mini|Fassade des Colegio Mayor de San Ildefonso

Die Universität Alcalá (span. Universidad de Alcalá, Universidad Complutense) war im 16. und 17. Jahrhundert eine der bedeutendsten Universitäten Europas. Sie wurde 1499 in Alcalá de Henares gegründet und nahm 1508 den Lehrbetrieb auf. Ein königlicher Erlass aus dem Jahr 1836 ordnete die Verlegung der Universität nach Madrid an, wo sie zusammen mit anderen Bildungseinrichtungen einen wichtigen Teil der Universidad Central de Madrid bildete.

Die 1977 gegründete gleichnamige Universidad de Alcalá betreibt Lehr- und Forschungseinrichtungen an drei Standorten in Alcalá de Henares und in Guadalajara.

Geschichte Vorgängereinrichtungen Im Jahre 1293 erteilte König Sancho IV. von Kastilien, dem Erzbischof von Toledo, Gonzalo García Gudiel, die Erlaubnis, in Alcalá eine Bildungseinrichtung für das Studium Generale einzurichten. Sie bestand dauerhaft, war aber nicht von großer Bedeutung. Der Erzbischof von Toledo, Alfonso Carrillo de Acuña, ließ im Jahr 1453 in Alcalá de Henares das Franziskanerkloster Santa María de Jesús bauen, das später in San Diego umbenannt wurde. Papst Pius II. genehmigte 1459 die Einrichtung von drei Lehrstühlen für das Studium Generale in diesem Kloster. Aufgrund der politischen Ereignisse in Kastilien konnte diese Erweiterung des Bildungsangebotes erst 1473 verwirklicht werden.

Gründung mini|hochkant|Francisco Jiménez de Cisneros, Alabasterrelief von Felipe Bigarny Im Dezember 1498 bat der Erzbischof von Toledo, Francisco Jiménez de Cisneros, Papst Alexander VI. um die Genehmigung zur Gründung des Colegio Mayor de San Ildefonso als zentrale Einrichtung einer zu errichtenden Universität mit Lehrstühlen für Theologie, Kirchenrecht und Freie Künste. Er verzichtete darauf, eine Ausbildung in weltlichem Recht zu beantragen, da er der Ansicht war, dass es in Salamanca und Valladolid bereits ein ausreichendes Angebot für diese Fächer gab.

Mit der Gründung einer neuen Universität in Alcalá de Henares im Erzbistum Toledo strebte der Erzbischof eine bessere, wissenschaftlich fundierte Bildung in Kastilien an. Dabei orientierte er sich an den Studiengängen anderer europäischer Universitäten. Nach dem vorbereitenden Unterricht in den Artes Liberales sollte ein Fachstudium der Freien Künste, der Theologie oder des Kirchenrechtes folgen. Das Studium der Medizin war am Anfang nicht vorgesehen.

Ziel der Universität war es, Führungskräfte für die Kirche auszubilden. S. 17 Die Einrichtung der Colegios,Der Begriff Colegio hat in der kastilischen Sprache eine Vielzahl von Bedeutungen. Das Diccionario de la lengua española de la Real Academia Española (Wörterbuch der spanischen Sprache der Königlich Spanischen Akademie) gibt als eine heute nicht mehr übliche Bedeutung des Begriffs die Erklärung: „Comunidad de personas que viven en una casa destinada a la enseñanza de ciencias, artes u oficios, bajo el gobierno de ciertos superiores y reglas.“ (Gemeinschaft von Personen die in einem Haus leben, das der Bildung in den Wissenschaften, Künsten oder Berufen dient, unter der Leitung bestimmter Vorgesetzter und Regeln.) die Bereitstellung der für den Betrieb notwendigen Mittel und die Vergabe von Stipendien sollten auch Personen, die nur über geringe Einkünfte verfügten, ein Studium ermöglichen. Dieses Ziel entsprach auch den Vorstellungen der Königin Isabella und des Königs Ferdinand, die von den Kandidaten für das Amt eines Bischofs ein Hochschulstudium verlangten.

Der Erzbischof von Toledo und spätere Kardinal und Generalinquisitor von Kastilien beabsichtigte, Alcalá in ein humanistisch-theologisches Zentrum zu verwandeln, um eine erneuerte Theologie anzuregen, die sich auf die Originalquellen der Bibel stützte. Dazu sollten auch Professoren beitragen, die in Paris, Bologna und anderen europäischen Städten studiert hatten. An der Universität Alcalá de Henares waren die drei bedeutenden theologischen Strömungen der Zeit vertreten: der Thomismus, der Scotismus und der Nominalismus. Um die Originaltexte der Bibel besser erfassen zu können, sollten eine erweiterte Sprachausbildung angeboten werden und die entsprechenden Quellen in der Ursprungssprache vorliegen. Francisco Jiménez de Cisneros ließ in ganz Europa Handschriften und gedruckte Bücher für die Bibliothek erwerben. Noch vor Eröffnung der Universität wurde im Jahr 1502 mit der Erarbeitung einer mehrsprachigen Bibelausgabe, der Complutensischen Polyglotte, begonnen.

mini|Urkunde durch die Papst Alexander VI. dem Erzbischof von Toledo Francisco Jiménez de Cisneros die Gründung des Colegio Mayor de San Ildefonso genehmigte Die Urkunden, in denen Papst Alexander VI. die Gründung des Colegio Mayor de San Ildefonso als zentrale Einrichtung der Universität regelte, tragen das Datum des 13. April 1499. In einem bis dahin nahezu unbebauten Teil der Stadt Alcalá de Henares wurde mit dem Bau der ersten geplanten Universitätsstadt der westlichen Welt begonnen. Während sich in anderen europäischen Städten wie Bologna, Oxford, Paris und Salamanca die Universitäten allmählich entwickelten und sich dem städtischen Umfeld anpassten, wurde in Alcalá de Henares die Universitätsstadt in einem umfangreichen Bauprogramm in kurzer Zeit geplant und errichtet. S. 16 Das betraf nicht nur Colegios und Klöstern mit Räumen für Vorlesungen, Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten für Studenten und Bibliotheken sowie Häusern für das Personal, sondern auch die Schaffung der notwendigen Infrastruktur, einem Krankenhaus und einem Gefängnis. Drucker, Buchbinder und Buchhändlern erhielten Gebäude zu günstigen Bedingungen. Im Verlauf des 16., 17. und 18. Jahrhunderts wurden weitere Colegios gegründet, die sich bei der Ausbildung auf besondere Aspekte der Wissenschaften spezialisierten oder die geografische oder soziale Herkunft der Studenten berücksichtigten. Die Finanzierung wurde aus den persönlichen Einkünften des Erzbischofs Cisneros und durch Stiftungen der Könige und des hohen Adels bestritten. Viel religiöse Orden errichteten in Alcalá de Henares Klöster oder Konvente, die in enger Zusammenarbeit mit der Universität die Ausbildung der Ordensmitglieder betrieben. Zeitweise gab es in Alcalá de Henares einschließlich der Einrichtungen der Orden 42 Colegios.

Die Arbeiten am Hauptgebäude des Colegio Mayor de San Ildefonso wurden 1508 abgeschlossen. Am 18. Oktober 1508 hielt der in Paris ausgebildete Theologieprofessor und erste Kanzler der Universität, Pedro de Lerma, die erste Vorlesung. Sein Thema war die Moralphilosophie des Aristoteles. Die ersten Studenten begannen ihr Studium in den Fakultäten der Freien Künste, des Kanonischen Rechts und der Theologie . Zusätzlich zu den im April 1499 genehmigten Fakultäten wurde der Unterricht in einer medizinischen Fakultät aufgenommen. Sie war ohne päpstliche Genehmigung eingerichtet worden, weil Francisco Jiménez de Cisneros sie für „sehr angebracht und notwendig“ hielt. Am 3. November 1514 genehmigte Papst Leo X. diese Fakultät.

mini|hochkant|Verfassung des Colegio Mayor de San Ildefonso (Francisco Jiménez de Cisneros, 22-01-1510). Im Studienjahr 1509–1510 gab es 42 Lehrstühle: Sechs für Theologie, sechs für Kirchenrecht, vier für Medizin, einen für Anatomie, einen für Chirurgie, acht für Freie Künste, einen für Moralphilosophie, einen für Mathematik, vier für Rhetorik, sechs für Grammatik und vier für Griechisch und Hebräisch.

1510 erließ Kardinal Cisneros die Verfassung des Colegio Mayor de San Ildefonso („Constituciones del Colegio Mayor de San Ildefonso“). Sie enthielt zahlreiche Bestimmungen, die die gesamte Universität betrafen. Diese Verfassung orientierte sich an denen der Colegios Mayores von Bologna und Salamanca. In den 72 Abschnitten des Dokumentes wurden nahezu alle Angelegenheiten der Universität sowie die Rechte und Pflichten der Universitätsmitglieder im Einzelnen geregelt. Es enthielt Verhaltensregeln sowie Hinweise auf den Ablauf verschiedener Zeremonien und einen Katalog von Sanktionen, die bei eventuellen Verstößen gegen die Vorschriften zu verhängen waren. Es gab Hinweise auf die Zusammensetzung der Universitätsgemeinschaft aus Studenten, Lehrpersonal, Verwaltungspersonal und Hilfskräften. Die Voraussetzungen zur Ernennung von Professoren und ihre Bezahlung waren festgelegt. Klare Vorschriften regelten die Organisation der Universitätsverwaltung. Es bestanden Studienpläne der verschiedenen Fakultäten und eindeutige Regeln für die Vergabe der Akademische Grade Bachiller, Licenciado, Maestro und Doctor. Alle Mitglieder der Universität waren verpflichtet, die Constituciones zu kennen, um sie einhalten und beachten zu können. Abschnitt 72 schrieb vor, dass ein Exemplar des Textes in der Bibliothek für jedermann zugänglich aufbewahrt werden sollte. Außerdem war es üblich, sie zu Beginn der Kurse während des Mittag- und Abendessens im Refektorium vorzugelesen. Diese Verfassung wurde zum Vorbild vieler Universitäten, insbesondere Lateinamerikas.

Colegios mini|Paraninfo (Festsaal) im Colegio de San Ildefonso In der Bitte um Genehmigung der Bildungseinrichtung, die Francisco Jiménez de Cisneros 1498 an den Papst richtete, wurde nur der Begriff Colegio, nicht der Begriff Universität verwendet. Die Mitglieder aller Colegios, die Studenten, die nicht Mitglieder von Colegios waren, die Professoren und das Hilfs- und Verwaltungspersonal bildeten zusammen die Universität (universitas magistrorum et scolarium). Die am 23. Juli 1512 erlassene päpstliche Bulle Quoniam per litterarum studia erklärte, dass die Universitas Complutense (Universität von Alcalá) unter dem direkten Schutz und der Schirmherrschaft des Papstes stehe. Die Universität hatte ihre eigene Rechtsprechung und war von der Jurisdiktion des Erzbischofs von Toledo und jedes anderen Bischofs oder Grundherren unabhängig.

Die wichtigsten Einrichtungen der Universität waren der Colegio Mayor de San Ildefonso, die von Francisco Jiménez de Cisneros selbst, oder nach seinem Tod nach seinen Vorstellungen gegründeten Colegios Menores Cisnerianos, das für die Universitätsangehörigen gegründete Krankenhaus Hospital de San Lucas y San Nicolás, die von religiösen Orden für ihre Mitglieder gegründeten Colegios, Konvente oder Klöster, die als Colegios Menores de Regulares oder Colegios-Conventos de Religiosos bezeichnet wurden, sowie die nach 1517 eingerichteten weltlichen Colegios Menores Seculares. Die Magistralkirche der Heiligen Justo und Pastor, die eng mit den Einrichtungen der Universität verflochten war, wurde oft als Teil der Universität angesehen.

Colegio Mayor de San Ildefonso

mini|Patio de Santo Tomás de Villanueva im Colegio Mayor de San Ildefonso Der Colegio Mayor de San Ildefonso war in jeder Hinsicht die zentrale Einrichtung der Universität. In seinen Gebäuden befanden sich bis ins 18. Jahrhundert die Verwaltungs- und Dienststellen der Universität. Ein Großteil der Vorlesungen, die Sitzungen der Entscheidungsgremien der Universität und die Prüfungen fanden hier statt. Die Feiern der Universität wurden im Paraninfo (Festsaal) oder der Capilla de San Ildefonso festlich begangen. Der Colegio war Eigentümer des größten Teils des für den Betrieb der Universität erforderlichen Vermögens. Der Colegio Mayor de San Ildefonso, nicht die Universität, war von Francisco Jiménez de Cisneros als sein Universalerbe eingesetzt worden. Die Einheit von Colegio und Universität dauerte bis zum 21. Februar 1777 als König Karl III. anordnete, dass die beiden Körperschaften künftig getrennt verwaltet werden sollten. Das Vermögen des Colegios wurde zugunsten der Universität eingezogen.

Colegios Menores Cisnerianos