Karl Artelt (* 31. Dezember 1890 in Salbke; † 28. September 1981 in Halle an der Saale) war einer der Organisatoren und Anführer des Kieler Matrosenaufstands, der zur Novemberrevolution und zum Sturz der Monarchie führte.

Leben Geburt, Schule, Ausbildung Karl Artelt wurde im später nach Magdeburg eingemeindeten Dorf Salbke in der Repkowstraße 12 als Sohn des Maschinisten August Artelt und seiner Frau Marie geboren. Er besuchte die acht-klassige Volksschule Salbke und erlernte in den Jahren 1904 bis 1908 in der Maschinenfabrik Buckau R. Wolf in Magdeburg das Maschinenschlosserhandwerk. Er arbeitete dort zusammen mit dem späteren Dichter Erich Weinert, der ihm auch das „Einmaleins des Marxismus“ beibrachte.Lebensläufe erstellt vom Enkel Karl Artelt: ein Exemplar unveröffentlicht, das andere siehe Webseite der Uni Magdeburg: .

Parteimitgliedschaften Er trat im Jahr 1908 in die SPD ein und wurde später Mitglied der USPD. Im Frühjahr 1919 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der KPD in Magdeburg und im Jahr 1946 wurde er SED-Mitglied.

Ostasien mini|Karl Artelt auf der „Gneisenau“ 1912 (unten zweiter von rechts und Ausschnittvergrößerung); Aufschrift auf der Tafel: Pumpenmeister Personal SMS „Gneisenau“, Amoij, China 1912 Im Jahr 1908 heuerte er bei der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG, eine weltumspannende Schifffahrtsgesellschaft) an und verbrachte unter anderem einige Jahre als Heizer auf Schiffen, mit denen in der Südsee Kopra aufgekauft wurde.Peter Kast, Der Rote Admiral von Kiel, Verlag des Ministeriums für nationale Verteidigung, Berlin 1958.Karl Artelt, selbst geschriebener Lebenslauf, 1960 unveröffentlicht im Familienbesitz: Karl Artelt, Enkel.

Zwei Jahre später wurde er zur Marine eingezogen und diente als Heizer und später im Pumpenmeister-PersonalIn der Broschüre von Peter Kast: Der Rote Admiral von Kiel. (Berlin 1958) wird auf Seite 5 angegeben, Artelt wäre Pumpenmeister gewesen, dies war jedoch ein Deckoffizierdienstgrad, während Artelt einen Mannschaftsdienstgrad hatte. auf dem Panzerkreuzer Gneisenau des deutschen Ostasiengeschwaders in Qingdao (Tsingtau). Er war Zeitzeuge der bürgerlichen Revolution in China unter Sun Yat-sen. Im September 1913 kehrte er als Reservist nach Magdeburg zurück und arbeitete wieder in der Maschinenfabrik Wolf.

Erster Weltkrieg mini|links|Karl Artelt, I. Werftdivision, links, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914 Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er Mitte Juli 1914 wieder zur Marine eingezogen, diesmal als Verwaltungsschreiber in der I. Werftdivision Kiel-Wik.

Anfang 1915 wurde er als Maschinenbauer zur Kieler Germaniawerft abkommandiert. Dort wurde er nach ein paar Monaten zum Betriebsobmann des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes für die Werft gewählt. Mitte Mai 1916 spitzte sich generell die Kriegssituation und auch die Nahrungsmittelversorgung in Kiel zu. Am 14. Juni kam es bei der Verteilung der ersten Frühkartoffeln zu Übergriffen auf Verkaufsstellen und Lagerhallen. Am folgenden Tag traten Teile der Germaniawerft-Belegschaft in den Streik.Dirk Dähnhardt, Revolution in Kiel, Wachholtz Verlag, 1978, S. 37, 40, 56, 71, 136, 137. Karl Artelt war einer der Streikführer. Im Winter verschlechterte sich die Versorgungslage. Ende März 1917 kam es angesichts einer vorgesehenen Senkung der Brotrationen zu einem Ausstand von 1450 Arbeitern der Howaldtswerke und 4000 Arbeitern der Germaniawerft. Artelt gehörte der Streikleitung an.

Wegen dieser Aktivitäten wurde er verhaftet, vor ein außerordentliches Kriegsgericht gestellt und zu sechs Monaten Festungshaft verurteilt, die er in der Festungshaftanstalt Groß Strehlitz in Oberschlesien verbüßte.Gegen die Militärdiktatur! – Reichstagsrede des Abgeordneten Dittmann am 11. Oktober 1917 Nach dem amtlichen Stenogramm, in Zwei Reichstagsreden, Oktober 1917.

mini|Artelt im April 1917 vor dem außerordentlichen Kriegsgericht in Kiel; Foto verschickt als Ansichtskarte am 2. November 1917 aus der Festungshaftanstalt in Groß-Strelitz an seinen Schwager Walter Heinke nach Magdeburg-Salbke

Mit der Entlassung Mitte Dezember 1917 erhielt er zugleich auch den Marschbefehl zur Strafkompanie des 2. Marine-Pionierbataillons nach Flandern. Als Artelt gegen ein Flugblatt der Militärzeitung An Flanderns Küste, in dem die streikenden Munitionsarbeiter in Deutschland nach seinen Aussagen „aufs schwerste verleumdet“ wurden, protestierte, wurde er in eine Nervenheilanstalt in Brügge eingewiesen. Doch nach sechswöchiger Beobachtung attestierte der Arzt ihm „kerngesunde Nerven“. Bald darauf wurde er per D-Zug nach Deutschland zurücktransportiert.Karl Artelt: Mit der roten Fahne zum Vizeadmiral Souchon. In: „Vorwärts und nicht vergessen“ - Erlebnisberichte aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution 1918/1919. Dietz Verlag Berlin, 1958, S. 88–100.

In einem Protokoll der Kieler Marinestation wird Artelt als einer der „Haupthetzer“ einer Versammlung im Gewerkschaftshaus am 12. April 1918 erwähnt. Er soll dort, noch als Angehöriger der Werftdivision, vor zahlreichen Matrosen und Arbeitern gesprochen haben. Mitte Mai 1918 schickte er eine Karte aus einem Hamburger Marinelazarett an seine Mutter.Klaus Kuhl, Gespräche mit dem Enkel Karl Artelt, 2010 unveröffentlicht. Es bleibt unklar, warum er sich dort aufhielt.In den Unterlagen des Stabschefs in der Marinestation der Ostsee, Küsel (Bundesarchiv RM 8/1027 Bl. 41) findet sich ein Memo, in dem es heißt: „Es liegt die Gefahr vor, dass die große Verhetzung, die augenblicklich unter den hiesigen [Kieler] Arbeitern um sich greift, sich bei den nahen Beziehungen der Arbeiter zu unseren Leuten [der Marine] sich auf letztere überträgt. So ist ein Haupthetzer unter den Arbeitern der Germania Werft [!] – Artelt mit Namen – ein zur I.W.D. [I. Werftdivision] gehörender Mann. Durch [!] einen Bericht des Militärpolizeimeisters über eine vom sozialdemokratischen Verein Groß-Kiel abgehaltene Versammlung im Gewerkschaftshaus am 12. April, in der sich Artelt durch Hetzreden besonders hervorgetan hat, haben sich nicht weniger als 25-30 Maate und Obermaate in Uniform beteiligt, die sich durch Zurufe für die sozialdemokratische Minderheit unangenehm bemerkbar machten. Es ist leider nicht gelungen, die Namen festzustellen. Gegen solche Leute ist die ganze Strenge des Gesetzes in Anwendung zu bringen. … Derartige Leute müssen nach ihrer Bestrafung beschleunigt aus Kiel durch entsprechende Kommandierung an die Front entfernt werden.“ Der Enkel in Magdeburg bestätigte, dass sein Großvater im Folgemonat am 5. Mai 1918 eine Karte aus einem Hamburger Marinelazarett an seine Mutter geschickt habe. Auf der Vorderseite ist ein Foto, das Karl Artelt (Mützenband I. Werftdivision) zusammen mit zwei Kameraden in Uniform mit Schirmmützen zeigt. Dahinter kann man blühende Büsche erkennen. Auf der Rückseite schreibt er: „Liebe Mama, herzliche Glückwünsche zum Geburtstag sendet dir dein Karl.“ Die Karte ist gestempelt am 5. V. [Mai] 1918. Der Enkel hat auch keine Erklärung dafür, warum sich sein Großvater – nachdem er offenbar schon in Kiel angekommen war – im Lazarett in Hamburg aufhielt. Er vermutet, es könnte wegen seiner Augen gewesen sein. Er hatte von klein auf Augenprobleme, man kann auch auf den „üblichen“ Fotos erkennen, dass er einen Kneifer trug.

In Kiel gab es Schwierigkeiten, ihn unterzubringen: von seinem alten Truppenteil wurde er zur Matrosendivision geschickt, wo seine Aufnahme abgelehnt wurde. Über den Hauptmann Ludolf, der ihn aus seinem Prozess im Jahr 1917 kannte, wurde er in der Torpedodivision (Kasernenanlage in Kiel-Wik) untergebracht und war dann dort in der Torpedobootsreparaturwerkstatt tätig. Andere Quellen sprechen fälschlich von einer Arbeit in der Torpedowerkstatt Friedrichsort.Nach Dirk Dähnhardt, Revolution in Kiel (S. 56) arbeitete Artelt in der Torpedowerkstatt Friedrichsort. Hier ist Dähnhardt offenbar ein Übertragungsfehler unterlaufen: In den Quellen, auf die er sich bezieht und in dem Bericht im Bundesarchiv (s. u.) wird eindeutig von der Torpedobootsreparaturwerkstatt oder -werft in Kiel-Wik gesprochen. Robert Rosentreter, Blaujacken im Novembersturm (S. 32) scheint diese Information einfach übernommen zu haben, obwohl er sich auf Aussagen Artelts von 1960 bezieht. Als Pumpenspezialist führte er dort eine Kolonne zur Marine eingezogener Werftarbeiter. Von hier aus baute er den im Jahr 1917 zerschlagenen Vertrauensmännerkörper in der Marine wieder auf.Auch Hermann Knüfken berichtet in „Von Kiel bis Leningrad“ (Verlag BasisDruck, Berlin 2008) von einem Neuaufbau des Vertrauensleutekörpers in der Marine (S. 32 ff.)

Kieler Matrosenaufstand Zusammen mit Lothar Popp führte er den Kieler Matrosenaufstand im November 1918 an. Artelt formulierte erste politische Forderungen, darunter die „Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter“Dähnhardt, Revolution, S. 71. und gründete am 4. November 1918 den ersten Soldatenrat. Er wurde als dessen Repräsentant vom Gouverneur Admiral Wilhelm Souchon zu Verhandlungen gebeten. Mit einer großen roten Fahne am Auto fuhr er von der Wik zur Marinestation Ostsee. Artelt sorgte durch persönlichen Einsatz dafür, dass Truppen, die den Aufstand niederschlagen sollten, entweder umkehrten oder sich der Bewegung anschlossen. Am 10. Dezember 1918 wurde Artelt Nachfolger Lothar Popps als Vorsitzender des Obersten Soldatenrats (OSR).Dähnhardt, Revolution, S. 136 f. Popp blieb (vermutlich nur pro forma) im OSR als politischer Beirat.Republik, Organ der USPD für die Provinz Schleswig-Holstein, 11. Dezember 1918.

mini|Irrtümlich Kiel zugeordnet. Auf einem Foto des Kieler Stadtarchivs, das nach damaliger Überzeugung die Beerdigungsfeierlichkeiten für die Revolutionsopfer in Kiel am 10. November 1918 zeigte, wurden von verschiedenen Personen Gustav Noske, Lothar Popp und auch Karl Artelt erkannt. Der Enkel Karl Artelts war sich sicher, dass es sich bei seinem Großvater um die zweite Person von links in der ersten Reihe handeln würde.Bevor das Foto 2015 eindeutig Berlin und nicht Kiel zugeordnet wurde, war sich der Enkel Karl Artelts sicher, dass es sich bei seinem Großvater um die zweite Person von links in der ersten Reihe handelt.

Damalige Informationen von Karl Artelt, Enkel: Bei dem Marineangehörigen, dritter von rechts mit Mantel und Säbel handelt es sich um meinen Großvater. Er war klein bzw. vielleicht auch „mittelgroß“.

Anlässlich des 50. Jahrestages des Kieler Matrosenaufstandes wurde ich, damals Student am Institut für Literatur „Johannes R. Becher“ in Leipzig, gebeten, zwei ganzseitige Wochenendbeiträge über dieses historische Ereignis für die Magdeburger Volksstimme zu schreiben. Da kamen natürlich auch sogenannte „Nebensächlichkeiten“ zur Sprache. Deshalb erinnere ich mich sehr genau, dass er mir u. a. sagte, dass er während des Aufstandes mit einer Pistole 08 bewaffnet war, da er mit einem Gewehr „nie so richtig klargekommen sei.“ (Er hatte ein angeborenes Augenleiden.) Da er 1945 von der sowjetischen Militäradministration als I. Kreis-Sekretär der KPD auch eine Pistole 08 erhielt, haben wir beide uns später einmal über die merkwürdige Übereinstimmung unterhalten. Der Mariner in der Mitte, der von anderen als Karl Artelt identifiziert wurde, kommt nicht in Frage. Diejenigen, die noch Zweifel haben, sollten einmal den Artelt auf der „Gneisenau“ 1912 und den mit Mantel, sechs Jahre älter, durch Kiel marschierend, vergleichen.

Mit ca. drei Jahren habe ich das Gesicht meines Großvaters bewußt [!] wahrgenommen und war insgesamt 39 Jahre mit ihm eng verbunden. (Zehn Jahre mit in seinem Haus gewohnt, acht Jahre in der Nähe seines Wohnortes Nebra gelebt und an den Wochenenden bei ihm gewesen. Später, von Magdeburg aus, ihn sehr häufig besucht. Lange Gespräche mit ihm geführt, auch über Politik und Geschichte.)