Die Vuelta a España 1935 war die 1. Austragung der spanischen Grand Tour und fand vom 29. April bis zum 15. Mai 1935 im Rahmen von 14 Etappen statt. Insgesamt wurde über einen Zeitraum von 17 Tagen eine Distanz von 3.425 Kilometern zurückgelegt. Das Etappenrennen wurde in der spanischen Hauptstadt Madrid gestartet und ging dort auch zu Ende. Von den 50 Startern (darunter 32 Spanier) erreichten 29 Teilnehmer das Ziel.
Der Gesamtsieger Gustaaf Deloor absolvierte die Distanz in einer Zeit von rund 120 Stunden, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27,204 km/h entspricht. Der Belgier übernahm das orange-farbige Führungstrikot auf der 3. Etappe und verteidigte dieses anschließend bis Madrid. Platz zwei in der Gesamtwertung ging an den Spanier Mariano Cañardo (+12:33 min), gefolgt von dem Belgier Antoine Dignef (+19:15 min), der die Auftaktetappe gewann und somit der erste Gesamtführende der Spanien-Rundfahrt war.
Neben der Gesamtwertung wurde auch eine Bergwertung ausgetragen, die der Italiener Edoardo Molinar punktegleich vor seinem Landsmann Luigi Barral gewann. Insgesamt standen zehn Bergwertungen auf dem Programm, wobei bei jeder Passage die ersten zehn Fahrer punkteten. Der Sieger einer Bergwertung erhielt 10 Punkte, während die restlichen Punkte absteigend vergeben wurden. Die erste Bergwertung wurde auf der Alto de Léon (1556 m) in der Nähe von Madrid auf der ersten Etappe ausgefahren. Träger des ersten Bergtrikots war der Schweizer Leo Amberg.
Etappenübersicht Etappe Datum StreckeTyp km 25x25px|Etappensieger Etappensieger 20px|Orangenes Trikot Gesamtführender 20px|Bergwertungsrikot Bergwertung1. Etappe29. AprilMadrid – ValladolidMittelgebirgsetappe185 Antoine Dignef Antoine Dignef Leo Amberg2. Etappe30. MaiValladolid – SantanderFlachetappe251 Antonio Escuriet Antonio Escuriet Luigi BarralRuhetag3. Etappe2. MaiSantander – BilbaoHochgebirgsetappe199 François Adam Gustaaf Deloor4. Etappe3. MaiBilbao – San SebastiánHochgebirgsetappe235 Antoine Dignef5. Etappe4. MaiSan Sebastián – SaragossaMittelgebirgsetappe264 Mariano Cañardo6. Etappe5. MaiSaragossa – BarcelonaFlachetappe310 Antoine DignefRuhetag7. Etappe7. MaiBarcelona – TortosaFlachetappe188 Antonio Montes8. Etappe8. MaiTortosa – ValenciaFlachetappe188 Max Bulla9. Etappe9. MaiValencia – MurciaFlachetappe265 Salvador Cardona10. Etappe10. MaiMurcia – GranadaMittelgebirgsetappe285 Max Bulla11. Etappe11. MaiGranada – SevillaFlachetappe260 Gustaaf DeloorRuhetag12. Etappe13. MaiSevilla – CáceresMittelgebirgsetappe270 François Adam13. Etappe14. MaiCáceres – ZamoraMittelgebirgsetappe275 Edoardo Molinar14. Etappe15. MaiZamora – MadridHochgebirgsetappe250 Gustaaf Deloor Edoardo Molinar
Etappen 1. Etappe (Madrid – Valladolid, 185 km)
Die erste Etappe der Vuelta a España wurde am 29. April um 8:44 in der spanischen Hauptstadt Madrid gestartet und führte nach Valladolid. Nachdem Las Rozas de Madrid, Torrelodones und Collado Villalba durchfahren wurden, folgte nach rund 60 Kilometern mit der Alto de Léon (1556 m) die erste Bergwertung der Spanien-Rundfahrt. Diese gewann der Schweizer Leo Amberg und sicherte sich so als erster Fahrer das Bergtrikot. Amberg absolvierte auch die Abfahrt an der Spitze des Rennens und fuhr als erster Fahrer in Villacastín ein. Wenig später wurde der Ausreißer jedoch eingeholt und kurz vor Labajos lösten sich der Belgier Antoine Dignef und der Spanier Mariano Cañardo vom Hauptfeld. Auch François Gardier wollte den beiden folgen, erlitt jedoch einen Rahmenbruch, den er unter Tränen reparierte. Auch Mariano Cañardo fiel nach einem Reifenschaden, der sich bei einem Bahnübergang ereignete, zurück. Der Spanier konnte, nachdem er den Schaden behoben hatte, jedoch in Mojados kurz vor dem Ziel wieder zu Antoine Dignef aufschließen. Beim Zielsprint in Valladolid unterlag er jedoch, nachdem er zuvor eine Lücke von zwei Minuten zugefahren war. Antoine Dignef gewann nicht nur die erste Vuelta-a-España-Etappe, sondern sicherte sich auch als erster Fahrer das Führungstrikot der Rundfahrt, das orange gefärbt war. Die ersten Verfolger erreichten das Ziel mit einem Rückstand von rund zwei Minuten. Ergebnis der 1. Etappe PlatzFahrerZeit1. Antoine Dignef5:58:12 h (30,99 km/h)2. Mariano Cañardo"3. Marinus Valentijn + 1:48 min4. Manuel Capella"5. Luigi Barral + 1:59 min Plätze 5 bis 19 mit der gleichen ZeitGesamtwertung nach der 1. Etappe PlatzFahrerZeit1. Antoine Dignef5:58:12 h (30,99 km/h)2. Mariano Cañardo"3. Marinus Valentijn + 1:48 min4. Manuel Capella"5. Luigi Barral + 1:59 min 50 Fahrer im Ziel
2. Etappe (Valladolid – Santander, 251 km)
Als erster Fahrer verließ der Spanier Santiago Mostajo die Rundfahrt und startete bei der zweiten Etappe, die von Valladolid nach Santander führte, nicht. Auf dem kastilischen Hochland (Meseta), fuhr das Fahrerfeld geschlossen durch Dueñas und Venta de Baños, in der dreihundert Peseten an den ersten Fahrer und ersten spanischen Fahrer vergeben wurden. Beim Sprint um das Preisgeld kam es zu einem Sturz, bei dem sich der Spanier Manuel Capella schwer verletzte. Mit Léon Louyet, Max Bulla und Marinus Valentijn stürzten drei weitere Fahrer, die das Rennen jedoch fortsetzen konnten. Nach Palencia ging es weiter nach Reinosa, wo die Fahrer das Hochplateau verließen und bergab Richtung Küste fuhren. In der Abfahrt kam es zu mehreren Angriffen und der Spanier Salvador Cardona erreichte Torrelavega mit einem Vorsprung von rund zwei Minuten auf seine ersten Verfolger. In der Steigung der Alto de Pajosa wurde er jedoch von seinem Landsmann Antonio Escuriet eingeholt, der anschließend die Bergwertung mit einem Vorsprung von rund einer halben Minute überquert. Auf den letzten Kilometern baute der Spanier seine Führung weiter aus und gewann schlussendlich mit über zwei Minuten Vorsprung auf Salvador Cardona. Platz drei ging an den Belgier Gustaaf Deloor, der einen Rückstand von über dreieinhalb Minuten aufwies. Ergebnis der 2. Etappe PlatzFahrerZeit1. Antonio Escuriet8:43:37 h (28,76 km/h)2. Salvador Cardona + 2:12 min3. Gustaaf Deloor + 3:41 min4. Emiliano Álvarez + 10:03 min5. Edoardo Molinar + 14:09 min Plätze 5 bis 33 mit der gleichen ZeitGesamtwertung nach der 2. Etappe PlatzFahrerZeit1. Antonio Escuriet14:43:47 h2. Gustaaf Deloor + 3:41 min3. Antoine Dignef + 12:11 min4. Mariano Cañardo"5. Marinus Valentijn + 14:09 min 47 Fahrer im Ziel
3. Etappe (Santander – Bilbao, 199 km)
Die dritte Etappe kann als die erste Bergetappe der Spanien-Rundfahrt angesehen werden, da sie über mehrere Pässe des Kantabrischen Gebirges führte. Wenige Kilometer nach dem Start in Santander griff Leo Amberg in Astillero an und nahm mit dem Puerto de Alisas (680 m) den ersten Anstieg des Tages in Angriff. Der Schweizer war als erster bei der Bergwertung, wurde jedoch auf dem anschließenden Anstieg des Collado del Asón von dem Spanier Fermín Trueba und dem Italiener Luigi Barral überholt. Die zweite Bergwertung wurde auf dem Puerto de la Sia abgenommen, der mit 1227 Metern Höhe der höchste Punkt der Etappe war. Fermín Trueba überquerte den Pass als erster, kam jedoch in der Abfahrt zu Sturz, als sein Rad brach. Der Spanier erlitt eine Kopffraktur, wartete jedoch bis ihm einer seiner Brüder ein neues Rad gab und beendete die Etappe mit einem Rückstand von rund einer Stunde. Wenig besser erging es Luigi Barral, der allein über das Hochplateau zum Puerto de Tornos (918 m) gefahren war und zwischenzeitlich die Abfahrt nach Ramales de la Victoria absolviert hatte. Nachdem der Italiener die Küste bei Laredo erreicht hatte, verlor er aufgrund eines Platten viel Zeit in Muskiz und musste zusehen, wie die Verfolgergruppe an ihm vorbei fuhr. Mit Gustaaf Deloor, Edoardo Molinar, Antoine Dignef, Mariano Cañardo, Vicente Trueba und Paolo Bianchi fuhren sechs Fahrer auf den finalen Rundkurs in Bilbao ein, der viermal absolviert werden musste. Mariano Cañardo dachte, nach der dritten Runde gewonnen zu haben. Der Spanier freute sich jedoch zu früh und musste sich anschließend im Sprint am Ende der vierten und letzten Runde mit Platz vier begnügen. Der Sieg ging an den Belgier Gustaaf Deloor, der auch die Gesamtführung übernahm, da der Träger des orangen Trikots, Antonio Escuriet, mehr als eine halbe Stunde verlor. In der Gesamtwertung führte Gustaaf Deloor nun mit einem Vorsprung von rund acht Minuten. Ergebnis der 3. Etappe PlatzFahrerZeit1. Gustaaf Deloor6:43:09 h (29,62 km/h)2. Edoardo Molinar "3. Antoine Dignef "4. Mariano Cañardo "5. Vicente Trueba " 6. Platz mit der gleichen ZeitGesamtwertung nach der 3. Etappe PlatzFahrerZeit1. Gustaaf Deloor21:30:37 h2. Antoine Dignef + 8:30 min3. Mariano Cañardo "4. Vicente Trueba + 10:28 min5. Edoardo Molinar + 10:38 min 42 Fahrer im Ziel
4. Etappe (Bilbao – San Sebastián, 235 km)
Die vierte Etappe führte erneut ins gebirgige Hinterland. Auf den ersten 30 flachen Kilometer, die vom Startort Bilbao nach Durango führten, erlitten mehrere Fahrer aufgrund der schlechten Straßenbedingungen Reifenschäden. Salvador Cardona war gleich dreimal betroffen und fuhr hinter dem Peloton und den ersten Anstieg den Puerto de Urkiola ein, der mit einer Höhe von 713 Metern der höchste Punkt der Etappe war. Nach einer kurzen Abfahrt erreichten die Fahrer erneut die Meseta, auf der sie über Otxandio nach Vitoria-Gasteiz fuhren. In der Hauptstadt des Baskenlandes, änderte sich die Fahrtrichtung und es ging über Mondragón bergab nach Vergara. Im Anschluss folgte der Anstieg der Alto de Elgeta (565 m), auf der eine weitere Bergwertung abgenommen wurde. Die Anfahrt führte nach Elorrio, ehe es auf flachen Straßen durch Eibar ging. Bei Deba erreichten die Fahrer die Küste, der sie bis Orio folgten. Dem Oria entlang führte die Strecke ins Umland von San Sebastián. Mittlerweile hatte sich eine siebenköpfige Spitzengruppe gebildet, die Antoine Dignef, Edoardo Molinar, François Adam, Mariano Cañardo, Gustaaf Deloor, Paolo Bianchi und Luigi Barral vertreten waren. Die Fahrer umrundeten den Zielort und fuhren zunächst durch Hernani und Errenteria, ehe es zum Zielsprint kam, in dem sich Antoine Dignef durchsetzte und so seinen zweiten Etappensieg feierte. Gustaaf Deloor verteidigte als fünfter seinen Gesamtführung. Fermín Trueba ging nach seinem Sturz am Vortag nicht an den Start. Die vierte Etappe wurde zudem von technischen Defekten und Stürzen geprägt. Während Emiliano Álvarez mit einem Brotwagen kollidierte, brach die Radgabel von Americo Tuero, die er mit einem Seil reparierte. Ergebnis der 4. Etappe PlatzFahrerZeit1. Antoine Dignef7:28:49 h (31,42 km/h)2. Edoardo Molinar "3. François Adam "4. Mariano Cañardo "5. Gustaaf Deloor " Plätze 5 bis 7 mit der gleichen ZeitGesamtwertung nach der 4. Etappe PlatzFahrerZeit1. Gustaaf Deloor28:59:26 h2. Antoine Dignef + 8:30 min3. Mariano Cañardo "4. Edoardo Molinar + 10:38 min5. Luigi Barral + 19:03 min 36 Fahrer im Ziel
5. Etappe (San Sebastián – Saragossa, 264 km)
Die fünfte Etappe wurde maßgeblich von Regen und Kälte geprägt. Bei immer schlechter werdenden Bedingungen startete das Peloton in San Sebastián. Bald begann die Straße zu steigen und führte auf die Alto de Azpíroz (617 m), wo sich Luigi Barral die meisten Punkte im Kampf um die Bergwertung sicherte. Auf der weiteren Fahrt auf der Meseta, die durch Pamplona, Tafalla und Tudela großen Anzahl an Zuschauern durch und sorgte für den zweiten spanischen Etappensieg. Gustaaf Deloor verteidigte die Gesamtführung, während mit Vincent Trueba einer der bestplatzierten Fahrer das Rennen aufgab. Die Fahrer, die das Ziel erreichten, wurden als Helden gefeiert, da sie dem Regen und der Kälte für über neun Stunden getrotzt hatten. Berichten zufolge suchten manche Fahrer während der Etappe Unterschlupf in Häusern, um sich kurz mit heißem Kaffee aufzuwärmen. Ergebnis der 5. Etappe PlatzFahrerZeit1. Mariano Cañardo9:01:23 h (29,26 km/h)2. Gustaaf Deloor "3. François Adam "4. Antoine Dignef "5. Salvador Cardona " 6. Platz mit über 2 Minuten RückstandGesamtwertung nach der 5. Etappe