Rote Erde ist eine deutsche Fernsehfilm-Reihe in 13 Teilen (Spieldauer insgesamt ca. 15 Stunden), die 1983 (Erste Staffel: Rote Erde, 9 Teile) und 1989 (Zweite Staffel: Rote Erde II, 4 Teile) unter der Regie von Klaus Emmerich entstanden ist. Die Kamera führten Joseph Vilsmaier und Theo Bierkens. Die Titelmusik komponierte Irmin Schmidt.
Gegenstand der Reihe ist die Geschichte einer fiktiven Bergarbeiterfamilie im Ruhrgebiet über einen Zeitraum von etwa 70 Jahren zwischen dem Ende des 19. und der Mitte des 20. Jahrhunderts, vor dem Hintergrund der Geschichte des Deutschen Reiches vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zum Ende der NS-Diktatur.
Gedreht wurde in den Studios der Bavaria Film.
1984 erhielten Peter Stripp und Klaus Emmerich bei der Verleihung des Adolf-Grimme-Preises eine ehrende Anerkennung für die Serie.
Inhalt Rote Erde Der Bauer Bruno Kruska kommt, von Werbern angelockt, mit 17 Jahren aus Pommern ins Ruhrgebiet, um dort als Bergmann auf der Zeche Siegfried zu arbeiten. Zunächst als Schlepper, später als Hauer, findet Bruno die erhoffte Arbeit und wird Zeuge der sich um die Zeche Siegfried entwickelnden Geschehnisse vor der Jahrhundertwende. Er heiratet Pauline, die Tochter des Bergmanns Friedrich Bötzkes. Dessen Sohn Karl entwickelt sich in der Kaiserzeit zum Sozialdemokraten, überwirft sich mit seinem Vater und verlässt die Familie. Er wird Gewerkschaftsfunktionär und schließlich Reichstagsabgeordneter. Bruno steht den Aktivitäten der Sozialdemokraten kritisch gegenüber und lässt sich nicht vereinnahmen. Er wird zum Ersten Weltkrieg eingezogen, aber als für den Bergbau nicht entbehrlich wieder von der Front zurückgerufen.
Brunos Frau Pauline sympathisiert während des Krieges sowohl mit den Sozialdemokraten als auch den Spartakisten, was Bruno nicht wirklich unterstützt, aber auch nicht ablehnt. Am Ende dieses ersten Teils der Saga dankt der Kaiser ab, und die Bergleute, unter ihnen Bruno und sein Freund, der Bergmann Otto Schablowski, besetzen die Zeche und fordern deren Verstaatlichung. Dass sie sich damit nicht durchsetzen konnten, wird in der filmischen Darstellung nur angedeutet.
Rote Erde II Max Kruska, Sohn von Bruno Kruska, erlebt die Depression und – auch eigene – Arbeitslosigkeit nach dem Ersten Weltkrieg. Die Zeche Siegfried ist von Franzosen besetzt und die Kohleförderung dient vornehmlich der Reparation. Max ist angetan von den Versprechungen der Nationalsozialisten und Adolf Hitlers und tritt in die NSDAP ein. Auf der Zeche, an der Max wieder anlegen konnte, hält der Fortschritt Einzug. Aber Max kommen Zweifel am nationalsozialistischen Deutschland; als sein Onkel Karl und sein Schwager Richard inhaftiert werden, wendet er sich von der vormals mitgetragenen Politik ab. Er unterstützt fortan die ihm unter Tage unterstehenden Zwangsarbeiter und hofft, dass der Krieg baldmöglichst ende. Doch die Ermordung eines jungen russischen Zwangsarbeiters auf der Zeche, die Max mit angesehen hat, verstärkt seinen Zorn gegenüber dem Regime nochmals. Schließlich verhindert Max gemeinsam mit seinem inzwischen aus der Haft entlassenen Schwager Richard, dass am Ende des Krieges die Zeche Siegfried von der Wehrmacht zerstört wird.
Die Erzählung endet damit, dass die Zeche einige Jahre später aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen und der Förderturm gesprengt wird.
Personen
Bruno Kruska Bruno Kruska (Claude-Oliver Rudolph) kommt zu Beginn der Serie als 17-jähriger Sohn pommerscher Bauern ins Ruhrgebiet und beginnt zuerst über Tage, später auch unter Tage in der Zeche Siegfried zu arbeiten. Er freundet sich schnell mit Otto Schablowski und der Familie Boetzkes an. Zunächst kommt er in einem Gemeinschaftsschlafsaal der Bergleute unter, zieht später als Schlafbursche bei Erna Stanek ein und wohnt nach seiner Militärzeit mit seiner neuen Familie zusammen. Bereits in einer seiner ersten Schichten unter Tage werden er und Friedrich Boetzkes im Flöz vom herabstürzenden Bruch eingeschlossen; beide können jedoch nach stundenlanger Arbeit wohlbehalten gerettet werden. Obwohl er ebenfalls eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen fordert, unterstützt er die Streiks der anderen Kumpel eher widerwillig. Er sieht in einem gemeinsamen Interessenverband aller Zechenarbeiter im Revier (Gewerkschaft) ein leichtes Ziel für die Unternehmerverbände, weshalb sich die Arbeiterschaft seiner Meinung nach lediglich im eigenen Betrieb organisieren sollte. Als sein Freund Herbert Boetzkes während des Streiks vom Steiger Bärwald erschossen wird, nutzt Bruno die nächste Gelegenheit, den Steiger in den Blindschacht zu stürzen und ihn so zu töten. Nach seiner Militärzeit heiratet er Pauline Botzkes. Dies sorgt zunächst für einige Probleme, da er selbst evangelisch ist, Pauline hingegen katholisch. Keiner der beiden will konvertieren, wodurch eine kirchliche Trauung nicht möglich ist, was wiederum den strenggläubigen Friedrich dazu veranlasst, seine Tochter kurzzeitig zu verstoßen. Kurz vor der Jahrhundertwende kommt ihr Sohn Max auf die Welt, während Bruno durch den Grubenbrand lange Zeit vermisst wird. Zwischen den Folgen „Die Grube brennt“ und „Die Kandidaten“ wird zudem die Tochter Franziska geboren. Später besucht er die Bergschule, um selbst Steiger zu werden. Da zur selben Zeit sein Schwager Karl gegen den Grubeneigner Rewandowski um ein Mandat im Reichstag kämpft, und Bruno unterstellt wird, seinen Posten als gewählter Vertrauensmann für Wahlzwecke zu missbrauchen (tatsächlich tut er nichts Derartiges, sondern stellt sich lediglich schützend vor Pauline, die auf dem Zechengelände unerlaubter Weise Flugblätter verteilte), darf er seine Ausbildung nicht fortsetzen. Bruno entrinnt 1912 zum dritten Mal nur knapp dem Tod, als er mit einem Presslufthammer beim Kohlehauen eine Gasblase trifft und auf Grund der schlechten Wetterführung ohnmächtig wird. Zusammen mit seinem Schlepper Rudi kann er jedoch gerettet werden. Den Ersten Weltkrieg übersteht er ohne Folgen und wird als erfahrener Bergmann zurück zur Zeche gerufen, da es dort an kräftigen Arbeitern fehlt. Nach dem Krieg streben die Arbeiter eine Räterepublik an und besetzen die Zeche, in der Hoffnung, so politischen Einfluss nehmen zu können. Bruno ist in dieser Zeitspanne Betriebsführer der Zeche, die jedoch durch den Einsatz von Militär von den Arbeitern zurückerobert wird.
In der zweiten Staffel liegt Bruno auf der Krankenstation der Zeche, um seine Staublunge auszukurieren. Da er diese Ruhe jedoch nicht aushält, fährt er weiterhin ein. Die sich zuspitzenden Streite zwischen den Kommunisten, Sozialdemokraten und Nationalsozialisten lehnt er ab und bleibt selbst weitgehend unpolitisch. Den Tod seines Freundes Otto, dessen Leiche er identifizieren musste, kann er nicht überwinden. Gegenüber seinem Sohn und den anderen Kumpeln behauptet er, gelogen zu haben, die ihm gezeigte Leiche sei nicht die seines besten Freundes gewesen. In die Wunschvorstellung, Otto sei noch am Leben, steigert sich Bruno so sehr hinein, dass es ihm letztendlich zum Verhängnis wird: Als er unter Tage eine Wetterkontrolle durchführt, erblickt er im Alten Mann ein Leuchten, von dem er überzeugt ist, es wäre sein verstorbener Freund. Er klettert hinein und wird verschüttet. Später können ihn sein Sohn Max und dessen Freund Jupp Kowalla zwar befreien, doch erliegt Bruno letzten Endes seinen Verletzungen. Sein Trauerzug wird jäh unterbrochen, als ein gleichzeitig in der Siedlung stattfindender Demonstrationsmarsch der Antifaschistischen Aktion von Mitgliedern der Sturmabteilung unter Führung des Reviersteigers Martin Stanek angegriffen wird.
Otto Schablowski Otto Schablowski (Ralf Richter) ist wie Bruno Sohn pommerscher Bauern, jedoch schon einige Zeit länger als Bergmann tätig. Sein großer Traum ist es, genug Geld zu sparen, um sich in seiner alten Heimat ein eigenes Stück Land kaufen zu können. Er wird Brunos bester Freund und bringt ihm das Bergmannshandwerk bei. Er ist ausgesprochen kameradschaftlich und legt sich zu Gunsten seiner Kollegen auch gerne einmal mit dem Steiger an. Um die allgemeinen Arbeitsbedingungen zu verbessern, ist er einer der Wortführer während des Streiks. In der ersten Folge „Die erste Schicht: Lebendig begraben“ arbeitet er unermüdlich daran, Bruno und Friedrich Boetzkes wieder freizuschaufeln. Als während des Streiks den Familien das Geld ausgeht, sich Essen kaufen zu können, gibt Otto seine gesammelten Ersparnisse her, damit der Streik nicht abbricht. In der Folge „Bruno und Pauline“ will er einen Arbeiter vor der menschenverachtenden Art eines Aufsehers beschützen, indem er diesen ohrfeigt. Daraufhin muss er ins Gefängnis. Er kann jedoch ausbrechen und versteckt sich bei Erna Stanek. Als der Grubenbrand ausbricht, verlässt er sein Versteck, um seinen Kameraden zu helfen. Nach dem Brand wird er erneut inhaftiert und sitzt den Rest seiner Strafe ab. Hiernach legt er auf einem Pütt in Belgien an. Auch er zieht in den Krieg, kehrt nach dessen Ende zur Zeche Siegfried zurück und hilft bei ihrer Besetzung. Einer Aussage Ernas gegenüber Bruno zufolge ist Otto der Vater einer totgeborenen Tochter, die acht Monate nach dem Beginn seiner Militärzeit zur Welt kam. Das Kind könnte jedoch ebenso von Bruno stammen, Erna ist sich in diesem Fall selbst nicht sicher.
In der zweiten Staffel ist Otto, anders als sein bester Freund Bruno, von einer schweren Staublunge verschont geblieben. Außerdem gehört er zu den wenigen Bergleuten, die weiterhin einfahren. Otto lehnt es dennoch strikt ab, für die Franzosen Kohle fördern zu müssen. Während der Ruhrbesetzung verübt er deshalb mit gestohlenem Dynamit ein Attentat auf ein französisches Munitionsdepot, bei dem er vermutlich umkommt. Bruno identifiziert seine Leiche, behauptet jedoch hinterher, gelogen zu haben.
Friedrich Boetzkes Friedrich Boetzkes (Horst Ch. Beckmann) ist ein altgedienter und sehr erfahrener Bergmann, zudem mehrfacher Vater. Er trauert der Zeit vor der Industriellen Revolution nach, als die Bergleute noch einen angesehenen Berufsstand bildeten und keine billigen Arbeitskräfte großer Konzerne waren. Er ist mit der wesentlich jüngeren Käthe verheiratet und hat mit ihr den gemeinsamen Sohn Klaus. Aus erster Ehe stammen die Söhne Karl, Herbert und Willi, sowie die Töchter Pauline und Friedel. Bruno wird nach der Hochzeit mit Pauline sein Schwiegersohn. Zu Karl hat er auf Grund dessen politischer Gesinnung ein recht angespanntes Verhältnis. Er selbst lehnt den Streik der anderen Bergleute ab und fährt jeden Tag zur Arbeit ein. Diese Einstellung ändert sich auch dadurch nicht, dass Herbert durch einen Unfall im Bergwerk hinkt und Willi während des Grubenbrandes umkommt. Für den strenggläubigen Katholiken stellt es zudem eine herbe Enttäuschung dar, dass seine Tochter einen Protestanten heiratet, obwohl er Bruno als Bergmann wie auch als Menschen sehr mag. Friedrich leidet seit der Folge „Bruno und Pauline“ an Rheuma, und obwohl er lange Jahre gearbeitet hat, bekommt er von der Knappschaft nur eine geringe Entschädigung. Er stirbt 1912 im Beisein seines Enkels Max und wird unter reger Anteilnahme beerdigt. Sein Sohn Klaus fällt im Krieg.
Karl Boetzkes