mini|Wappen der Herren von Lichtenberg mini|Burg Lichtenberg nach einem Stich von Merian Die Herrschaft Lichtenberg war ein Territorium des Deutschen Reichs, das unter den Herren von Lichtenberg vorwiegend im Unterelsass im Umfeld der Städte Straßburg und Hagenau entstand und sich später auch auf die gegenüberliegende, rechte Seite des Rheins ausbreitete. Im ausgehenden Mittelalter gelang es den Lichtenbergern allmählich, durch konsequente Territorialpolitik eine Vorherrschaft in diesem Gebiet einzunehmen. Prägend für die Lichtenberger Geschichte war zunächst seine Lage im Spannungsfeld zwischen dem Bistum Metz, dem Bistum Straßburg und der aufstrebenden Stadt Straßburg.
Anfänge in der Region Die ältesten entsprechenden Zeugnisse belegen eine territoriale Ausstattung der Herrschaft Lichtenberg mit Allod und aus Reichs-Lehen im Umkreis der Reichsstadt Hagenau. Um 1230 errichteten sie dort ihre Stammburg Lichtenberg. Mit dem Schwinden der staufischen Macht lehnten sich die Herren von Lichtenberg eng an das Bistum Straßburg an.
Die Politik der Herren von Lichtenberg gegenüber dem Bistum Metz war nur teilweise erfolgreich: Zwar wurden auch zwei Herren von Lichtenberg Domherren in Metz und das Bistum übertrug ihnen einige Lehen sowie die Vogtei über das Metzer Eigenkloster Neuweiler (französisch: Neuwiller-lès-Saverne). Doch dann blieb diese Form der Erwerbspolitik stecken und die Herren von Lichtenberg versuchten es mit GewaltEyer, S. 21.: Sie nutzten eine Sedisvakanz im Bistum Metz, um das Gebiet um Neuweiler zu besetzen, mussten dann aber einen Kompromiss eingehen, als ihr militärisches Vorgehen zu scheitern drohte. Ihre Metzer Lehen durften sie behalten, das besetzte Gebiet aber mussten sie räumen.Eyer, S. 22f. Letztendlich verdrängten die Lichtenberger das Bistum Metz aus dem Unterelsass, indem sie Kredite an das Bistum Metz gaben und sich dafür Territorien des Bistums verpfänden ließen. Dies war auf lange Sicht erfolgreich und Metz verlor seinen Einfluss östlich der Vogesen.Eyer, S. 26.
Das Amt des Vogtes über die Stadt Straßburg, das die Lichtenberger seit 1249 innehatten, wurde über die Jahre seitens der Bürgerschaft der Stadt zunehmend ausgehöhlt. Die Lichtenberger ließen sich die meisten damit verbundenen Rechte von den Bürgern abkaufen, so dass das Amt zunehmend nur noch symbolischen Charakter hatte. Andererseits gewannen die Lichtenberger so Verbündete, wenn sie gegen die Bischöfe von Metz oder Straßburg vorgehen wollten.Eyer, S. 22.
Reich In der Auseinandersetzung zwischen Albrecht von Habsburg und Adolf von Nassau standen die Herren von Lichtenberg auf der Habsburger Seite.Eyer, S. 29. In der Schlacht bei Göllheim kämpften sie auf der Seite des Siegers, Albrechts von Habsburg.Eyer, S. 27. Zu dessen Gegnern hatte auch Kuno von Bergheim gehört. Die Lichtenberger zerstörten dessen Burg Crax (Krax)Bei Mittelbergheim im Elsass, vgl.: Liste von Burgen, Schlössern und Festungen im Elsass. und transportierten deren Baumaterial auf dem Wasserweg in die Nähe des Klosters Schwarzach in der Rheinebene, wo sie auf allodialem Gelände die Wasserburg Lichtenau errichteten.Eyer, S. 28.Zur Namensgebung: Während sie ihre Höhenburg „Lichtenberg“ genannt hatten, erhielt nun die Wasserburg in der Rheinebene den Namen „Lichtenau“. Auch das Kloster Lichtenthal bei Baden-Baden (zuvor: „Kloster Büren“) erhielt seinen Namen vom Haus Lichtenberg (Eyer, S. 20). Nach dem Tod Albrechts zogen sich die Herren von Lichtenberg in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts weitgehend aus der Reichspolitik zurück. Sich dort zu engagieren, brachte ihnen im regionalen Konkurrenzkampf keine Vorteile mehr.
Territorialer Ausbau Die Lichtenberger verfügten neben Allod über Passivlehen des Reiches, der Bistümer Straßburg, Metz, Speyer und Mainz, von der Fürstabtei Murbach, vom Herzogtum Lothringen und der Kurpfalz.Probst, S. 28. Sie vergaben auch umfangreich Aktivlehen.Zusammenstellung bei Eyer, S. 169ff.
Die Lichtenberger verfolgten territorialpolitisch zwei Ziele: Den besseren Schutz ihrer Stammburg Lichtenberg und das Verbinden ihrer verstreuten Territorien links und rechts des Rheins. Ersteres gelang durch den Kauf verschiedener Burgen im Umkreis der StammburgEyer, S. 29., letzteres nur unvollständig. 1332 konnten die Lichtenberger durch den Kauf von Besitzungen der Landgrafen von Werd dieses Ziel vorantreibenProbst, S. 29., die Herrschaft Lichtenberg wuchs aber nie zu einem geschlossenen Territorium zusammen.Eyer, S. 29f.
Das Territorium wurde dadurch gefestigt, dass ab dem Ende des 13. Jahrhunderts eine innere Verwaltung aufgebaut wurde, die die einzelnen Dörfer, Städte, Einzelhöfe, Mühlen und sonstigen Rechte eines Gebietes jeweils zu einem Amt als mittlerer Verwaltungsebene zusammenführte, eine Entwicklung, die in der Mitte des 15. Jahrhunderts – auch nach erheblichem Gebietszuwachs – abgeschlossen war. Die Ämter der Herrschaft Lichtenberg warenEyer, S. 238.: Brumath Buchsweiler Hatten Ingweiler Lichtenau Neuweiler, Niederbronn Offendorf Pfaffenhofen Westhofen Willstätt Wolfisheim Wörth
Stadtrechte erlangten die Herren von Lichtenberg für folgende Orte ihres Territoriums: Buchsweiler (1291)Eyer, S. 160., Lichtenau (1300), Lichtenberg (1305), Wœrth (1330), Westhofen (1332), Neuweiler (1337), Brumath (1347) und Gœrsdorf (1348). Alle diese Städte erhielten das Stadtrecht von Hagenau.Eyer, S. 228f.
Politisch uns finanziell wichtig waren darüber hinaus die Zoll- und Geleitrechte, die Lichtenberger auf allen drei durch das Rheintal führenden Fernverkehrsstraßen von der Lombardei nach Flandern und auf dem Rhein besaßen, sowie die Kontrolle mehrerer Rheinübergänge und der dort betriebenen Fähren.Probst, S. 29.
Über zahlreiche Klöster besaßen die Lichtenberger Vogteirechte. Dazu zählten die Klöster Biblisheim, Dahn, Eschau, Gengenbach, Kraufthal, Neuburg, Neuweiler, Schwarzach, Sindelsberg, Stephansfeld, Stürzelbronn und Weißenburg. In manchen Fällen gelang es ihnen, die Vogteirechte in Herrschaftsrechte umzuwandeln.Probst, S. 29.
Dynastische Teilung Im 14. Jahrhundert kam es zu zwei Teilungen der Herrschaft Lichtenberg, weil mehr als ein erbberechtigter NachkommeErbberechtigt zu gleichem Teil war jeder Sohn, der nicht in den geistlichen Stand trat. vorhanden war.Freytag von Loringhoven, Taf. 90; Eyer, S. 30.
Erste Teilung Johann II. und die ältere Linie Der erste Fall trat nach dem Tod Ludwig I. von Lichtenberg 1271 auf. Allerdings funktionierte die gemeinsame Verwaltung des Familienbesitzes durch die beiden Söhne und Erben, Heinrich II. von Lichtenberg und Ludwig II., offenbar weitgehend störungsfrei. Erst um 1330Das genaue Datum steht nicht fest, da die Teilungsurkunde nicht erhalten ist. wurde zwischen zwei Urenkeln Ludwigs I. die Herrschaft nun real geteilt. Das sind Johann II. von Lichtenberg („Hannemann“), der damals der älteren Linie vorstand, und Ludwig III. von Lichtenberg. Die ältere Linie erhielt dabeiEyer, S. 78. das Amt Willstätt und darüber hinaus die Orte Bosselshausen mit der Vogtei über den Neuweiler Klosterhof Waltorf, Bouxwiller (Bas-Rhin) zur Hälfte, Burg Lichtenberg (Elsass) zur Hälfte, Duntzenheim zur Hälfte, Ernolsheim-lès-Saverne, Gibichweiler, Gœrsdorf zur Hälfte, Gottesheim, Hattmatt zur Hälfte, Hohatzenheim zur Hälfte, Hohfrankenheim zur Hälfte, Ingwiller zur Hälfte, Kirrwiller zur Hälfte, Lichtenberg (Bas-Rhin) zur Hälfte, Menchhoffen, Mitschdorf (zur Hälfte?), Mittelhausen (Bas-Rhin) zur Hälfte, Neuburg am Rhein, Niedersteinbach (Bas-Rhin), Obersoultzbach, Printzheim, Reitwiller zur Hälfte, Rothbach, Schwindratzheim (Büttelei), Uttwiller, Waltenheim-sur-Zorn zur Hälfte, Wilshausen, Wimmenau, Wœllenheim (Vogtei) und Wolfisheim zur Hälfte.
Nach 1332 konnten dazu noch einige weitere Besitzungen erworben werdenEyer, S. 78., nämlich: Brumath zur Hälfte, Burg Arnsberg zur Hälfte, Gries, Gumbrechtshoffen, Mietesheim (zur Hälfte?), Ringendorf (Bas-Rhin), Schalkendorf, Weitbruch und Zinswiller.
Ludwig III. Ludwig III. verwaltete dagegenEyer, S. 79f. das Amt Lichtenau und darüber hinaus die Orte Bischholtz, Bouxwiller (Bas-Rhin) zur Hälfte, Brumath zur Hälfte, Burg ArnsbergNach Eyer, S. 78, zur älteren Linie. zur Hälfte, Burg Lichtenberg (Elsass) zur Hälfte, die Wasserburg von Niederbronn-les-Bains, Burg Schöneck (Elsass), Burg Waldeck (Lothringen), Duntzenheim zur Hälfte, Durningen zur Hälfte, Durstel, Ernolsheim-lès-SaverneNach Eyer, S. 78, zur älteren Linie. Geiswiller, Gimbrett, Gœrsdorf zur Hälfte, Griesbach-le-Bastberg, Hagenbach zur Hälfte, Hattmatt zur Hälfte, Hohatzenheim zur Hälfte, Hohfrankenheim zur Hälfte, Hüneburg (Elsass), Imbsheim, Ingwiller zur Hälfte, Kirrwiller zur Hälfte, Lichtenberg (Bas-Rhin) zur Hälfte, Littenheim, Lohr (Bas-Rhin), Mittelhausen (Bas-Rhin) zur Hälfte, Morsbronn-les-Bains, Neuwiller-lès-Saverne, Niedermodern zur Hälfte, Oberhoffen-sur-Moder zur Hälfte, Obermodern, Offwiller, Pfaffenhoffen (zur Hälfte?), Reipertswiller, Reitwiller zur Hälfte, ReitwillerNach Eyer, S. 78, je zur Hälfte zur älteren und zur mittleren Linie., Riedheim (Bouxwiller), RothbachNach Eyer, S. 78, zur älteren Linie., Schillersdorf, Schweyen, Schwindratzheim (Dorf), Sparsbach, Uhrwiller, Waltenheim-sur-Zorn zur Hälfte, Wickersheim (Wickersheim-Wilshausen), WilshausenNach Eyer, S. 78, zur älteren Linie., WimmenauNach Eyer, S. 78, zur älteren Linie., Wintersbourg, Wœrth (Burg und Stadt), Wolfisheim zur Hälfte und Zittersheim.
Zweite Teilung Ludwig III. war zugleich auch Regent für seinen noch minderjährigen Neffen, Simund von Lichtenberg, Sohn seines bereits 1324 verstorbenen Bruders, Johann III. von Lichtenberg. Um einem innerfamiliären Konflikt vorzubeugen, teilte Ludwig III. deshalb das Erbe 1335 nochmals zwischen seinem Sohn und Nachfolger, Heinrich IV. von Lichtenberg, und seinem Neffen Simund, der so die mittlere Linie der Familie begründete.
Mittlere Linie Er erhieltEyer, S. 79.: Bischholtz, Brumath zur Hälfte, die Burg Groß-ArnsbergNach Eyer, S. 78, zur älteren Linie., Burg Lichtenberg (Elsass) zur Hälfte, Burg Schöneck (Elsass), Durstel, Hagenbach zur Hälfte, Hohatzenheim zur Hälfte, Hohfrankenheim zur Hälfte, Ingwiller zur Hälfte, Lichtenberg (Bas-Rhin) zur Hälfte, Littenheim, Lohr (Bas-Rhin), Mittelhausen (Bas-Rhin) zur Hälfte, Morsbronn-les-Bains, Neuwiller-lès-Saverne, Offwiller, Reipertswiller, Reitwiller zur Hälfte RothbachNach Eyer, S. 78, zur älteren Linie., Schillersdorf, Sparsbach, Uhrwiller, WimmenauNach Eyer, S. 78, zur älteren Linie., Wintersbourg, Wolfisheim zur Hälfte und Zittersheim.
Jüngere Linie Heinrich IV. dagegen erhieltEyer, S. 79f. das Amt Lichtenau sowie die Orte Bouxwiller (Bas-Rhin) zur Hälfte, Burg Waldeck (Elsass), Durningen zur Hälfte, Ernolsheim-lès-SaverneNach Eyer, S. 78, zur älteren Linie., Geiswiller, Gimbrett, Gœrsdorf zur Hälfte, Griesbach-le-Bastberg, Hüneburg (Elsass), Imbsheim, Kirrwiller zur Hälfte, die Wasserburg von Niederbronn-les-Bains, Niedermodern zur Hälfte, Oberhoffen-sur-Moder zur Hälfte, Obermodern, Pfaffenhoffen (zur Hälfte?), ReitwillerNach Eyer, S. 78, je zur Hälfte zur älteren und zur mittleren Linie., Riedheim (Bouxwiller), Schweyen, Schwindratzheim, Wickersheim, WilshausenNach Eyer, S. 78, zur älteren Linie. und Wœrth (Burg und Stadt).
Familiärer Umgang mit der Landesteilung