Nebenwert () ist an Börsen die Bezeichnung für Aktien, die aufgrund ihres Handelsvolumens oder ihrer Marktkapitalisierung nicht zu den bevorzugten Handelsobjekten gehören. Gegensatz ist der Standardwert.
Allgemeines Auch Aktien von Kleinunternehmen oder Lokal- und Regionalwerte mit geringer Marktkapitalisierung zählen zu den Nebenwerten.Hans E. Büschgen, Das kleine Börsen-Lexikon, 2012, S. 720 Für Nebenwerte sind weltweit häufig an den Börsen bestimmte Börsensegmente vorgesehen, bei denen Aktien die gleichen Merkmale aufweisen. Sie haben eine vergleichsweise geringe Marktkapitalisierung und eine geringe Marktliquidität, mit der eine gewisse Marktenge einhergeht. Volatilitäten der Börsenkurse können deshalb höher ausfallen als bei Standardwerten.Stiftung Warentest (Hrsg.), Handbuch Geldanlage, 2018, S. 163 Im Hinblick auf die Marktentwicklung folgen den Standardwerten die Wachstumswerte (), Nebenwerte (auch ) und Pennystocks (letztere mit einem Kurswert von unter einer Geldeinheit [also < 1 Euro]).Ulrich Becker, Lexikon Terminhandel: Finanz- und Rohstoff-Futures, 1994, S. 83
Der Begriff „Nebenwert“ bildete sich im deutschsprachigen Börsenjargon erst nach 1984, als sich Aktien dieses Segments gut entwickelten.Ken Fisher/Jennifer Chou/Lara Hoffmann, Das zählt an der Börse: Investieren mit Wissen, das die anderen nicht haben, 2007, S. 286
Transaktionen Der Anleger muss bei einem Nebenwert damit rechnen, dass seine Limitorder – bei gleicher Größe und Limitierung – mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit als bei einem Standardwert ausgeführt wird; auch die Wartezeit kann deutlich länger ausfallen.André Küster-Simic, Orderbuchtransparenz, Bietverhalten und Liquidität, 2001, S. 119 Dies lässt sich auf die geringere Anzahl von Marktteilnehmern zurückführen, was durch ein Modell erklärt wird.Kalman J Cohen/Steven F Maier/Robert A Schwartz/David K Whitcomb, Transaction costs, order placement strategy, and existance of the bid-ask spread, in: Journal of Political Economy vol. 89, 1981, S. 293 Diesen Nachteilen steht die Chance gegenüber, dass mit breiteren Kursspannen auch höhere Gewinnchancen verbunden sein können. Dieser „Size-Effekt“ (auch „Small-Cap-Effekt“) besagt, dass man durch Investition in Nebenwerte – unter Inkaufnahme höherer Risiken – höhere Gewinne erzielen könne.Rolf W. Banz, The Relationship between Returns and Market Value of Common Stock, in: Journal of Financial Economics vol. 9, 1981, S. 4 Diese Theorie beruht auf statistischen Untersuchungen historischer Kursdaten, deren Ergebnisse jedoch in der Regel nicht auf die Zukunft übertragbar sind.
Selbst bei unlimitierten Wertpapierorders kann die geringe Marktliquidität und vorhandene Marktenge einen Kauf oder Verkauf verhindern, weil es an Kontrahenten fehlt.
Einteilung Allgemein werden weltweit die börsennotierten Unternehmen in Größenklassen unterteilt, wobei die Betriebsgröße meist anhand der Umsatzerlöse gemessen wird.Petra Oetken, Die deutschen Small Caps, 2010, S. 45
Kriterium Small Cap Mid Cap Large Cap Größenklassen ≤ 100 Mio. € 100 Mio. – 2 Mrd. € > 2 Mrd. € Anzahl der Unternehmen 520 175 44 Marktkapitalisierung (allgemein) 11,32 Mrd. € 87,45 Mrd. € 581,63 Mrd. € Marktkapitalisierung (Streubesitz) 5,01 Mrd. € 36,42 Mrd. € 347,61 Mrd. €
In Deutschland überwogen im März 2009 demnach bei der Anzahl die Small Caps mit 520 Unternehmen, bei der Marktkapitalisierung lagen die Standardwerte vorne. Mehr als 94 % aller börsennotierten Unternehmen in Deutschland sind Small Caps und Mid Caps. Zu den Nebenwerten gehören die Mid Caps (in Deutschland im Börsensegment des MDAX), die Small Caps (in Deutschland z. B. SDAX-Teilnehmer) sowie die Micro Caps als Kleinstwerte, die in keinem Index vertreten sind. Hierunter fallen in der Regel auch sogenannte Pennystocks. Im TecDAX sind sowohl Standardwerte als auch Nebenwerte vertreten.
Wirtschaftliche Aspekte Die Aktienarten können nach ihrer Börsenkapitalisierung und Marktliquidität wie folgt eingeordnet werden:
Börsenbezeichnung Handelsvolumen Marktliquidität Standardwert hohe Börsenkapitalisierung hohe Marktbreite Wachstumswert mittlere Börsenkapitalisierung geringe Markttiefe Nebenwert geringe Börsenkapitalisierung Marktenge Pennystock sehr geringe Börsenkapitalisierung hohe Marktenge
Auswahl bekannter Nebenwerte : 120x40px 1&1 100x30px ADO Properties S.A. 120x40px Befesa 120x40px Deutz AG 120x40px Encavis AG 100x30px Fielmann 120x40px HYPOPORT AG 100x30px Indus Holding AG 120x40px Jenoptik 120x40px Jungheinrich : 120x40px BB Biotech 120x40px Bâloise 120x40px Clariant 120x40px DKSH 120x40px dormakaba 80x30px Georg Fischer AG 120x40px Helvetia Versicherungen 120x40px Lindt & Sprüngli 120x40px Panalpina 120x40px Straumann AG : 130x50px 3U Holding 120x40px TAG Immobilien 100x30px TUI In der Schweiz werden unter Nebenwerten jene Aktien verstanden, die zum Swiss-Small-and-Medium-Companies-Segment gehören und nicht im Swiss-Market-Index-Segment gelistet sind. Der Index SPI Extra bildet rund 180 Schweizer Nebenwerte ab.
Der von der MSCI ermittelte World Small Cap Index fasst die international wichtigsten Nebenwerte zusammen. Der MSCI World Small Cap Index umfasst 23 Industrieländer. Der größte Einzelwert im Index hat eine Marktkapitalisierung von 11 Mrd. US-Dollar, die des kleinsten beträgt hingegen lediglich 44 Mio. US-Dollar.Schroders (Hrsg.)/David Brett vom 26. April 2017, Small Caps vs. Large Caps: Bewertungen im Vergleich
International wie auch national sind die Begriffe Large Cap, Mid Cap und Small Cap nicht durch eindeutige Größenmerkmale gegeneinander abgegrenzt.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Aktie Kategorie:Börsenhandel Kategorie:Unternehmensart