Korntal-Münchingen ist eine Stadt im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Sie wurde zum 1. Januar 1975 durch den Zusammenschluss der Stadt Korntal und der Gemeinde Münchingen gegründet und gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographie Geographische Lage Korntal-Münchingen liegt im Strohgäu nordwestlich der Landeshauptstadt Stuttgart und grenzt direkt an diese. Der niedrigste Punkt der Gemarkung wird mit an der Glems gemessen, der höchste befindet sich mit an der Kreisgrenze etwas unterhalb des Gipfels des Grünen Heiners. Höchster eigenständiger Berg der Gemarkung ist mit der Kallenberg, lokal auch „Kallenbuckel“ genannt.
Die Grenze zwischen Korntal und dem Stuttgarter Stadtteil Weilimdorf verläuft mitten durch die Wohnbebauung. In der Liegnitzer Straße südlich vom Bahnhof Korntal gehören die Häuser auf der nördlichen Straßenseite (ungerade Hausnummern, Postleitzahl 70825) zu Korntal und die Grundstücke auf der südlichen Straßenseite (gerade Hausnummern, Postleitzahl 70499) zu Stuttgart.
Zwischen Korntal und Münchingen gibt es keine direkte öffentliche Verbindungsstraße, eine Fahrt zwischen den beiden Stadtteilen ist somit nur über Stuttgarter Stadtgebiet möglich. Darüber hinaus ist ein Gewerbegebiet im Westen von Korntal nur über Stuttgarter Straßen erreichbar. mini|Korntal 1682, Forstlagerbuch von Kieser mini|Münchingen 1682, Forstlagerbuch von Kieser
Stadtgliederung Korntal-Münchingen entstand aus dem Zusammenschluss der Stadt Korntal und der Gemeinde Münchingen, die Stadt ist in die drei Stadtteile Korntal, Münchingen und Kallenberg gegliedert. Die offizielle Benennung der Stadtteile lautet Korntal-Münchingen, Stadtteil Korntal; Korntal-Münchingen, Stadtteil Münchingen; und Korntal-Münchingen, Stadtteil Kallenberg.
Die Stadt ist aufgeteilt in zwei Gemarkungen. Gemarkung Korntal (Nr. 081150) mit dem Stadtteil Korntal und der Gemarkung Münchingen (Nr. 081151) mit den Stadtteilen Münchingen, Müllerheim und Kallenberg. Die Gemarkungsgrenze verläuft im Norden von Korntal am Höhenweg bzw. Oberhalb des Lotterberg.
Zur ehemaligen Stadt Korntal gehört der Stadtteil Korntal. Zur ehemaligen Gemeinde Münchingen gehören der Stadtteil Münchingen, der Stadtteil Kallenberg und das Hofgut Mauer sowie die abgegangenen Ortschaften Birkach, Leinfelden, Rugelberg und Glemsmühle.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 415–417.
Nachbargemeinden An die Stadt Korntal-Münchingen grenzen reihum (beginnend im Osten) die Stadt Stuttgart (Stadtteile Stammheim, Neuwirtshaus, Zuffenhausen und Weilimdorf), Ditzingen, Ditzingen-Hirschlanden, Ditzingen-Schöckingen, Hemmingen, Schwieberdingen und Möglingen. Bis auf die kreisfreie Landeshauptstadt Stuttgart gehören alle zum Landkreis Ludwigsburg.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Korntal-Münchingen. Statistisches Landesamt.
Geschichte Die Vorgängergemeinden Korntal und Münchingen wurden 1938 bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg dem neuen Landkreis Leonberg zugeordnet, der aus dem ehemaligen Oberamt Leonberg hervorging. 1945 wurden die Orte Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörten somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. 1973 wurde die Kreisreform in Baden-Württemberg vollzogen, bei der Korntal und Münchingen zum Landkreis Ludwigsburg kamen.
Die heutige Stadt Korntal-Münchingen entstand am 1. Januar 1975, als im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform die Stadt Korntal und die Gemeinde Münchingen zur neuen Stadt Korntal-Münchingen vereinigt wurden. Die Fusion von Korntal und Münchingen wurde nur sehr zögerlich vollzogen und vom damaligen Landrat als „der wesensfremdeste Zusammenschluss im Kreis“ Ludwigsburg bezeichnet. Allerdings wurde letztlich diese Lösung gegenüber einer möglichen Eingemeindung von Korntal in die Stadt Stuttgart präferiert.
1986 nahm man die Südstraße als Teilumgehungsstraße von Korntal in Betrieb. 1998 erschloss man das Gewerbegebiet Lingwiesen, 1999 das Wohngebiet Rührberg II. Im Jahr 2005 wurde die Westumfahrung von Münchingen fertiggestellt. Seit 2021 entsteht im Nordwesten Korntals das neue Wohngebiet Korntal-West.
Korntal Der Ortsteil Korntal wurde 1297 erstmals urkundlich in den Statuten des Chorherrenstifts Sindelfingen erwähnt. Korntal war bis 1819 ein Rittergut und gehörte zur Gemeinde Weil im Dorf (heute Stuttgart-Weilimdorf) im württembergischen Oberamt Leonberg.
Im Jahre 1819 wurde die Gemeinde Korntal durch die Evangelische Brüdergemeinde Korntal als bürgerlich-religiöses Gemeinwesen gegründet. Im Zusammenhang mit dem Bau des Großen Saals verlieh der württembergische König Wilhelm I. der Gemeinde ein Privilegium, das heißt bestimmte Sonderrechte – unter anderem mussten alle Einwohner Mitglieder der Brüdergemeinde sein. Diesen Status verlor der Ort bei der Gründung des Deutschen Reiches 1871 und endgültig 1919 durch die Verfassung der Weimarer Republik.
Im Jahre 1868 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz (Schwarzwaldbahn Zuffenhausen–Calw). Am 30. Juni 1958 wurde die Gemeinde Korntal zur Stadt erhoben.
Münchingen Münchingen wurde 1130 erstmals urkundlich in den Zwiefalter Chroniken erwähnt und im Jahre 1336 von den Söhnen des Grafen Ulrich von Asperg an den Grafen Ulrich von Württemberg abgetreten. Lehensnehmer der Ortsherrschaft blieb das seit 1157 nachweisbare Ministerialengeschlecht der Herren von Münchingen. Der Spitalhof des Esslinger Katharinenhospitals wurde 1278 errichtet, die Glemsmühle fand als Münchinger Mühle 1381 Erwähnung. Um 1558 wurde das alte Münchinger Schloss erbaut, das neue Schloss im Jahre 1735. Die Gemeinde war ab 1448 dem württembergischen Amt Grüningen unterstellt.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde 1643 ein großer Teil des Ortskerns zerstört; das erst 1599 erbaute Rathaus wurde 1687 wieder aufgebaut, die evangelische Johanneskirche von 1645 bis 1650 neu errichtet. Ein Neubau der Schule erfolgte zunächst 1645, ein Wiederaufbau dann in den Jahren 1743 und 1744.
1718 kam Münchingen zum Amt Ludwigsburg. Im Jahr 1733 veräußerte Regina Catharina von Münchingen das Schlossgut an August Friedrich von Harling. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg wurde die Gemeinde zwischen 1810 und 1812 dem Oberamt Leonberg zugeordnet. 1906 erhielt Münchingen mit der Strohgäubahn, einer heute dieselbetriebenen, eingleisigen Regionalbahn von Korntal nach Weissach, einen Bahnanschluss.
1961 wurde die katholische Kirche St. Joseph errichtet. 1997 und 2006 wurden Teile des Ortskerns saniert.
Kallenberg und Müllerheim Die Stadtteile Kallenberg und Müllerheim befinden sich auf der Gemarkung von Münchingen, die Gemarkungsfläche umfasst ca. 1750 ha und erstreckt sich mit dem Withauwald und Seewald bis an die Grenzen der Gemarkungen von Möglingen, Stammheim und Neuwirtshaus. mini|Nachbildungen der gefundenen Halbreliefs, links der Weingott Bacchus Eine Urkunde der Stadt Leonberg aus dem Jahr 1350 weist bei der Beschreibung der herrschaftlichen Einkünfte im Flecken Münchingen fünf Weingärten „an dem Kallenberge“ von etwas über vier Morgen Fläche auf, aus denen der Herrschaft Württemberg ein festgesetzter Ernteanteil zustand. Im Jahr 1489 verkaufte Ritter Wilhelm von Münchingen dem Chorherrenstift Sindelfingen Gülten und Güter im Wert von 525 Gulden, darunter Weingärten am Kallenberg mit zugehöriger Kelter, und den Wolfsberg. Im Jahr 1590 hatte der Weinbau seine größte Ausdehnung. Die Kallenberger Weingärten erstreckten sich auf 61 Morgen (19,5 ha), 40 Morgen am Kallenberg selbst, die übrigen 21 Morgen am Wolfsberg. Im 19. Jahrhundert verlor der Weinbau am Kallenberg und auch in den anderen Münchinger Weinbaugebieten seine Bedeutung, u. a. auch durch den Befall mit der Reblaus. Andere landwirtschaftliche Kulturen (z. B. Zuckerrüben) versprachen ein besseres Einkommen. Der Weinbau kam schließlich ganz zum Erliegen. Die Hänge des Kallenbergs verwandelten sich in Streuobstwiesen, zum großen Teil Mostobst. Im Jahr 1838 wurde die Kelter, bis auf die Steine der Sockelmauer, zum Verkauf angeboten. Mit den behauenen Steinen der Kelter wurde eine Schutzhütte erstellt, die dann bis zum Jahr 1918 Bestand hatte. An den Weinbau am Kallenberg gibt es noch verschiedene Erinnerungen, z. B. die Kelterstraße. Inzwischen sind bei Bauarbeiten südlich der Alten Kelter gut erhaltene Halbreliefs gefunden worden, die den Römischen Weingott Bacchus und eine Frau zeigen. Die beiden Nachbildungen haben durch den Heimatverein einen Platz an der Daimlerstraße gefunden.
Ende des 19. Jahrhunderts gehörten die Grundstücke am Kallenberg und die Randgebiete am Withauwald zu den am wenigsten begehrten Flächen in Münchingen. Die Wiesen zwischen der Landstraße (die heutige B10) und dem Withauwald wurden als Schinderwiesen bezeichnet, weil dort die verendeten Tiere begraben wurden.
1904 errichtete Gottlieb Müller an der Kreuzung der Landstraß und des Kornwestheimer Wegs eine Gaststätte für Fuhrleute, das Müllerheim. alt=Emmauskirche Kallenberg|mini|Emmauskirche Kallenberg In den 1950er Jahren begann am Kallenberg eine intensive Bautätigkeit. Möglich war dies u. a. für Einheimische und Vertriebene durch die niedrigen Preise für Bauland. Entsprechend wuchs die Einwohnerzahl. Waren es in den ersten Jahren nach Kriegsende noch 300 – 400 Bewohner, so wurden im Jahr 1962 am Kallenberg und Müllerheim 960 Personen gezählt. Die Entwicklung war sprunghaft. Im Jahr 1968 waren es 1700 und im Jahr 1977 dann 1893 Einwohner. Dazu trug auch der Bau von Mitarbeiterwohnungen bei, die von verschiedenen Firmen am Kallenberg erstellt wurden. Im Bereich Müllerheim entstanden ebenfalls mehrere Wohngebäude und Gewerbebetriebe.
Im November 1951 reichte eine ganze Anzahl von Gemeindegliedern beim Kirchengemeinderat der Evangelischen Kirchengemeinde Münchingen ein Gesuch ein mit der Bitte, alle 14 Tage regelmäßig Gottesdienste in den Räumen der Lackfabrik Votteler zu halten. Am 26. Dezember 1951, dem 2. Weihnachtsfeiertag, wurde dort der erste Gottesdienst mit ca. 60 Personen gefeiert. Nach einer Probezeit von einem Jahr wurden die Gottesdienste in der Lackfabrik zu einer festen Einrichtung. Bereits 1951 war zusammen mit dem Wunsch nach eigenen Gottesdiensten auch der Wunsch nach einer eigenen Kirche oder Kapelle laut geworden. In seiner Sitzung vom 29. April 1955 fasste der Kirchengemeinderat Münchingen den Beschluss, eine Kirche an der Daimlerstraße zu errichten. Die Grundsteinlegung fand am 24. Juli 1955 statt. Als Baumaterial dienten Steine von im II. Weltkrieg zerbombten Häusern aus Stuttgart. Bereits am 15. November 1955 fand das Richtfest. Am 26. November 1955 wurden fünf neue Glocken auf dem Kirchturm eingerichtet und am 15. Juli 1956 war das Kirchweihfest der neuen Emmauskirche.
Politik Die Verwaltung der Stadt Korntal-Münchingen erfolgt nach den Grundsätzen der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg. Verwaltungsorgane sind der Gemeinderat und der Bürgermeister.
Gemeinderat Der Gemeinderat in Korntal-Münchingen hat 22 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Parteien und Wählergemeinschaften% 2024Sitze