Aquarell Bilder und Enkaustik-Tuch-Bilder. Die stark farbigen Enkaustik-Bilder waren eine Weiterentwicklung seiner ersten Tuch-Bilder von 1972, die mit Filzstift oder flüssiger Textilfarbe gemalt wurden. Ab 1974 arbeitete er mit Enkaustik-Malerei. Vor der farbigen Gestaltung des Bildes zeichnete, schrieb und stempelte Cassel die Komposition auf weiße Baumwollgewebe mit lichtechter Tusche. Malerei und Texte (Lyrik) waren ihm schon immer gleich wichtig. Seine Bilder und Objekte sind Welt-Theater. Fast immer haben die Bilder versteckte Gesellschaftskritik. Neben fantasievollen Szenen finden sich Motive aus der Natur und immer wieder Darstellungen von Micky Maus, Erdkugeln, Krähen, Federn und Spielzeug/Blechspielzeug zum Aufziehen aus seiner großen Sammlung auf seinem Atelier-Tisch.
mini|hochkant|Roter Gartenzwerg Bekannt wurde Cassel auch durch die Figur des Zwerges, die er 1967 in seine künstlerische Arbeit aufnahm. Die Zwerge stellten für ihn eine Abstraktion für „Alles Sein“ (wie z. B. Sterne, Menschen, Blätter, Steine) dar. Der erste aus Kunststoff bestehende Zwerg, den er rot anmalte, symbolisierte ein „Kampfobjekt“ gegen Bürgerbevormundung für ein freies, „individuelles Mensch-Sein“. Später entstanden in weißen Gips gegossene Vervielfältigungen dieses Zwerges. Er schuf mit den Zwergen in verschiedenen gestalterischen Variationen zahlreiche Objekte und Installationen und verwendete sie in den 1970er Jahren in seinen Aktionen und Performances gegen Umweltzerstörung, politische Fehlentwicklungen und Kriege.
Preise und Auszeichnungen 1962: Kunstpreis der Stadt Krefeld (Kunstpreis des Niederrheins) 1962: Plakette Carl Reichsfreiherr vom Stein 1977: Internationaler Kunstpreis Prix Joan Miró, Barcelona 2011: Krefelder Stadtsiegel
Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl) Kaiser-Wilhelm-Museum, Krefeld: Raumkonstruktion, Tusche auf Papier (1958); Bewegung, Tusche auf Papier (1959) Sammlung Siegfried Cremer, Museum am Ostwall, Dortmund: ohne Titel, Tuschezeichnung, Abdruck eines Tuches (1960) 1/9 weisse kreis-flächen, 10 weiße kreisförmige Papierflächen in Pappschuber (1961) keimende frucht, Öl auf Leinwand (1963) Konkrete bewegte Kreiskonstellationen, vier auf Schienen verschiebbare Glasplatten (1963) Städtisches Museum Abteiberg Mönchengladbach: Enträumlichte Komposition, Spritztechnik (1963) Fundació Joan Miró, Barcelona: Makabres Welttheater, Meditations Tuchbild (1977) Museum für Post und Kommunikation Berlin: Mal rauf … mal runter …, Zeichnung mit Collage (1997)
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellungen 1959, 1964: Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach 1960, 1970, 1988: Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld 1966: Türkisch-deutsches Kulturzentrum, IstanbulW.G. Cassel’in "Yuvarlak Dünyasi" In: YENI GAZETE, 14 April 1966. 1973: Rotterdamer Kunststiftung, Lijbaancentrum, Niederlande 1978–1979: Galleria d’arte moderna di Bologna 1978: Galerie Dr. Luise Krohn, Badenweiler 1979–1980: Galerie Gmyrek, Düsseldorf 1986: Galerie Elephas, Friedberg 1986–1991: Galerie Peschken, Krefeld 1989: Bergisches Museum Schloss Burg an der Wupper 1989, 1991: Gallery Alena Adlung, New York 1991: Burg-Galerie Burg Beeskow, Beeskow 1992: Galerie Mirabell, Salzburg ab 1979: jährliche Cassel-Ausstellungen im Seidenweberhaus, Krefeld 2007: Kunst und Krefeld e.V. zu seinem 80. Geburtstag, Krefeld 2008: Haus der Seidenkultur, Krefeld
Gruppenausstellungen 1958: Kunstkring, VenloAlte Bekannte und ganz Junge, Westdeutsche Zeitung, Krefeld, 1958-09-27 1958: Museum Haus Lange, Krefeld 1965: Staatsgalerie Stuttgart 1965: Städtisches Museum Abteiberg Mönchengladbach 1965: Badischer Kunstverein, Karlsruhe 1968–1985: Beteiligung an der internationalen Ausstellung Premi International Dibuix Joan Miró, BarcelonaKataloge Premi International Dibuix Joan Miró In: Katalog Premi International Dibuix Joan Miró 1969: Staatsgalerie Stuttgart ab 1972: Beteiligung an internationalen Kunstmärkten und Kunstmessen 1972, 1977, 1982: Documenta, Kassel (Beiprogramm) 1977: Berlin-Pavillon, Berlin (auch 1978) 1977: 25. Jahresausstellung – Deutscher Künstlerbund e.V., Frankfurt am Main 1978, 1980: Biennale WarschauDyplom uczestniktwa otrzymuje pan Wilhelm Georg Cassel. Autor: Prezydium Komitetu Organizacy Jnego. In: VII Międzynarodowe Biennale Plakatu Warszawa, 1978. 1979, 1983: Biennale Lahti, FinnlandDiploma of participation in the Lathi V Poster Biennale 1983 Wilhelm Georg Cassel | Autor: Ulla Aartomaa | ISBN 951-849-126-7 1979: Art Basel, Internationale Kunstmesse BaselKatalog Art 10'79 Basel Die internationale Kunstmesse Autor: Konzeption Aldo Codoni, Basel | Seite 326 1979: Biennale São Paulo, Brasilien 1980: International Exhibition of Contemporary Art, New York 1983: Europarat, Straßburg 1984: Exhibition International Artists, Okinawa, JapanW. G. Cassel Certificate Exhibition of Japan International Artists Society december 9-23 1984 mayer of Urasoe city. 1985: The Museum of Modern Art, International Triennial, Toyama, JapanThe 1st International Triennal Of Poster In Toyama, 1985, Participant 106 1986: Europäische Ausstellung des politischen Plakats, Mons, BelgienAffiches Politique - Homo Sapiens?, Mons, Participant 39 ab 1987: Montague Art Galleries, Art 54 – Soho, New York 1989: Internationale Buchkunst-Ausstellung (IBA), Leipzig 1989: Israel-Museum, Jerusalem 1990: Self-image, Israel-Museum, Jerusalem 1995: Internationale Poster ’95, Postermuseum Lahti, FinnlandPoster '95 Lathi, Seite 23 1999: Public Gallery Raststatt 2015–2016: Show & Tell, Grafik aus den Kunstmuseen Krefeld, Krefeld seit 2023: Sammlung in Bewegung. 15 Räume 15 Geschichten. Kaiser-Wilhelm-Museum, Krefeld
Literatur (Auswahl) Krefelder Künstler und Künstler vom Niederrhein 1945–1961. Kaiser-Wilhelm-Museum, Krefeld 1961 Objekte und Bildreliefs. Staatsgalerie Stuttgart, Stuttgart 1969 Paul Wember: W.G. Cassel 1958-1970, eine Dokumentation des jetzigen Standpunktes des Künstlers. Kaiser-Wilhelm-Museum, Krefeld 1970 Cassel Katalog Dokument. Buchobjekt, Krefeld 1974 Kunstreport 2’77. Katalog, Deutscher Künstlerbund e.V., Frankfurt am Main 1977 Cassel und sein Zwerg, kleines Buch, Krefelder Kunstmuseen, Oberstadtdirektor der Stadt Krefeld, Krefeld 1988 Bestandskatalog – Kunst der Gegenwart 1960 bis Ende der 80er Jahre, Städtisches Museum Abteiberg Mönchengladbach, Mönchengladbach 1988 Blau: gedankendämmerungslängs, Heidelberger KV, Heidelberg 1990 Sammlung Cremer I, Bestandskatalog, Museum am Ostwall Dortmund, Edition Cantz, ISBN 3-89322-368-1, Dortmund 1991 Cassel ... bilder "welt-theater", Buch, Verlag Caßel, ISBN 3-9804315-0-9, Krefeld 1995/96 Sinnbilder des 21. Jahrhunderts, Mail Art, Museum für Post und Kommunikation Berlin, Berlin 1999 Kürschners Handbuch der Bildenden Künstler, Künstlerlexikon, K.G. Saur 2005, ISBN 3-598-24734-6, München/Leipzig 2005 Bilder und Geschichten vom Niederrhein, Clemens Reinders, Mercator-Verlag, ISBN 978-3-87463-414-4, Duisburg 2007 Kurze Geschichte über Will Cassel, der aus dem Zwerg ein Kunstwerk machte, Margot Overath, WDR 5, 2009
Weblinks
Website von Will Cassel
Einzelnachweise
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