Der Liederbach ist ein knapp 16 Kilometer (mit rechtem Oberlauf Reichenbach knapp 21 km) langer, nördlicher und rechter Zufluss des Mains in Hessen, der den Vordertaunus im Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis und das Stadtgebiet Frankfurts am Main durchfließt.
Name Der Namensbestandteil Lieder kommt von ahd. liodar Rauschen, Geräusch. Liederbach bedeutet demnach so viel wie rauschender Bach.Für die Erklärung des Gewässernamens siehe den Artikel von Marieluise Petran-Belschner: Die Gewässernamen des Main-Taunus-Gebietes (auf historische-eschborn.de, abgerufen am 9. Juni 2014).Rosemarie Lühr: Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen. Band 5: iba – luzzilo. Vandenhoeck & Ruprecht, 2014, S. 1339.Albrecht Greule: Deutsches Gewässernamenbuch: Etymologie der Gewässernamen und der dazugehörenden Gebiets-, Siedlungs- und Flurnamen. Walter de Gruyter, 2014, S. 314.Manfred Niemeyer: Deutsches Ortsnamenbuch. Walter de Gruyter, 2012, S. 365.
Auf der Landtafel Gericht Liederbach von Wilhelm Dilich, 1607–1622 wird er Liederbach oder Mühlenbach und am Unterlauf Möhlenbach genannt. Von Altansässigen wird der Liederbach oft einfach als „Die Bach“ bezeichnet.
Geographie mini|links|Naturschutzgebiet Reichenbachtal; im Hintergrund die Burgruine Falkenstein
Quellbäche Der Liederbach entsteht westlich von Königstein im Taunus aus dem Zusammenfluss von Reichenbach und Rombach.
Reichenbach
Der Reichenbach ist der knapp 5 km lange linke Quellbach des Liederbaches. Er ist wasserreicher als der Rombach und ist deshalb der hydrologische Hauptstrang des Bachsystems. Deswegen wird er von manchen, unter Missachtung seines Abschnittsnamens, als Liederbach bezeichnet.
Rombach
Der Rombach ist der gut 4 km lange rechte Quellbach des Liederbaches. Er wird heute von manchen als ein Zufluss des Liederbaches angesehen, auf einigen älteren Karten trägt jedoch er die Bezeichnung „Liederbach“.
Verlauf
Von der Vereinigung seiner Quellbäche bis zur Mündung des Braubaches mini|links|Zusammenfluss von Rom- (links) und Reichenbach (rechts) zum Liederbach (vorne)
Nach der Vereinigung seiner beiden Quellbäche etwa 400 Meter südwestlich der Burgruine Königstein auf einer Höhe von etwa fließt der Liederbach zunächst in südlicher Richtung durch Laubwald. Die Burg, das Wahrzeichen des heilklimatischen Kurorts Königstein, ist eine der größten Burgruinen Deutschlands.
Der Bach unterquert gleich darauf die Gleisanlagen der Königsteiner Bahn (), die den Bach auf seinen Weg nach Höchst in wechselndem Abstand begleitet. In der Unterführung wird er auf seiner rechten Seite von einem Waldbächlein gespeist, das aber nur bei starken Regenfällen Wasser führt.
Der Liederbach läuft jenseits der Gleisanlagen durch den südlichen Teil des Fauna-Flora-Habitats Rombachtal und auf dem Bangert bei Königstein.5816-309 Rombachtal und auf dem Bangert bei Königstein Er fließt links an der 1911 vom Mauermeister Michael Söhngen gefassten und mit einer Kuppel überbauten Stahlquelle () vorbei, unterquert dann den Forellenweg () und läuft danach begleitet von Büschen und Bäumen in der Flur Obere Hohwiesen durch Grünland. Etwas bachabwärts stärkt ihn wiederum von der rechten Seite ein zweites Bächlein (), das aus der Flur Vorderes Ziegenheck heranzieht. Nach einer alten Karte vom Herzogtum Nassaus aus dem Jahre 1819 floss ihm früher auf der Gegenseite von der Burg Königstein her ein weiterer kleiner Bach zu. Auf seiner linken Seite liegen die Schrebergärten des KGV Im stillen Hain und auf der rechten etwa dreihundert Meter vom Bach entfernt das Königsteiner Vereinshaus des 1897 gegründeten Entomologischen Vereins Apollo e. V. Etwa einen halben Kilometer danach speist der Liederbach in der Flur Untere Hohwiese einen kleinen Teich () und erreicht dann gut hundert Meter später die Gemarkungsgrenze des zentralen Königstein zu dessen im elften Jahrhundert erstmals erwähntem Stadtteil Schneidhain ().
mini|links|Evangelische Johanniskirche in Schneidhain Der Bach ist nun für etwa dreihundert Meter die Gemarkungsgrenze zwischen den beiden Stadtteilen. Auf seiner rechten Seite liegt dort die Flur Im Kirchgraben und auf der linken die Flur An der Heufahrt. Der Bach kreuzt dann die Wiesengrundstraße () und zieht danach am Ostrand von Schneidhain südsüdwestwärts durch die Flur Ober den kleinen Wiesen. Auf der rechten Seite steht dort etwa 70 Meter vom Bach entfernt im alten Ortskern des Straßendorfes die 1741 erbaute und zum evangelische Dekanat Kronberg gehörende Johanniskirche () mit einem kleinen Friedhof an der Nordseite. Südöstlich davon befindet sich ein kleines Audi-Museum () und südlich der Kirche steht das Gebäude des ehemaligen Schneidhainer Rathauses (), das heute als Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr dient. Der Bach läuft dann begleitet von dichtem Gehölz durch die Flur Am Dingweg, wo er früher am Südausgang von Schnaidhain die Schneidhainer Mühle () betrieb. Danach biegt er nach Ostsüdosten ab und schlägt einen kleinen Bogen durch die Flur Am Jägerhaus. Er verlässt dort das Fauna-Flora-Habitat und unterquert beim Baumateriallager der Stadt Königstein die B 455 (Wiesbadener Straße) () in Richtung Südsüdwesten.
Er zieht nun zwischen dem alten Ortskern von Schneidhain auf seiner rechten Seite und der früher zur ehemaligen selbständigen Gemeinde Altenhain gehörenden und 1972 an Schneidhain abgegebenen Siedlung Johanniswald auf der linken am Westrand eines Waldstreifens südwärts durch die Flur Unter der Mühle, passiert dann etwa hundert Meter später die Landkreisgrenze () vom Hochtaunuskreis nach dem Main-Taunus-Kreis und betritt dabei die Gemarkung des zur Gemeinde Bad Soden gehörenden Stadtteils Altenhain. Auf seiner linken Seite grenzt er dort an Mischwald und auf der anderen Seite an Grünland mit Feuchtwiesen. Knapp dreihundert Meter südlich zweigt dann auf seiner rechten Seite ein Graben () ab.
mini|links|Naturnaher Liederbach zwischen Schneidhain und Hornau Bach und dieser Graben fließen in der Flur Beidenauergrund südwärts durch ein noch recht enges Tal und vereinigen sich () nach etwa vierhundert Metern westlich der Anhöhe Mühlhell () wieder, in der Nähe eines kleinen Klärwerkes mit einem Klärteich. Ungefähr 300 Meter weiter westlich liegt die stillgelegte und früher zum Bergrevier Wiesbaden gehörende Eisengrube Diana ().
mini|Mündung des Braubaches (unten) in den Liederbach (fließt von links nach rechts) Der Liederbach fließt nun begleitet von einem Saum aus Büschen und Bäumen durch einen Grünlandstreifen am bewaldeten Osthang des Roten Bergs, der auch Rodenberg genannt wird, entlang. Auf dem in den niederen Lagen mit Misch- und in höheren mit Nadelwald bedeckten Berg befinden sich mehrere Hügelgräber.
Knapp zweihundert Meter bachabwärts zweigt auf seiner rechten Seite ein Mühlgraben () ab, der früher die 1618 vom pfälzischen Kurfürsten Friedrich V. genehmigte Beidenauermühle () auch Rote Mühle genannt, antrieb. Der Liederbach kreuzt dann den Mühlweg und schlängelt sich, gesäumt von starkem Gehölz, durch das Grünland der Flur Geschwin. Östlich davon liegt in der Flur Rosenheck ein größerer Gehölzkomplex, an den sich dann Ackerland anschließt. Kurz danach wird er bei der Flur Unterm Braubacher Feldchen auf seiner rechten Seite vom aus dem Nordwesten kommenden Braubach () gespeist.
Von der Mündung des Braubaches bis zur Mündung des Gimbaches Der Liederbach wechselt nun über die Stadtgrenze () von Bad Soden zur Möbelstadt Kelkheim, mäandert dann in der Gemarkung des alten, schon 874 erstmals urkundlich erwähnten Dorfes und heutigen Kelkheimer Stadtteils Hornau südwärts durch die Flur Im Geschenn und quert dort die Geschwenner Brücke (). Sein Tal hat sich schon merklich ausgeweitet und der Bach wird dort von dichtem Ufergehölz begleitet. Auf seiner linken Seite liegt der Gräberwald mit seinen Laubbäumen, gegenüber diesem Felder, denen sich dann westlich Streuobstwiesen anschließen. Nach der alten Karte von Nassau floss ihm dort auf der rechten Seite ein kleiner Wiesenbach zu.
mini|Chaisewegbrücke mit St. Nepomuk-Statue in Hornau In der Flur Schlenkersgrund unweit der Gagernhöhle (), im Volksmund auch Fuchshöhle genannt, erreicht der Bach beim Vereinsheim des Blasorchesters Kelkheim-Hornau e. V. den Nordrand von Hornau. Am kleinen Hornauer Wasserfall in der Flur Mühlwies zweigte früher nach links ein Mühlgraben ab, der die bis 1970 aktive Hornauer Mühle () in der heute Hornauer Straße genannten Langen Straße antrieb. Der Liederbach unterquert nun westlich einer Umspannstation den Gagernring (), läuft dann parallel zur Ofterdingenstraße in Richtung Süden und kreuzt danach die Hornauer Straße (). Östlich des Baches beginnt dort der alte Ortskern von Hornau mit sehenswerten alten Häusern. Der Liederbach fließt weiter an der 1952 eingeweihten katholischen St. Martinskirche () vorbei und unter der Chaisewegbrücke () (Rotlinthallee) hindurch. Oben auf der Brücke steht eine über zweihundert Jahre alte, im Barockstil erstellte Statue des Brückenheiligen St. Nepomuk.
mini|links|Das vor 1830 in klassizistischem Stil erbaute Gagernhaus Der Bach zieht nun an der rechts von ihm liegenden Gagernanlage () vorbei. Ihr gegenüber steht die 1725 erbaute Alte St. Martinskirche (), der Vorgängerbau der neuen Martinkirche, und südwestlich davon das 1830 im klassizistischen Stil erbaute Gagernhaus, das frühere Gesindehaus des Gutes Rotlinthof im Besitz des Freiherrn von Gagern war und seit 1954 von der Martinsgemeinde als Pfarrhaus genutzt wird. Südöstlich davon liegt das seit 1774 bestehende Gasthaus Zum Taunus. Der Liederbach kreuzt nun die Theresenstraße und läuft von Büschen und Bäumen gesäumt parallel zur Feldbergstraße rechts und der Straße In den Bleichwiesen links bis zum Dingesweg. Auf seiner linken Seite liegt dort knapp zweihundert Meter westlich und südlich der Hornauer Straße der 1822 errichtete Friedhof Hornau (). Dort befindet sich die Grabstätte der Familie von Gagern mit elf in zwei Reihen hintereinander stehenden Grabsteinen und Todesdaten von 1824 bis 1880.
Südlich des Dingesweges beginnt der Alte Stadtpark, auch Stadtpark Mühlengrund genannt., den der Bach am mit Streuobstwiesen bedeckten westlichen Hang des Atzelbergs () vorbei durchläuft. Im Park wechselt er in die Gemarkung von Kelkheim-Mitte über, an der Grenze zweigt nach links der Kleine Mühlgraben ab, während der Liederbach nun an einem auf seiner rechten Seite liegenden kleinen Fischteich vorbeifließt. Am Südausgang des Parkes liegt ebenfalls rechts die Katholische Kindertagesstätte und Krippe St. Franziskus.
mini|Verdolte Einmündung des Gimbaches in den Liederbach Danach trennt er, begleitet von dichtem Bewuchs, die Fluren Großer Mühlgrund am rechten und Kleiner Mühlgrund am linken Ufer und quert darauf die Liederbacher Straße. Der vorher dort unterirdisch verrohrt laufende Liederbach wurde im Jahre 2016 wieder freigelegt. Ungefähr zweihundert Meter östlich steht auf dem Mühlberg die 1909 im neuromanischen Baustil erbaute katholische Kloster- und Pfarrkirche St. Franziskus und das dazu gehörende ehemalige Franziskanerkloster. Etwas bachabwärts bei der Mühlstraße 21 stand bis zu ihrem Abriss im Jahre 1965 die Kelkheimer Fingersmühle. Der Bach unterquert nun die Weberstraße und kurz danach die Mühlstraße und läuft dann zwischen dem bachseitig von Ein- oder Zweifamilienhäuser gesäumten Merowingerweg im Westen und der diesem zu mit Doppelhaushälften bebauten Karolingerstraße im Osten in dichtem Gehölz südwärts. Nördlich der Wilhelm-Dichmann-Straße mündet von rechts und unterirdisch verdolt der aus dem Westen heranfließende Gimbach. Gut zweihundert Meter westlich in der Frankfurter Straße 21 befindet sich das Museum Kelkheim mit Exponaten zur Entwicklung des Schreinerhandwerks und der in Kelkheim ansässigen Möbelfirmen.
Von der Mündung des Gimbaches bis zur Mündung des Schmiehbaches mini|links|Blick nach Süden bachabwärts: Der Liederbach zwischen der Mühlstraße und der Wilhelm-Dichmann-Straße in Kelkheim