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Der Frankfurter Grüngürtel (abweichende Schreibweise der Stadt Frankfurt: GrünGürtel) ist ein rings um die Kernstadt von Frankfurt am Main verlaufendes System von Freiräumen. Er besteht aus drei unterschiedlichen Landschaften, dem Berger Rücken im Nordosten der Stadt, dem Niddatal auf dem gesamten Verlauf im Frankfurter Stadtgebiet im Westen und Norden sowie dem Frankfurter Stadtwald im Süden. Der Grüngürtel umfasst etwa 8.000 Hektar, was etwa einem Drittel des Frankfurter Stadtgebietes entspricht. Der Frankfurter Grüngürtel wurde 1991 als einer der ersten Grüngürtel der Welt mit einer Verfassung begründet.Grüngürtel-Verfassung vom 14. November 1991 Er ist Teil des 10.850 Hektar großen Landschaftsschutzgebiets Grüngürtel und Grünzüge in der Stadt Frankfurt am Main und größtenteils von städtischer Bebauung ausgenommen.Regierungspräsidium Darmstadt: vom 12. Mai 2010. Das Landschaftsschutzgebiet ist in zwei Zonen eingeteilt, die vor Bebauung und Nutzungsänderungen geschützt sind. Zone I umfasst Grünanlagen und Gärten sowie Sport-, Freizeit- und Erholungsanlagen, Zone II Wald- und Ackerflächen, Gehölze und Brachen, Wiesen sowie Auen- und Feuchtgebiete. Teile des Grüngürtels gehen nahtlos in den noch größeren Schutz- und Erholungsraum Regionalpark RheinMain über. Im Grüneburgpark, am Bornheimer Hang und im Ostpark sowie in der Sinai-Wildnis ziehen sich Ausläufer des Grüngürtels bis fast in die Innenstadt.Karte des Landschaftsschutzgebietes auf der Website der Stadt Frankfurt am Main.

Geschichte mini|Das Enkheimer Ried im Stadtteil Bergen-Enkheim mini|Naturschutzgebiet Riedwiese an der Grenze von Niederursel und Heddernheim mini|Renaturierter Teil des Alten Bonameser Flugplatzes

Der Frankfurter Grüngürtel erstreckt sich auf landwirtschaftlichen Flächen, Feuchtgebieten und Wäldern, die bei der Expansion der Stadt im 19. und 20. Jahrhundert ausgespart blieben. Bis ins 19. Jahrhundert beschränkte sich die bebaute Fläche des Stadtgebiets auf die kaum zwei Quadratkilometer innerhalb der Frankfurter Stadtmauern. Außerhalb der Stadtmauern lag die Gemarkung, ein etwa drei Kilometer breiter, vorwiegend landwirtschaftlich genutzter Geländestreifen. Er bestand hauptsächlich aus Gärten, Streuobstwiesen und Weinbergen, dazwischen immer wieder Gehölze und Brachflächen wie das Knoblauchsfeld im Nordosten der Stadt, wo die für die Wasserversorgung der Stadt lebenswichtigen Quellen lagen. Das Territorium der Stadt wurde durch die Frankfurter Landwehr begrenzt und vor Übergriffen aus den benachbarten Gebieten geschützt. Die Ackerflächen wurden nach einer seit alters her überlieferten Flurverfassung bewirtschaftet, deren Grundlage die mittelalterliche Dreifelderwirtschaft war. Ein Teil des Geländes war mit Sommergetreide bestellt, ein Teil mit Wintergetreide, während der dritte Teil brachlag.

Im Süden der Stadt erstreckte sich der Frankfurter Stadtwald, der seit 1372 zum städtischen Territorium gehörte. Er diente vor allem der Versorgung der Stadt mit Brennstoff und Bauholz, aber auch der Schweinemast. Im Osten der Stadt lag das Fischerfeld, eine sumpfige, in jedem Frühjahr überschwemmte Flussniederung. Das ganze Gebiet zwischen dem Bornheimer Hang, dem Berger Rücken und dem Main war noch im Mittelalter eine von Nebenarmen und Altgewässern durchzogene Auenlandschaft gewesen, die erst nach und nach trockengelegt wurde. Reste der Auen sind heute noch im Seckbacher Ried und im Enkheimer Ried vorhanden.

Nach der Niederlegung der Stadtmauern entstand auf den alten Befestigungsanlagen eine Parkanlage, die Frankfurter Wallanlagen. Entlang der Landstraßen, die von den ehemaligen Stadttoren in die Nachbarorte führten, dehnte sich die Bebauung allmählich aus. Ab 1839 bis in die 1860er Jahre entstanden zahlreiche Eisenbahnstrecken, die Frankfurt mit dem Umland verbanden. Ende des 19. Jahrhunderts war fast das gesamte Stadtgebiet innerhalb der ehemaligen Landwehr bebaut, bis auf in Privatbesitz befindliche Parkanlagen, wie Palmengarten, Grüneburgpark, Holzhausenpark und Günthersburgpark, und den Hauptfriedhof. Gleichzeitig wuchsen auch die ehemaligen Dörfer und Kleinstädte im Frankfurter Umland. Zwischen 1895 und 1910 wurde der Landkreis Frankfurt mit seinen 15 Gemeinden in mehreren Schritten nach Frankfurt eingemeindet. Damit kamen große Teile des Niddatals und des Berger Rückens zum Stadtgebiet.

Östlich und westlich des alten Stadtkerns um den Osthafen und den Westhafen sowie in Höchst, Bockenheim, Griesheim und Fechenheim entstanden Industriegebiete, die wiederum Wohnsiedlungen für die Industriearbeiter benötigten, beispielsweise im Riederwald. Das Riederbruch, ein verlandeter Mainarm zwischen Osthafen und Bornheimer Hang, wurde zum Erholungsgebiet Ostpark umgestaltet.

Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte, trotz großer Anstrengungen im Wohnungsbau, erhebliche Wohnungsnot in der dichtbesiedelten und sanierungsbedürftigen Altstadt. Der von der Gartenstadtbewegung beeinflusste Stadtbaurat Ernst May plante ab 1925 das Projekt Neues Frankfurt. Auf bisherigen Freiflächen an der Nidda, auf dem Bornheimer Hang sowie in Sachsenhausen und Niederrad entstanden zwischen 1926 und 1932 sieben neue Wohnsiedlungen mit etwa 8.000 Wohneinheiten. Gleichzeitig schuf Gartenbaudirektor Max Bromme ein System von Volksparks und Grünanlagen an der Peripherie der Stadt, das erstmals „Grüngürtel“ genannt wurde. Er erweiterte die städtischen Grünanlagen von 200 auf 450 Hektar, darunter den Huthpark, den Lohrpark mit dem Weinberg Lohrberger Hang, den Solmspark und den Brentanopark in Rödelheim. Seit der Eingemeindung der westlichen Vororte um die Stadt Höchst 1928 gehörten weitere große Grünflächen im Niddatal, im Schwanheimer Unterfeld und der Schwanheimer Wald zum Stadtgebiet. Der Lauf der Nidda zwischen Eschersheim und der Mündung wurde 1926 und 1931 reguliert, um die Hochwassergefahr zu verringern und das Niddatal als Erholungsraum und für die Landwirtschaft nutzen zu können.Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Stadtgewässer – Flüsse, Bäche, Altarme entdecken, S. 59: Altarme Nidda – Historie. Frankfurt 2004. Aus den vorher zahlreichen Mäandern entstanden Altarme, während das Flussbett begradigt und tiefer gelegt wurde. Ab 1934 wurde die Trasse der Reichsautobahn Frankfurt-Darmstadt, die heutige A 5, durch den Stadtwald gebaut. Westlich der Autobahntrasse wurden 600 Hektar Stadtwald für den Bau des Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main gerodet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden zahlreiche neue Siedlungen auf ehemaligen landwirtschaftlichen Nutzflächen, darunter die Nordweststadt. 1962 erhielt die Stadt die Ausrichtung der Bundesgartenschau 1969 zugesprochen.Stadtchronik 11. Januar 1962, Institut für Stadtgeschichte Sie plante, dafür das Niddatal zu einem Erholungsgebiet auszubauen. Wegen der Finanznot der Stadt sagte der Magistrat im September 1965 die Veranstaltung ab. Bis 1964 wuchs der Flughafen auf etwa die doppelte Fläche der Vorkriegszeit an. Schon 1968 begann das Planfeststellungsverfahren für den Bau der Startbahn West. Gleichzeitig bestanden Pläne für den Bau einer Trabantenstadt für 75.000 Einwohner auf dem Heiligenstock im Nordosten der Stadt. mini|Till Behrens 1970/71: „Die Frankfurter Grüngürtel + Mainuferquerspange“ Als „Rahmengebendes Gesamtkonzept für Frankfurt“. mini|Till Behrens 1970/71 „Frankfurt am Main vom Chaos zur Idealstadt“. Übergeordnete Konzeption zum Wieder-Bewohnbar-Machen von Frankfurt auf klimatischer Grundlage. Seit den 1970er Jahren gab es gegen den ungebremsten Landschaftsverbrauch zunehmend Bürgerproteste, beispielsweise gegen den Bau der Startbahn West und die Planung der A 66 im Stadtgebiet. Der Architekt und Stadtplaner Till Behrens setzte sich ab den 1960er Jahren mit Nachdruck für neue Zuordnungen von Bebauung zu Freiraum ein.Till Behrens: Vom Chaos zur Idealstadt. mit Vorwort der Architektenkammer Hessen. In: Deutsches Architektenblatt. DAB 5/91, 11 Abb. f. 1970/71 entwickelt er ein Konzept für einen „Dritten Grüngürtel mit Mainuferspange“. Als ersten Grüngürtel bezeichnete er die Wallanlagen, als zweiten den Alleenring.Stadt Frankfurt am Main, Dezernat für Umwelt, Gesundheit und Personal (Hrsg.): 20 Jahre GrünGürtel Frankfurt – Menschen, Daten und Projekte – 1991–2001. Festschrift. , Seite 5 Sein Konzept sah vor, vorhandene Restgrünflächen zu durchgehenden Landschaftsbändern zu verbinden und sie beidseitig mit Randbebauung zu begleiten. Sein Entwurf sollte urbane und ländliche Räume trennen. Die land-, forst- und wasserwirtschaftlich gepflegten Produktions-, Belüftungs- und Erholungsflächen zwischen den „Wohnbändern“ sollte Landwirten die Existenz und den Steuerzahlern fast kostenfreie fachmännische Freiraumpflege sichern.Till Behrens: Grüngürtel – wachstumsorientierte Stadtpolitik und zusammenhängende Grünräume. Frankfurt am Main 1988 – Ders.: Grüngürtel – Frankfurt am Main – Die Stadt wieder bewohnbar machen. Walldorf/Hessen 1992, S. 42.

Die hessische Landesregierung zeichnete Behrens’ Konzept 1991 als „Rahmengebendes Gesamtkonzept…“Hessischer Landeswettbewerb 1990,91 – „Ortsränder und Ortseingänge“ Mitglieder der Landesbewertungskommission B 2 (Verteiler –VC 11 – 61 d 02-37 – 1-90), Hessisches Ministerium des Innern in Zusammenarbeit mit: dem Hessischen Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz, dem Hessischen Städtetag, dem Hessischen Gemeindebund und dem Hessischen Landkreistag, Landessieger Till Behrens, Frankfurt am Main, mit „Grüngürtel“. aus. In den folgenden Jahren kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Behrens und der Frankfurter Stadtverwaltung, da der Planer der Stadt vorwarf, über das Grüngürtel-Projekt-Büro willkürlich über ihr nicht gehörendes geistiges Eigentum zu verfügen. Heute ist Till Behrens Beitrag zur Entwicklung des Grüngürtels anerkannt.Stadt Frankfurt am Main (Hrsg.): 20 Jahre GrünGürtel Frankfurt, Menschen, Daten und Projekte. Frankfurt, 2011, S. 6.

Letztlich entwickelte die Stadt Frankfurt die Grüngürtel-Idee weiter und setzte sie politisch um. Für die Bundesgartenschau 1989 wurde eine 168 Hektar große Fläche im Niddatal zwischen Römerstadt, Ginnheim, Hausen und Praunheim zum Volkspark Niddatal umgestaltet. Zuvor waren etwa 70 Prozent der überwiegend landwirtschaftlich genutzten Fläche in Privatbesitz gewesen. Wegen der umstrittenen Großveranstaltung war es in den 1980er Jahren zu kommunalpolitischen Auseinandersetzungen und öffentlichen Protesten gekommen. Nach Ende der Gartenschau wurden wie geplant alle dafür errichteten Kunstbauten zurückgebaut.

Der damalige Umweltdezernent Tom Koenigs erwirkte am 14. November 1991 einen einstimmigen Beschluss der Frankfurter Stadtverordneten für die Grüngürtel-Verfassung. Die Grüngürtel-Verfassung beinhaltet unter anderem einen Plan mit den Grenzen des Grüngürtels, eine Grüngürtel-Charta, in der die Ziele festgehalten sind, sowie eine Verpflichtung des Magistrats, die zur öffentlich-rechtlichen Sicherung des Grüngürtels notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Der Grüngürtel ist deshalb seit 1994 durch eine auf Antrag der Stadt erlassene Landschaftsschutzgebietverordnung des Regierungspräsidiums Darmstadt geschützt. Die Verfassung lässt zu, dass die Stadtverordneten beschließen, Teile aus dem GrünGürtel zu entnehmen, allerdings nur, wenn ein in Größe und Fläche gleichwertiger Ersatz zur Gesamtfläche hinzugefügt wird.Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt, Projektgruppe GrünGürtel (Hrsg.): Kreuz und Quer durch den Frankfurter GrünGürtel. Cocon-Verlag, Hanau 2011, S. 271.

Lage und Verlauf Von den rund 8000 Hektar des Frankfurter Grüngürtels entfallen 50 % auf Wald, 20 % auf landwirtschaftliche Flächen, 10 % auf Freizeitgärten und Kleingartenanlagen, 4 % auf öffentliche Parks, 4 % auf Sportflächen, 3 % auf Streuobstwiesen und 1 % auf Naturschutzgebiete. Etwa 8 % sind Verkehrsflächen. Etwa zwei Drittel der Flächen liegen im Eigentum der Stadt Frankfurt.