Die Minzen (Mentha) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae). Die meisten der je nach Quelle etwa 20 bis über 30 Arten sind in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel beheimatet; auf der Südhalbkugel (Australien und Afrika) kommen nur wenige Arten vor. Alle Minze-Arten gedeihen meist an feuchten Standorten.

Etymologie Der westgermanische Pflanzenname Minze (mittelhochdeutsch minz, althochdeutsch minza, englisch mint) beruht auf einer Entlehnung aus dem lateinischen Wort menta, das auch in Komposita wie calamentum und CalaminthaVgl. Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 165. gelangte. Dieses Wort wiederum wird in einen Zusammenhang mit der griechischen Nymphe Minthe gebracht.

Beschreibung mini|links|Pfefferminze (Mentha ×piperita), Illustration aus Koehler's Medizinalpflanzen 1887 mini|Polei-Minze (Mentha pulegium)

Vegetative Merkmale Minze-Arten sind aromatische und ausdauernde krautige Pflanzen mit unterirdischen Ausläufern oder Rhizomen. Sie besitzen meistens einfache oder verzweigte Haare (Trichome). Die aufrechten bis kriechenden Stängel können verzweigt sein. Die gegenständigen Laubblätter sind einfach und haben meistens einen gezähnten oder gesägten Rand. Ein Blattstiel kann vorhanden sein.

Generative Merkmale Die Blüten sind in überwiegend vielblütigen Scheinquirlen angeordnet, die unterbrochene Scheinähren mit laubigen Tragblättern oder dichte Scheinähren mit kleinen Hochblättern bilden.

Die mittelgroßen Blüten sind zwittrig bis funktional eingeschlechtig und zygomorph mit doppeltem Perianth. Funktional eingeschlechtige Blüten kommen bei vielen Arten häufig vor; besonders männlich-sterile Blüten treten bei bis zu 40 % oder sogar mehr Individuen einer Population auf. Die fünf ungleichen Kelchblätter sind röhrig bis glockenförmig verwachsen. Die fünf vorwiegend weißlichen bis rosafarbenen Kronblätter sind verwachsen und nur schwach zweilippig. Die Oberlippe ist meist so groß wie einer der drei Lappen der Unterlippe. Hierdurch scheint die Blüte fast regelmäßig vierspaltig. Es sind nur vier ungleiche Staubblätter vorhanden, die deutlich aus der Kronröhre herausragen. Die zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen; er ist durch falsche Scheidewände in vier Kammern gegliedert; jede der vier Kammern enthält nur eine Samenanlage. Der aus der Kronröhre herausragende Griffel endet zweiästig. Bei einigen Arten sind die Blüten vormännlich (Proterandrie).

Die Klausenfrucht zerfällt in vier kleine Klausen, die eiförmig bis kugelig sind mit einer glatten oder deutlich netzartigen Oberfläche.

Ökologie Die Bestäubung erfolgt meist durch kurzrüsselige Insekten wie Fliegen. Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Klausen, erfolgt über das Wasser (Hydrochorie).

Systematik und Verbreitung Die Gattung Mentha wurde 1753 durch Carl von Linné aufgestellt. Synonyme für Mentha sind: Preslia , Pulegium

Die meisten Arten sind in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel sowohl in Eurasien als auch in Nordamerika beheimatet; auf der Südhalbkugel in Australien und in der Capensis kommen nur wenige Arten vor. Einige Arten oder Kulturformen sind weltweit invasive Pflanzen.

mini|Wasser-Minze (Mentha aquatica) mini|Acker-Minze (Mentha arvensis) mini|Hirsch-Minze (Mentha cervina) mini|Ross-Minze (Mentha longifolia) mini|Korsische Minze (Mentha requienii) mini|Rundblättrige Minze (Mentha suaveolens)

Die Abgrenzung der Arten ist schwierig, denn sie neigen dazu, natürliche Hybriden (Bastarde) zu bilden. So kommt es zu einer Fülle von Synonymen, die man in botanischer und gartenbaulicher Literatur häufig findet. Es gibt etwa 25 bis 30 akzeptierte Arten: Mentha alaica : Die Heimat ist Zentralasien. Wasser-Minze (Mentha aquatica , Syn.: unter vielen anderen Mentha acuta , Mentha acutata , Mentha palustris ): Sie ist in Europa, Makaronesien, Afrika und Westasien bis Sibirien beheimatet. Acker-Minze (Mentha arvensis , Syn.: Mentha austriaca , Mentha gentilis et al.): Sie kommt zirkumpolar in den gemäßigten Zonen Nordamerikas und Eurasiens sowie mit Malesien im tropischen Asien vor. Beheimatet ist sie von Europa bis Kamtschatka und Nepal. Mentha asiatica (Syn.: Mentha longifolia var. asiatica () ): Die Heimat liegt in Vorderasien, dem südlichen Sibirien, in Zentralasien, im nördlichen Indien und nordwestlichen China. Mentha atrolilacina : Sie wurde 2010 aus dem südlichen Australien erstbeschrieben. Mentha australis (Syn.: Micromeria australis ): Die Heimat liegt in Australien. Mentha canadensis (Syn.: Mentha arvensis f. glabrata (, Mentha arvensis f. piperascens ex , Mentha arvensis var. glabrata , Mentha arvensis var. piperascens ex , Mentha haplocalyx , Mentha pedunculata & , Mentha sachalinensis () , Mentha terebinthinacea ex ): Die Heimat liegt in Nordamerika und vom zentralen und östlichen Sibirien bis China und Japan. Hirsch-Minze (Mentha cervina , Syn.: Mentha multifida , Mentha punctata , Preslia cervina () , Preslia glabriflora , Preslia villiflora und Pulegium cervinum () ): Sie ist in Frankreich, Spanien, Portugal, Marokko, Algerien und auf den Azoren beheimatet. Mentha cordifolia (wird von anderen Quellen als Synonym für Mentha × villosa geführt) Mentha cunninghamii (Syn.: Mentha consimils , Micromeria cunninghamii ): Die Heimat ist Neuseeland und die Chatham-Inseln. Mentha dahurica ex (Syn.: Calamintha ussuriensis & , Mentha origanoides ex (aus formalen Gründen ungültig)): Sie ist im südlichen und östlichen Sibirien, im südlichen Teil des Russischen Fernen Osten, in den nordostchinesischen Provinzen Heilongjiang, Jilin, Liaoning, Nei Mongol und in Japan verbreitet. Mentha darvasica : Die Heimat ist Tadschikistan. Mentha diemenica : Die Heimat ist das südliche und östliche Australien. Mentha gattefossei : Die Heimat ist Marokko. Mentha grandiflora : Die Heimat liegt im australischen Bundesstaat Queensland. Mentha haplocalyx (wird in manchen Quellen als Synonym für Mentha canadensis geführt) Mentha insularis (wird in manchen Quellen auch als Synonym für Mentha requienii oder Mentha suaveolens subsp. suaveolens geführt): Die Heimat sind die Mittelmeerinseln Sizilien, Sardinien, Korsika und die Balearen. Mentha japonica () (Syn.: Micromeria japonica ): Die Heimat sind die japanischen Inseln Hokkaidō und Honshū. Mentha laxiflora : Die Heimat liegt in den südostaustralischen Bundesstaaten New South Wales und Victoria. Ross-Minze oder Langblättrige Minze (Mentha longifolia () , Syn.: Mentha sylvestris ): Sie ist in Eurasien, Makaronesien und Afrika verbreitet. Verschiedene Autoren nennen Unterarten und Varietäten, ob diese derzeit akzeptiert sind, ist unklar. Die WCSP-Datenbank von 2003 nennt die folgenden Arten: Mentha longifolia var. amphilema : Sie kommt in Westasien vor. Mentha longifolia var. asiatica (Syn.: Mentha asiatica , Mentha kopetdaghensis , Mentha vagans ): Sie kommt von Westasien bis zum westlichen China vor. Sie hat bei anderen Autoren den Rang einer Art. Mentha longifolia var. austroafghanica : Sie kommt in Afghanistan vor. Mentha longifolia subsp. capensis : Kommt von Simbabwe bis ins südliche Afrika vor. Mentha longifolia var. chlorodictya : Sie kommt vom Kaukasus bis West- und Zentralasien vor. Mentha longifolia var. kermamensis : Sie kommt im Iran vor. Mentha longifolia var. kotschyana : Sie kommt in der östlichen Türkei und im Iran vor. Mentha longifolia subsp. longifolia: Kommt in Makaronesien, Europa, im Himalaja und im tropischen Afrika vor. Mentha longifolia var. muqarrabica : Sie kommt in Pakistan vor. Mentha longifolia subsp. noeana : Sie kommt in der Türkei vor. Mentha longifolia var. petiolata : Sie kommt vom nördlichen Irak bis zum nördlichen und westlichen Iran vor. Mentha longifolia var. schimperi : Sie kommt von der Sinaihalbinsel bis zur Arabischen Halbinsel vor. Mentha longifolia var. swatica : Sie kommt in Pakistan vor. Mentha longifolia subsp. typhoides : Kommt vom östlichen Mittelmeergebiet bis zum Iran vor. Mentha longifolia subsp. wissii : Kommt in Namibia und Südafrika vor. Mentha micrantha () (Syn.: Mentha pulegium var. micrantha ): Ist im südöstlichen, europäischen Russland, der nördlichen Kaukasusregion und dem nordwestlichen Kasachstan verbreitet. Mentha pamiroalaica : Die Heimat liegt in Zentralasien. Polei-Minze (Mentha pulegium , Syn.: Mentha albarracinensis , Mentha aromatica , Mentha aucheri , Mentha daghestanica , Mentha erinoides , Mentha exigua , Mentha gibraltarica , Mentha subtomentella , Pulegium vulgare und andere): Ist in Europa, Nordafrika, Vorderasien, Russland, Zentralasien, Pakistan und China verbreitet. Korsische Minze (Mentha requienii , Syn.: Audibertia parviflora () , Audibertia pusilla , Menthella obovata , Menthella requienii () , Pulegium parviflorum () , Thymus corsicus (ein formal ungültiger Name), Thymus parviflorus und manchmal auch Mentha insularis): Die Heimat sind Korsika, Sardinien und die italienische Insel Montecristo. Mentha royleana ex (wird auch als Synonym für Mentha longifolia subsp. hymalaiensis geführt; Syn.: Mentha afghanica , Mentha royleana var. afghanica () ): Ist von Afghanistan bis zum westlichen Himalaja verbreitet. Man kann fünf Varietäten unterscheiden. Mentha sachalinensis ( ex & ) (wird von anderen Quellen auch als Synonym für Mentha canadensis geführt): Ist in Japan, Russland und in den chinesischen Provinzen Heilongjiang, Jilin, Liaoning, Nei Mongol verbreitet. Mentha satureioides : Die Heimat ist das südliche und östliche Australien. Grüne Minze, Ähren-Minze oder Wald-Minze (Mentha spicata , Syn.: Mentha aquatica var. crispa () , Mentha cordifolia ex , Mentha crispa , Mentha crispata , Mentha lejeuneana , Mentha pudina ex , Mentha rosanii , Mentha crispa , Mentha spicata var. ciliata , Mentha spicata var. crispa () , Mentha spicata var. viridis , Mentha undulata , Mentha × villosa var. cordifolia ( ex ) , Mentha viridis () ): Ist in Europa, Nordafrika, Vorderasien, der Kaukasusregion, im zentralasiatischen Turkmenistan, in Pakistan, Nepal und China verbreitet. Mit zwei Unterarten: Mentha spicata subsp. condensata : Sie kommt im Mittelmeergebiet vor. Mentha spicata subsp. spicata: Sie kommt von Europa bis China vor. Rundblättrige Minze oder Wohlriechende Minze (Mentha suaveolens , Syn.: Mentha macrostachya , Mentha meduanensis & , Mentha rotundifolia auct.): Das Verbreitungsgebiet liegt in Europa, Makaronesien, Nordafrika, in der Türkei und in China. Mentha suaveolens subsp. suaveolens (Syn.: Mentha suaveolens subsp. insularis () , Mentha insularis ): Sie kommt in Makaronesien, in Europa und im Mittelmeergebiet vor. Mentha suaveolens subsp. timija () (Syn.: Mentha timija ): Die Heimat ist Marokko. Mentha ucrainica : Die Heimat ist die Ukraine.

Natürliche Hybriden Kärntner Minze (Mentha ×carinthiaca = Mentha arvensis × Mentha suaveolens): Die Heimat liegt in Ungarn, Frankreich und Spanien. In der belgisch-luxemburgischen Region gilt die Hybride als ausgestorben. Dalmatiner Minze (Mentha ×dalmatica = Mentha arvensis × Mentha longifolia) Gebüsch-Minze (Mentha ×dumetorum = Mentha aquatica × Mentha longifolia) Edel-Minze, Braune Minze, Nudel-Minze oder Birkenblättrige Ingwer-Minze (Mentha ×gracilis = Mentha arvensis × Mentha spicata, Syn.: Mentha × cardiaca ex , Mentha × gentilis auct.) Mentha ×kuemmerlei (Syn.: Mentha ×tutinii ) = Mentha aquatica × Mentha spicata × Mentha suaveolens: Die Heimat ist Ungarn. Mentha ×locyana = Mentha longifolia × Mentha verticillata: Die Heimat ist Ungarn. Mentha ×maximilianea = Mentha aquatica × Mentha suaveolens (Syn.: Mentha suavis ) Mentha ×muelleriana = Mentha arvensis × Mentha suaveolens (Syn.: Mentha carinthiaca auct.) Pfefferminze (Mentha ×piperita = Mentha aquatica × Mentha spicata, Syn.: Mentha lavanduliodora ined.):