Das Projekt A Letter To The Stars (englisch für Ein Brief an die Sterne) war ein von dem Verein Lernen aus der Zeitgeschichte getragenes Zeitgeschichte-Projekt in Schulen der Republik Österreich. Mehr als 50.000 Schüler setzten sich im Rahmen des Projekts mit dem Schicksal der Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich auseinander. Viele Schüler haben Lebensgeschichten von österreichischen Todesopfern und Überlebenden recherchiert.
Entstehung und Name Im Jahr 2002 entwickelten die Journalisten Josef Neumayr und Andreas Kuba die Idee, den österreichischen Holocaust-Opfern im Rahmen eines groß angelegten Projekts „Name, Gesicht und Würde zurückzugeben“. Ab dem Spätherbst 2002 leistete Alfred Worm wesentliche Mithilfe. Ein halbes Jahr später begann das Schulprojekt.In memoriam Alfred Worm Nachruf von Andreas Kuba und Josef Neumayr, lettertothestars.at
Bei der Vorbereitung des Projekts trafen Neumayr und Kuba immer wieder Karl Stojka (1931–2003), der als Zwölfjähriger zusammen mit seiner Mutter und seinen fünf Geschwistern in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert worden war.About Prof. Karl Stojka karlstojka.com Stojka hatte sich im KZ die Kinder, die dort vergast und verbrannt wurden, als Sterne vorgestellt, die zum Himmel aufsteigen. In jedem Stern am Nachthimmel sah er damals ein ermordetes Kind. Neumayr und Kuba wollten nun, „dass Schüler Briefe an diese Sternenkinder schicken“. So wählten sie den Namen A Letter to the Stars für ihr Projekt.A Letter To The Stars präsentiert Die letzten Zeugen: Die Gerechten Ausschnitte einer Veranstaltung in Linz im Herbst 2013 (Video auf YouTube, 5:25 Min.), hier 0:25 bis 1:27.Vgl. Briefe in den Himmel lettertothestars.at
Projekte und Aktivitäten Gedenkveranstaltungen In Gedenkveranstaltungen begannen die Schüler eine neue Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Im Mai 2003 ließen mehr als 15.000 Schüler aus ganz Österreich im Gedenken an die Opfer auf dem Heldenplatz in Wien 80.000 „Briefe in den Himmel“ an weißen Luftballons aufsteigen. Am Heldenplatz hatte Adolf Hitler im März 1938 vor mehr als 100.000 Jubelnden den „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich verkündet.
Im Mai 2004 nahmen 20.000 Menschen aus aller Welt an der von Schülern mitgestalteten Befreiungsfeier im ehemaligen KZ Mauthausen teil. Im Mai 2005 wurden in der Nacht des Schweigens vor dem KZ Mauthausen Kerzen für die 100.000 Ermordeten entzündet. Unter dem Motto Blumen der Erinnerung trugen im Mai 2006 rund 15.000 Schüler vom Wiener Stephansplatz aus 80.000 weiße Rosen mit den Namen österreichischer NS-Opfer zu all jenen Adressen, an denen die Menschen vor ihrer Vertreibung und Ermordung gelebt hatten.
Die Projektergebnisse wurden auf der Website und in Büchern sowie in der ORF-Dokumentation Die Sterne verlöschen nicht veröffentlicht.
Botschafter der Erinnerung Für das Projekt Botschafter der Erinnerung/Ambassadors of Remembrance haben die Initiatoren in Zusammenarbeit mit dem Jewish Welcome Service sowie internationalen Überlebenden-Organisationen wie der Kindertransport Association – eine Liste der letzten Zeugen zusammengestellt. Diese Datenbank umfasst 2500 Zeitzeugen aus Österreich, die das NS-Regime überlebten und die ihre Lebensgeschichte an die Jugendlichen jenes Landes, aus dem sie selbst als Kinder und Jugendliche vertrieben wurden, weitergeben möchten. Im April 2007 fand die erste Begegnungsreise nach New York statt, wo 33 Schüler mit mehr als 100 österreichischen Holocaust-Überlebenden sprachen, um ihre Lebensgeschichte zu dokumentieren.Projekt New York lettertothestars.at Im Oktober 2007 reisten 20 Schüler mit demselben Auftrag nach London.Projekt London lettertothestars.at Im März 2008 reiste eine dritte Gruppe von 15 Schülern nach Israel.Was bisher geschah lettertothestars.at, siehe zweiter Abschnitt: Projekt Israel – Botschafter der Erinnerung.
38-08 Im Projekt 38-08 luden Schulen aus ganz Österreich 200 Überlebende für die Woche vom 1. bis 8. Mai 2008 nach Österreich ein. Die Einladungen wurden von der Organisation A Letter To The Stars vermittelt und durch österreichische Sponsoren ermöglicht. Die Überlebenden konnten jeweils eine Begleitperson mitnehmen. Die Gastgeber gestalteten gemeinsam mit den Gästen den Aufenthalt in Österreich. Höhepunkt war eine gemeinsame Gedenkveranstaltung am 5. Mai 2008, dem nationalen österreichischen Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Die Gedenkveranstaltung fand am Wiener Heldenplatz statt.
projektXchange Als Folgeprojekt initiierte der Verein im Februar 2009"ProjektXchange" für Respekt, Offenheit orf.at, 3. Mai 2009. das projektXchange mit den Schwerpunkten Integration und interkulturelles Verständnis.projektXchange
Allee der Gerechten In Wien wurde vom 27. April 2011 (Jahrestag der Proklamation der Zweiten Republik) bis zum 5. Mai 2011 (Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus) die Allee der Gerechten realisiert, eine Ausstellung an der Wiener Ringstraße von der Oper bis zum Burgtheater. Mit Transparenten in den Bäumen wurden Lebensgeschichten von versteckten Juden und deren Rettern textlich ausgehängt. Am Zaun des Volksgartens und des Burggartens wurden Namen von Gerechten unter den Völkern mit großer Schrift dargestellt. Die Ausstellung wurde nach einer Idee von Angelica Bäumer, selbst eine Überlebende, erarbeitet.
Im Mai 2012 wurden die Fahnen der Allee der Gerechten am Neuen Platz in Klagenfurt installiert, Pressemitteilung der Stadt Klagenfurt, 16. Mai 2012. im August 2012 im Kurpark in Salzburg, im Oktober 2012 in der Mariahilfer Straße in Graz und im November 2013 im Innenhof des Ursulinenhofs in Linz.Die Allee der Gerechten in Linz lettertothestars.at
Stimmen zum Projekt Erläuterung und Zuspruch Rede von Leon Zelman am 5. Mai 2006 am Stephansplatz:
Bundespräsident Heinz Fischer:
Simon Wiesenthal:
Barbara Prammer, Präsidentin des Nationalrats:
Claudia Schmied, Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur:
Betsy Anthony, vormals Deputy Director of Survivor Affairs, United States Holocaust Memorial Museum in Washington:
Hans Winkler, Staatssekretär im Außenministerium:
William L. Shulman, Präsident der Association of Holocaust Organizations:
Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen:
Kritik Das Projekt A Letter To The Stars war nicht unumstritten. Mitglieder der jüdischen Gemeinde, der Sozialistischen Jugend und mehrere österreichische Zeitschriften kritisierten eine in ihren Augen „seichte Kommerzialisierung“ des Gedenkens an die Shoa.Kritik an 'Letter to the Stars' no-racism.net, 10. Mai 2004.
Publikationen Alfred Worm u. a. (Hrsg.): A Letter To The Stars. Schüler schreiben Geschichte. Band 1: Briefe in den Himmel. Verlag Verein Lernen aus der Zeitgeschichte, Wien 2003, ISBN 3-9501836-9-8. Andreas Kuba u. a. (Redaktion): A Letter To The Stars. Schüler schreiben Geschichte. Band 2: Holocaust – Die Überlebenden. Verlag Jugend und Volk, Wien 2005, ISBN 3-9501836-0-4.
Weblinks
A Letter To The Stars Archivierte Homepage (Stand 2013)
Einzelnachweise
Kategorie:Holocaustgedenken