mini|Bamberger Dom vom Schloss Geyerswörth aus gesehen mini|Lage des Dombergs in der Bamberger Altstadt mini|Modell des Dombergs; Dom links, Residenz rechts mini|Lage auf dem Domberg mini|Grundriss (Kernbereich gelb)

Der Hohe Dom St. Peter und St. Georg zu Bamberg, kurz Bamberger Dom, gehört zu den deutschen Kaiserdomen und ist neben der Silhouette der St. Michaelskirche mit seinen vier Türmen eines der beherrschenden Bauwerke des Weltkulturerbes Bamberger Altstadt. Der Dom steht auf der markanten Erhebung des Dombergs, umringt von weiteren historischen Gebäuden wie dem Kapitelhaus, der Alten Hofhaltung und der Neuen Residenz. Im Inneren befinden sich neben dem Bamberger Reiter das Grab des einzigen heiliggesprochenen Kaiserpaars des Heiligen Römischen Reichs sowie das einzige Papstgrab in Deutschland und nördlich der Alpen. Neben den drei Wallfahrtsbasiliken Marienweiher, Vierzehnheiligen und Gößweinstein ist der Bamberger Dom die vierte Basilica minor und die Kathedrale des Erzbistums Bamberg.

Geschichte Chronologie Um 600 n. Chr. Siedlungsbeginn auf dem Domberg 902 wurde die Babenburg erstmals erwähnt 1004 Grundsteinlegung durch König Heinrich II. 1007 Gründung des Bistums Bamberg, Bamberg wird exemtes Bistum 1012 Weihe des ersten Doms; anlässlich dieses Datums fand 2012 die 1000-Jahr-Feier des Doms statt 1020 Erste Erwähnung des Domchores; 1256 offizielle Bestätigung der Domkantorei durch Papst Alexander IV. 1046 der zweite Bamberger Bischof Suidger wurde Papst Clemens II.; sein Grab im Bamberger Dom ist das einzige erhaltene Papstgrab nördlich der Alpen 1081 erstes Großfeuer im Dom 1087 provisorischer Wiederaufbau 1185 erneutes Großfeuer und Abriss 1237 erneute Domweihe; auf dieser Grundlage fand im Jahr 1989 die 750-Jahr-Feier des aktuellen Doms statt 1415 Erwähnung der ersten Domorgel; die heutige Domorgel stammt aus dem Jahr 1976 1611 Beginn der Barockisierung; weitergeführt nach dem Dreißigjährigen Krieg 1803 Säkularisation (Auflösung des Kirchenbesitzes) 1818 Bamberg wurde Erzbistum: zur Kirchenprovinz gehörten neben Bamberg die Bistümer Eichstätt, Speyer und Würzburg 1829 Beginn der Purifizierung (Stilbereinigung) auf Initiative des bayerischen Königs Ludwig I. mini|3D-Modell Dom1900 Feierliche Enthüllung des Prinzregent Luitpold-Reiterstandbildes auf der Terrasse vor dem Dom im Beisein des Prinzen Ludwig und des Bamberger Erzbischofs Joseph von Schork 1923 Papst Pius XI. verlieh dem Dom mit dem Apostolischen Schreiben Anno reparatae (Jahr der Erlösung 1923) den Titel Basilica minorPius XI.: Litt. Apost. Anna reparatae. In: AAS. Band 16, Nr. 5, 1924, S. 182ss. 2007 Feier des 1000-jährigen Bistumjubiläums 2012 Feier des 1000-jährigen Domjubiläums

Patrozinium mini|Georg, Petrus und Maria mit Jesuskind an der Marienpforte

Das Patrozinium bzw. Patronat des Doms wurde bewusst gewählt, um das Verbindende von Ostkirche und Westkirche zu betonen: Petrus, erster Papst und erster Patron der Kirche, steht für die römische Kirche. Simon Petrus war einer der zwölf Apostel, die Jesus von Nazaret zu Lebzeiten nachfolgten. Er ist erster Bekenner, aber auch Verleugner Christi sowie erster Zeuge des Auferstandenen, der Sprecher der Apostel und Leiter der Jerusalemer Urgemeinde. Der Ritter Georg ist der zweite Patron der Kirche und steht für die byzantinische Kirche. Georg war ein Märtyrer, der zu Beginn der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian gestorben sein soll. Im Lauf der Jahrhunderte wurde er vor allem in den Ostkirchen zum beliebtesten Heiligen des Christentums. Besondere Verbreitung hat die Drachentöter-Legende Georgs gefunden. 1969 wurde Georg von Papst Paul VI. offiziell aus dem katholischen Heiligenkalender entfernt. 1975 tauchte der Name jedoch wieder im Römischen Generalkalender auf. Der Vorname Georg gehörte weiterhin zu den beliebten Vornamen in Europa. Die Gottesmutter Maria steht für das Übergreifende beider Kirchen. Das Fest Mariä Namen wird als katholischer Gedenktag am 12. September gefeiert. Papst Innozenz XI. führte es im Jahr 1683 zum Dank für den Sieg über die Türken vor Wien ein. Vorher feierte man den Namenstag der Gottesmutter am 8. September (Mariä Geburt). Dieses Fest ist sowohl im Osten als auch im Abendland verbreitet und blickt auf eine sehr lange Tradition mit vielen volkstümlichen Elementen zurück. Mariä Himmelfahrt, das auch in den Ostkirchen gefeierte Muttergottes-Fest, wird in Bamberg alljährlich am 15. August mit einer 4 Stationen umfassenden Prozession begangen.

Domstifter mini|hochkant|Hl.Stefanus (links), Kunigunde (Mitte) und Heinrich II. an der Adamspforte mini|hochkant|Heinrich II. und Kunigunde als Stifterfiguren mit einem Modell des Bamberger Doms

Der spätere Kaiser Heinrich II. wurde mit fünf Jahren in die Obhut des Bischofs von Freising gegeben und besuchte später die renommierte Domschule von Hildesheim. Die weitere Erziehung erhielt er durch den Bischof von Regensburg, den heiligen Wolfgang. Er hatte damit eine umfassende Ausbildung erhalten und konnte sich mit den meisten Geistlichen messen, war aber weitaus gebildeter als die meisten Herrscher seiner Zeit, die oft nicht einmal lesen und schreiben konnten.

Nach dem Tod seines Vaters (Heinrich der Zänker) im Jahr 995 wurde er als Heinrich IV. Herzog von Bayern. Als Kaiser Otto III. im Jahr 1002 auf einer Italienreise ohne Erben starb, ließ Heinrich den Leichenzug auf seinem Weg durch Bayern aufhalten und brachte die Reichsinsignien an sich. Dann ließ er sich, unbemerkt von seinen Gegnern, vom Mainzer Erzbischof Willigis zum König salben. Anschließend ließ er seine Gemahlin Kunigunde in Paderborn zur Königin krönen. Zwölf Jahre später, im Jahr 1014, wurden die beiden dann in Rom als Kaiserpaar gekrönt. Das bedeutet, dass Heinrich das Bistum Bamberg nicht als Kaiser, sondern als König gründete. Er war von 995 bis 1002 Herzog, von 1002 bis 1014 König und von 1014 bis 1024 Kaiser.

Für die Burg Bamberg und Siedlung Bamberg soll Heinrich nach dem Bericht von Thietmar von Merseburg eine besondere Vorliebe gehabt haben und sie seiner Frau Kunigunde als Morgengabe verehrt haben. Bamberg stieg unter Heinrich II. von einer mäßig bedeutenden Burg zu einem der wichtigsten Orte des Reichs auf. Der Bau des Doms war wohl schon um 1003 schon begonnen, das Bistum selbst wurde erst im Jahr 1007 gegründet.Matthias Exner: Das Domstift. Bayerische Verlagsanstalt Bamberg / Deutscher Kunstverlag, Berlin und München 2015, S. 166–167. Heinrich bedachte das Bistum mit vielen Schenkungen, sein Andenken und das seiner Frau sollte auf immer bewahrt werden. Um dieses neue Bistum gründen zu können, wurden Gebiete aus den Bistümern Würzburg und Eichstätt herausgelöst, auch wenn dies kirchenrechtlich nicht zulässig war. Dem Bischof Heinrich von Würzburg versprach Heinrich als Ausgleich dafür, sein Bistum zum Erzbistum erheben zu lassen. Auch dies war kirchenrechtlich nicht zulässig, ein solches Recht stand ausschließlich dem Papst zu. Den berechtigten Widerstand der Frankfurter Synode dagegen von 1007 brach Heinrich letztlich, indem er die teilnehmenden Bischöfe mit Demutsgesten moralisch unter Druck setzte.

Heinrich starb im Jahr 1024 in der Pfalz Grona bei Göttingen und wurde wunschgemäß im Bamberger Dom beigesetzt. Im Jahr 1146 wurde er für die Christianisierung der Westslawen, vor allem aber für die Gründung des Bistums Bamberg von Papst Eugen III. heiliggesprochen. In der Heiligsprechungsbulle des Papstes heißt es:

Kaiserin Kunigunde wurde erst im Jahr 1200 kanonisiert. Um dieses heiliggesprochene Kaiserpaar ranken sich viele Legenden. Vor allem ihre Kinderlosigkeit wurde als Beweis für eine keusche Ehe (Josefsehe) angesehen. Kunigunde war zu Lebzeiten eine wichtige Beraterin ihres Mannes und nach seinem Tod sechs Wochen lang die alleinige Regentin des Heiligen Römischen Reichs. In dieser Funktion konnte sie die Wahl des Saliers Konrad II. durchsetzen. Anschließend zog sie sich in das hessische Benediktinerinnenkloster Kaufungen zurück und widmete sich der Krankenpflege.

Erster Dom (Heinrichsdom) mini|So ähnlich könnte der erste Dom innen ausgesehen haben (Bamberg, St. Jakob) mini|Bamberger Dom, Innenansicht mini|Originaler Bestandteil des Heinrichsdoms: eine der beiden „Domkröten“

Der Vorgängerbau des heutigen Bamberger Doms, der so genannte Heinrichsdom, wurde vermutlich bereits im Jahr 1003 im Auftrag des späteren Kaisers Heinrich II., des Gründers des Bistums Bamberg, begonnen. Der erste sichere Nachweis stammt vom 6. Mai 1007. Errichtet wurde der Dom auf einer Anhöhe über den Fundamenten der Kapelle und des Friedhofs der ehemaligen Babenburg, die Heinrich von seinem Vater Heinrich dem Zänker geerbt hatte. Er hatte keine exakte Ost-West-Ausrichtung, und da sich die künftigen Bauten immer an dem bereits Vorhandenen ausrichteten, hat sich die Ausrichtung von Nordost nach Südwest tausend Jahre lang erhalten.

Im Jahr 1007 wurde Bamberg Bistum, womit der Kirchenbau enorm aufgewertet wurde. Am 6. Mai 1012, dem Geburtstag Heinrichs II., wurde der Dom in Gegenwart von 45 Bischöfen und anderen Würdenträgern zu Ehren des Apostels Petrus, der Muttergottes Maria und des Heiligen Georg geweiht. Diese Patronate blieben erhalten. Bei der Domweihe waren – mit einer einzigen Ausnahme – alle Erzbischöfe des Heiligen Römischen Reichs anwesend. Dies unterstreicht die Bedeutung des Neubaus, denn bei keiner anderen Domweihe des Mittelalters waren so viele Bischöfe anwesend.

Der Heinrichsdom stand in der Tradition der großen Kathedralen des 11. Jahrhunderts, war aber im Vergleich zum Mainzer Dom (116 Meter) und zum Speyerer Dom (134 Meter) mit einer Länge von lediglich 75 Metern eher bescheiden. Statt vier Türme hatte er nur zwei, die den Ostchor flankierten. Der Dom war eine dreischiffige Säulenbasilika mit Querhaus und Hauptchor. Alle Decken waren flach und aus Holz. An der Ostseite standen zwei niedrige Türme. Den Abschluss bildete eine halbkreisförmige Apsis.

Im Zuge von Untersuchungen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege im Jahr 2012 wurden in einem lange Zeit unbenutzten Raum im Obergeschoss der Gertrudenkapelle zwischen Querhaus und südlichem Seitenschiff umfangreiche Mauerreste des Heinrichsdoms entdeckt. In den Dachbereichen sind Zierfugen aus der Bauzeit erhalten. Des Weiteren sind von dem ersten Dom noch Reste der Westkrypta erhalten, in denen eine moderne Bischofsgrablege geschaffen wurde.

Eine Vorstellung, wie der Heinrichsdom ausgesehen haben kann, vermittelt die 100 Jahre später geweihte Jakobskirche etwas oberhalb des Dombergs. Auch sie war eine dreischiffige Säulenbasilika und wurde in der Zeit der Gotik und des Barocks nur wenig verändert.

Dom im späten 11. und frühen 12. Jahrhundert Zu Ostern 1080 trafen sich die Parteigänger von König Heinrich IV. zu einer Synode im Bamberger Dom. Als in der Osternacht des folgenden Jahres Dach und Türme abbrannten, sahen die Anhänger von Papst Gregor VII. darin wegen der Haltung der Synode im Investiturstreit eine Strafe Gottes. (Heinrich IV. war der König, der im Winter 1076/77 den legendären Gang nach Canossa absolviert hatte.)