Die Blutgruppentätowierung war ein Kennzeichen der Mitglieder der SS-Verfügungstruppe, der SS-Totenkopfverbände und später auch des größten Teils der Waffen-SS. Ursprünglich zur Erleichterung medizinischer Hilfe gedacht, wurde sie in der Endphase des Kriegs oder nach Kriegsende eine Hilfe, wenn es darum ging, untergetauchte Angehörige der Waffen-SS zu identifizieren, die sich als Wehrmachtssoldaten ausgaben.

Einführung Wann und für welchen Kreis diese Regelung für die SS-Truppen eingeführt wurde, ist bisher nicht bekannt.

Das Reichsministerium des Innern ordnete mit Runderlass vom 5. November 1941 die Feststellung der Blutgruppe für alle Angehörigen der Ordnungspolizei (uniformierte Polizei) an. Das galt auch für Verwaltungsbeamte, die „als Mußuniformträger mit ihrem auswärtigen Einsatz in Pol.-Bataillonen zu rechnen haben“. Die durch eine eigene Kommission eruierte Blutgruppe war einzutragen durch: 1) Stempel im Polizeipass oder im grünen Polizeiausweis, 2) Einstanzung in der Erkennungsmarke, 3) „Tätowierung in die Beugeseite des linken Armes“.

Der Runderlass wurde im Ministerialblatt der inneren Verwaltung veröffentlicht.RdErl. d. RFSSuChdDtPol im RMdI, Zl. O-Kdo III an 41 Nr. 27 III/41 v. 5. November 1941, MRBliV. S. 1998Erklärung der Abkürzungen: Runderlass des Reichsführers [der] SS [Schutzstaffel] und Chefs der Deutschen Polizei [= Heinrich Himmler] im Reichsministerium des Innern, Zahl [= Aktenzeichen] Oberkommando III an 41 Nummer 27 III/41 vom 5. November 1941, [veröffentlicht im] Reichsministerialblatt der inneren Verwaltung [= Ministerial-Blatt des Reichs- und Preußischen Ministeriums des Innern], Seite 1998. - In der angegebenen Fundstelle wurde offenbar RMBliV mit MRBliV verwechselt.

Als Angehörige der Ordnungspolizei erhielten auch Männer der Feuerwehr, des Luftschutzes und der Technischen Nothilfe die Blutgruppentätowierung.Andreas Linhardt: Feuerwehr im Luftschutz 1926–1945: Die Umstrukturierung des öffentlichen Feuerlöschwesens in Deutschland unter Gesichtspunkten des zivilen Luftschutzes. BoD – Books on Demand, Braunschweig 2002, ISBN 978-3-8311-3738-1, S. 173.

Ob auch Angehörige der Sicherheitspolizei – Gestapo, Kriminalpolizei – und des SD (SS-Sicherheitsdienst) die Tätowierung bei einem „auswärtigen Einsatz“ erhielten, ist nicht bekannt und noch nicht recherchiert. Sie erhielten ihre Befehle vom Reichssicherheitshauptamt (RSHA) und waren die Planer und Organisatoren der Kriegsverbrechen hinter der Kriegsfront.

Lage und Aussehen Die Tätowierung lag auf der Innenseite des linken Oberarms bzw. in der AchselhöhleGuido Knopp: Die SS: Eine Warnung der Geschichte. C. Bertelsmann Verlag, München 2013, ISBN 3-641-10841-1. und war ungefähr sieben Millimeter groß. Sie bestand nur aus der Bezeichnung der Blutgruppe: A, B, 0 oder AB.

Die Rhesusformel wurde nicht angegeben, da diese erst kurz zuvor von zwei jüdischen Forschern entdeckt worden war und da die Forschung darüber noch in den Anfängen steckte.

Ausnahmen Nicht alle Angehörigen der Waffen-SS trugen diese Tätowierung, insbesondere diejenigen nicht, die aus anderen Teilstreitkräften zur Waffen-SS gewechselt waren, oder auch diejenigen nicht, die aus der Allgemeinen SS übergetreten waren.

Der SS-Hauptsturmführer Hans Werner Roepke befreite auch die Freiwilligen des Britischen Freikorps von der sonst obligatorischen SS-Blutgruppentätowierung und verbürgte, dass diese Einheit nicht gegen britische Verbände eingesetzt werde.

Zwei weitere SS-Offiziere, denen das Tattoo fehlte, waren Josef MengelePaul Weindling: Victims and survivors of Nazi human experiments: Science and suffering in the Holocaust. Bloomsbury Academic, London 2015, ISBN 978-1-4411-7990-6. und Alois Brunner; sie mussten keine Mussuniform tragen.

Nutzen Der eigentliche Zweck war, zu verhindern, dass die Träger bei Verwundungen eine Bluttransfusion der falschen Blutgruppe bekamen. Ebenso konnten mögliche Blutspender leichter identifiziert werden. Bei den sogenannten Direktübertragungen lagen Spender und Empfänger direkt nebeneinander.

Folgen Da diese Tätowierung ein eindeutiges Erkennungszeichen war, versuchten viele Angehörige der Waffen-SS, sie in der Endphase des Krieges loszuwerden, beispielsweise indem sie sich in den Oberarm schossen.

In der Nachkriegszeit in Deutschland tauchten letztlich immer mehr angeblich „reguläre“ Soldaten auf, die eine Verwundung an der eigentlich tätowierten Stelle trugen, so etwa durch Selbstbeschuss oder verlangten Beschuss durch Kameraden. Ebenso verbreitet war die Entfernung durch einen bezahlten Arzt. Hiermit wollten viele ehemalige Angehörige der Waffen-SS eine Entdeckung ihrer Organisationszugehörigkeit und ihrer wahren Identität und die damit möglicherweise verbundene Bestrafung verhindern.

Die meisten Haupttäter der Vernichtung – vor allem jene am Schreibtisch im RSHA und ohne „Mussuniform“ (politische Polizei und Sicherheitsdienst des Reichsführers SS) – blieben unentdeckt.

Ausführungen Die Tätowierung gab es in zwei verschiedenen Ausführungen: einmal mit deutschen Schriftzeichen und einmal in lateinischer Schrift. Letztere wurde zu Kriegsende ausschließlich verwendet, da sie nicht so aufwändig war beziehungsweise die lateinische Schrift von Hitler zur Normalschrift im Reich gemacht worden war (siehe Normalschrifterlass). Das spielte vor allem eine Rolle, nachdem die Aufnahmekriterien für die Waffen-SS im Kriegsverlauf herabgesetzt wurden.

Literatur

Einzelnachweise

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