Ein Rausch ist ein durch den Genuss von Alkohol oder die Einnahme anderer Drogen (Rauschmittel) hervorgerufener Zustand, der laut Duden mit einer mehr oder weniger starken „Verwirrung der Gedanken und Gefühle“ verbunden ist.Rausch bei duden.de, siehe Bedeutung 1.

In der Medizin wird der akute Rausch definiert als ein „Zustandsbild nach Aufnahme einer psychotropen Substanz mit Störungen von Bewusstseinslage, kognitiven Fähigkeiten, Wahrnehmung, Affekt und Verhalten oder anderer psychophysiologischer Funktionen und Reaktionen“, wobei die Störungen „in einem direkten Zusammenhang mit den akuten pharmakologischen Wirkungen der Substanz“ stehen.Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (F10–F19). DIMDI, Erläuterungen zu den ICD-10-Codes F10 bis F19.

Der durch Alkohol verursachte Rausch wird auch Alkoholrausch genannt. Von einem Drogenrausch spricht man in der Regel nur bei anderen Drogen, obwohl auch Alkohol eine Droge ist. Einige Drogenräusche werden umgangssprachlich auch als Trip bezeichnet (abgeleitet von , was eigentlich „Reise“ bedeutet).

Dieser Artikel behandelt vor allem den Drogenrausch. Zum Alkoholrausch siehe auch Alkoholvergiftung und Rauschtrinken. Zum „Rausch“ im Sinne eines besonderen Glücksgefühls siehe Ekstase.

Begriffsentstehung Das Wort „Rausch“ (von niederdeutsch rūsch, belegt 1563) stammt aus dem Mittelhochdeutschen (riuschen) und bedeutete ursprünglich „ungestüme Bewegung“, „ungestüm beim Angriff“, „anstürmen“, „Anlauf“.J. Grimm, W. Grimm: Deutsches Wörterbuch Der Bezug zur Trunkenheit allgemein, nicht nur substanzbezogen, entstand im 16. Jahrhundert.G. Köbler Deutsches Etymologisches Wörterbuch. 1995. So als reuschlin 1551 für „(leichte) Trunkenheit“.Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg.: Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 587.

Kulturgeschichte des Rausches mini|Dionysos, Gott des Weinesmini|Tipi für Peyote-Zeremonie

Schon in der Steinzeit wurde vor etwa 9000 Jahren möglicherweise Alkohol in Form von Met und einer Art Bier gebraut. Auch die Verwendung des halluzinogenen Fliegenpilzes, von psilocybinhaltigen Pilzen wird auf eine Zeit vor 7000 Jahren datiert.erowid.org – Erowid: Psilocybe Mushroom History, 2005. In Russland (vor allem in Sibirien) war der Fliegenpilz weit verbreitet. Verbreitet war es auch, den Urin eines Schamanen zu trinken, nachdem dieser Fliegenpilze konsumiert hatte. Die psychoaktiven Eigenschaften des Stechapfels waren bereits im alten Griechenland bekannt.Psychoactives in History. Erowid, Fire. Psychoactives in History: A Sample of Some of the Earliest Evidence of the Use of Psychoactives. Erowid Extracts. Mai 2003; 4:12-17.

In alttestamentlicher Zeit wurde der Rausch zwiespältig gesehen: Galt ein maßvoller Rausch als ein Quell der Fröhlichkeit , so galt ein unmäßiger hingegen als ein Quell des Übels , , . Der schon seit Alters her im Orient und in der katholischen und orthodoxen Liturgie verwendete Weihrauch enthält den psychoaktiven Wirkstoff Incensol.

In den Veden ist der Gebrauch von Cannabis im Indien um 1.500 v. Chr. beschrieben.

Im Europa der Antike und im Mittelalter wurde exzessiver Rausch als völlig normal angesehen. Im Mittelalter wurde beispielsweise beim Bierbrauen oft noch Bilsenkraut zugemischt, um die berauschende Wirkung zu verstärken. Im 16. und 17. Jahrhundert dagegen war der Rausch geächtet. Ab dem 19. Jahrhundert betrachtete man diesen zunehmend als krankhaft.

Noch heute werden in verschiedenen Kulturen Rituale zelebriert, bei denen rauscherzeugende Substanzen eine wichtige Rolle spielen. So ist in westlich geprägten Gesellschaften das sogenannte Anstoßen mit alkoholischen Getränken bei privaten und gesellschaftlichen Feiern ein weit verbreitetes Ritual, das oft während des Höhepunktes der Veranstaltung durchgeführt wird und dabei ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugt. Ein weiteres Beispiel ist bei der Santo-Daime-Kirche oder bei der Native American Church zu finden, deren Anhänger den halluzinogenen Peyote-Kaktus rituell verzehren und über tiefe spirituelle Erfahrungen berichten. Rausch außerhalb dieser Rituale lehnt die Gemeinschaft strikt ab. Ebenso wird in verschiedenen indigenen südamerikanischen Religionsgemeinschaften das Gebräu Ayahuasca eingenommen. Dabei gelten strenge Regeln, z. B. muss um die Zeit des Rituals herum auf Alkohol verzichtet werden. Auch der Tabak war in präkolumbianischer Zeit eine rein medizinisch und rituell genutzte Droge.

Auch heute sehen Wissenschaftler in manchen Konsumarten von rauscherzeugenden Substanzen eine gewisse Ritualisierung. Gegenseitige Unterstützung bei der Beschaffung, der gemeinsame Konsum (z. B. das Herumreichen des Joints) oder auch gemeinschaftliches Sich-Betrinken können rituelle Formen (wenn auch ohne den spirituellen Aspekt) annehmen.

Der Rausch in der Neuzeit Indigene Kulturen nutzten psilocybinhaltige Pilze seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden für religiöse Rituale und Heilungszeremonien. Mitte der 1950er Jahre eröffnete die mexikanische Schamanin Maria Sabina erstmals dem US-amerikanischen Pilz-Hobbyforscher R. Gordon Wasson einen Zugang zu dem uralten Geheimwissen, der es durch internationale Veröffentlichungen einem breiten Publikum bekanntmachte. Pharmakonzerne wie Sandoz, aber auch die CIA finanzierten teilweise weitere Forschungen (s. Projekt MKULTRA). Albert Hofmann gelang die Extraktion des Hauptwirkstoffs Psilocybin und die Synthese von LSD. Mit den Substanzen wurde von einigen Forschern probehalber auch in der Psychotherapie experimentiert.

„Die Pforten der Wahrnehmung“ In seinem Buch Die Pforten der Wahrnehmung von 1954 beschreibt Aldous Huxley die Wirkung von Halluzinogenen. Er hatte unter anderem mit Mescalin experimentiert, wobei er zu dem Schluss kam, dass das Gehirn mehr Eindrücke vernichte als zulasse, um den Menschen vor Verwirrung durch zu viel Information zu schützen. Auch weist er auf den spirituellen Gebrauch von Peyote in der Native American Church (s. o.) hin und verurteilt zugleich den unspirituellen bloßen Konsum der „zivilisierten Gesellschaft“.

Die 1968er Jahre – Timothy Leary Der damalige Psychotherapeut Timothy Leary, der sich durch den Konsum einer psilocybinhaltigen Pilzart, die von den Azteken „Teonanacatl“ (dt.: ‚Fleisch der Götter‘) genannt wurde, erleuchtet fühlte, propagierte den Gebrauch bewusstseinsverändernder Substanzen, um das „göttliche Bewusstsein“ zu erreichen. Dabei betonte er, dass dieser psychisch stabilen Personen vorbehalten sein sollte. Er untersuchte zusammen mit Freunden die Wirkung psychedelischer Drogen. Später verlor er seinen Lehrstuhl an der Universität Harvard.

Gemäß der Philosophie der Hippiezeit war das Ziel des Rausches die Erweiterung des Bewusstseins, weshalb halluzinogene Substanzen wegen der erzeugten produktiven Symptomatik bevorzugt wurden. Ende der 1960er Jahre wurden halluzinogene Substanzen verboten. Der in den 1970er und 80er Jahren populäre Schriftsteller Carlos Castaneda vertrat eine ähnliche Auffassung wie Timothy Leary und beschrieb in diesem Zusammenhang die traditionelle Drogenkultur der Indianer Mexikos.

Die Achtziger und Neunziger – der Siegeszug von Techno und Ecstasy Mit der Mitte der 1980er Jahre aufkommenden Acid-House- und später Technomusik begann der Siegeszug der aufputschenden Substanzen. Ecstasy und andere amphetaminartige Substanzen halten den Konsumenten wach, sodass er sich ausdauernder in Trance tanzen kann. Zudem steigern die Substanzen die Stimmung, enthemmen und erleichtern die Kontaktaufnahme.

Rauschwirkung verschiedener Substanzen Die Zahl der unterschiedlichen Rauschwirkungen und Rauschzustände ist mindestens so hoch wie die Zahl der Rauschmittel.

Gruppe Substanzen (Auswahl) Wirkung Mechanismus Alkohol Enthemmung erhöhte Emotionalität Denkhemmung betäubend Selbstüberschätzung stimuliert GABA-Rezeptoren hemmt NMDA-Rezeptoren erhöht Produktion von Dopamin und Endorphinen Nikotin stimuliert beruhigend, entspannend verändert die Wahrnehmung und das Gefühlserleben erhöhte psychomotorische Leistungsfähigkeit erhöhte Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen stimuliert nikotinische Acetylcholinrezeptoren EntaktogeneDavid E. Nichols: Differences Between the Mechanism of Action of MDMA, MBDB, and the Classic Hallucinogens. Identification of a New Therapeutic Class: Entactogens. In: Journal of Psychoactive Drugs. 18, 1986, S. 305–313, doi:10.1080/02791072.1986.10472362. MDA MDMA Methylon MDE MBDB euphorisierend fördert Kontaktaufnahme entaktogen empathogen aufputschend Ausschüttung von Serotonin, Noradrenalin und in geringerem Maße auch DopaminRothman, R.B. & Baumann, M.H. (2002): Therapeutic and adverse actions of serotonin transporter substrates. In: Pharm. Ther. Band 95, S. 73–88, PMID 12163129. Stimulantien Amphetamin („Speed“) Methamphetamin Kokain Crack Kath euphorisierend fördert Kontaktaufnahme aufputschend Selbstüberschätzung (besonders ausgeprägt bei Crack, Kokain und Methamphetamin) Amphetamin und Methamphetamin: Sympathomimetikum Kokain und Crack: Dopamin/Noradrenalin/Serotonin-Wiederaufnahmehemmung Halluzinogene Aztekensalbei Lysergsäurediethylamid (LSD) Mescalin Psilocybin entheogen verändern die Wahrnehmung und das Gefühlserleben Euphorie können Synästhesie und Wahnvorstellungen hervorrufen Agonisten der 5-HT2A/C-Rezeptoren (LSD, Mescalin, Psilocybin)David E Nichols: Hallucinogens. In: Pharmacology & Therapeutics, 101, 2004, S. 131–181, doi:10.1016/j.pharmthera.2003.11.002. LSD wirkt zusätzlich auch am Dopamin-Rezeptor selektiver Agonist des κ-Opioid-Rezeptors, keine klassische 5-HT2A/C-Wirkung (Aztekensalbei)B.L. Roth et al.: Salvinorin A: A potent naturally occurring nonnitrogenous opioid selective agonist. In: PNAS, 2002, Band 99, S. 11934–11939. PMID 12192085 doi:10.1073/pnas.182234399. Schnüffelstoffe Alkylnitrite (Poppers, Amylnitrit) Distickstoffmonoxid (Lachgas) Lösungsmittel aphrodisierende und schmerzhemmende Wirkungen (Alkylnitrite) dissoziative Effekte, Entspannung der Muskeln und starkes Wohlempfinden (Lachgas) NO-Donator, stark gefäßerweiternde Wirkung (Alkylnitrite)Mark Nickerson, John O Parker, Thomas P Lowry, and Edward W Swenson. [Isobutyl Nitrite and Related Compounds]. 1st ed. Pharmex, San Francisco 1979. Wirkung an NMDA- und nikotinischen Acetylcholinrezeptoren (Lachgas)T. Yamakura, R. A. Harris: Effects of gaseous anesthetics nitrous oxide and xenon on ligand-gated ion channels. Comparison with isoflurane and ethanol. In: Anesthesiology, Oktober 2000, Band 93, Nummer 4, S. 1095–1101; . PMID 11020766. Opiate und Opioide Heroin Morphin Tilidin beruhigend (sedierend), entspannend schmerzlindernd euphorisierend Agonisten der Opioidrezeptoren

Verlauf eines Drogenrausches mini|Wirkungsverlauf verschiedener Drogen Intensität und Charakter der rauschtypischen körperlichen wie auch psychischen Effekte korrelieren direkt mit der Konzentration der Droge in der Blutbahn. Rauschdauer und -verlauf hängen davon ab, auf welchem Weg und wie schnell die Droge metabolisiert wird. Die Gesamtdauer eines Drogenrausches liegt je nach Droge und Dosierung meist bei 3–10 Stunden und wird üblicherweise in drei Phasen unterteilt: Drugscouts.de

Das Hochkommen, in dem graduell zunehmend stärkere Effekte auftreten Das Plateau, die im Vergleich zur Rauschdauer relativ kurze Phase größter Intensität Das Herunterkommen, währenddessen der Rausch langsam abklingt und welches sich oft über viele Stunden erstreckt

Der Übergang zwischen den Phasen ist für den Berauschten im Regelfall deutlich wahrnehmbar, da bestimmte Effekte der Droge relativ abrupt auftreten bzw. abklingen.

Besondere Arten des Rausches

Psychedelischer Rausch