Eine betriebswirtschaftliche Kennzahl ist eine Kennzahl, die zur Beurteilung von Unternehmen herangezogen und aus Unternehmensdaten (Mikrodaten) gewonnen wird. Sie werden im Rahmen von Kennzahlensystemen eingesetzt. Pendant sind volkswirtschaftliche Kennzahlen auf der Makroebene.
Allgemeines Wie jede Kennzahl allgemein, so sollen auch speziell betriebswirtschaftliche Kennzahlen in Unternehmen eine reproduzierbare Größe, einen sich wiederholenden Zustand oder Vorgang messen, der von unternehmerischer Bedeutung ist. Kennzahlen beziehen sich auf quantitativ messbare, wichtige unternehmerische Tatbestände, die mit Hilfe der Kennzahlen erläutert, veranschaulicht und in konzentrierter Form wiedergegeben werden.Peter R. Preißler: Betriebswirtschaftliche Kennzahlen, 2008, S. 3. Sie dienen bei der Problemerkennung, Ermittlung von betrieblichen Stärken und Schwachstellen, Informationsgewinnung, zur Kontrolle (Soll-Ist-Vergleich), zur Dokumentation und/oder zur Koordination wichtiger Sachverhalte und Zusammenhänge im Unternehmen. Kennzahlen liefern eine verdichtete Information. Besonders ausgebaut sind betriebswirtschaftliche Kennzahlen und Kennzahlensysteme in Handelsbetrieben, aber auch in der Industrie und bei Kreditinstituten. Betriebswirtschaftliche Kennzahlen werden zum Teil von den Unternehmen selbst veröffentlicht oder lassen sich extern aus dem Jahresabschluss oder sonstigen Unternehmensdaten ermitteln. Viele Kennzahlen hängen von den Rechnungslegungsvorschriften ab, die sich international unterscheiden. Eine Vergleichbarkeit von Unternehmen verschiedener Länder ist daher nur bedingt möglich.
Die Kennzahlen in BWL(fur Schueler)
Marktpotenzial Marktvolumen Marktanteil Absatzpotenzial Absatzvolumen
Aufgaben Kennzahlen haben die Aufgabe, aus der Flut der betrieblichen Informationen das Wesentliche herauszufiltern. Entscheidungsträger benötigen für zieloptimale Entscheidungen ein Instrumentarium, das ihnen übersichtlich und in konzentrierter Form entscheidungsrelevante Informationen über die wichtigsten betrieblichen Sachverhalte liefert.Karl-Willi Schlemmer, Artikel Kennzahlen, in: Wolfgang Lück, Lexikon der Betriebswirtschaft, 1983, S. 623 ff. Betriebswirtschaftliche Kennzahlen müssen deshalb mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen, um für Entscheidungen brauchbar zu sein. Repräsentativität: Die Kennzahl muss in einem Unternehmen einen bestimmten, unternehmenstypischen Teilaspekt wiedergeben und damit die Aussage über eine Grundgesamtheit zulassen; Aussagekraft: Die Kennzahl muss eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Aussage über Tatbestände und Vorgänge im Unternehmen enthalten; Zielorientierung: Die Kennzahl muss einem konkreten Entscheidungsziel dienen können; Wirtschaftlichkeit: Kennzahlen müssen wirtschaftlich und deshalb ohne besonderen Aufwand ermittelbar sein; Reversibilität: Kennzahlen müssen reversibel sein, also auch umgekehrte Verhältnisse wiedergeben können; Zweckeignung: Kennzahlen müssen zur Lösung einer gestellten Aufgabe geeignet sein.
Arten Je nach der Anzahl der Rechenoperationen unterscheidet man aus methodisch-statistischer Sicht grob zwischen absoluten und relativen Kennzahlen: Absolute Kennzahlen werden unabhängig von anderen Zahlengrößen dargestellt. Sie bestehen aus den UnterartenPeter R. Preißler: Betriebswirtschaftliche Kennzahlen, 2008, S. 12. Einzelzahlen (Anzahl der Beschäftigten, Betriebsgröße), Summen (Bilanzsumme bei Nichtbanken oder Geschäftsvolumen bei Kreditinstituten), Differenzen (Rohertrag, Betriebsergebnis) und Mittelwerte (durchschnittliche Lagerdauer). Relative Kennzahlen (Verhältniskennzahlen) setzen absolute Zahlen miteinander in BeziehungPeter R. Preißler: Betriebswirtschaftliche Kennzahlen, 2008, S. 13. und werden eingeteilt in Gliederungszahlen (dimensionslos): stellen eine Teilmenge mit einer Gesamtmenge in Beziehung und vergleichen zwei gleichartige aber ungleichrangige Größen (Eigenkapitalquote, Personalaufwandsquote), Beziehungszahlen (dimensionsbehaftet) setzen zwei wesensverschiedene Mengen, die zueinander in einem sachlichen Zusammenhang stehen, in Beziehung und vergleichen zwei ungleichartige aber gleichrangige Größen (Eigenkapitalrentabilität, Umsatzrentabilität), Indexzahlen sind zwei gleichartige und gleichrangige Größen mit unterschiedlichem Zeitbezug. Besondere Bedeutung besitzt dabei die Auswahl des Basisjahres.Karl-Willi Schlemmer, Artikel Kennzahlen, in: Wolfgang Lück, Lexikon der Betriebswirtschaft, 1983, S. 625. In der Regel rekurrieren Indexzahlen immer auf einen Basiszeitpunkt (Jahr, Monat, Tag etc.), der gleich 100 gesetzt wird, um so die Entwicklung im Zeitverlauf gegenüber dem Basiszeitpunkt analysieren zu können.
Funktion von Kennzahlen Entscheidungsfunktion: Kennzahlen bilden die Grundlage für betriebswirtschaftliche Entscheidungen. Die Entscheidungsträger benötigen Informationen, wie sich die von ihnen getroffenen Entscheidungen auswirken. Die Informationen sollen auch das Erkennen von Risiken und Chancen ermöglichen. Dazu werden Kennzahlen übersichtlich gehalten. Bei der Aggregation der Daten ist jedoch zu beachten, dass dadurch Detailinformationen verloren gehen können. Darstellungsart und Präsentation der Kennzahlen sind wichtig für die korrekte Wahrnehmung und Interpretation durch die Entscheidungsträger. Durch Prägnanz und Übersichtlichkeit werden diese in der Problemerkennung und der Mustererkennung unterstützt. Kontrollfunktion: Kennzahlen dienen der Kontrolle von ex ante geplantem und ex post erreichtem Ergebnis. Im Soll-Ist-Vergleich wird eine geplante Kennzahl mit der tatsächlich erreichten verglichen. Stimmen beide nicht überein, muss aus der Abweichung die Ursache für die Fehlentwicklung ermittelt werden (Abweichungsanalyse). Koordinationsfunktion: Kennzahlen helfen bei der Durchsetzung von Entscheidungen, bei der Koordination verschiedener unternehmerischer Bereiche sowie deren Harmonisierung und bei der Dokumentation von Sachverhalten. Verhaltenssteuerungsfunktion: Vor allem in größeren Unternehmen werden Kennzahlen verwendet, um Mitarbeiter zu bestimmten, für das Unternehmen erwünschten Verhaltensweisen zu bewegen (Akkordlohn). Dabei ist zu beachten, dass bei einer Entlohnung auf Basis einer Kennzahl der Mitarbeiter vor allem an der Steigerung dieser Zahl interessiert ist (siehe auch Leistungsmessung bei leistungsorientierter Vergütung). Eine falsch ausgewählte Kennzahl kann dadurch zu Fehlsteuerungen führen (Beispiel: Krankheiten). Vision und Strategie: Kennzahlensysteme zur Umsetzung von Vision bzw. Strategie bilden die Grundlage einer Balanced Scorecard.
Gliederung von Kennzahlen Kennzahlen lassen sich gliedern in Erfolgskennzahlen, Liquiditätskennzahlen, Rentabilitätskennzahlen sowie Kennzahlen zur Vermögensstruktur (Bilanzkennzahlen) und zur Umschlagshäufigkeit.
Erfolgskennzahlen Erfolgskennzahlen dienen der Ermittlung des Unternehmenserfolgs. Relative Erfolgskennzahlen orientieren sich entweder am Gewinn oder am Unternehmenswert. Letztere entstanden aus dem Shareholder-Value-Ansatz und der häufigen Kritik an gewinnorientierten Kennzahlen wie beispielsweise dem ROI. Ein entscheidender Vorteil der unternehmenswertorientierten Kennzahlen ist ihre Berücksichtigung der Kapitalkosten.
Erfolgskennzahlen sind unter anderem
Gewinn vor Steuern Net operating profit after taxes (NOPAT) Net Operating Profit Less Adjusted Taxes (NOPLAT)
Umsatz Gross Income
Jahresüberschuss Bereinigter Jahresüberschuss
Cash-Flow Freier Cash Flow Cashflow at Risk Operating Cash Flow
EBIT EBIRT EBITA EBITDA EBITDAR EBTA Economic Value Added Handelsspanne Rohertrag Gesamtbetriebsertrag Deckungsbeitrag „Personalproduktivität“
mini|215x215px|Entstehung und Verwendung von Erfolgen Absolute Kennzahlen können im Zeitablauf analysiert werden Es lassen sich Entwicklungen (Trends) und Veränderungen ablesen. Bei der Analyse ist insbesondere interessant, wie stark die absoluten Kennzahlen schwanken bzw. wie stabil sie sich in Krisenzeiten erweisen. Absolute Erfolge ermöglichen jedoch keine Betriebs- bzw. Branchenvergleiche. Zu diesem Zweck müssen Verhältniszahlen gebildet werden. Dabei lassen sich sowohl bei der Entstehung als bei der Verwendung der Erfolge sinnvolle Beziehungen identifizieren. Die nebenstehende Abbildung gibt eine Übersicht über verschiedene relative Kennzahlen. Erfolge entstehen im Leistungsprozess des Unternehmens. Der Prozess beginnt damit, dass von den Kapitalgebern Kapital (Eigenkapital, Fremdkapital) eingesammelt wird. Aus dem Kapitaleinsatz resultiert nach allen betrieblichen und finanziellen Aktivitäten der Erfolg des Unternehmens. Die entstandenen Erfolge (Vermögenszuwächse) können an die Kapitalgeber verteilt werden. Vorrangig müssen die Fremdkapitalgeber bedient werden. Verhältniskennzahlen von Erfolgen in Relation zu den Zahlungsverpflichtungen gegenüber Gläubigern (Zins- und Tilgungszahlung) machen deutlich, inwieweit ein Unternehmen in der Lage ist, sein Fremdkapital zu bedienen. Die Verteilung von Erfolgen an die Eigentümer zeigt auf, in welcher Form der restliche Vermögenszuwachs verteilt werden kann (Ausschüttungen, Aktienrückkäufe, Bildung von Gewinnrücklagen).
Liquiditätskennzahlen Liquiditätskennzahlen sollen Aussagen über die betriebliche Zahlungsfähigkeit machen und beinhalten daher insbesondere die Zahlungsmittelbestände eines Unternehmens:
Cash Ratio Acid Test Ratio Current Ratio Anlagendeckung Einzugsliquidität Working Capital Net working capital
Rentabilitätskennzahlen Die Rentabilität ist eines der wichtigsten Unternehmensziele, so dass sich mehrere Kennzahlen hiermit befassen und Teilaspekte der Rentabilität darstellen.
Gesamtkapitalrentabilität Eigenkapitalrentabilität Umsatzrendite Return on Capital Employed Return on Investment Cash Flow Return on Investment
Kennzahlen zur Kapitalstruktur (Bilanzkennzahlen) Von Bedeutung ist auch die Kapitalstruktur, die als horizontale und vertikale Kapitalstruktur gemessen wird und das Verhältnis von Anlagevermögen zu Umlaufvermögen oder Eigenkapital zu Fremdkapital (vertikale Kapitalstruktur) und die Anlagendeckung (horizontale Kapitalstruktur) wiedergibt.
Eigenkapitalquote Fremdkapitalquote Verschuldungsgrad Anlagenintensität Anlagendeckung Kapitalbindung Lagerkennziffern Berry-Index
Schuldenkennzahlen Schuldenkennzahlen setzen die Verbindlichkeiten eines Schuldners in Beziehung zu anderen schuldenrelevanten Größen, um die Tragfähigkeit von Schulden zu ermitteln.
Schuldenkennzahl Zinsdeckungsgrad Schuldendienstdeckungsgrad Kapitaldienstgrenze Kapitaldienstfähigkeit
Kennzahlen zur Umschlagshäufigkeit Umschlagskennzahlen Geldumschlag Kapitalumschlagshäufigkeit Lagerumschlagshäufigkeit
Kennzahlensysteme Mehrere Kennzahlen, die in Beziehung zueinander stehen, können zu Kennzahlensystemen zusammengefasst werden. Kennzahlensystem bezeichnet eine geordnete Menge von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, die miteinander in Beziehung stehen. Kennzahlensysteme geben der Unternehmensleitung Hinweise darüber, ob die Maßstäbe rationellen Wirtschaftens erfüllt werden oder nicht. Sie haben dann Aussagefähigkeit, wenn sie die Unternehmensentwicklung im zeitlichen Ablauf im Hinblick auf diese Maßstäbe offenlegen. Das Ziel eines Kennzahlensystems ist es, vollständig über einen Sachverhalt (wie etwa Rentabilität) unter Verwendung geeigneter Instrumente wie etwa eines Dashboards zu informieren. In Unternehmen werden Kennzahlensysteme zum einen für den Erhalt schneller und verdichteter Informationen über die Leistung eines Unternehmens eingesetzt. Zum anderen können sie die Aufgaben der Planung, Kontrolle und Steuerung in einem Unternehmen unterstützen. Im Gegensatz zu Performance-Measurement-Systemen berücksichtigt ein Kennzahlensystem nur monetäre, exakt quantifizierbare Kennzahlen.
In der Praxis gibt es zwei Arten von Kennzahlensystemen: