mini|Blick über Schriesheim nach Nordwesten in die Rheinebene mini|Die Schriesheimer Altstadt mit Stadtbrunnen und Kirche
Schriesheim () ist eine Stadt an der Badischen Bergstraße mit circa 15.000 Einwohnern. Sie gehört zum Rhein-Neckar-Kreis, liegt acht Kilometer nördlich von Heidelberg und 18 Kilometer östlich von Mannheim und ist Teil der europäischen Metropolregion Rhein-Neckar. Im örtlichen Dialekt lautet der Ortsname Schriese mit stimmlosem s.
Geographie mini|Blick über Schriesheim nach Südosten auf den Ölberg mit Strahlenburg und Branich mini|hochkant|Der Kanzelbach in der Schriesheimer Altstadt
Geographische Lage Die Stadt liegt etwa 8 km nördlich von Heidelberg an der Bergstraße am westlichen Ausgang des Schriesheimer Tales aus dem Odenwald am Kanzelbach. Im Westen greift die Gemarkung auf die Oberrheinische Tiefebene über. Die Strahlenburg befindet sich auf dem Ölberg über der Stadt.
Stadtgliederung Schriesheim besteht aus den drei Teilen Schriesheim, Altenbach und Ursenbach. Altenbach befindet sich sieben Kilometer östlich der Kernstadt im Odenwald, am Oberlauf des Kanzelbachs, der hier wie der Ort Altenbach genannt wird. Ebenfalls im Odenwald, 3 km nordwestlich von Altenbach, liegt Ursenbach am gleichnamigen Bach, der in den Altenbach einmündet.
Zu Schriesheim gehört der Ort „Stam(m)berg, Altersheim“. Zu Ursenbach gehört das Gehöft Ursenbacherhof. Zu Altenbach gehören der Weiler Kohlhof und das Gehöft Röschbach(erhof). In Altenbach aufgegangen sind die Ortschaften Ringes und Hohenöd.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 400–403
Die Ortsteile sind räumlich identisch mit den früheren Gemeinden gleichen Namens. Ihre offizielle Benennung erfolgt mit Ausnahme des Hauptortes Schriesheim in der Form „Schriesheim, Stadtteil …“. Sie bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. In Altenbach und Ursenbach sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung eingerichtet, mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem.Ortschaftsrat. schriesheim.de; abgerufen am 29. Juli 2013
Geologie Bemerkenswert ist ein großes Porphyrvorkommen aus dem Rotliegend auf der Gemarkung im Bereich des Ölbergs, das mit Unterbrechungen zwischen ca. 1880 und 1967 abgebaut wurde.Zu den Porphyrvorkommen der Schriesheimer Gemarkung. Umweltministerium Baden-Württemberg. Im Bereich des Branich (Besucherbergwerk Grube Anna-Elisabeth) wurden früher Silber und Eisenvitriol sowie in der Allmensbach und zwischen dem Zins und dem Pappelbach Schwerspat abgebaut, wovon heute noch die Spatschlucht zeugt. Ein Fundort für Mineralien wie zum Beispiel Epidot, Granat und Scheelit ist die Hohe Waid.Hohe Waid. Mineralienatlas. Am Herrmannsgrund tritt ein kleines Pegmatit-Vorkommen zu Tage; hier wurde Kalium-Feldspat für die Porzellan-Manufaktur in Frankenthal abgebaut.
Eine Beschreibung des Bergbaus im Umfeld von Schriesheim findet sich in der Liste von Bergwerken im Odenwald.
Nach dem ersten Fundort bei Schriesheim ist die Schriesheim-Formation und der sogenannte Schriesheimit benannt.
Ausdehnung des Stadtgebiets Die Schriesheimer Gemarkung reicht nach Norden und Süden jeweils bis direkt an die Nachbarorte heran. Diese ausgedehnte Gemarkung lässt Heimatforscher vermuten, dass Schriesheim neben Ladenburg zu den ältesten Orten im Umkreis zählen könnte.
Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 3162 Hektar. Davon sind 13,1 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 27,7 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 58,6 Prozent sind bewaldet.
Nachbargemeinden Die Schriesheimer Gemarkung grenzt im Westen an Ladenburg, im Norden an Hirschberg an der Bergstraße, im Nordosten an Weinheim, im Osten an Heiligkreuzsteinach und Wilhelmsfeld, im Südosten an Heidelberg und im Süden an Dossenheim.
Klima Schriesheim gehört, ähnlich wie Heidelberg, zum wärmsten Gebiet Deutschlands. Die Niederschlagsmenge auf der Gemarkung nimmt von Westen nach Osten zu und schwankt zwischen 650 und 800 mm. Die nächstgelegene Klimastation in Heidelberg maß zwischen 1971 und 2000 eine Durchschnittstemperatur von 11,1 °C und eine Niederschlagsmenge von 745 mm pro Jahr. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 20,1 °C, der kälteste der Januar mit 2,5 °C.klimadiagramme.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Heidelberg 1971–2000 Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Temperatur (°C) 2,5 3,6 7,3 10,5 15,2 17,8 20,1 19,8 15,9 11,1 6,0 3,6 Ø 11,1 Niederschlag (mm) 48 44 53 49 77 79 81 56 64 64 68 63 Σ 745
Ein schwerer Winterfrost im Jahre 1956 zerstörte viele Obstbäume, namentlich Zwetschgen. Im eigentlichen Stadtgebiet gedeihen schon seit langer Zeit Feigen.
Geschichte Römer und Völkerwanderungszeit Wahrscheinlich gab es schon zu Zeiten der Römer eine Siedlung im heutigen Stadtgebiet. Sechs bekannte römische Gutshöfe (villae rusticae) belegen die intensive landwirtschaftliche Nutzung des Umfeldes des römischen Lopodunum (heute Ladenburg).Dirk Hecht: Die römische Villa aus dem Gewann „Schanz“. Wie der römische Keller in das Rathaus kam. In: Schriesheimer Jahrbuch. Jahrgang 2009, S. 9–27. Darauf hindeutende Münzfunde aus dem Jahr 351/353 gehören zu den spätesten Zeugnissen römischen Lebens in der Region. In diese Zeit fällt die Völkerwanderung, die in Schriesheim durch ein Kriegergrab mit Schwertbeigabe belegt ist.Dirk Hecht: Ein völkerwanderungszeitliches Kriegergrab aus Schriesheim, Rhein-Neckar-Kreis. In: Schriesheimer Jahrbuch. Jahrgang 2012, S. 11–39.
Frühmittelalter Schriesheim wurde das erste Mal 764 in einer Urkunde des Klosters Ellwangen und 766 in einer Urkunde des Klosters Lorsch im Zusammenhang mit Landschenkungen erwähnt, die auch die Grundlage der späteren Grundherrschaft beider Klöster im Ort legten. Zur Zeit seiner ersten schriftlichen Erwähnung war Schriesheim ein fränkischer Ort.
Hochmittelalter Im 13. JahrhundertDirk Hecht: Schriesheim zur Zeit der Staufer. Schriesheimer Jahrbuch 2010, 2010, S. 19–44 hatte sich in Schriesheim aufgrund von Vogteirechten eine Ortsherrschaft des Adelsgeschlechts der Strahlenberger herausgebildet, die zum Bau der Strahlenburg um 1235 führte. Die Errichtung der Burg war ein klarer Rechtsbruch der Strahlenberger, da der Baugrund dem Kloster Ellwangen gehörte, dessen Vögte die Strahlenberger waren. Klöster waren aber bei der Durchsetzung ihrer Rechte auf andere angewiesen, da sie selbst nicht militärisch eingreifen konnten. Der Abt erwirkte zwar eine Ächtung Conrads I. durch den Kaiser, alles lief aber auf einen Vergleich hinaus. Dieser im Jahre 1238 geschlossene Vergleich sah so aus, dass Conrad I. die Strahlenburg zum erblichen Lehen bekam, jedoch sein gesamtes Privatvermögen an das Kloster übertragen musste, um es dann als erbliches Lehen wieder zu erhalten. Da damals die Lehnsrechte schon geschwächt waren, trug Conrad I. dennoch einen relativen Sieg davon.
Stadtgründung Da zur damaligen Zeit ein ehrgeiziger Adeliger nicht nur eine Burg, sondern auch eine Stadt sein Eigen nennen wollte, begann Conrad I. mit der Anlage einer befestigten Stadt direkt neben dem alten Dorf Schriesheim auf dem ihn nun als Lehen übertragenen Grund gleich unterhalb der Strahlenburg. Sowohl Stadt als auch Burg wurden in eine gemeinsame Verteidigungsanlage eingefügt. Ein bestimmtes Datum für die Stadtgründung ist nicht überliefert, aber im Jahre 1256 waren die Strahlenberger Mitglied des rheinischen Städtebundes. Verschiedene Indizien legen eine Stadtgründung zwischen 1240 und 1245 nahe.
Nach der Stadtgründung wurde im Stadtgebiet an der Stelle eine Kirche erbaut, wo heute noch die evangelische Kirche steht. Die alte Dorfkirche südlich der Bachgasse wurde aufgegeben. Darüber hinaus wurde ein herrschaftlicher Stadthof angelegt, der heutige Strahlenberger Hof. Das repräsentative Steinhaus mit einem fast zwei Meter starken Mauergiebel ist mit über 700 Jahren das älteste noch bewohnte Profangebäude der Gegend.
Nach dem langsamen Niedergang der Strahlenberger wurden Schriesheim, die Strahlenburg und alle Herrschaftsrechte schließlich am 8. September 1347 an den Pfalzgrafen in Heidelberg verkauft. Schriesheim verblieben jedoch weiterhin alle Stadtrechte.
Verlust der Stadtrechte im Jahre 1470 mini|Strahlenburg
Nach dem Tod König Ruprechts im Jahre 1410 wurde die Kurpfalz unter seinen vier Söhnen aufgeteilt. Schriesheim fiel erst an Ruprechts jüngsten Sohn Otto. Im Jahre 1448 kam die Stadt im Rahmen eines Gebietsaustauschs an Ottos Bruder Stephan, den Pfalzgrafen von Simmern und Zweibrücken. Nach der Teilung dieser Linie im Jahre 1459 kam Schriesheim an die Linie Simmern, die es noch im gleichen Jahr an den Ritter Hans von Sickingen für 4000 Gulden verpfändete. Pfalzgraf Ludwig von Veldenz-Zweibrücken löste Schriesheim im Jahre 1468 wieder aus. Bereits 1460 war die Fürstpropstei Ellwangen als Rechtsnachfolger des Klosters zum Lehensherr geworden.
Im Zuge der Weißenburger Fehde zwischen Kurfürst Friedrich I. und Ludwig I. von Veldenz-Zweibrücken begann Friedrich I. am 6. Mai 1470 Schriesheim und die Strahlenburg zu belagern. Am Sonntag, den 13. Mai 1470, wurden zuerst die Burg, dann die Stadt im Sturm genommen. Der kurpfälzische Geschützmeister Martin Merz leitete die vorherige Beschießung. Die Sieger forderten nun eine Schatzung von 400 Gulden, die von den Bürgern aufgebracht werden mussten, und die Herausgabe sämtlicher Weinvorräte, damit die Stadt nicht abgebrannt werde. Darüber hinaus wurden sämtliche Befestigungsanlagen geschleift, also die Türme abgebrochen, die Stadtmauer niedergelegt und die Gräben eingeebnet. Da Schriesheim nie die Blutgerichtsbarkeit besessen hatte, blieb nur das Marktrecht als letzte der drei Voraussetzungen, um als Stadt anerkannt zu werden. Das Marktrecht wurde dann letztlich auch aufgehoben. Nach Schriesheim wurde das Zentgericht der Äpfelbacher Zent verlegt, die fortan Schriesheimer Zent hieß. Im Jahr 1579 erhielt Schriesheim wieder das Marktrecht, worauf sich der Mathaisemarkt begründet.
Schriesheim im Dreißigjährigen Krieg Die Heirat Friedrichs V. mit Elisabeth von England, die der Stärkung des protestantischen Lagers und dem Prestigegewinn des pfalzgräflichen Hauses dienen sollte, war für die Schriesheimer mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden, da ihnen die Ausrüstung eines Wagens für den Zug auferlegt wurde, mit dem Friedrich seine Braut nach Heidelberg holen wollte. Der Wagen musste dann erneut 1619 aufgeboten werden, um das Paar nach Prag zu bringen, wo Friedrich in der Anfangsphase des Dreißigjährigen Krieges die Wahl zum König der Böhmen angenommen hatte.
mini|Strahlenburg Luftaufnahme Man erkannte in Schriesheim die Bedrohung, die sich aus der für Friedrich V. ungünstigen politischen und militärischen Entwicklung ergab, und ließ bereits im Jahre 1619 ein Wachhäuschen auf dem Branich errichten, um allfällig nahende Truppen bereits frühzeitig erspähen zu können. Im Jahre 1621 war es dann so weit, die Truppen der katholischen Liga unter Tilly näherten sich von Norden kommend Heidelberg und damit auch Schriesheim. Im November lagerten etwa 10.000 Mann im Raum Schriesheim-Dossenheim-Ladenburg. Als die Kämpfe, die schließlich zur Einnahme Heidelbergs führten, beendet waren, zogen noch das gesamte Jahr 1622 Truppen durch die Gegend. Der Ort hatte einige junge Männer im Kampf verloren, war von allen Seiten zur Finanzierung des Krieges ausgepresst und geplündert worden und einige Gebäude waren zerstört. Auch die Glocken hatten die Bayern als Beute mitgenommen. Da die meisten Bewohner jedoch über Reserven verfügten, begann man bald die Schäden zu beheben und das gewohnte Leben wieder aufzunehmen. Nur wurde nun von der Obrigkeit versucht, das Land wieder katholisch zu machen, was den Pfarrer zur Flucht zwang.