mini|Ein handelsüblicher Bleistift mini|Bleistiftspitze Ein Bleistift ist ein Schreibgerät mit einer Mine, die in einem Schaft eingebettet ist. Ursprünglich wurden Bleigriffel mit Spitzen aus echtem Blei verwendet. Seit dem 19. Jahrhundert wird die Mine aus einem Graphit-Ton-Gemisch gebrannt, der Name Bleistift blieb erhalten, auch wenn kein Blei mehr enthalten ist. Der Schaft wird in der Regel aus Holz gefertigt, häufig aus dem Holz des Virginischen Wacholders, das auch als „Bleistiftzeder“ bekannt ist. Geläufig sind auch Druckbleistifte und Fallminenstifte mit Kunststoff- oder Metallmantel.
Geschichte mini|Bleistiftbündel von Bohemia Works aus dem Bauministerium der DDR im Bestand des MEK Blei hinterlässt auf Papier eine ähnliche Spur wie Graphit und wurde schon früh zum Schreiben benutzt. Bei Plinius dem Älteren ist überliefert, dass in der Antike auf Grund der günstigen Abriebeigenschaften des Metalls reine Bleigriffel () verwendet wurden. In der Antike benutzte man auch kleine, runde Bleischeiben zum Linienziehen. Neben dem echten Bleigriffel mit Bleispitze wurden auch Silberstifte (Silbergriffel) zum Schreiben und Zeichnen verwendet. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden Bleigriffel bzw. echte Bleistifte aus Blei und Silberstifte durch Graphitstifte abgelöst. Die Bezeichnung Bleistift blieb jedoch und sorgt noch heute selbst in der Kunstszene für Verwechslungen.
Der Bleistift wurde um 1550 erfunden und in der nordenglischen Ortschaft Keswick erstmals ab 1558 gefertigt. Das 1564 im nahe gelegenen Borrowdale (Grafschaft Cumberland) entdeckte Graphitvorkommen hatte an der Verbreitung des Bleistiftes maßgeblichen Anteil. Schäfer sollen ihre Tiere mit den Fundstücken aus einer Mine markiert haben.Christian Schiele: Der Bleistift im Wandel der Zeit. Bayerischer Rundfunk, 20. September 2011, abgerufen am 10. September 2025 1565 erscheint in einem Naturkundebuch des Schweizer Universalgelehrten Conrad Gessner eine Illustration eines frühen Prototypen eines Bleistifts, den er als neue Art Schreibgriffel oder Schreibinstrument beschrieb.Mathias Schulenburg: Vor 500 Jahren – Der Schweizer Gelehrte Conrad Gessner geboren. Deutschlandfunk, 26. März 2016, abgerufen am 10. September 2025 Der älteste erhaltene Bleistift wurde im Dachstuhl eines Hauses in Schwaben gefunden. Er wurde dort vermutlich um 1630 herum von einem Zimmermann verloren.Wiebke Tomescheit-Bösenberg: Den ältesten erhaltenen Bleistift verlor vor 400 Jahren ein deutscher Zimmermann auf www.stern.de, abgerufen am 7. Mai 2026 In den 1660er Jahren wurden in Holz eingefasste Graphitstäbe aus Borrowdale-Graphit in vielen Ländern verwendet. Man hielt den Graphit damals für Bleierz, woraus sich der missverständliche Name Bleistift ableitet.
1562 erwähnte Johannes Mathesius in einer Druckschrift in Nürnberg, dass man „jetzt aufs Papier mit einem neuen und selbstwachsnen Metal zu schreiben pfleget“.Hanns Hubert Hofmann: Friedrich Staedtler, Bleistiftverleger in Nürnberg 1662. Tradition: Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie. 12. Jahrg., H. 4. (August 1967), S. 449–456 (10 Seiten). Published By: Verlag C.H.Beck (Auszug Online). In Deutschland sprach man deshalb vom „Schwarzen Bleiweiß“. Das damals als „Pleyweiss“ bekannte Graphit hat also nichts mit Bleiweiß oder Bleiglanz zu tun. Auch wenn unbekannt ist, wer der erste deutsche Bleistiftmacher war, ist zumindest Friedrich Staedtler der erste, mit dem sich die Nürnberger Behörden 1662 befasst haben. Seitdem entwickelte sich in der Gegend um Nürnberg das Handwerk der Pleyweisser als freie Kunst holzverarbeitender Handwerker wie Schreiner, Weißmacher (Verarbeiter von „weißem Holz“ wie Birke oder Ahorn), Büchsenmacher, sowie der Bleiweißschneider (hervorgegangen aus den Schrötern, die Kreide und Rötel, dann auch Graphit zersägten) und später die Bleiweißgießer, die das minderwertigere kontinentale Graphit aus Italien oder Böhmen vor der Verarbeitung aufarbeiteten. Da das zerstoßene, gereinigte und später wieder verschmolzene Graphit recht spröde war, schob man die Minen in eine Halterung aus Rohr oder Metall, erst später wurden sie in Holz verleimt. Diese Weiterentwicklung kam aus Italien. Seit den 1660er Jahren entwickelte sich die Spezialisierung auf Bleistifte zum Handwerk, das ab 1708 als Fachrichtung des Schreinerhandwerks und ab 1731 als selbständiges Geschworenes Handwerk anerkannt wurde.
1766 erteilte die Bayerische Regierung dem Grafen Kronsfeld die Konzession zur Errichtung einer Bleistiftfabrik in Zeltenbach. 1778 wies der deutsch-schwedische Chemiker Carl Wilhelm Scheele nach, dass es sich bei dem da schon seit bald 200 Jahren verwendeten Rohstoff um ein auf Kohlenstoff basierendes Mineral und nicht um Blei handelt. Erst zehn Jahre später gab der Mineraloge Abraham Gottlob Werner ihm den Namen Graphit, der von dem griechischen Wort graphein (deutsch: schreiben) abgeleitet ist. Gelegentlich wurde das Material in einigen Ländern auch Bleischwarz oder Plumbago () bezeichnet.Graphite. Universität Waterloo, abgerufen am 10. September 2025 Da der reine Graphit aus Borrowdale zumeist für militärische Zwecke eingesetzt wurde, zum Beispiel zur Herstellung von Schmelztiegeln für Kanonenkugeln, verhängte England zeitweise Exportverbote, woraufhin die Beschaffungskosten enorm stiegen. Bis dahin galt ausschließlich der Borrowdale-Graphit als rein genug zum Schreiben.
1790 vermischte der Wiener Joseph Hardtmuth erstmals Graphitstaub mit Ton und Wasser und brannte ihn in einem Ofen. Je nach Menge des Tons konnte er damit den Härtegrad festlegen. Joseph Hardtmuth begründete später das österreichische Unternehmen Koh-i-Noor Hardtmuth (persisch f. „Berg von Licht“, nach dem berühmten Koh-i-Noor-Diamanten). Sein Enkel Franz von Hardtmuth verfeinerte die bahnbrechende Erfindung und schuf 1889 den Koh-i-noor-Stift, bei dem der Käufer aus 17 Härtegraden wählen konnte.
mini|Conté-Stifte Die Anfang des 19. Jahrhunderts aufkommende Industrie wurde von der bayerischen Regierung in besonderen Schutz genommen. 1795 entdeckte der Franzose Nicolas-Jacques Conté ein Verfahren, mit dem auch unreiner Graphit aus deutschen und österreichischen Bergwerken verwendet werden konnte. Er pulverisierte das abgebaute Material und schlämmte dann den Graphit aus. Später entdeckte er dann unabhängig von Hardtmuth auch die Härtegrade. Hardtmuth und Conté gelten damit als die Begründer für den Erfolg des modernen Bleistifts. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war diese Fertigungsweise weit verbreitet und führte in Nürnberg und Umgebung zur Gründung der Unternehmen Faber-Castell (handwerkliche Herstellung seit 1761), Lyra, Staedtler und Schwan-Stabilo.
In der DDR, wo geeignete Hölzer aus heimischer Produktion nicht verfügbar waren, begründete Walter Luthardt durch Naturbeobachtung die Erforschung der Holzveränderung durch holzabbauende Pilzstämme („Myko-Holz“). Die „Auflockerung“ des für Bleistifte verwendeten Buchenholz wird durch den Austern-Seitling (Speisepilz) oder der Schmetterlings-Tramete (Trametes versicolor) durch Weißfäule verursacht. Sie baut das Lignin im Holz ab, die für die Formstabilität nötige Cellulose bleibt erhalten.G. Müller: Die Luthardtsche technische Mykologie, Abschnitt „Myko-Holz“. Thüringer Arbeitsgemeinschaft Mykologie e.V.
Benennungen Die Schreibstifte hießen in Deutschland zunächst Reißblei, Schreibblei oder Wasserblei, danach Bleistifte oder Bleiweißstifte.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage, Berlin/New York 2002, S. v. Noch bis ins 20. Jahrhundert wurde der Bleistift auch im Deutschen oft nach dem französischen Wort Crayon genannt.
mini|Technisches Zeichnen mit Bleistiften am Reißbrett
Verwendung und Vorteile Hauptsächlich wird der Bleistift für Zeichnungen, technische oder künstlerische Skizzen und zum Stenografieren verwendet; für Notizen sogar als ausschließliches Schreibgerät von Schreibanfängern.
Seine Vorteile liegen in: der einfachen Handhabung, der Tatsache, dass er weder schmieren (wie ein Kuli) noch klecksen (wie ein Füller) kann, der Möglichkeit, das Gezeichnete oder Geschriebene mit einem Radiergummi wieder zu entfernen, der Möglichkeit, auch mit der Spitze nach oben, d. h. kopfüber, zu schreiben(was mit einem Füller oder normalen Kugelschreiber nicht möglich ist), einer vergleichsweise hohen Lichtechtheit, der relativen Wischfestigkeit sowie der langen Standzeit ohne Aus- oder Eintrocknen.
Funktionsweise Die Schreibfähigkeit des Bleistifts basiert auf der schichtartigen Kristallstruktur des Graphits, den sogenannten Graphen-Lagen, die eine Modifikation des Kohlenstoffs darstellen. Zwischen ihnen bestehen nur sehr schwache Van-der-Waals-Wechselwirkungen. Daher können diese Schichten leicht gegeneinander verschoben und beim Schreiben auf eine Oberfläche abgerieben werden.
Herstellung
Die Mine eines Bleistifts besteht aus Graphit als Pigment, Ton als Bindemittel sowie Fetten und Wachsen als Imprägniermittel. Für Minen von Feinminenstiften wird statt Ton ein Polymergerüst als Bindemittel verwendet.
Das Mischungsverhältnis von Graphit und Ton ist für die Härte der Mine entscheidend. Je höher der Graphitanteil ist, desto weicher wird die Mine. Grob variiert der Graphitanteil zwischen 20 % und 90 %. Die tatsächliche Härte der Mine wird außerdem von der Brennhitze und -dauer beeinflusst. Der Durchmesser der Minen beginnt bei 0,3 mm (Feinminenstift) und beträgt bei gängigen Stiften 2 mm.
Die gemischten Ausgangsstoffe werden durch eine Düse zu einem Strang gepresst und daraufhin abgeschnitten. Dieser wird anschließend getrocknet und danach bei ca. 900 °C gebrannt. Anschließend wird die fertige Mine mit Wachs oder Palmöl Am 14. Juni 2002 auf buettner-nuernberg.de, abgerufen am 18. Dezember 2017. veredelt, was einen geschmeidigen Abrieb ermöglicht.
mini|links|Herstellung In eine Holzplatte werden nebeneinander viele Nuten gefräst. In diese Nuten werden die fertig gebrannten Minen eingelegt. Diese Platte wird mit einer ebenso genuteten Platte verklebt. Dann wird der Block zu Bleistiften zersägt und, häufig, lackiert.
mini|Fertiger sechseckiger Bleistift, längs gespalten Der Querschnitt der Stifte ist meist sechseckig, damit sie auf einer geneigten Fläche nicht davonrollen.
Lange galt das sogenannte „Zedernholz“ als das geeignetste Holz für Bleistifte, weil es sich aufgrund der wenigen Astlöcher leicht durch einen Anspitzer schneiden lässt. Bei der „Bleistiftzeder“ handelt es sich um das Holz des Virginischen Wacholders. Es ist ein Zypressengewächs, das aber nichts mit den echten Zedern (Cedrus, ein Nadelbaum) zu tun hat.Bleistifthölzer – Eintrag bei lexikaliker.de, 18. April 2021 Da dieses Holz jedoch langsam wächst und somit teuer ist, wird heute auch oft Pinienholz eingesetzt; auch Ahorn und Linde eignen sich. In der DDR wurden mangels Zedernholz andere Hölzer eingesetzt, die, um sie schnittweicher zu machen, mit einem Pilz durchsetzt wurden.
Verwendete Bleistifthölzer sind neben denen des Virginischen Wacholders die von Juniperus bermudiana, Juniperus procera oder anderen Juniperus-Arten, weiter die der Weihrauchzeder (Calocedrus decurrens), Abies concolor, Strobe (Pinus strobus), Pinus caribaea, Dyera costulata, Linde (Tilia), Pappel (Populus) und Gmelina arborea sowie von Macaranga peltata, verwendet werden auch Arve, Waldkiefer (Pinus sylvestris) und Buchen. Weitere Arten, deren Hölzer genutzt werden, sind Triplochiton scleroxylon, Alstonia scholaris, Alstonia congensis, Toona ciliata und Thuja plicata.Bleistifthölzer bei Lexikaliker (7 Seiten).
Härtebezeichnung + Bleistift-Härtegrade und deren Verwendung Bezeichnung Charakter Anwendungsbeispiele Europa USA RUS 9B – – sehr weich,tiefschwarz für künstlerische Zwecke: Skizzen Studien Entwürfe 8B – – 7B – – 6B – – 5B – – 4B – – 3B – – weich,tonsatt Freihandzeichnen Schreiben (eingeschränkt) 2B – 2М B #1 M HB #2 TM mittel Schreiben lineares Zeichnen F #2½ – H #3 T hart technische Zeichnungen