Die Bundesstraße 30 (Abkürzung: B 30) ist eine stark befahrene Bundesstraße in Nord-Süd-Richtung in Oberschwaben (südliches Baden-Württemberg). Sie verbindet mit einer Länge von ca. 102 km den Großraum Ulm mit dem Bodensee und führt an den Städten Laupheim, Biberach an der Riß, Bad Waldsee, Weingarten und Ravensburg vorbei bis nach Friedrichshafen.
Vom Autobahndreieck Neu-Ulm bis Hochdorf und zwischen Baindt und Ravensburg-Eschach verläuft die Bundesstraße 30 auf einer neuen Strecke. Die alte Bundesstraße wurde zu Landes- und Kreisstraßen herabgestuft.
Die B 30 ist in einigen Abschnitten gut ausgebaut, enthält jedoch auch noch weniger ausgebaute Teilstrecken und mehrere stark frequentierte Ortsdurchfahrten. Zudem besteht auf der B 30 eine erhöhte Anfälligkeit für Unfälle und Staus.
Verlauf Die Bundesstraße 30 beginnt im Südosten von Neu-Ulm am Autobahndreieck Neu-Ulm. Die ersten ca. 38 km von Neu-Ulm bis Biberach sind autobahnähnlich ausgebaut. Von Biberach-Jordanbad bis Oberessendorf steht ein Fahrstreifen pro Fahrtrichtung zur Verfügung. Dieser Streckenabschnitt wurde bis 2013 auf fünf Abschnitten um einen dritten Fahrstreifen erweitert (2+1 Ausbau auf 6,5 km). Ab Oberessendorf ist die B 30 bis zum Beginn der Ausbaustrecke nördlich von Baindt einbahnig, zweistreifig. Die Ortsumfahrung Ravensburg wurde beginnend nördlich von Baindt bis zum Ausbauende bei Karrer (AS Oberzell bei Ravensburg) auf ca. 17 km Länge autobahnähnlich ausgebaut. Danach weist die B 30 bis Friedrichshafen einen Fahrstreifen pro Fahrtrichtung auf. Die Bundesstraße 30 ist mit Ausnahme der Gemeinden Bad Waldsee, Meckenbeuren und Friedrichshafen frei von Ortsdurchfahrten.
Bedeutung Die B 30 ist, bedingt durch die geografische Lage, eine Hauptlinie für den Durchgangsverkehr im südöstlichen Landesteil von Baden-Württemberg.Bestätigt durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Schreiben vom 21. April 2009, AZ S 22/72131.1/1030/1013624 Sie gehört zu den am stärksten befahrenen Bundesstraßen in Deutschland. Mit Stand 2021 werden durchschnittliche tägliche Verkehrsbelastungen von bis zu 43.944 Kraftfahrzeugen erreicht, darunter 4.654 Fahrzeuge des Schwerverkehrs (Anteil: ca. 11 %). Das durchschnittliche tägliche Verkehrsaufkommen über die oberzentrale Achse Ulm/Neu-Ulm-Friedrichshafen/Ravensburg/Weingarten beträgt rund 20.600 Kraftfahrzeuge pro Tag bei 1.968 Fahrzeugen des Schwerverkehrs.
Die B 30 ist die Nord-Süd-Hauptverbindung zum Flughafen Friedrichshafen, zur Messe Friedrichshafen als auch zum Güterverkehrszentrum Ulm. Das Industriegebiet Ulm-Donautal, eines der größten Industriegebiete in Baden-Württemberg, liegt ebenfalls an der B 30. Die Bundesstraße ist zudem der Nord-Süd-Hauptzubringer zu den touristischen Zentren am mittleren Bodensee sowie in Oberschwaben und die Hauptverbindung des Oberzentrums Friedrichshafen/Ravensburg/Weingarten mit dem Doppelzentrum Ulm/Neu-Ulm. Dabei erschließt sie die Mittelzentren Laupheim, Biberach an der Riß und Bad Waldsee. Darüber hinaus verlaufen über die B 30 mehrere oberzentrale Doppelrelationen. Der Einzugsbereich umfasst mit Stand 2022 rund 1.132.000 Einwohner.
Die Bundesstraße 30 nimmt den Verkehr der aufgegebenen A 89 (Ulm-Friedrichshafen) auf. Zudem nimmt sie einen Teil des Verkehrs der ebenfalls aufgegebenen A 85 (Ravensburg-Stuttgart) auf und bildet zusammen mit der A 8 die Hauptachse zwischen den Landkreisen Ravensburg und Biberach mit der Metropolregion Stuttgart.Verkehrsbedeutung belegt durch den Verkehrsentwicklungsplan 2025 der Stadt Bad Waldsee Die B 30 dient auch als Ausweichstrecke bei Staus auf der A 7 und A 96.
Besonderheiten Die Bundesstraße 30 ersetzt die aufgegebene A 89 und setzt sich auf den autobahnähnlichen Abschnitten aus dieser zusammen. Ein direkter Beweis hierfür ist noch heute zwischen Wiblingen und dem Autobahndreieck Neu-Ulm vorhanden, wo die B 30 als Autobahn beschildert ist und an einem Autobahndreieck endet.
Dass die Bundesstraße 30 ursprünglich als A 89 geplant war, zeigte sich bis 2012 im Süden von Biberach. Da hier eine Fahrbahn fehlt, war der Knotenpunkt Biberach-Jordanbad so angepasst, dass die Auffahrt in Richtung Ravensburg mit einer im 90-Grad-Winkel abknickenden Linkskurve ausgeführt war. Das Stück nach der Kurve und vor der Einmündung in die Bundesstraße entsprach genau der Breite einer Richtungsfahrbahn von Autobahnen. Mit dem dreistreifigen Ausbau des Abschnitts vom Biberach/Jordanbad bis zur nördlichen Rißbrücke bei Appendorf wurde die Auffahrt in den Jahren 2012/2013 umgebaut.Regierungspräsidium Tübingen, Unterlage: Maßnahme B30, 3-streifiger Ausbau zwischen Oberessendorf und Biberach/Jordanbad, BA 3b Ummendorf BC/Jordanbad, Ausführungsplanung
Geschichte
Römerstraße Bereits die Römer bauten eine Straße, die über Lindau, Ravensburg, Weingarten, Baienfurt und Bad Waldsee zum Donaukastell Rißtissen führte. Die Straße führte durch Moor- und Sumpfgebiete und war zwischen sechs und zehn Meter breit. Sie war die einzige befestigte Straße in weitem Umkreis. Nach dem Rückzug der Römer verfiel die Straße und wurde in späteren Jahren durch neue Trassen überbaut.Broschüre „Ortsumfahrung Ravensburg, Weingarten, Baienfurt, Baindt – Egelsee-Niederbiegen“, Seite 6, herausgegeben im September 2001 vom ehemaligen Straßenbauamt Ravensburg (heute Referat 47.3 des Regierungspräsidiums Tübingen).
Staats- und Poststraße, 18. Jahrhundert Aufgrund der historischen Verkehrsbeziehungen war die spätere württembergische Staatsstraße 49 bereits im 18. Jahrhundert eine stark befahrene Straße. Sie war zugleich Staats- und Poststraße, auf der neben der Obrigkeit auch Eilwagen verkehrten und war die Nord-Süd-Verbindung in die Schweiz und nach Italien. Schon früh wurden größere Ausbesserungen notwendig. Die erste geht auf 1893–1908 zurück und betraf die Markungen Gaisbeuren, Oberessendorf, Mattenhaus, Schellenberg, Steinach und Waldsee. 1926 wurde sie in den Vorentwurf für das geplante deutsche Kraftwagenstraßennetz in die erste Kategorie aufgenommen. Es wurde durchweg viel investiert.Broschüre „Ortsumfahrung Ravensburg, Weingarten, Baienfurt, Baindt – Egelsee-Niederbiegen“, Seite 7–9, herausgegeben im September 2001 vom ehemaligen Straßenbauamt Ravensburg (heute Referat 47.3 des Regierungspräsidiums Tübingen). Sowie laut Unterlagen der Staatsarchive Baden-Württemberg.
Fernverkehrs- und Reichstraße ab 1934 Später wurde die Staatsstraße 49 bei der 1932 eingeführten Nummerierung des Straßensystems als Fernverkehrsstraße 30 (FVS 30) bezeichnet und 1934 in Reichsstraße 30 (R 30) umbenannt sowie von der Reichsstraßenverwaltung übernommen.Broschüre „Ortsumfahrung Ravensburg, Weingarten, Baienfurt, Baindt – Egelsee-Niederbiegen“, Seite 9, herausgegeben im September 2001 vom ehemaligen Straßenbauamt Ravensburg (heute Referat 47.3 des Regierungspräsidiums Tübingen).
Planung der ersten Umgehungsstraßen 1936 1936 wurde eine Umgehungsstraße für Ravensburg geplant, wegen des Zweiten Weltkrieges jedoch nicht gebaut. Die Planung der Ortsumgehung Bad Waldsee geht auf 1930 zurück.Broschüre „Ortsumfahrung Ravensburg, Weingarten, Baienfurt, Baindt – Egelsee-Niederbiegen“, Seite 9, herausgegeben im September 2001 vom ehemaligen Straßenbauamt Ravensburg (heute Referat 47.3 des Regierungspräsidiums Tübingen). Sowie laut Unterlagen der Staatsarchive Baden-Württemberg. Die ersten Ortsumfahrungen vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden 1933 für Baindt und Hochdorf-Unteressendorf, bis 1936 für Mietingen-Baltringen, Ravensburg-Oberhofen und Meckenbeuren-Senglingen, bis 1937 für Ravensburg-Weißenbach, Ravensburg-Weingartshof, Ravensburg-Torkenweiler und Ravensburg-Sickenried sowie bis 1939 für Achstetten und Erbach-Dellmensingen. Eberhardzell-Oberessendorf wurde bereits 1824 umfahren.Vgl. Historische Flurkarten der Württembergischen und Hohenzollerischen Landesvermessung / 1818–1863Staatsarchiv Ludwigsburg, Unterlagen: Ministerialabteilung für den Straßen- und Wasserbau / 1848–1937 (Va ab 1725, Na bis 1966), Staatsstraße Nr. 49 Ulm – Friedrichshafen.
Planungen ab 1950 Anfang 1950 wurden nach dem Krieg die Planungen wieder aufgenommen und die nun als Bundesstraße 30 geführte Straße in den „Zehnjahresplan“ aufgenommen. Im Jahre 1956 wurde als erster Abschnitt die B 30 von Gaisbeuren bis Baindt auf sieben Kilometer Länge im Rahmen eines Zwischenausbaus auf eine Fahrbahnbreite von 7,5 Metern verbreitert und in den Steigungen ausgeglichen. Nach dem Ausbau der Bundesstraße 30 war der Bau einer neuen Autobahn Ulm – Lindau vorgesehen, die die Wirtschaftsräume von Biberach, Weingarten, Ravensburg und Friedrichshafen erfassen sollte.
Im Jahre 1957 wurde die Bundesstraße 30 in das „Blaue Netz“ im Ausbauplan der Bundesfernstraßen aufgenommen, wie auch eine neue Bundesstraße Ulm – Lindau. Im Rahmen des Zwischenausbaus verbesserte Streckenabschnitte waren nicht mit umfasst.Ausbauplan für die Bundesfernstraßen, Anlage zum Entwurf eines Gesetzes für den Ausbauplan für die Bundesfernstraßen. Deutscher Bundestag zu Bonn, den 23. Februar 1957, der Bundeskanzler, Aktenzeichen 8-92200-1157/57 Im Jahre 1961 wurde die zweistreifige Ortsumgehung von Bad Waldsee fertiggestellt. Von 1965 bis 1967 folgte der zweistreifige Neubau zwischen Unteressendorf und Biberach als Ortsumgehungen der Orte Hochdorf, Hochdorf-Schweinhausen, Hochdorf-Appendorf, Biberach-Rißegg-Halde und Ummendorf. Ebenfalls 1967 wurde der Neubau der B 30 von Achstetten über Laupheim bis Äpfingen-Nord fertiggestellt. Von Achstetten bis Laupheim wurde die B 30 bereits auf 2,4 km Länge autobahnähnlich fertiggestellt, von Laupheim bis Äpfingen-Nord zweistreifig. Im Jahre 1969 wurde der zweistreifige Neubau von Ulm-Wiblingen (Kastbrücke) bis Achstetten abgeschlossen.Broschüre „Ortsumfahrung Ravensburg, Weingarten, Baienfurt, Baindt – Egelsee-Niederbiegen“, Seite 6–9, herausgegeben im September 2001 vom ehemaligen Straßenbauamt Ravensburg (heute Referat 47.3 des Regierungspräsidiums Tübingen). Stand: 10. März 2013. Sowie laut Unterlagen der Staatsarchive Baden-Württemberg. Bundesgesetzblatt, Jg. 1957, Teil I, S. 1189, Ausbauplan für die Bundesfernstraßen. Aufgestellt vom Bundesminister für Verkehr. Bundesdruckerei, Bonn 1957, Anlage 1
Planung autobahnähnliche Straßenverbindung Günzburg bis Friedrichshafen, 1969 Ab 1969 erfolgte eine Linienbestimmung einer neuen autobahnähnlichen Straßenverbindung von Bubesheim bei Günzburg über Ulm, Biberach/Riß und Ravensburg nach Friedrichshafen durch den Bundesverkehrsminister Georg Leber. In diesem Zuge sollten die Bundesstraßen 10 und 30 autobahnähnlich neu und ausgebaut werden.Broschüre „Ortsumfahrung Ravensburg, Weingarten, Baienfurt, Baindt – Egelsee-Niederbiegen“, Seite 10, herausgegeben im September 2001 vom ehemaligen Straßenbauamt Ravensburg (heute Referat 47.3 des Regierungspräsidiums Tübingen).
Erster Bedarfsplan 1971 Im Bedarfsplan des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985 vom 30. Juni 1971Bundesgesetzblatt Jg. 1971, Teil I, S. 873 war die Planung von 1969 als langfristiges Ziel enthalten – mit unterschiedlicher Dringlichkeit:
Bis 1990 sah die Planung (Dringlichkeitsstufe I) einen autobahnähnlichen Neu- und Ausbau der B 30 von der A 24 (heute A 7) südlich von Nersingen über Ulm bis Ummendorf sowie von nördlich Baindt bis Friedrichshafen vor. Von Unteressendorf (gemeint ist das Ausbauende an der südlichen Anschlussstelle Hochdorf) bis nördlich Baindt war zunächst der Bau einer ersten zweistreifigen Richtungsfahrbahn vorgesehen. Dabei sollten für alle Orte, die bisher im Zuge der B 30 keine Ortsumgehung erhalten haben, eine Ortsumgehung entstehen. Außerdem war eine Verlegung bei Unteressendorf geplant.
In einem zweiten Schritt ab 1990 (Dringlichkeitsstufe II) war ein autobahnähnlicher Neubau der B 10 von der A 21 (heute A 8) bei Bubesheim bei Günzburg bis zur B 30 neu an der A 24 (heute A 7) südlich von Nersingen vorgesehen.