Vaihingen an der Enz [] ist eine Stadt in Baden-Württemberg, etwa 24 Kilometer nordwestlich von Stuttgart und 20 Kilometer östlich von Pforzheim, an der Enz gelegen. Sie gehört zur Region Stuttgart und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Die Stadt bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Seit dem 1. Januar 1973 ist Vaihingen an der Enz Große Kreisstadt.

Geographie Geographische Lage Vaihingen liegt in 200 bis 450 Metern Höhe am Ende des Strohgäus, am Westrand des Neckarbeckens in einer Talweitung der Enz. Die Innenstadt liegt auf der Ostseite des Flusses und wird vom Schloss Kaltenstein überragt.

Das Stadtgebiet besteht aus 600 ha bebauter Fläche, 1592 ha Wald, 329 ha Rebfläche und 4116 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche. Die Stadt Vaihingen bezeichnet sich selbst als „Stadt zwischen Wiesen, Wald und Reben“. In der „Internationalen Stadt der Rebe und des Weins“ wird von jeher Weinbau betrieben und die Weinkultur gepflegt.

Nachbargemeinden Vaihingen grenzt im Norden an Sachsenheim, im Osten an Sersheim, Oberriexingen und Markgröningen, im Süden an Eberdingen. Diese Städte und Gemeinden gehören wie Vaihingen zum Landkreis Ludwigsburg. Im Westen grenzt Vaihingen an die zum Enzkreis gehörende Stadt Mühlacker und die Gemeinde Illingen sowie in einem schmalen Streifen im äußersten Nordwesten an Sternenfels.

Stadtgliederung Vaihingen an der Enz besteht aus den neun Stadtteilen (Einwohnerzahlen Stand Juni 2022 in Klammern) Aurich (1732), Ensingen (2550), Enzweihingen (3946), Gündelbach (1164), Horrheim (2678), Kleinglattbach (4566), Riet (957), Roßwag (1277) und Vaihingen an der Enz (10.826 Kernstadt). Die räumlichen Grenzen der Stadtteile sind identisch mit denen der früher selbstständigen Gemeinden gleichen Namens. Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Stadt und mit Bindestrich verbunden nachgestellt der Name der Stadtteile. Die neun Stadtteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung und mit Ausnahme des Stadtteils Vaihingen an der Enz sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und einem Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem eingerichtet. In den Ortschaften bestehen jeweils eigene Verwaltungsstellen.

Zum Stadtteil Aurich gehören das Dorf Aurich sowie die abgegangene Ortschaft »Auf Weiler«. Zum Stadtteil Ensingen gehören das Dorf Ensingen sowie die abgegangene Ortschaft Schweinemühl. Zum Stadtteil Enzweihingen gehören das Dorf Enzweihingen, der Weiler Pulverdingen, das Gehöft Leinfelder Hof und die Häuser Neumühle und Rieter Tal. Zum Stadtteil Gündelbach gehören das Dorf Gündelbach und die herzogliche Domäne Steinbachhof sowie die abgegangene Ortschaft Maninchoven. Zum Stadtteil Horrheim gehören das Dorf Horrheim sowie die abgegangenen Ortschaften Alten- und Jungenguckenhausen (möglicherweise identisch mit Gumboldeshusen). Zum Stadtteil Kleinglattbach gehört das Dorf Kleinglattbach. Zum Stadtteil Riet gehören das Dorf Riet sowie die abgegangene Ortschaft Wintergeislingen (möglicherweise mit Munigischinga identisch). Zum Stadtteil Roßwag gehören das Dorf Roßwag und das Haus Seemühle. Zum Stadtteil Vaihingen an der Enz gehört die Stadt Vaihingen an der Enz.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 459–466.

Raumplanung Vaihingen bildet ein Mittelzentrum in der Region Stuttgart, deren Oberzentrum Stuttgart ist. Zum Mittelbereich Vaihingen gehören noch die Stadt Oberriexingen und die Gemeinden Eberdingen und Sersheim, mit denen die Stadt Vaihingen an der Enz auch eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen ist.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Vaihingen an der Enz.

Natur

mini|Schloss Kaltenstein, vormals Burg Vaihingen mini|Vaihingen (1832) zwischen dem Kaltenstein und der Peterskirche: 600 Jahre nach ihrer Gründung hatte sich die Struktur der Stadt kaum verändert mini|Vaihingen um 1684 im Forstlagerbuch von Andreas Kieser mini|Vaihingen um 1720 von Gabriel Bodenehr mini|Vaihingen um 1900 (Postkarte)

Geschichte Bis zum Ende des Mittelalters Eine Besiedlung der Gegend um Vaihingen ist seit dem Frühneolithikum nachweisbar. Grabungen der vergangenen Jahre haben eine große Siedlung sowie zahlreiche Bestattungen der Linearbandkeramik (bandkeramische Kultur) freigelegt.Ausgrabung der bandkeramischen Siedlung

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts nach Beginn unserer Zeitrechnung drangen Alamannen in das römisch dominierte Neckarbecken ein und gründeten die meisten heutigen Ortschaften. Um 500 wurde das Gebiet um Vaihingen fränkisch, christianisiert und dem Bistum Speyer einverleibt. Bei der um 750 von Karlmann vorgenommenen Gliederung in Gaugrafschaften wurde Vaihingen dem Enzgau zugeordnetChristoph Friedrich von Stälin: Wirtembergische Geschichte, Band 1: Schwaben und Südfranken von der Urzeit bis 1080. Stuttgart/Tübingen 1841, S. 313 Digitalisat. und entwickelte sich zum Hauptort dieser Grafschaft. Dementsprechend stand der Vaihinger „Kirchherr“ bis zur Reformation dem Landkapitel Vaihingen des Archidiakonats Trinitatis im Bistum Speyer vor (siehe Karte).

Die erste urkundliche Erwähnung Vaihingens könnte schon 779 zusammen mit Grüningen und Hochdorf an der Enz in einer Urkunde über eine Schenkung des fränkischen Enzgau-Grafen Kunibert an das Kloster Fulda erfolgt sein.WUB Band II., Nr. NA, S. 437–438, online Es ist jedoch nicht zweifelsfrei geklärt, ob es sich dabei um Vaihingen an der Enz oder um das im Spätmittelalter abgegangene Vöhingen bei Schwieberdingen handelte. Der Stadtteil Riet wurde im Jahr 812 erstmals im Lorscher Codex urkundlich erwähnt.

Um 1230 legte Graf Gottfried von Vaihingen (1189–1234) zwischen der schon 1096 erwähnten Burg Vaihingen (dem heutigen Schloss Kaltenstein) und der dörflichen Siedlung bei der Peterskirche die Stadt Vaihingen an. 1252 wurde Vaihingen in einer Urkunde ausdrücklich als Stadt bezeichnet. Durch seine Ehe mit Agnes, Alleinerbin des edelfreien Belrein von Eselsberg, konnte Graf Konrad II. von Vaihingen territoriale Zugewinne am Rand des Strombergs verbuchen und die Schutzvogtei über Kloster Rechentshofen übernehmen, die er zur Familiengrablege machte. Die im Erbe inbegriffene Burg Eselsberg wurde später zum Hauptsitz der Grafen.

Nach dem Stadtbrand von 1291 verkauften die Vaihinger Grafen große Teile ihres Besitzes. Stadt und Burg Vaihingen kamen über den Markgrafen von Baden 1334 an die Grafen von Oettingen und 1339 an die Grafen von Württemberg. Vaihingen wurde württembergische Amtsstadt, 1758 Oberamtsstadt.

Frühe Neuzeit Unter Kaiser Karl V. wurde 1519 Herzog Ulrich von Württemberg aus seinem Land vertrieben. Neuer Landes- und somit auch Stadtherr war Kaiser Karl V., der Württemberg seinem Bruder Ferdinand abtrat. Mit Hilfe evangelischer Fürsten eroberte 1534 Herzog Ulrich sein Land zurück und führte die Reformation ein, Vaihingen wurde Sitz eines Dekanates. Im Schmalkaldischen Krieg (1546–1547) wurde Vaihingen 1547 von spanischen Truppen besetzt.

Durch einen Brand im Jahr 1617 wurde das Viertel zwischen Heilbronner Straße und Stuttgarter Straße zerstört. Ein Jahr später wurde das Wohnviertel hinter dem Rathaus samt Stadtkirche Opfer einen weiteren Brandes.

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) brachte auch in Vaihingen Not und Elend. Wechselweise waren Truppen der Protestanten und der Katholiken in Vaihingen einquartiert. Durch Plünderung und Requirierungen kamen Ackerbau und Handel zum Erliegen, es entstanden Hungersnöte. 1635 wütete die Pest, was die Einwohnerschaft weiter stark dezimierte. Es dauerte trotz Einwanderung vertriebener Protestanten lange, bis der Vorkriegsstand von etwa 1500 bis 1600 Einwohnern wieder erreicht wurde. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) wurde 1692 Vaihingen von den Franzosen geplündert und brannte 1693 fast vollständig ab. Innerhalb der Stadtmauern blieben nur etwa 20 Häuser von den Flammen verschont. Ab 1697 wurde die Stadtkirche wieder aufgebaut.

Im Jahr 1720 erfolgte der Wiederaufbau des Rathauses. Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714), des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) und in den Koalitionskriegen (1792–1815) marschierten immer wieder Truppen durch die Stadt oder wurden einquartiert. 1784 vernichtete ein Stadtbrand 30 Häuser.

19. Jahrhundert Zehn Jahre nach der 1806 erfolgten Gründung des Königreichs Württemberg und ein Jahr nach dem Ende der Befreiungskriege begann im Jahr ohne Sommer 1816 eine durch Missernten und Viehseuchen verursachte Hungersnot. Erst danach setzte ein allmählicher wirtschaftlicher Aufschwung ein. Die Stadt wurde zu klein. 1829 wurde im Nordosten ein neues Tor errichtet, im Norden entstand eine Vorstadt. In der Folge der Revolution von 1848 kam es zu einer Wirtschaftskrise, verursacht durch Missernten und Inflation. Dieses veranlasste viele zur Auswanderung.

Im Jahre 1853 wurde die Württembergische Westbahn Stuttgart–Bruchsal eröffnet. Der nächstgelegene Bahnhof „Vaihingen-Sersheim“ war jedoch drei Kilometer vom Zentrum entfernt. Gerade in der Epoche der Industrialisierung wirkte sich der fehlende zentral gelegene Bahnanschluss ans Netz der Württembergischen Eisenbahn negativ aus. Es kam zu Abwanderungen von Unternehmen und Bevölkerung.

20. Jahrhundert Erst mit der Eröffnung der Vaihinger Stadtbahn bekam Vaihingen 1904 Anschluss an das moderne Verkehrsnetz.

Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg wurden 1938 das Oberamt Maulbronn und das Oberamt Vaihingen zum Landkreis Vaihingen zusammengelegt. Vaihingen wurde Sitz dieses neuen Landkreises. Im unteren Glattbachtal wurde im Juli 1944 das Konzentrationslager Vaihingen errichtet. Es war formal ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof. Hier mussten mehrere hundert KZ-Häftlinge, vor allem polnische Juden aus dem Ghetto Radom unter katastrophalen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten. Ab November 1944 diente das Lager als »Kranken- und Erholungslager« für die rechtsrheinischen Außenlager von Natzweiler. In Wirklichkeit war es ein Sterbelager mit bis zu 33 Toten pro Tag. Von den Toten zeugt der KZ-Friedhof zwischen Vaihingen und Ensingen, auf dem Gedenksteine mit den Nummern 1–1488 aufgestellt sind. Im Arbeitshaus auf Schloss Kaltenstein waren bis zu 600 Männer als „Schutzhäftlinge“ untergebracht. Ein Mahnmal an der Außenmauer des Schlosses nennt 27 polnische, tschechoslowakische und deutsche Namen von Opfern.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 100 f. Am 8. April 1945 war für Vaihingen der Zweite Weltkrieg beendet, es marschierten die Franzosen ein.

Nach Kriegsende kam Vaihingen zur Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Mit den Wahlen zu Gemeinderat und Kreistag und zur Verfassunggebenden Landesversammlung für Württemberg-Baden 1946 begann der Aufbau der Nachkriegsordnung.

Am 25. Juli 1969 kam es in einer Tiefflugschneise zu einem Zusammenstoß von zwei Kampfflugzeugen vom Typ F-104 Starfighter der kanadischen Luftwaffe. Einer der Piloten kam bei dem Absturz ums Leben, der andere konnte sich mit dem Schleudersitz retten. Der Treibstofftank einer Maschine durchschlug dabei das Dach eines Wohnhauses in Mühlhausen (Mühlacker). Bei Rettungsversuchen wurden zwei Helfer durch eine Detonation schwer verletzt.