Ein Abstraktum (pl. Abstrakta; , von abstractus „weggezogen, verallgemeinert“) ist in der Sprachwissenschaft ein Substantiv (Hauptwort), das etwas Nichtgegenständliches bezeichnet. Beispiele für typische Abstrakta sind Glaube, Glück und Sozialstaat. In der systematischen Sprachbeschreibung, der Grammatik, ist das Konkretum der Gegenbegriff, weil es etwas Dingliches oder Sachliches beschreibt, das sinnlich mit Händen, Augen, Nase, Zunge und Ohren erfahrbar ist.Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Auflage. (2002)/Konkretum; Homberger: Sachwörterbuch zur Sprachwissenschaft (2000)/Konkretum; Ulrich: Linguistische Grundbegriffe. 5. Auflage. (2002)/Konkretum; Glück: Konkretum. In: Metzler-Lexikon Sprache. 3. Auflage. (2005).

Am Anfang steht ein Denkprozess, der bestimmte Eigenschaften von nicht-dinglichen und dinglichen Einheiten zur Begriffsbildung in sprachliche Beschreibungen fasst. Dieser Prozess wird ganz allgemein – also auch außerhalb der Grammatik – als Abstraktion bezeichnet, als Überführen auf etwas Allgemeineres oder Einfacheres.

Definition Das Abstraktum ist ein Nomen, das nicht-dingliche oder sinnlich nicht wahrnehmbare Erscheinungen bezeichnet. Dazu gehören Eigenschaften, Beziehungen, geistige Konzepte und Gefühle, Maße usw. Beispiele sind: Ruhe, Liebe, Alter, Entfernung, Unterschied, Musik, Geographie, Verstand. Abstrakta als Stilmittel Abstrakta finden sich in der römischen Dichtung. Bekannt ist der Geschichtsschreiber und Politiker Sallust, der in seinen Texten Abstrakta gegenüber Konkreta bevorzugte, z. B. bei De coniuratione Catilinae. Dies hatte den praktischen Grund, dass er indirekt Personen ansprechen konnte, ohne dass ihm etwas Nachteiliges oder Strafbares nachgewiesen werden konnte. Weil er keine konkreten Namen verwendete, konnte er die Zensur umgehen und das eigene Leben schützen.C. Sallustius Crispus: Die Verschwörung Catilinas. Lateinisch-deutsch. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Josef Lindauer. 3. Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-05-005751-4.

Abstraktum als Abstraktum Das Abstraktum und die Sprache können auch als Abstrakta betrachtet werden. Die Unsicherheit im Umgang mit ungegenständlichen Begriffen und Bezeichnungen durchzieht die Philosophiegeschichte. Fritz Mauthner charakterisiert 1906 das Abstraktum als unwirklich und unfassbar, denn es ist rekursiv mit sich selbst verknüpft.Fritz Mauthner: Wesen der Sprache, Beiträge zu einer Kritik der Sprache, 1. Band, 1906.

Literatur Walter Henzen: Deutsche Wortbildung. 3. Auflage. Niemeyer, Tübingen 1965 (= Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte B; Ergänzungsreihe. Band 5). Manfred Szadrowsky: Abstrakta des Schweizerdeutschen in ihrer Sinnentfaltung (= Beiträge zur Schweizerdeutschen Grammatik. Band XVIII). Huber, Frauenfeld 1933.

Weblinks

Belege

Kategorie:Wortart

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