Ecodesign oder umweltbewusste Produktgestaltung orientiert sich an den Prinzipien der Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit. Ziel ist es, mit intelligentem Einsatz der verfügbaren Ressourcen entlang der Wertschöpfungskette die Umweltbelastung einer Produktproduktion gering zu halten und unter sozial fairen Bedingungen zu produzieren.

Diese Herangehensweise fordert Designer heraus, Produkte, Systeme, Infrastruktur und Dienstleistungen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg im Sinne der Nachhaltigkeit zu gestalten. Bei der Gestaltung ist die Einbettung des Produktes in sein Umfeld besonders wichtig. Gefragt sind Systemlösungen (Hybride Leistungsbündel (HLB), Produkt-Service System), die durch konzeptionelle Innovation geprägt sind. Das umweltbewusst produzierte Produkt ist selbst Lösungsweg, indem es ein sich selbst exponierendes Produkt darstellt. In der ökologischen Designauffassung wird somit die Objektorientiertheit von Gebrauchsgütern durch den im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang und Nutzungszusammenhänge und Lebensprozesse (Bereich Kommunikationsdesign) ersetzt. Der Designer wird damit zum Vermittler zwischen Konsument, Umwelt und Wirtschaft.

Prinzipien des Ecodesign

Ecodesign fordert die Integration von Umweltaspekten in Produktdesign und -entwicklung. Zur Beurteilung sollen die Umweltauswirkungen über den gesamten Produktlebenszyklus betrachtet werden, möglichst minimiert und mit sozialen, wirtschaftlichen, technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen abgestimmt werden.Bundesumweltministerium (BMU); econsense (Hrsg.); S. Schaltegger, C. Herzig, O. Kleiber, T. Klinke, J. Müller: Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen. Von der Idee zur Praxis: Managementansätze zur Umsetzung von Corporate Social Responsibility und Corporate Sustainability. 3. Auflage. BMU, econsense, Centre for Sustainability Management, Berlin / Lüneburg 2007, S. 111. Sustainable Design umfasst darüber hinaus den sozialen und gesellschaftlichen Kontext und stellt ethische und soziale Fragestellungen.

Es ist davon auszugehen, dass 80 % der Umweltauswirkungen und Kosten eines Produktes durch den Entwurf determiniert werdenW. Hopfenbeck, C. Jasch: Öko-Design. Umweltorientierte Produktpolitik. Moderne Industrie, Landsberg/Lech 1995, S. 128. und somit eine Beeinflussung der Umweltleistungen des Produktes bzw. Unternehmens in der Planungsphase notwendig und möglich ist. Notwendig ist hier ein formalisierter Entwicklungsprozess, der die verschiedenen Möglichkeiten systematisch analysiert.

Als Entwicklungsziele bzw. Prinzipien für das Ecodesign sind zu nennen: materialeffizientes Design materialgerechtes Design energieeffizientes Design schadstoffarmes, abfallvermeidendes Design langlebiges, reparaturfreudiges und zeitbeständiges Design recyclinggerechtes, entsorgungsgerechtes und logistikfreundliches DesignC. Burschel: Nachhaltiges Designmanagement. In: Gudrun Linne, Michael Schwarz (Hrsg.): Handbuch nachhaltige Entwicklung. Wie ist nachhaltiges Wirtschaften machbar. Leske + Budrich, Opladen 2003, ISBN 3-8100-3758-3, S. 293.B. Lemser, C. Brodhun: Eco-Design und Neuproduktplanung. Grundprobleme und Lösungsansätze für die Planung Umweltorientierter Produktinnovationen bei Massenprodukten. (= Nordhäuser Hochschultexte. Schriftenreihe Betriebswirtschaft. Heft 4). 2007, ISBN 978-3-9809391-7-1, S. 3.

Reparierfreundlichkeit Die Reparierfreundlichkeit von Produkten („ökonomische Obsoleszenz“) hängt ab, von der technischen Möglichkeit einer Reparatur (Reparierbarkeit), von der Verfügbarkeit einer Reparaturdienstleistung und von ihren Kosten.Einfluss der Nutzungsdauer von Produkten auf ihre Umweltwirkung: Schaffung einer Informationsgrundlage und Entwicklung von Strategien gegen „Obsoleszenz“. Studie des Umweltbundesamts (UBA), Februar 2016. Bei Produkten mit mechanischen Komponenten bedeutet Reparierbarkeit, dass Verschleißteile ausgetauscht werden können. Produkte, die leicht durch „nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch“ (z. B. Herunterfallen) kaputt gehen, können als reparaturfreundlich eingestuft werden, wenn es sich wirtschaftlich lohnt, sie zu reparieren. Und komplexe technische Geräte (z. B. Laptops) gelten als reparierbar, wenn sie technisch aufrüstbar sind und dadurch an neue technologische Standards angepasst werden können. Kompetenznetzwerk Umweltfreundliche Produktentwicklung, Ökopol Institut für Ökologie und Politik, Hamburg In: Ecodesign Kit. Hrsg.: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) zusammen mit dem Umweltbundesamt (UBA) Wichtig ist neben der Möglichkeit einer zerstörungsfreien Demontage die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und einer Reparaturanleitung für professionelle Dienstleiter bzw. einer Hilfestellung für Do-it-yourself-Reparaturen.Reparierbarkeit und Reparaturinformationen als mögliche Elemente von verbindlichen Ökodesign-Anforderungen. Umweltbundesamt (UBA), 22. Juli 2015. Da die klassische Reparaturwirtschaft immer mehr wegbricht, könnten Repair-Cafés eine Alternative bieten. In: Ecodesign Kit. Hrsg.: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) zusammen mit dem Umweltbundesamt (UBA) Das Problem der Ersatzteilverfügbarkeit könnte sich in Zukunft durch offene Werkstätten, in denen 3D-Drucker zur Verfügung stehen (FabLabs), relativieren.

Geschichtliche Entwicklung In den letzten Jahrzehnten hat sich das Konzept von Umweltschutz und nachhaltiger Entwicklung im Hinblick auf die Produktgestaltung von „End-of-pipe-Technologien“ über „Cleaner Production“ und „Eco-Design“ Ansätze weiterentwickelt und hat mittlerweile die Phase der Systeminnovationen erreicht. Diese Kombinationen von Produkt und Dienstleistungen haben das weitaus größere Potential für eine nachhaltige Wirtschaft aufgrund einer deutlich höheren Öko-Effizienz als konventionelle, produktorientierte Strategien.R. Wimmer u. a.: Erfolgsstrategien für Produkt-Dienstleistungssysteme. (= Berichte aus Energie- und Umweltforschung. 35). Herausgegeben von BMVIT, 2008, S. 17. (PDF) Als Herangehensweise des Ecodesign sind Produktverbesserung, Produkt-Redesign, Neudesign/Öko-Innovation und Systeminnovation zu nennen. Bei der Produktverbesserung wird eine Veränderung einzelner Produkteigenschaften (z. B. Langlebigkeit) eines bereits hergestellten Referenzprodukts angestrebt, das Eigenschaftsprofil und die Funktionsprinzipien bleiben jedoch erhalten. Beim Redesign wird ein Vergleichsprodukt in seinem Merkmalsprofil auf der Produkt- und Produktionsebene (z. B. umweltschonendes Herstellungsverfahren) verbessert. Die Verbesserungspotentiale können systematisch durch die Analyse der lebenszyklusweiten Umweltwirkungen [Ökobilanz] erfolgen. Bei der Öko-Innovation sollen neue Produkte für die Anwendung neu entwickelter Technologien entworfen werden. Das gesamte Eigenschaftsprofil des Produktes kommt auf den Prüfstand. Bei der Systeminnovation wird nach einer grundsätzlich neuen Lösung für das Nutzerbedürfnis und einer neuen Geschäftlösung gesucht. Dies kann durch die Kombination von Dienstleistungen und umweltoptimierten Produkten geschehen (Vermietung von Büromöbeln).U. Tischner u. a.: Was ist EcoDesign. Ein Handbuch für ökologische und ökonomische Gestaltung. Verlag form Praxis, Frankfurt am Main 2000, S. 42 f.

Ecodesign-Prozess Der Ecodesign-Prozess unterscheidet sich nicht grundlegend von üblichen Produktentwicklungsprozessen. Zentral ist die Integration von Umweltaspekten in die verschiedenen Planungsvorgänge und das Produkteigenschaftsprofil. Zentral ist die Suche und Ausgestaltung von alternativen, öko-effizienten Lösungsmöglichkeiten zur Befriedung der jeweiligen Nutzerbedürfnisse.U. Tischner u. a.: Was ist EcoDesign. Ein Handbuch für ökologische und ökonomische Gestaltung. Verlag form Praxis, Frankfurt am Main 2000, S. 39.

Nachhaltigkeitsmanagement und Ecodesign Ecodesign-Aktivitäten sollten in das Nachhaltigkeitsmanagement eingeordnet werden. Eine möglichst frühzeitige Berücksichtigung von Umweltauswirkungen ist unabdingbar, um die großen Potenziale zur antizipativen Reduzierung von Umweltauswirkungen und von großen Anteilen der später anfallenden Umweltkosten zu nutzen, die bereits in der Produktentwicklung festgelegt werden. Dies erfordert den Einbezug aller am Produktentwicklungsprozess Beteiligten und die Auseinandersetzung mit umweltbezogenen Fragestellungen auch auf der strategischen Planungsebene. Öko-Design kann auf diese Weise zu einem zentralen Bestandteil der ökologischen Unternehmensführung werden. Durch das Einbeziehen von Bedürfnisanalysen, Dematerialisierungsprozessen und neuen Produktkonzepten wie Service- oder Leasingangeboten werden auch Nutzenanforderungen, Produktverwendungen und Einstellungsveränderungen (z. B. „nutzen statt besitzen“) thematisiert und es lassen sich neue Geschäftsfelder erschließen (Flottenmanagement statt PKW-Verkauf). Für die Beurteilung der Produktgestaltung stehen verschiedene Instrumente des Nachhaltigkeitsmanagements zur Verfügung, die die Umweltauswirkungen eines Produktes erfassen: Life Cycle Costing, Ökobilanz und Checkliste. Nachhaltiger gestaltete Produkte sollen die positive Wahrnehmung des Unternehmens unterstützen, die Kundenbindung erhöhen und Unternehmen gegebenenfalls die Erschließung höherpreisiger Marktsegmente ermöglichen. Zugleich können durch die systematische und lebenszyklusübergreifende Produktbetrachtung ((Öko-)Bilanz) Haftungsrisiken, (später unerwartet hoch ausfallende) Entsorgungskosten sowie Service- und Reparaturleistungen reduziert werden.Bundesumweltministerium (BMU); econsense (Hrsg.); S. Schaltegger, C. Herzig, O. Kleiber, T. Klinke, J. Müller: Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen. Von der Idee zur Praxis: Managementansätze zur Umsetzung von Corporate Social Responsibility und Corporate Sustainability. 3. Auflage. BMU, econsense, Centre for Sustainability Management, Berlin / Lüneburg 2007, S. 112. (, PDF; 1,6 MB)

Ökodesign in der EU Mit der Ökodesign-Richtlinie zur Schaffung eines Rahmens für die Festlegung von Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung energiebetriebener Produkte setzte die EU 2005 einen ersten Schritt zu weiteren Verbreitung von Ökodesign. Dabei wird auch die Integrierte Produktpolitik in der Europäischen Union (IPP) umgesetzt, also das Umweltverhalten von Produkten und Dienstleistungen entlang des gesamten Lebensweges zu verbessern oder zu fördern. Die Richtlinie wurde 2025 durch die Verordnung (EU) 2024/1781 über Ökodesign-Anforderungen für nachhaltige Produkte ersetzt und ist damit im EWR verbindlich.Ökodesign-Anforderung an nachhaltige Produkte

Praxisbeispiele Beispiel 1

Bei der Weiterentwicklung von Waschmaschinen wurden bereits viele Öko-Effizienzpotentiale erschlossen. So konnten Waschtemperaturen verringert, eine Einleitung der Wassermenge abhängig von der Wäschemenge, Energieeinsparungen durch längere Einwirkzeiten u. Ä. erreicht werden. Eine weitere Entwicklungsmöglichkeit stellt die EUDORA titan dar. Sie verfügt über eine herausnehmbare Wäschtrommel, die als Wäschekorb verwendet werden kann. Außerdem ist sie reparaturfreudig konstruiert und verfügt über das neue Nachhaltigkeitssiegel NCERT für langlebige Geräte.

Beispiel 2

Ab 2022 dürfen Hersteller von Kaminöfen nur noch Geräte mit dem „Ecolabel“ auf den Markt bringen. Die Geräte sind damit EcoDesign zertifiziert und halten folgende Anforderungen an die Emissionen ein:

Feinstaub für Holzöfen und Herde < 40 mg/m³, bezogen auf 13 % Sauerstoff Feinstaub für Pelletöfen < 20 mg/m³, bezogen auf 13 % Sauerstoff Kohlenmonoxid für Holzöfen und Herde < 1.500 mg/m³, bezogen auf 13 % Sauerstoff Kohlenmonoxid für Pelletöfen < 300 mg/m³, bezogen auf 13 % Sauerstoff

Ausbildungsbeispiele