Das Wort Gscherter (auch G’scherter, Gescherter, dialektal Gscheada, zu geschoren) ist ein Schimpfwort, das hauptsächlich im süddeutschen Raum und vor allem in Österreich und Altbayern verbreitet ist. Man will damit einen ungehobelten, derben, nur Dialekt sprechenden bäurischen (nicht in der Stadt Aufgewachsenen), groben, aber einfach oft auch unwissenden Menschen charakterisieren. Gebräuchlich ist es auch als Adjektiv oder als Verstärkung zu einer vorangegangenen Tierbezeichnung oder anderem Schimpfwort (gscherter Hammel; Saupreiß, gscherter).

Bei den Germanen war das Stutzen (Scheren) des Haupt- und Barthaares verpönt, da es als Zeichen der Unfreiheit galt (vergl. Tacitus, Germania A. 31). Im Gegensatz zu freien Germanen, die langes Haar tragen durften, wurden Unfreie, Leibeigene, Sklaven, Gefangene und Verbrecher kahlgeschoren, also „geschert“.Albrecht Weber: Kleist: Brennlinien und Brennpunkte. Königshausen & Neumann, 2008, ISBN 3-8260-3899-1, S. 32. (online auf Google Books).Johannes M. Becker, Herbert Wulf: Afghanistan: Ein Krieg in der Sackgasse. LIT Verlag Münster, 2011, ISBN 3-643-10460-X, S. 198 f. (online auf Google Books).

Auch nach den ständischen Kleiderordnungen des Mittelalters durften die unfreien Bauern ihr Haar nicht lang tragen, es heißt darum beispielsweise in Wolframs von Eschenbach Parzival: „Nennt mich also, wie Ihr wollt: Ritter oder Knappe, Page oder gescherter Bauer“.Wolfram von Eschenbach: Parzival. übersetzt von Peter Knecht. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-8218-4431-0, S. 298.

Der Begriff bezieht sich heute vor allem auf die Ausdrucksweise einer Person, jemand, „der in breitem Dialekt spricht, vulgäre Ausdrücke benutzt und sich nicht zu benehmen weiß“.Gudula Walterskirchen: Die österreichische G'sellschaft. Satirische Einblicke und Ausblicke. Amalthea-Signum-Verlag, Wien 2006, ISBN 3-85002-577-2, S. 24. Eine zweite Anwendung – insbesondere adjektivisch: „das/er ist g’schert“ – ist ‚schamlos, respektlos, rücksichtslos‘ (dialektal: ausg’schamt). Zitat in

In Österreich bezeichnen vor allem die Hauptstädter aus Wien ländliche Provinzbewohner als G’scherte, während diese wiederum ausschließlich die Wiener damit bedenken. In Norddeutschland ist der Begriff nicht gebräuchlich.ostarrichi.org: Gscherter – Landei, jem. der vom Land kommtostarrichi.org:

Weblinks gschert, in Roland Russwurm: Österreichisches Deutsch, ostarrichi.org gschert, in Angela und Otto Janko: Sprechen Sie Wienerisch? Seite G.

Einzelnachweise

Kategorie:Schimpfwort (Person) Kategorie:Volkskunde