mini|Gedenktafel am Alfred-Lion-Steg, in Berlin-Schöneberg Francis Wolff, gebürtig Jacob Franz Wolff (* 5. April 1907 in Berlin;Standesamt Berlin III, Geburtsurkunde Nr. 351 vom 10. April 1907 † 8. März 1971 in New York City), war Mitbegründer, Fotograf und Produzent des auf Jazz spezialisierten Plattenlabels Blue Note Records, das er ab 1939 mit seinem Berliner Schulfreund Alfred Lion in New York betrieb.
Leben und Wirken Franz Wolff wurde im Berliner Ortsteil Tiergarten in der Friedrich-Wilhelm-Straße 15 (heute Klingelhöferstraße) geboren. Er stammte aus einer jüdischen Familie, seine Eltern waren Georg Wolff (* 1881 in Berlin), ein 1905 an der Universität Gießen promovierter Mathematiker,Jahres-Verzeichnis der an den Deutschen Universitäten erschienenen Schriften. 20. Jahrgang 1904/1905. Behrend, Berlin 1906, S. 162 und Doris Wolff, geb. Joachimczyk (* 1883 in Posen). Beide Eltern wurden im September 1942 nach Raasiku, Estland deportiert und dort ermordet.Doris und Georg Wolff im Gedenkbuch; s. a. Liste der Stolpersteine in Berlin-TiergartenNach einer kurzen Karriere als Werbefotograf in Deutschland emigrierte Wolff im Oktober 1939 vor der Bedrohung durch das Naziregime über Schweden in die Vereinigten Staaten.Franz Wolff in Mapping the lives Bereits in Berlin interessierte er sich für Jazz. Daher gehörte er, ebenso wie der spätere Rundfunkautor und langjährige Präsident der Deutschen Jazz-Föderation Olaf Hudtwalcker, zum (konspirativen) Hot Club Berlin. In New York traf er wieder mit seinem ebenfalls ausgewanderten Berliner Jugendfreund Alfred Lion zusammen, der bereits an den Vorbereitungen für ein eigenes Schallplattenlabel arbeitete, das sich vorrangig mit Produktionen von Jazzmusikern beschäftigen sollte. Während des Krieges übernahm Wolff weitgehend allein die Geschäfte des jungen Labels und konzentrierte sich auf Anwerbung neuer Musiker, während sein Kompagnon Lion Militärdienst leistete. 1945 wurde Wolff US-amerikanischer Staatsbürger. Nach Kriegsende entwickelte er zusammen mit seinem Freund Lion einen umfangreichen Katalog von Musikern für Blue Note und trat vor allem als innovativer Gestalter und Fotograf mit neuen Stilmitteln hervor. Die Produktionen von Blue Note setzten nicht nur in der Musik, sondern auch durch die Gestaltung ihrer Tonträger Maßstäbe. Das in enger Zusammenarbeit mit Reid Miles geschaffene Coverdesign und die Kombination mit den meistens grobkörnig in schwarzweiß gehaltenen Fotografien von Wolff wurden später oft kopiert. Francis Wolff machte seine Photographien meistens während der Liveaufnahmen, Konzerte oder spontanen Sessions der Musiker. So entstanden beispielsweise eindrucksvolle Porträts von Miles Davis, Charlie „Bird“ Parker oder Thelonious Monk.
Im Jahr 1967 zog sich Alfred Lion langsam aus den Aktivitäten bei Blue Note zurück und Wolff kümmerte sich hauptsächlich um die finanziellen Dinge des Geschäfts. Bis zu seinem Tod im März 1971 produzierte er weiterhin neue Jazzplatten, zunehmend als Live-Aufnahmen. Inzwischen war Blue Note kein unabhängiges Label mehr. Mit dem Tod von Wolff im Jahr 1971 ging eine über dreißigjährige Label-Geschichte vorerst zu Ende. Er ist, wie auch Alfred Lion, auf dem Beth-El & Cedar Park Cemetry in Paramus, New Jersey bestattet.
Produktionen (Auswahl) 9/1966: Charisma von Lee Morgan 10/1967: Hi Voltage von Hank Mobley 10/1967: Mr. Shing-A-Ling von Lou Donaldson 10/1969: Carryin' On von Grant Green 8/1969: Move Your Hand von Lonnie Smith 5/1970: Live at Club Mozambique von Lonnie Smith 7/1970: Live at the Lighthouse von Lee Morgan 8/1970: Alive! von Grant Green 11/1970: The Scorpion von Lou Donaldson 1/1971: Live at Club Mozambique von Grant Green
Dokumentarfilme Julian Benedikt: Blue Note – A Story of Modern Jazz. Dokumentarfilm, Deutschland 1996. Eric Friedler: It Must Schwing – The Blue Note Story. Dokumentarfilm, Produzent: Wim Wenders, Deutschland 2018., auf NDR-Online vom 28. Juni 2018. Sophie Huber: Blue Note Records: Beyond the Notes. Dokumentarfilm, Schweiz, 2018.
Literatur Graham Marsh, Glyn Callingham und Felix Cromey: The Cover Art of Blue Note Records, Volume 1. Edition Olms, Zürich 1991, ISBN 3-283-00244-4 Michael Cuscana, Francis Wolff: The Blue Note Years. Die Jazz-Fotografie von Francis Wolff. Edition Stemmle, Zürich 1995, ISBN 3-905514-89-3 Hans Hielscher: Plattenlabel Blue Note. Wie zwei deutsche Emigranten dem Jazz eine Heimat gaben. In: Spiegel online, 3. Januar 2019 (online)
Weblinks
Francis Wolff Story. In: Mosaic Images The Lion and The Wolf von Lee Morgan auf Youtube It Must Schwing! The Blue Note Story (Offizielle Website zum Film) Blue Note Records: Beyond the Notes (Offizielle Website zum Film)
Einzelnachweise
Kategorie:Jazz-Produzent Kategorie:Labelbetreiber Kategorie:Fotograf (Vereinigte Staaten) Kategorie:Designer Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1907 Kategorie:Gestorben 1971 Kategorie:Mann