mini|hochkant=0.8|Rathaus Lützschena mini|Wasserkraftwerk an der Elster in Lützschena neben dem Schloss

Lützschena-Stahmeln ist ein Ortsteil im Stadtbezirk Nordwest von Leipzig.

Geografie Lage Lützschena-Stahmeln umfasst die Gemarkungen Hänichen, Lützschena, Quasnitz und Stahmeln (mit den alten Ortskernen und dem Industrie- und Gewerbepark). Es liegt an den Flüssen Weiße Elster und Neue Luppe und erstreckt sich entlang der Halleschen Straße und der Weißen Elster. Deutlich sichtbar trennt der Verlauf der Halleschen Straße zwei unterschiedliche Landschafts- und Vegetationsgebiete: nördlich das erhöhte Grundmoränenplateau der Eiszeit und südlich das Urstromtal der Elster-Luppe-Aue.

Gewässer mini|Neue Luppe mit Hainkirch- und Bismarckturm im Hintergrund mini|Stahmelner Mühle Die Landschaft von Lützschena-Stahmeln wird geprägt im Süden durch die zwei Flüsse Weiße Elster und Luppe, die fast parallel das Gebiet von Ost nach West durchziehen. Mitte der dreißiger Jahre erfolgte die Hochwasserregulierung als Elster-Luppe-Regulierung durch die Zusammenfassung der Hochwässer von Weißer Elster und Luppe in einer breiten Flutrinne, genannt Elsterflutbecken. Diese erstreckt sich vom Elsterbecken über Lützschena-Stahmeln bis nach Schkeuditz-Dölzig. Aufgrund des geschlängelten Flussverlaufs der Weißen Elster hatte die Mühle in Stahmeln den Nachteil, dass bei Hochwasser ein Rückstau im Unterwasser der Mühle entstand. Dies verringerte die Wasserkraft und damit die Leistung der Mühle. Um diesen Nachteil zu beheben, beteiligten sich der damalige Mühlenbesitzer finanziell an einer Regulierung der Weißen Elster.PRO LEIPZIG e. V. (Hrsg.): Stahmeln – Eine historische und städtebauliche Studie. 2000, S. 47, 50 mini|links|Weiße Elster zwischen Schlossbrücke und Lützschenaer Mühle Während die beiden wichtigsten Fließgewässer Weiße Elster und Luppe in den letzten 60 Jahren kaum eine Veränderung erfahren haben, sind doch viele mittlere und kleine Fließgewässer verschwunden (ausgetrocknet) oder verrohrt worden. Zur Wiederherstellung der Gewässer soll eine Reaktivierung der kleinen Fließgewässer erfolgen. So wurden Ende der 90er-Jahre der verrohrte Jäger- und der Bahngraben wieder ans Tageslicht gebracht und mit Sträuchern gepflanzt.PRO LEIPZIG e. V. (Hrsg.): Stahmeln – Eine historische und städtebauliche Studie. 2000, S. 50–52

Geschichte Frühgeschichte Lützschena und Stahmeln gehören zu den Dörfern entlang der Elster-Luppe-Aue, die schon seit Urzeiten bewohnt waren. Funde aus der jüngeren Steinzeit, der Bronze- und der Eisenzeit, aus der näheren Umgebung sind Zeugen erster menschlicher Behausungen. Seit Beginn unserer Zeitrechnung besiedelten die aus dem Harz kommenden germanischen Hermunduren dieses Gebiet. Im Zuge der Völkerwanderung wurden sie von den Sorben nach Westen verdrängt, die seit etwa 600 n. Chr. in dieser Gegend lebten. Die Ortsnamen einiger Ortsteile sind Zeugen ihrer Besiedlung.Zur Geschichte von Lützschena. Website der Ortschaft Lützschena-Stahmeln. Abgerufen am 21. August 2014. So stammt der Name Lützschena von der slawischen Bezeichnung Łučěne „Wiesenbewohner“, zu łuka „(feuchte) Wiese, Sumpf“. In den Quellen erscheint er 1278 zuerst als Luzsene. Stahmeln ist vermutlich zwischen 600 und 800 durch Sorben entstanden, die sich an den Flüssen Elster und Luppe niederließen und die Siedlung gründeten. Der Name stammt entweder vom niederdeutschen stage-mől „Pfahl-Mühle“ (vgl. Erstbeleg 1462 als Stagemol) oder vom sorbischen Wort stahmil, was so viel bedeutet wie „Ort des Schaffensfrohen“. Quasnitz, zuerst 1271 als Quazniz belegt, geht auf den slawischen Begriff kwaśny „sauer“ zurück, entweder bezogen auf sauren Boden oder einen von „sauer“ abgeleiteten Personennamen. Hänichen schließlich ist zuerst im Jahre 1337 sicher belegt (Heynigen). Der Name ist eine Verkleinerungsform von Hagen, steht also für eine Einfriedung durch Hecken. Seit 960 wurde die deutsche Herrschaft von Otto dem Großen gefestigt, was zu der Gründung des Bistums Merseburg führte, zudem auch Stahmeln gehörte. Menschen verschiedener Völker wie Sachsen, Thüringer und Niederländer siedelten sich an und vermischten sich mit der sorbischen Bevölkerung.Vera Denzer, Andreas Dix, Haik Thomas Porada (Hg.): Leipzig. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Leipzig (= Landschaften in Deutschland, Bd. 78). Köln, Weimar, Wien 2015. S. 193–194, 197, 199.PRO LEIPZIG e. V. (Hrsg.): Stahmeln – Eine historische und städtebauliche Studie. 2000, S. 4

Mittelalter mini|Lützschenaer Mühle (1790) 1486 wird die Mühle in Lützschena erstmals erwähnt. Nach den Aufzeichnungen des Ratsarchivs von Leipzig existierte sie aber bereits früher.PRO LEIPZIG e. V. (Hrsg.): Stahmeln – Eine historische und städtebauliche Studie. 2000, S. 4–5 Lützschena und Stahmeln gehörten bis 1815 zum hochstift-merseburgischen Amt Schkeuditz, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.

Neuere Geschichte mini|links|Lützschenaer Schloss im 19. Jahrhundert mini|hochkant|Lützschena auf einer Karte von 1863 mini|Stahmeln auf einer Karte von 1863 mini|Schloss, Parkseite mini|Weiße Brücke am Schlosspark

Lützschena blieb ein kleines Dörfchen. Fast jährlich wurde es von den Flüssen Elster und Luppe überschwemmt. Um 1750 wohnten hier 15 Besitzende und einige Häusler. Die Entwicklung des Ortes nahm großen Aufschwung, als der reiche Leipziger Kaufmann Maximilian Speck nach Lützschena kam. Die Gerichtsbarkeit lag beim Rittergut Wahren, an die die Bauern ihre Abgaben und Dienste leisten mussten. 1822 kaufte er das verschuldete Rittergut mit Brauerei und allen Ländereien Frau von Klengel, geb. von Uechtritz, ab. Maximilian Speck war Wollhändler. Er wollte seine eigenen Schafe züchten und fand hier das geeignete Domizil. Seine damals gebauten Schafställe sind heute noch erhalten. Nicht nur in Sachsen züchtete Maximilian Speck Schafe; er führte die Schafzucht auch in Russland und später in Bayern ein. Vom russischen Zaren wurde er dafür geadelt und der bayrische König Ludwig I. verlieh ihm den Freiherrntitel. Freiherr Maximilian Speck von Sternburg brachte von Bayern nicht nur die Bierbrauereikunst, sondern auch einen bayrischen Braumeister mit. 1834 verlegte er die alte Hausbrauerei vom Gutshof auf das jetzige Brauereigelände nördlich der heutigen Leipziger Straße und ließ sie nach dem Vorbild modernster Münchner Brauereien neu erbauen. Seine Nachfahren vergrößerten die Brauerei und führten moderne Technologien ein. Auch nach der Verstaatlichung 1945 blieb die Brauerei Sternburg größter Arbeitgeber der Region. Bis zur Wende wurde in Lützschena das bekannte Sternburg Bier gebraut. Freiherr Maximilian Speck von Sternburg ließ auch den Schlosspark zu einem englischen Garten umgestalten.Schlosspark, schloss-luetzschena.de

Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses wurde der Westteil des Amts Schkeuditz im Jahr 1815 an Preußen abgetreten. Lützschena und Stahmeln verblieben mit dem Ostteil beim Königreich Sachsen und wurden dem Kreisamt Leipzig angegliedert. Ab 1856 gehörten die Orte zum Gerichtsamt Leipzig II und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig. In Stahmeln wohnten um 1829 etwa 110 Einwohner in 27 Häusern. Eine eigene Schule konnte man sich nicht leisten. Erst am 30. Juni 1898 wurde Stahmeln selbständiger Schulbezirk und bekam eine eigene Schule. Durch seine Lage an der Halleschen Straße hatte Stahmeln genau wie die Nachbarorte besonders zu Kriegszeiten hart unter Plünderungen durchziehender Truppen zu leiden. Zur Leipziger Völkerschlacht, im Oktober 1813, wurde der Ort von den Verbündeten total verwüstet. Der Bauernsteg, eine bewegliche Brücke hinter der Mühle, lag im Wasser und wurde erst Tage später wieder eingehängt. Diese Brücke war damals die einzige Möglichkeit für die Bauern, bei Gefahr unentdeckt in die Auenwälder zu entkommen. Nach dem Bau der neuen Elsterbrücke im Jahre 1850 verlor der Bauernsteg seine Bedeutung und wurde abgerissen.Zur Geschichte von Stahmeln. Website der Ortschaft Lützschena-Stahmeln. Abgerufen am 21. August 2014.

Vom Ersten Weltkrieg bis ins 21. Jahrhundert mini|Bismarckturm Eine Senf- und Essigfabrik, eine Wollfabrik und eine Maltuchfabrik siedelten sich ebenfalls an. Im Norden entstand an der Eisenbahnstrecke Halle–Leipzig ein Rangierbahnhof, viele Bahnangestellte zogen nach Stahmeln. Stahmelner Bürger arbeiteten in den neu entstandenen Industriebetrieben wie den Pittler-Werken oder der Mitteldeutschen Seifenfabrik im benachbarten Wahren. Die Landwirtschaft ging zurück. Von den fünf ehemaligen Bauerngütern wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch das Rauersche Erbgut bewirtschaftet. Aber die Stahmelner wollten nicht ganz auf ihre Beziehung zur Natur verzichten. Die zahlreich abgebauten Sandgruben in der Umgebung erfüllten einen guten Zweck als Gartenanlagen. Durch den Bau der Auenblicksiedlung dehnte sich Stahmeln nach 1936 auch nördlich der Halleschen Straße aus. Die anfangs gewachsene Bevölkerungszahl ging allerdings nach dem Krieg durch Abwanderung wieder zurück.

Lützschena und sein Bier mini|Gelände der ehemaligen Sternburg-Brauerei

Lützschena und Bier – diese Einheit hätte vor Jahren niemand ernsthaft bestritten. Und noch heute bestimmt die Silhouette der ehemaligen Brauerei mit der grünen Kuppel des Sudhauses und dem Uhrenturm des Werkstattgebäudes die Landschaft, egal aus welcher Richtung man sich dem Ort nähert. 1785 wurde das Privileg erteilt, Bier zu brauen und zu verkaufen.Lützschena und sein Bier. Website der Ortschaft Lützschena-Stahmeln. Abgerufen am 21. August 2014.

Am 15. Mai 1991 wurde letztmals in Lützschena Bier gebraut, anschließend nur noch abgefüllt und ausgeliefert. Am 31. August 1991 wurde die Brauerei trotz der Besetzung durch die Belegschaft, Einsprüchen des Gemeinderates und der evangelischen Kirchgemeinde Lützschena endgültig geschlossen. Bereits vorher wurde mit der Verlagerung der Fassabfüllanlage nach Reudnitz mit der Demontage der Ausrüstungen begonnen. Was noch brauchbar war, wurde entweder nach Reudnitz geschafft oder verkauft, der Rest verschrottet oder auf den Müll geworfen. Von der Belegschaft sollten lediglich 50 Mitarbeiter bis 1993 in Reudnitz weiter beschäftigt werden, alle übrigen wurden im August 1991 entlassen.

Das Kesselhaus und die Ölbehälter wurden abgerissen, am 16. Februar 1995 der Schornstein gesprengt, mit dem Abbruch des Flaschenkellers wurde begonnen. Übrig geblieben ist eine Industriebrache, die immer mehr verfällt. Auch bei den denkmalgeschützten Gebäuden Sudhaus, Werkstatt und Garagen ist durch unterlassene Pflege ein Zustand eingetreten, der am Ende den Abriss unvermeidlich erscheinen lässt. Pläne der Brau und Brunnen AG aus dem Jahre 1996, auf dem Brauereigelände unter Einbeziehung der denkmalgeschützten Bauten ein Gemeindezentrum (Wohn-, Gewerbe-, Verwaltungs- und Dienstleistungsflächen) entstehen zu lassen, scheiterten bisher daran, dass angeblich kein Investor gefunden wurde, der die Fläche übernimmt und bebaut.

Bevölkerung Jahr Einwohner 2000 3919 2005 4095 2010 3982 2015 3944 2020 4212 2025 4224

Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres

Politik Ortschaftsrat Zusammen mit der Wahl des Leipziger Stadtrates findet in den Ortschaften die Wahl der Mitglieder des Ortschaftsrates statt.

Die Ortschaftsratswahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Bürgerinitiative 1990 (BI 90) 53,0 % 4 AfD 23,3 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 8,7 % 1 SPD 7,8 % 1 CDU 7,1 % – Insgesamt 100 % 7

Wahlergebnisse 1999 bis 2019