mini|Sesambagels Ein Bagel, manchmal auch Beigel geschrieben (von oder beigel [], dieses von bejgl oder bajgl bzw. in YIVO-Transkription beygl), auch Beugel (Österreich), ist ein handtellergroßes rundes Gebäck aus Hefeteig mit einem Loch in der Mitte. Bagel werden vor dem Backen kurz in Wasser gekocht. Das Loch in der Mitte verkürzt den Kochvorgang. Durch das Kochen verkleistert die Stärke, wodurch eine harte und glänzende Kruste beim Backen entsteht.
Die 1610 erstmals in jüdischen Quellen in Krakau belegten Bagel entstanden vermutlich in Mittel- oder Osteuropa. Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie von osteuropäischen jüdischen Einwanderern in den USA und Kanada eingeführt. Dort gehören sie seit den 1970er Jahren zum Ernährungsalltag und verbreiteten sich seitdem als typisch amerikanisches Backwerk weltweit.
Varianten mini|Herstellung von handgefertigtem Bagel, Montreal, Kanada In Nordamerika gibt es zwei Varianten des Bagels, den „New York-Style Bagel“ und den „Montreal-Style Bagel“, meist als „New York Bagel“ und „Montreal Bagel“ bezeichnet. Erstere werden traditionellerweise aus einem Teig aus Weizenmehl mit hohem Kleberanteil, Wasser, Hefe, Malz und Salz hergestellt. Der Teig wird oft mehrere Stunden kühlgestellt. Das Kühlstellen des Teiges vor dem Kochen verzögert die Fermentation und verbessert Geschmack und Krustenbildung. Das aus Teigsträngen zu Ringen geformte Gebäck wird kurz in Wasser gekocht und anschließend gebacken. Neben dem „plain“ (einfachen) Bagel gibt es zahlreiche Varianten, mit Mohn, Sesam, Zwiebeln oder mit süßen Zutaten wie Rosinen und Zimt oder Blaubeeren. „New York Bagel“ werden auch aus Roggenmehl oder Sauerteig hergestellt, am Saint Patrick’s Day, dem Gedenktag zu Ehren des irischen Nationalheiligen, sind sie zudem in grüner Farbe erhältlich.
Beim „Montreal Bagel“ wird das Salz weggelassen, dem Teig werden Eier und dem Kochwasser wird Honig beigegeben. „Montreal Bagel“ werden meist mit Mohn- oder Sesamsamen bestreut und in einem Holzofen gebacken. Sie sind etwas kleiner und süßer als New York Bagels und haben ein größeres Loch in der Mitte.
Die traditionell von Hand gefertigten in London und anderen Städten Großbritanniens erhältlichen Bagel, für die in England teilweise noch die Schreibweise „Beigel“ verwendet wird, ähneln denen aus New York, sind jedoch etwas kleiner und kaufester. Industriell gefertigte Bagel werden in Großbritannien dagegen im Stil der New Yorker Bagel hergestellt und als solche vermarktet.
Form Bagels sind rund und haben ein mehr oder weniger großes Loch in der Mitte. Durch den Kochprozess behalten die Teigringe beim Backen ihre Form und es entsteht die für Bagel typische harte, glänzende Kruste. Das Loch macht die Bagels leichter, sie sind schneller gekocht, und beim Backen bildet sich zusätzliche Kruste. Das Loch diente anfangs zum einfacheren Herausnehmen beim Kochen und zum Transport (an Schnüren oder Holzstangen aufgereiht). In dieser Form wurden Bagels in Osteuropa sowohl in Bäckereien wie an Marktständen und auf der Straße verkauft – häufig ohne Bewilligung – und dieser Art in New York noch bis in die 1970er Jahre ausgeliefert.
Ein handgefertigter „New York Bagel“ wog Mitte des 20. Jahrhunderts weniger als 100 Gramm. Seither wurden die Bagels immer größer. Verantwortlich für diese Entwicklung soll nicht zuletzt die Tatsache sein, dass Bagels immer häufiger als Sandwichs gegessen werden und nicht wie ursprünglich ohne Zutaten. Als ideale Größe für Bagels gilt ein Durchmesser von etwa zehn Zentimetern.
Zu den in Nordamerika erhältlichen Bagels, die in ihrer Form von den klassischen Bagels abweichen, gehören „Flagels“, vor dem Backen flachgedrückte Bagels, Riesenbagels für Partys und Empfänge und selbst quadratische Bagels sind anzutreffen. In Großbritannien bietet der Marktführer zum Valentinstag herzförmige Bagels in limitierter Auflage an, die kostenlos online über Facebook erhältlich sind.. In: New York Bakery Co. Bagels, 1. März 2012, (englisch).
Konsistenz mini|Bagelcutter Bagel müssen einen intensiven Geschmack und eine dicke, glänzende Kruste aufweisen und dürfen nur im Inneren weich sein, so jedenfalls die Meinung der Bagel Mavens, wie Bagelkenner in den USA nach dem jiddischen Wort מבֿין (meiwn hebräisch „Verstehender“) gern genannt werden. Frische Bagel werden schnell hart und sollten deshalb innerhalb von fünf Stunden gegessen werden, am besten noch warm.
Sollen Bagel mit Cream cheese bestrichen oder als Sandwiches gegessen werden, werden sie aufgeschnitten. Da das Aufschneiden wegen der harten Kruste oft zu Verletzungen führt, kam es zur Erfindung des Bagelcutters für das Aufschneiden. Einzelne Hersteller verkaufen bereits aufgeschnittene Bagel. Für die Zubereitung von Sandwiches eignen sich jedoch weiche Bagel besser. Vielfach werden sie auf der Unterseite getoastet, bevor sie belegt werden.
Herkunft des Gebäcks und der Bezeichnung mini|Iwan Semjonowitsch Kulikow, Markt, 1910
Herkunft des Gebäcks Ort und Zeitpunkt der Entstehung des Bagels sind unbekannt. Ringförmige Gebäcke sind seit alters her bekannt, beispielsweise der aus der Spätantike stammende Sesamring. Bereits ägyptische Hieroglyphen zeigen ein ringförmiges Gebäck. Die Zubereitungsart, ein Gebäck vor dem Backen kurz zu kochen, geht auf alte Traditionen zurück. Der älteste erhaltene Beleg, der Bagel erwähnt, sind Verordnungen der jüdischen Gemeinde Krakaus von 1610. Leo Rosten schreibt in seinem populären Buch The Joys of Yiddish von 1968, Bagels seien Frauen im Kindbett gegeben worden. Rostens vereinfachte Darstellung stützt sich auf den im Warschauer Ghetto verstorbenen polnisch-jüdischen Historiker Meir Balaban. Dieser Quelle nach hat es sich um ein gängiges Backwerk gehandelt, das zusammen mit Zopfbrot und Kuchen bei Familienfeiern angeboten wurde. Nach Claudia Roden geht der Bagel ebenso wie das Zopfbrot ursprünglich auf Süddeutschland zurück und hat seine definitive Form dann im jüdischen Polen erhalten.
Eine weitverbreitete Legende besagt dagegen, Bagel seien erst 1683 in Wien zu Ehren König Johann III. Sobieskis erfunden worden, der ein großer Pferdeliebhaber war. Der Name würde sich dann von Bügel (Steigbügel) ableiten. Allerdings wird gemäß Barbara Kirshenblatt-Gimblett die gleiche Legende für die Erfindung anderer kulinarischer Errungenschaften kolportiert.
Einer anderen Legende zufolge wurden Bagel im 9. Jahrhundert in einer abgelegenen Gegend in Preußen erfunden, wo die christliche Bevölkerung den Juden das Recht, Brot zu essen oder zu backen absprach. Ein Erlass des lokalen Fürsten verfügte, dass nur als Brot gelten kann, was gebacken wurde. Die Juden hätten daraufhin den Teig, statt ihn zu backen, gekocht und leicht getoastet gegessen.
Eine weitere Erklärung gibt Joan Nathan, die sich auf die Familie Beigel, jüdische Bäcker aus Krakau, beruft. In Osteuropa waren viele Juden als Hausierer tätig und oft unterwegs. Nach den jüdischen Religionsgesetzen müssen vor dem Genuss von Brot die Hände gewaschen und ein Segensspruch über das Brot gesprochen werden. Durch das Kochen vor dem Backen hätten Bagel ihren Status als Brot verloren und konnten wie Teigwaren ohne vorheriges Händewaschen unterwegs gegessen werden, wo sauberes Wasser oft nicht verfügbar war.
Herkunft der Bezeichnung Der Name des Gebäcks, jiddisch bejgl, ist eine umgelautete -el-Ableitung von mittelhochdeutsch bouc, bouge beziehungsweise gleichbedeutendem althochdeutschem boug.Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort Bagel. Etymologisch identisch ist bairisch Beigel, Beugel „Hörnchen“.Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in zehn Bänden. 3., völlig neu bearb. und erweit. Aufl. Hrsg. vom Wissenschaftlichen Rat der Dudenredaktion. Bd. 2: Bedr – Eink. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1999, s. 575. Das polnische begiel, bugiel, bygiel ist dagegen wahrscheinlich dem Jiddischen entlehnt, erstmals belegt ist es im 16. Jahrhundert in der Bedeutung Obwarzanek, daneben ist ein bajgiełe mit der Bedeutung „jüdischer Obwarzanek“ bezeugt. Bei letzterem könnte es sich um eine Neuentlehnung aus dem 19. Jahrhundert handeln.
Im Nordost- und Südostjiddischen, das in Litauen und der Ukraine gesprochen wurde, lautet die Aussprache bejgl, im Zentralostjiddischen, das besonders im heutigen Polen beheimatet war, lautete sie bajgl. In den 1880er Jahren brachten osteuropäische jüdische Auswanderer das Gebäck nach New York und nach Kanada, wo aus dem jiddischen bejgl/bajgl in der amerikanisch-englischen Schreibweise das gleich ausgesprochene bagel wurde. In London, wo der Bagel etwa gleichzeitig wie in New York eingeführt wurde, blieb die der jiddischen Schreibweise näher stehende Schreibung beigel erhalten, sie wird jedoch zunehmend durch die amerikanische ersetzt.
Bejgl/bajgl bleibt im Jiddischen im Plural unverändert, im Englischen wird dagegen ein Plural mit -s, also bagels, gebildet, der im Deutschen zum Teil übernommen wird.
Verbreitung Bagel werden zunehmend weltweit angeboten und als amerikanisches Gebäck, weil dessen europäisch-jüdische Herkunft unbekannt ist, unter dem vermeintlich englischen Namen Bagel verkauft.
Deutschsprachiger Raum Die Focus-Marktanalyse des Jahres 2002 bezeichnete Bagel als „Snack-Hit Nummer eins“ in Deutschland und vermeldete eine „Bagel-Welle“ mit ersten Bagel-Bars in den Großstädten.
Noch unter dem nahezu ursprünglichen Namen werden sie als Beigerl oder Beugerl im österreichisch-bayerischen Raum weiterhin angeboten, teilweise allerdings halbkreisförmig, wie Kipferl oder Hörnchen.. In: konditormeister.blog.de, 6. Oktober 2009. In der ursprünglich runden Form sind die Beigerl noch in manchen Teilen Österreichs als traditionelle Fastenspeise verbreitet. Verbunden ist damit die Tradition des Beigerlreißen.
Rottenhöfers Kochbuch listet ein Bagel-Rezept unter Nr. 2876 als Schlesische Fastenringe: „Von 300g Mehl, 125g Butter, 3 Eiern, 25g Hefe, 0,2l Milch und Salz bereitet man einen Hefeteig, läßt diesen aufgehen, formt davon dünne und drei Finger breite Ringe, läßt diese ebenfalls aufgehen, gibt sie dann in kochendes Salzwasser, hebt sie, nachdem sie an die Oberfläche aufgestiegen sind, wieder aus, läßt sie auf einem Tuche abtrocknen, legt sie auf ein Blech, bestreicht sie mit Ei, bestreut sie mit Salz und Kümmel oder mit Mohn und bäckt sie ziemlich rasch.“Illustriertes Kochbuch von J. Rottenhöfer, 10. Auflage, München bei Braun & Schneider, 1905
Großbritannien mini|Beigel Bake, Brick Lane, London Bagel wurden von osteuropäischen Immigranten Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Großbritannien eingeführt, blieben jedoch außerhalb der ostjüdischen Gemeinschaft weitgehend unbekannt. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden sie als amerikanische Spezialität populär, wenn auch in erster Linie als Frühstücksgebäck. Im Jahr 2011 wurden 378 Millionen Bagels für £60 Millionen verkauft, eine Zunahme um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als Dreiviertel davon entfallen auf die industriell gefertigten Bagel des Hauptanbieters, ein kanadisches Unternehmen, das seine abgepackten Bagel unter dem Namen „New York Bakery Bagels“ vermarktet. Im ehemals jüdischen Londoner East End befinden sich noch zwei traditionelle Bagel Bäckereien, Beigel Bake und Beigel Shop, sowie eine jüdische Bäckerei, die auch Beigel verkauft.
Irland In Irland sind Bagel seit Ende des 20. Jahrhunderts bekannt. Am St. Patrick’s Day werden grüne Bagel nach amerikanischem Vorbild angeboten. Bagel werden von der irischen Regierung nicht als Brot angesehen, sondern, wie Croissants und andere Backwaren, als Luxusgebäck und seit Dezember 2011 mit einer Mehrwertsteuer von 13,5 Prozent belegt, während Brot von der Steuer befreit ist.TA: . In: Tachles, 22. November 2011.
Israel und Palästina