mini|Württembergisches Loth (1859) mini|Bayerisches 4 Loth (vor 1870) prismatisch Das Lot (früher auch Loth geschrieben) ist eine Gewichtseinheit bzw. eine Maßeinheit der Masse, die hauptsächlich im deutschen Sprachgebiet und in Skandinavien gebräuchlich war.

Es wurde im Deutschen Reich 1868/69/72, in Österreich 1871/76 und in der Schweiz 1875/77 durch die metrische Maßeinheit Gramm abgelöst. Aber noch im frühen 20. Jahrhundert war es in Koch- und Backrezepten als volkstümliche Maßeinheit gebräuchlich.Margarete und Emma Doennig: Kochbuch. Selbstverlag der Kochschule der Ostpreußischen Haushaltungsschule, Königsberg, 6. Aufl. 1911, S. 1.

Als ungenaue, aber anschauliche Faustregel gilt, dass ein Lot etwa einem „Löffel voll“ entspricht.Wolfgang Schneider: Das Lot-Gewicht bei Paracelsus. In: Peter Dilg, Guido Jüttner, Wolf-Dieter Müller-Jahncke, Paul Ulrich Unschuld (Hrsg.): Perspektiven der Pharmaziegeschichte. Festschrift Rudolf Schmitz. Graz 1983, S. 325–330; hier: S. 329.

Altes Lot In Deutschland, Österreich und der Schweiz galt herkömmlich das folgende Gewichtssystem:

(Handels-)Pfund = 1 Lot = 4 Quentchen = 16 Pfenniggewichte = 32 Hellergewichte

Das Lot hatte – je nach der Definition des Pfundes – in den verschiedenen deutschen Ländern unterschiedliche Massen, die zusätzlich auch noch zeitlich verschieden waren. Seine Größe lag meist zwischen 14 g und 18 g. Einige Beispiele:

14,606 g vor Mai 1856 in Preußen, Anhalt, Hessen, Homburg, Frankfurt am Main, Lippe-Detmold, Schaumburg-Lippe, Mecklenburg-Strelitz, Nassau, Reuß, Sachsen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Coburg, Sachsen-Gotha, Sachsen-Weimar, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen, Waldeck und Württemberg 15,1 g in Mecklenburg-Schwerin 15,2 g in Lübeck 15,6 g in Baden, Bremen und dem Großherzogtum Hessen 15 g = 15,625 g in WürttembergDie Maasse und Gewichte von Württemberg gegenüber den Metrischen des Deutschen Reiches. 15,9 g in Sachsen-Meiningen 17,5 g in Österreich 17,6 g in Bayern

Neues Lot, Zoll-Lot, Postlot Das in Preußen am 27. Mai 1856 erlassene Gesetz „eines allgemeinen Landes-Gewichts“ für den deutschen Zollverein definierte die Gewichte neu:

1 Pfund = 0,5 kg Last = Center = Pfund = 1 Lot = 10 Quentchen = 100 Cent = 1000 Korn

1 Lot entsprach damit 16,666 g und zugleich einem Vereinstaler fein.

In Wertevergleichstabellen von gleichnamigen alten und neuen Maßeinheiten wurde dann ab 1856 in Preußen das Lot von vor 1856 (und auch andere Maßeinheiten) zur Unterscheidung häufig mit dem Vorsatz „Alt-“ und das neue, ab 27. Mai 1856 geltende Lot mit dem Vorsatz „Neu-“ oder auch „Zoll-“ versehen. Die Post sprach ab 1858 vom „Postlot“.Leopold Herzka: Der Bauratgeber. Handbuch für das gesamte Baugewerbe und seine Grenzgebiete. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-7091-9993-0, S. 4.Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 16, Leipzig 1908, S. 221.

Diese Gliederung der Gewichtseinheiten galt außer in Preußen auch in Anhalt, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Sachsen und den thüringischen Staaten.Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon. Elfte, umgearbeitete, verbesserte und vermehrte Auflage. Neunter Band: Konradin bis Mauer. Brockhaus, Leipzig 1866, S. 567 f., Stichwort Loth; ebd., elfter Band: Occupation bis Prämie. Brockhaus, Leipzig 1867, S. 634, Stichwort Pfund.

In Nordwestdeutschland hingegen wurde das Einheitensystem zur gleichen Zeit stärker an das metrische angepasst. So wurde in Braunschweig, Bremen, Hamburg, Hannover, Lübeck, Oldenburg und Schaumburg-Lippe das Lot als zehnter Teil des Zollpfunds = 50 g definiert. In den übrigen Staaten blieb das Pfund in 32 Lot eingeteilt.

In Österreich und Bayern gab es zeitweise ein „metrisches Lot“ zu 10 g (1888 gesetzlich aufgehoben). In Österreich, Tschechien und Polen lebt dieses metrische Lot als Dekagramm bis heute weiter.

Volumenmaß

Lot war auch ein französisches Volumenmaß für Flüssigkeiten in der Region um Lille. 1 Lot = Seidel (Wiener) = 114 Pariser Kubikzoll = 2,2613 LiterJurende’s vaterländischer Pilger. Geschäfts- und Unterhaltungsbuch für alle Provinzen des österreichischen Kaiserstaates, allen Freunden der Kultur aus dem Lehr-, Wehr- und Nährstande, vorzüglich allen Natur- und Vaterlands-Freunden geweiht, Band 21, Winiker, Brünn 1834, S. 179.

Siehe auch Lot als Verhältnismaß unter Lot (Feingehalt) Geschichte von Maßen und Gewichten Kaffeelot Unze (= 2 Lot) Quentchen (1/4 bzw. 1/5 Lot)

Literatur Literarisch wird das Lot u. a. im Märchen vom tapferen Schneiderlein () und im Schlussteil der Geschichte vom Suppenkaspar aus dem Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann verwendet ().

Wolfgang Trapp: Kleines Handbuch der Maße, Zahlen, Gewichte und der Zeitrechnung. Verlag Philipp Reclam, Stuttgart 1992, ISBN 3-15-008737-6. Walter Gellert u. a.: Kleine Enzyklopädie Natur. Verlag VEB Leipziger Druckhaus und Offizin Andersen Nexö Leipzig, 1962. Johann Christian Gädicke: Berliner Ausrechner von kleinen zu großen Preisen… Ernst’sche Buchhandlung Quedlinburg, Berlin 1858.

Einzelnachweise

Kategorie:Altes Maß oder Gewicht Kategorie:Masseneinheit